kind zu schüchtern?

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Forum: Kleinkind

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Beitrag von bo05 10.12.09 - 21:28 Uhr

hallo an alle,
meine kleine ist ausgesprochen zurückhaltend. seit ein paar tagen ist sie in einem kinderladen (fast ganztägig) und die tagesmutter meinte, dass sie so etwas schüchternes noch nicht gesehen hat. sie ist zwar unkomplziert und pflegeleicht, aber sehr zurückhaltend. deshalb mache ich mir sorgen. an und für sich ist das zwar als wesenszug akzeptabel, nur es kann leicht passieren, dass sie dann von irgendwem geärgert wird und sie wird es wohl schwer haben, kontakte zu knüpfen.
ich war selber ein sehr zurückhaltendes kind und weiss, wovon ich rede, habe von kleinen schikanen, bis hin zu miesestem mobbing und außenseiter-sein alles durch. das war für mich kaum zu ertragen und lange wollte ich deshalb keine eigenen kinder, nur ich dachte immer, das so etwas erziehungsbedingt ist. meine kleine ist jetzt gerade 2 und ich hoffe, dass ich da noch irgendwie gegensteuern kann, weil ich es nicht ertragen kann, dass sie ähnliches erleben wird wie ich. die frage ist nur, was man machen kann? hat jemand ähnliches erlebt oder eine idee?
danke im voraus für jede antwort und einen schönen abend noch!
lg

bo

Beitrag von sunflower.1976 10.12.09 - 22:03 Uhr

Hallo!

Mein Sohn (4,5 Jahre) ist auch eher zurückhaltend. Es ist in den letzten Monaten deutlich besser geworden, früher war es stärker.

Ich war als Kind auch sehr schüchtern und habe oft drunter gelitten. Ich merke aber auch, dass mein Sohn anders ist als ich damals. Er weiß sehr genau was er will und findet seinen Weg, für sich und seine Bedürfnisse zu sorgen. Er ist - außer bei uns zuhause - sehr ruhig.
Aber im KiGa ist er trotz allem bisher kein Außenseiter. Er ist voll integriert, auch wenn er kein Kind ist, dass überall lautstark mitmischt. Es gibt sicher Situationen, in denen er den Kürzeren zieht.

Ich denke, wichtig ist, das Kind nicht zu irgendetwas zu zwingen. Das fand ich früher ganz schrecklich und habe mich dann erst recht zurück gezogen. Meine Mutter hatte mich z.B. zur Musikschule angemeldet. Aber dort musste man manchmal alleine etwas vor der ganzen Gruppe machen. Meine Mutter meinte es gut und wollte, dass ich meine Scheu überwinde. Aber dadurch wurde es eigentlich nur schlimmer. Daher vermeide ich solche Sachen bei meinem Sohn.
Ich würde gar nicht so arg auf die Schüchternheit eingehen oder irgendwie darüber sprechen.
Wenn jemand gesagt hat: "Oh, Du bist aber schüchtern, wenn Du Dich so bei der Mama versteckst!" habe ich versucht, ihn in Schutz zu nehmen bzw. alles ein bißchen abzuschwächen. Ich habe gehofft, dass er sich dann auch noch von mir "verraten" fühlt sondern eben Unterstützung bekommt. Aber ich bin nicht stark drauf eingegangen. Wenn er zum Beispiel seinen Kopf bei mir versteckt hat, habe ich ihn gelassen, aber nicht noch meine Arme schützend um ihn gelegt.

Deine Tochter ist gerade mal seit ein paar Tagen bei der Tagesmutter. Lass ihr Zeit! Durch den regelmäßigen Kontakt mit den anderen Kindern hat sie die Chance, viel zu lernen. Hoffentlich ist die Tagesmutter in der Lage, sie langsam an die anderen Kinder heranzuführen und sie zu unterstützen, Kontakte zu knüpfen.

LG Silvia

Beitrag von mysterya 10.12.09 - 22:43 Uhr

Du kannst aus dem liebevollsten Haushalt der Welt kommen und trotzdem schüchtern sein. Schüchterheit oder Introvertiertheit ist grundsätzlich ein Wesenszug. Dein Kind wird wahrscheinlich nie besonders den Mittelpunkt lieben. Aber weißt du, ich bin selber so und finde es gar nicht so schlimm. Sicher ist das Risiko für Ausgrenzung höher, aber das kommt auch auf das Kind an, wie es damit umgeht und darauf reagiert, ob es sich in die Opferrolle fügt oder nicht und DAS ist Erziehungssache.

Es gibt kein Kind, dass zu schüchtern für das leben ist, es gibt nur schüchterne Kinder, die es immer ein bisschen schwerer haben in Sachen sozialkontakte, aber es ist nicht unmöglich!

Ermutige dein Kind zu einem offenerem Umgang mit Menschen. Sprich selbst ungezwungen mit weniger bekannten Leuten, ladet Leute in euer haus ein, geht nach draußen, wo was los ist. Konfrontiere sie mit Menschen! Ermutige sie zu Freundschaften! Lass sie viele Kontakt zu Gleichaltrigen haben.

Gerade schüchterne Menschen brauchen ganz viele Anreize zu Sozialkontakten und du musst sie darin unterstützen und ermutigen, diese zuzulassen. Du musst bedingunglos an sie glauben und ihr das immer wieder sagen. Du solltest Sachen mit ihr unternehmen, die auch ihren mut heraus fordern und ihr Selbstvertrauen stärken.

Du solltest ihr zeigen, dass es nicht schlimm ist, mal in etwas unsicher zu sein ode nicht zu wissen wie man auf jemanden zu geht, man muss es nur versuchen. Wenn sie größer wird, gib ihr kleine Aufgaben, wo sie mit anderen Menschen konfrontiert wird. Z.B. Brötchen vom Bäcker holen oder beim Einkaufen, der Kassiererin das Geld geben. Je selbstverständlicher der Umgang mit anderen menschen wird, desto weniger Angst wird sie haben sich auch mal zu öffnen.

Es verlangt allerdings viel Arbeit, gerade auch an dir selbst, wenn Du schüchtern bist, denn Du lebst es ihr vor. Sie spürt viellicht oft deine Ängste und Unsicherheiten? Wie gesagt, ich bin selbt im Grunde ein schüchterner Mensch, aber habe auch schon viel erlebt und bin dadurch offener geworden. Ein grund für meine Schüchternheit war, dass man mir im verlauf auf Grund meines ruhigen zurück haltenden Wesens weniger zugetraut hat und mich deswegen aus solchen unangenhemen ituationen rausgehalten hat, gerade die braucht man aber. Man muss sich überwinden und ins Wasser hüpfen, auch wenn es einem nicht so angenehm ist. und das muss sie lernen, dann kommt sie auch leichter durchs Leben als du in deiner Kindheit.