Probleme beim Schreiben - es wird nicht wirklich besser

Archiv des urbia-Forums Leben mit Handicaps.

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Forum: Leben mit Handicaps

Stolpersteine im Leben sind manchmal überwindbar, manchmal muss man sich mit ihnen arrangieren. Hier ist der Ort, um darüber zu sprechen: Entwicklungsverzögerung beim Kind, ADHS, das Down-Syndrom, Spina Bifida, Leben im Rollstuhl ...

Beitrag von pittjes 14.12.09 - 14:18 Uhr

Hallo,
mein Sohn (8) ist Anfang des Jahres in die 1. Klasse zurückgesetzt worden, weil er eben einfach noch nicht so weit war - sagte die Klassenlehrerin. Er hatte von Anfang an Probleme mit der Rechtschreibung und dem Lesen und dem Begreifen, was er gelesen hatte.

Nun ist er also Ende des 1. Hlbj. 2. Klasse. Das Lesen geht jetzt besser, wir üben jeden Tag etwas. Und er weiß jetzt auch, was er gelesen hat. Aber das Schreiben!! Wenn ich ihn frage, wie z. B. "Flaschengeist" geschrieben wird, kann er mir das mündlich richtig sagen. Soll er aber das gleiche Wort schreiben, dann würde sowas wie "Faschngeist" bei rauskommen. Mündlich buchstabieren geht (fast) immer, aber selbst in einem abgeschrieben, 5-Sätze-Text wimmelt es von Rechtschreibfehlern. Von der Lehrerin habe ich noch nichts gehört, außer, dass alles ok wäre. Da weiß ich aber nicht, ob sie mich "schonen" will, weil mein Sohn derzeit große gesundheitliche Probleme hat. Ich warte ja nur drauf, dass es irgendwann Mitte des nächsten Schuljahres ist und dann kommt auf einmal der große Knall......

Bevor wir ihn haben zurücksetzen lassen, ist - von uns "unbemerkt" - ein LRS-Test mit ihm in der Schule gemacht worden. Ich habe den hinterher gesehen und ... nix geschnallt. Jedenfalls meinte die alte Klassenlehrerin, jupp, er hätte eine LRS - die neue Lehrerin meinte, das sei ja Auslegungssache. Jedenfalls geht er nun in die LRS-Förderung (ist aber leider nur eine halbe Std. einmal in der Woche).

Was meint ihr, muss ich was und wenn ja, was unternehmen?

Viele Grüße
pitti

Beitrag von manavgat 14.12.09 - 15:38 Uhr

Wende Dich unbedingt an ein SPZ (sozialpädiatrisches Zentrum, meist einer Uniklinik angeschlossen). Vorteil: Diagnoseverfahren und (eventuelle) Therapie zahlt die Krankenkasse. Leider kann die Wartezeit bis zu 6 Monate betragen.

Gruß

Manavgat

Beitrag von pittjes 14.12.09 - 15:59 Uhr

Hallo Manavgat,

bei manchen Themen sind es immer die selben Antwortgeber - als ich zur gleichen Zeit im letzten Jahr auch schon ähnliche Probleme hatte, hast du mir auch geantwortet *lächel*.

Wir waren von Anfang 2008 bis Sommer 2008 im SPZ unseres Stadtkrankenhauses. Dort wurde auch so einiges festgestellt, aber LRS oder so wurde dort nicht getestet. Ich möchte dort auch nicht jetzt wieder anrufen, weil wir mit diesem SPZ furchtbar schlechte Erfahrungen gemacht haben (Terminvergabe, Freundlichkeit, Organisation, Berichterstattung.....) Bei unserem Sohn wurden dort Absencen festgestellt (Folge: Medikamenteneinstellung) und Konzentrationsschwierigkeiten. Man schlug uns vor, er solle am Marburger Training teilnehmen. Da war ich sehr für. Aber erst nachdem ich über mehrere Monate dort immer mal wieder nachgefragt hatte (am Juli 2008) bekam ich im Januar 2009 dann den Anruf, jetzt könne er teilnehmen.... da hatte ich aber Epilepsiemäßig schon ganz andere Sorgen und war ja eh über die Leutchen dort verärgert. Wir sind dann in ein anderes SPZ gewechselt, dort wurden nur noch die Absencen "beachtet" und man stellte sich dann die Frage, ob er viell. ADHS hätte (vollkommen abwegig).

Wir sind nun, seit dem ersten GrandMal im Juni d. J., in einer Epilepsieambulanz im Krankenhaus in Behandlung. Kann ich jetzt "zeitgleich" wieder ein anderes SPZ aufsuchen oder gibt es vielleicht übers Krankenhaus (Päd-Neurologie u. ä.) eine Möglichkeit, die du kennst? Mir graut es ehrlich gesagt davor.... wieder die ganzen Termine und alles.....

Viele Grüße
pitti

Beitrag von manavgat 14.12.09 - 16:11 Uhr

Hallo Pitti,

Du könntest alternativ, wenn es nur um die (angebliche) LRS geht, auch die Schulpsychologin (örtliches Schulamt) um Rat und Diagnose bitten.

Ich frage mich halt, ob es angesichts der allgemeinen Gesundheit Deines Sohnes wirklich soooo entscheidend ist, wann er Lesen lernt. Kinder haben ihren eigenen Rhytmus und von ein paar Wochen bis zu 2 Jahren ist alles im Normbereich.

Es müsste sowieso anstatt: "das-Kind-ist-Lese-Recht-schreib-schwach" heißen "die-Schulen-sind-lehrschwach". Aber das wird ja leider nicht per Rezept behandelt....

LG

Manavgat

Beitrag von lina2 14.12.09 - 20:45 Uhr

Hallo,

ich kann dir nur sagen, ich hatte als Kind das gleiche Problem und auch jetzt habe ich noch manchmal Probleme bei der Rechtscheibung und dem lesen.
Du musst dich unbedingt beraten lassen. Ich damals wurde bei einem Kinderpsychologen auf Legastenie getestet und noch einiges mehr. Sollte er es auch haben, bekommt er in der Schule mehr Zeit für Schulaufgaben usw.
Man kann dann viele Übungen machen, die weiter helfen.
Es gibt sogar extra Schulen dafür.
LRS in der Schule finde ich bringt garnichts.
Ist nur meine persönliche Meinung.

liebe grüße

Beitrag von zanadu 17.12.09 - 08:02 Uhr

Hallo, also ich bin Lesemutter in zwei Zweitenklassen. also fliesend Lesen können noch nicht alle Kinder. Auch mit dem verstehen hapert es noch bei vielen.
Die Rechtschreibung ist bestimmt noch bei vielen Kinder nicht so gut.
Den Fehler den du beschrieben hast , ist doch typisch für viele Kinder die nach Gehör schreben.
Aber eine guter Test kann bestimmt nicht schaden. Hört und sieht er den gut?

Beitrag von muellerin 17.12.09 - 14:30 Uhr

Hallo.
Ich arbeite bei einem Psychiater und eines unserer Hauptthemen ist die Diagnostik bei Lese/Rechtschreib Schwierigkeiten. Zur Diagnostik gehören dazu ein IQ-Test (um die Differenz zu den Fähigkeiten im Lesen und Schreiben festzustellen), ein Konzentrationstest (weil eine Aufmerksamkeitsstörung oft zugrunde liegt) und natürlich ein Lese/ Rechtschreibtest. Eine aussagekräftige Diagnostik kann frühestens ab der 2. Klasse gemacht werden. Wende dich doch an einen Kinder- und Jugendpsychiater, da ist das eine Routineuntersuchung. Eine Therapie wird übrigens nur dann von der Krankenkasse bezahlt, wenn mit dem § 35a argumentiert werden kann. Das ist dann der Fall, wenn das Kind aufgrund seiner LRS von seelischer Behinderung bedroht ist. Ansonsten kann aber ein Gutachten, bzw Attest mit der Bitte um Nachteilsausgleich erstellt werden. Das heißt, dass die Rechtschreibung nicht mehr benotet wird und das Kind in schriftlichen Proben Zeitzuschlag bekommt.
Alles Gute!