Spaziergängerin mit Hund findet Leiche...

Archiv des urbia-Forums Trauer & Trost.

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Forum: Trauer & Trost

Fehlgeburt, Tod eines geliebten Menschen, Angst, nicht enden wollende Trauer um ein Sternenkind: Leider stehen wir nicht immer auf der sonnigen Seite des Lebens, diese Erfahrung muß jeder von uns machen. Oft hilft es, mit anderen darüber zu sprechen...

Beitrag von ratatouille 15.12.09 - 00:31 Uhr

...solche Meldungen liest man ja öfter in der Zeitung...bis es einem selbst passiert....

ich gehe heute mit meinem Hund und meiner Pflegehündin spazieren. Es war kalt, diesig und man wartete eigentlich nur darauf, daß bald wieder Schneeflocken vom Himmel kommen. Ich gehe so in München an der Isar vor mich hin...überlegte noch, was ich wem schenken will und was ich mir zum Abendessen machen will. Die Hunde tobten im Schnee, alles war gut...bis ich an die "Großhesseloher Brücke" kam...ich sah etwas am Boden liegen und dachte mir erst nichts dabei. Ein weggeworfener Schlafsack oder so...ich war völlig alleine und meine innere Stimme sagte mir: "Hier stimmt was nicht!" Ich blieb stehen und in dem Moment stürmt mein Hund auf den vermeintlich weggeworfenen Schlafsack zu...sein Fell sträubte sich, er fing an zu bellen und umkreiste den "Schlafsack". Ich bin hin und erkannte einen Menschen, der am Boden lag. Der Mund halboffen, Blut aus der Nase, die Augen offen, die Hose zerrissen und sämtliche Gliedmaßen unnatürlich verdreht...#schock
Ich zitterte am ganzen Körper, ich ging zu ihm hin und versuchte, ihn anzuspredchen...keine Reaktion...meine Pflegehündin schleckte ihm das Gesicht ab und fing an zu kläffen...nichts! Ich nahm mein Handy und wählte die 112. Ich erklärte die Situation (ziemlich hysterisch), beschrieb wo genau ich war...
keine 3 Minuten später kamen 2 Hubschrauber, ADAC und Polizei. Der ADAC Hubschrauber landete...ein wahrer Schneesturm kam auf. Ich leinte die Hunde an...und hoffte immer noch, daß dies nur ein schlechter Traum war, aus dem ich gleich erwachen müßte. In meiner Verzweiflung hatte ich mittlerweile so jeden von den wenigen Passanten angehalten und gebeten, mit mir zu warten. Ich wollte einfach nicht alleine mit dem offensichtlich Toten in der immer weiter düster werdenden Dämmerung sein.#zitter
Dann kam die Polizei, ich gab meine Personalien an und wollte nur noch nach Hause! Sie hatten vollstes Verständnis und ließen mich gehen.

Ich bin so durcheinander...der Mann war höchstens 25...wie verzweifelt muß man sein!
Ich zünde für ihn eine Kerze an#kerze und bin einfach nur geschockt.
Wie bekomme ich nur dieses Bild aus meinem Kopf??

:-(:-(:-(#kerze

Beitrag von ich1975 15.12.09 - 01:55 Uhr

Das kann ich mir nur zu gut vorstellen, das wünscht man sich auf seinem Spaziergang am allerwenigsten.
War zwar nicht ganz so dramatisch, aber ich hab in Jugendzeiten in einer Seniorenwohnanlage gearbeitet, als ich einen morgen frühstück ausgeteilt habe, ging ich bei einer Frau ins Zimmer, die war sonst immer schon zurecht gemacht.An dem morgen schlief sie noch, dachte ich zumindest, als ich merkte das sie tot war, fiel mir das ganze Frühstückstablett aus der Hand.
Ich war fix und fertig, da war ich 20 Jahre, und hatte meine erste Tote.Das fand ich furchtbar.

LG

Beitrag von nicola_noah 15.12.09 - 08:56 Uhr

Hallo,

Lass Dich mal#liebdrueck

Ich weiß wie das ist.
Als ich 10 war habe ich auch einen Toten gefunden (Auf dem Spielplatz).
Er hatte sich mit einer Pistole in den Kopf geschossen#schock

Eine #kerze

Beitrag von maml 15.12.09 - 09:09 Uhr

Hallo,

ich kann Dir nur raten so schnell wie möglich professionelle Hilfe zu suchen (Telefon, KIT o.ä.).
Wenn Du nicht super stabil bist, kannst Du ansonsten ziemliche Schwierigkeiten mit dem Vorfall bekommen.

Tut mir leid für Dich.
LG Sabine

Beitrag von nane29 15.12.09 - 10:10 Uhr

Hallo,

ich kann dich gut verstehen.

Als ich 15 war, habe ich in Frankfurt mal gesehen, wie ein Mann aus dem Fenster sprang. Er landete keine 10 Meter von mir entfernt, außer mir war nur noch ein Pärchen da.
Er hat es nicht überlebt.
Ich habe mich an dem Abend betrunken (ist sonst gar nicht meine Art) und ordentlich geheult.

Ich werde das nie vergessen, aber die Bilder werden mit der Zeit weniger "scharf" im Kopf (im Sinne von schmerzhaft) , der Druck im Bauch lässt nach, wenn man daran denkt.
Ich glaube aber, dass mein Puls immer nich anfängt zu rasen, wenn ich darüber spreche.

Leider habe ich schon recht viel erlebt. Ich war z.B. als Kind (6) alleine mit meinem Opa in ihrem kleinen Haus weit ab vom Schuss, als er einen Hirnschlag hatte. #schmoll

Auch durch meinen Beruf (Ich mache Fernseh-Reportagen) erlebe ich viele Schicksale und habe viele schlimme Dinge gesehen und miterlebt.

Ich habe das Gefühl, dass solche Erlebnisse die Seele irgendwie altern lassen. Aber das kann man auch positiv sehen. Man wird "tiefer", wenn man auch die Abgründe kennt und lernt die wichtigen Dinge des Lebens zu schätzen.

Rede darüber, so viel du kannst.

Liebe Grüße
Jana

Beitrag von ratatouille 17.12.09 - 20:36 Uhr

Danke euch für eure lieben Antworten!#liebdrueck

Leider war ich die letzten Tage überhaupt nicht fähig, an den PC zu gehen oder sonstwas konstruktives zu tun.:-(

Mir geht es überhaupt nicht gut. Ich habe diesen Thread noch am gleichen Abend geschrieben...ich war nur von Leuten umringt, die für mich da waren.
Dann kam der nächste Morgen...#schock
Ich bin aufgewacht und hatte sofort das Bild von dem Mann vor mir.
Ich stand auf, machte mir Kaffee und ging mit meinem Hund raus. Draußen wollte ich nur noch in meine Wohnung zurück, kaum drinnen, wollte ich wieder raus.
Furchtbare Angstattacken, Schweißausbrüche, schreckhaft ohne Ende (wenn z. B. das Telefon klingelt, falle ich fast vom Sofa!) Ich rief meine Schwester an und hatte Panik, wieder aufzulegen. Dann rief ich meine Freundin an, sie kam sofort (ihr ist vor Jahren was ähnliches passiert und wußte, daß solche Ängste bei mir kommen würden). Sie blieb, bis mein Mann nach Hause kam.
Am nächsten Tag das gleiche!
Ich erinnerte mich an das Angebot der Polizei, mit jemandem vom "KIT" (Krisen-Interventions-Team) zu reden...und rief an, weil ich echt dachte, durchzudrehen. Das Gespräch tat mir gut, meine Reaktionen sind alle völlig normal.
Tja...seit vorgestern habe ich eine Riesenwut auf diesen Selbstmörder!
Wohl auch normal, aber was bringt mir das? Und seinen Angehörigen? Wie sich herausgestellt hat, war er 25 (!!!), verlobt, hatte einen Job, Freunde. Die Angehörigen waren total vor den Kopf gestossen. Sie konnten es sich nicht erklären...(zufällig bin ich auf den KIT-Mitarbeiter gestossen, dessen Kollege die "Nachricht überbringen durfte", er wußte über diesen Fall Bescheid)....
heute war ich bei meinem Arzt, habe mir eine Spritze geben lassen und angstlösende Medikamente bekommen (ich sehe immer das Bild von ihm vor mir. Die offenen Augen, die verdrehten Gliedmaßen, es ist einfach schrecklich!!!!). Bin wohl nur deshalb in der Lage, hier mal wieder ein wenig "Normalität" in mein Leben zu bringen.
Mir tun seine Angehörigen so leid. Die werden wohl echt ein "tolles Weihnachten" haben...:-(
...meins hat er auch gründlich versaut!
Meine Mutter hat vor 8 Jahren auch ihr Leben im November so sinnlos weggeworfen. Zum ersten mal seit dieser Zeit ging es mir wieder einigermaßen gut im Herbst/ Adventszeit. Und jetzt läßt ein völlig Fremder all diese Gefühle, diese Wut, die ich endlich überwunden zu haben dachte wieder hochkochen!

Ich "freue" mich enorm auf morgen! Noch ein Tag voller Paranoias und Angst. Ich kann nicht mehr alleine bleiben und habe plötzlich Angst vorm Dunkeln wie eine 4-jährige! Aber dann ist Wochenende, mein Mann den ganzen Tag da und bald hat er Urlaub und wir fahren zu mir nach Hause. Vielleicht kann ich dann wieder positivere Gedanken haben.
Und ich danke der Wissenschaft, daß sie den Wirkstoff "Lorazepam" erfunden hat!
Das Jahr 2009 war definitiv eines meiner negativsten.#aerger