Anspannen oder Entspannen?

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Forum: Erziehung

Kinder fordern Eltern täglich neu heraus zu Auseinandersetzung und Problemlösung. Kinder brauchen Grenzen - doch welche und wie setzt man sie durch? Welche Erziehung ist die richtige? Nutzt hier die Möglichkeit, euch hilfreich mit anderen Eltern auszutauschen.

Beitrag von schnaffi1402 15.12.09 - 12:55 Uhr

Hallo,

heute könnte ich mal einen guten Rat gebrauchen.....

Mein Sohn ist jetzt vier Jahre alt und zur Zeit echt anstrengend. Ständig gerate ich mit ihm aneinander. Mal beschimpft er mich, mal führen wir endlosen Diskussionen im Einkaufsladen, die damit enden, das ich sauer werde und er heult. Ständig geraten mein Dickkopf und seiner aneinander. Er stellt alle Grenzen in Frage. regeln müssen immer wieder bestätigt werden.

Sicherlich ist das mal eine Zeit lang so und so kurz vor Weihnachten ist er auch etwas mehr als sonst durch den Wind.

Aber wie gehe ich damit am besten um? Lasse ich mich als Blöde Kuh beschimpfen und ahnde ich das oder schone ich meine Nerven und tue ich als hätte ich es nicht gehört. Wenn alle Kinder vom Kindergarten Plätzchen backen, er aber lieber bei mir bleiben möchte, setze ich mich durch oder entspanne ich mich?

Ich weiss gerade nicht was ich machen soll, aber stängie Konfrontation kann sicherlich nicht der richtige Weg sein.

Habt ihr gute Vorschläge?

Sandra

Beitrag von kyrilla 15.12.09 - 13:08 Uhr

Hallo Sandra,

ich denke, es kommt darauf an, wie und wo DU DEINE Grenzen setzen willst und ob du die Grenze deines Kindes respektieren willst.

Mein Sohn ist auch vier und anstrengend, manchmal lasse ich mich gerne auf Diskussionen ein (die auch durchaus fruchtbar sein können), manchmal ist damit eben meine Grenze schon erreicht.

ICH mag mich nicht beschimpfen lassen aber ich mache auch kein großes Drama daraus. Ich sage ihm, dass solche Wörter (Schimpfwörter im Allgemeinen) "Emus" (familieninternes Wort) sind, die wir hier nicht haben wollen. Ignorieren finde ich nicht sehr günstig, ich beziehe da gerne Stellung.

Wenn mein Sohn im Kindergarten keine Plätzchen backen will muss er das auch nicht, ICH empfinde es nicht als so wichtig, dass ich mich auf einen Kampf einlasse. Alternativ würde ich vielleicht anbieten, zuhause Plätzchen zu backen.
Ich spare meine Kraft lieber für die wirklich wichtigen Dinge auf, sprich, wenn ich (guten Gewissens!) nachgeben kann, tue ich das gerne, ansonsten setze ich mich und meine Interessen durch, solange sie nicht mit den Grenzen meines Kindes kollidieren. Wenn er also gerade sowieso ganz übel drauf ist, sich mit seinen Freunden gestritten hat oder im Kindergarten geärgert wurde, nehme ich Rücksicht auf ihn. Interessanterweise ahmt er das nach und auch ich kann (bisweilen) Rücksicht auf mich einfordern.

Das ist jetzt wahrscheinlich ganz schön wirr, aber Erziehung in diesem Alter ist richtig komplex.

LG
Kyrilla

Beitrag von magnoliagarden 15.12.09 - 13:19 Uhr

Eine ganz wunderbare Antwort!
Grüße!

Beitrag von gismomo 15.12.09 - 19:39 Uhr

Genauso habe ich es auch gemacht. Ich denke, das war das Richtige. Mein Sohn ist jetzt sieben und im Gegensatz zu seiner absoluten Trotzphase mit 4 1/2 relativ ausgeglichen.

lg
K.

Beitrag von ayshe 16.12.09 - 08:48 Uhr

da unterschreibe ich auch mal :-)



##
Wenn er also gerade sowieso ganz übel drauf ist, sich mit seinen Freunden gestritten hat oder im Kindergarten geärgert wurde, nehme ich Rücksicht auf ihn. Interessanterweise ahmt er das nach und auch ich kann (bisweilen) Rücksicht auf mich einfordern.
##
jaaaaaaaaaa!

wer rücksicht zeigt,
erntet sie auch!

diese schöne erfahrung habe ich mit meiner tochter auch schon gemacht #huepf


und noch etwas:
ich finde schon, daß diese vorweihnachtszeit die zwerge teils völlig verrückt macht!

meine tochter ist jetzt 5,5 und dieses jahr endlich ist sie seit langem mal wieder recht entspannt in der vorweihnachtszeit,
aber letztes und vorletztes jahr? #schock

Beitrag von schnaffi1402 16.12.09 - 16:06 Uhr

Hallo,

ich finde deine Antwort gut und richtig. Eigentlich läuft es bei uns genauso.

Aber bei genauerer Betrachtung habe ich gemerkt, das ich wohl einen wichtigen Entwicklungsschritt meines Sohnes nicht richtig bemerkt habe. Der lautet......wie bringe ich Mama richtig auf die Palme! Aber geärgert werden kann nur der der sich ärgern lässt. Ich hab mich heute mal entspannt und auf seine Provokationen nur mit einem : "Du willst mich ja nur ärgern!" reagiert. und siehe da, es läuft gleich viel entspannter.

Manchmal sieht man die Entwicklung vor lauter Bäumen nicht!

Beitrag von marion2 15.12.09 - 13:20 Uhr

Hallo,

mich wundert, dass diese Phase immer öfter so "alte" Kinder haben.

Eigentlich ist 4 bis 5 doch das pflegeleichteste Alter....

#gruebel

Gruß Marion

Beitrag von woelkchen1 15.12.09 - 13:32 Uhr

#schock

Meine Tochter ist erst 15 Monate, aber ich habe 3 Neffen und Nichten- und alle 3 hatten in dem Alter- also mit 4-5- die schwierigste Phase! 5 Jahre fand ich bei allen am "schlimmsten"!

Beitrag von gismomo 16.12.09 - 12:15 Uhr

Bei meinen beiden Kindern war die Zeit mit 4 1/2 die schwierigste. Mein ältester Sohn ist jetzt 7, mein Kleiner 4 1/2.

Der Kleine war bis auf wenige Ausnahmen immer absolut unproblematisch - auf einmal geht es los mit dem Rumzicken. Genauso ist es bei allen drei seiner Kindergartenfreunde auch. Auf einmal wollen sie nicht mehr zu ihren Freunden zum Spielen, sondern die Freunde sollen zu ihnen kommen. Dass das gar nicht funktionieren KANN und man Kompromisse finden muss (sich z.B. abwechseln) versuche ich meinem Sohn gerade begreiflich zu machen.

Oder aber er will auf einmal nicht in den Kindi, sondern zuhause bleiben, und teilt uns das sehr entschieden und lautstark und mit Nachdruck mit. Ich bin es inzwischen gewohnt, dass ich zwei sehr willensstarke Kinder habe (sie haben ja schließlich auch zwei willensstarke Eltern), so dass ich es relativ gelassen nehme.

Ich denke, es ist eine Phase. Mein Mann meint, er ist jetzt in einem Alter, wo er einfach kapiert hat, dass viele Dinge/Regeln nicht naturgegeben sind sondern von irgendjemand gemacht werden. Ergo kann man auch versuchen, diese Regeln zu brechen/umgehen bzw. sich diesen Regeln zu verweigern.

Eigentlich ein gutes Zeichen. Ich bin froh, dass er weiß, was er will. Dass er das nicht immer bekommt und es dann zu einer anstrengenden Erziehungssituation führt :-) ist ganz normal. Glücklicherweise ist er mein zweites Kind und ich kann viel, viel besser und gelassener damit umgehen als bei meinem ersten Kind.

lg
K.

Beitrag von sweety03 15.12.09 - 15:21 Uhr

Hallo Sandra,

unsere kleine Tochter ist auch 4.
Ich wäge ab, ob ich wirklich meinen Stiefel durchziehen muss oder ob ich mich auf einen Kompromiss einlasse oder auch mal nachgebe.
Beispiel: Die Kinder sollten auf der Weihnachtsfeier ein Gedicht vortragen, unsere Tochter wollte nicht und klammerte sich fest. Dabei ist sie sonst alles andere als schüchtern und immer im Geschehen. Ich habe sie einfach auf den Schoß genommen und sie gelassen.
Bei Schimpfwörtern allerdings bin ich konsequent, das toleriere ich nicht und sage ihr auch deutlich, dass ich das nicht hören möchte.
Ignorieren finde ich bei diesem Thema keine gute Idee.
Wo ich auch nicht kompromissbereit bin, ist, wenn sie trotz Ermahnung beim Essen Blödsinn macht, dann ist der Teller weg und sie muss den Raum verlassen.
Ich finde, man sollte sich genau überlegen, was einem in der Erziehung wichtig ist, welche Werte etc. Da muss man auch konsequent sein, alle andere Sachen können flexibel gestaltet werden.

Sweety