Wieviel kann ein Mensch nur aushalten?

Archiv des urbia-Forums Familienleben.

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Forum: Familienleben

Die Oma füttert die Kinder übermäßig mit Süßigkeiten, Probleme mit der Schwiegermutter, Tipps zum Feiern der Taufe: Hier ist Platz für alle Themen rund um die Familie.

Beitrag von schnuckelung 15.12.09 - 13:48 Uhr

Hallo,

ich muss mir mal ein bisschen meinen Kummer von der Seele schreiben:

Das Jahr 2009 sollte eigentlich unser Jahr werden! Mein Mann und ich sind bald 12 Jahre zusammen und 5 Jahre verheiratet. Unseren großen Wunsch, ein eigenes Häuschen, haben wir uns im Mai erfüllt.

Nun folgte unser sehnlichster Wunsch, ein Kind! Da ich an einer Schilddrüsenunterfunktion und erhöhten männlichen Hormonen leide, musste ich Hormone einnehmen. Im 2. Hormonzyklus hat es dann endlich geklappt. Am Sonntag hatten wir positiv getestet. Am Montag drauf gingen wir auf Wolke 7 ins Geschäft. Wir waren die Helden der Welt bis mein Chef mich um 14.00 Uhr ins Büro rief. Betriebsbedingte Kündigung, total unerwartet. Der Firma geht es gut, aber dem Mutterkonzern nicht, deswegen die Vorgabe!

Die Frauenärztin konnte mir zwei Tage später die SS bestätigen und die Kündigung wurde zurückgenommen. Zwei Wochen später sind mein Mann und ich dann zusammen zum FA zum ersten US, das Herz hat nicht geschlagen, eine Woche später lag ich im Krankenhaus zur Ausschabung. Ein wunderschöner Traum ist geplatzt. Zwei Wochen nachdem ich wieder im Geschäft war kam nun die Kündigung. Aus Kulanz erst auf Ende Juni 10.

Mir geht es wieder besser, jedoch falle ich an manchen Tagen wieder in ein tiefes Loch. Ich muss nun stark sein, mich um meine Bewerbungen kümmern, wenn eine Stelle ausgeschrieben ist und meinen Körper wieder in Schwung bringen. Leichter gesagt als getan.

Mein Mann ist ein Engel und unterstützt mich sehr. Ich möchte nicht, dass unsere Beziehung darunter leidet.

Manchmal frage ich mich aber, wieviel ein Mensch aushalten kann? Ob es wieder besser wird? Ob ich alles schaffe? Ob ich wieder schwanger werde und alles dann in Ordnung ist? Ob ich so schnell einen neuen Job finde? Immer diese Zweifel und die Angst daran zu zerbrechen.

Sorry, aber das musste jetzt einfach alles mal raus. Danke für´s (zuhören) lesen.

Liebe Grüße und euch allen nur das Beste für das neue Jahr!

Beitrag von 6woche.1 15.12.09 - 14:54 Uhr

Hallo


Tut mir leid was dir passiert ist.Aber in welcher Woche warst Du als Du das erste Mal Ultraschall hattest?Denn das Herzchen fängt erst zwischen der 6 und 8ssw an zu schlagen.



Lg ANdrea mit Kids

Beitrag von schnuckelung 15.12.09 - 15:02 Uhr

Die AS wurde dann rechnerisch in der 9. Woche vorgenommen. Begleitend dazu wurde vorher auch eine Woche der hcg Wert kontroliiert. Im Krankenhaus auch nochmal ein Check gemacht. Ich musste mich leider damit abfinden, aber es war 100 %ig sicher.

Beitrag von gismomo 15.12.09 - 14:54 Uhr

Hallo,

ich kann verstehen, dass es dir schlecht geht.

Vielleicht kann ich dir ein bisschen Hoffnung machen: Meine Freundin hat genau das gleiche Problem wie du - eine Schilddrüsenunterfunktion und zu viele männliche Hormone. Auch bei ihr hat der Frauenarzt gesagt, dass es für sie schwierig ist, schwanger zu werden.

Vor sechs Jahren war sie schwanger, und wir haben uns alle wahnsinnig für sie gefreut. Dann der Schock: Das Kind verstarb Ende des dritten Monats im Mutterleib. Sie war ganz unten, zumal sie wusste, dass es sehr schwierig für sie sein würde, wieder schwanger zu werden.

Heute hat meine Freundin zwei superliebe Mädchen, eins ist jetzt vier, das zweite knapp zwei Jahre alt. Sie haben ein schönes Haus und meine Freundin hat viel Zeit für ihre Kinder, kann zuhause sein und sich um ihre Kinder kümmern.

Ich bin so froh, dass alles so gut geworden ist. Doch vor 6 Jahren sah es noch ganz anders aus! Vielleicht gibt dir das wieder Hoffnung! Warum sollte es bei dir nicht genauso sein wie bei meiner Freundin? Gib nicht auf!

lg
K.

Beitrag von schnuckelung 15.12.09 - 15:04 Uhr

Ja, solche Geschichten geben einem wieder Hoffnung. Und ich weiss ja auch, dass ich nach vorne schauen muss und es langsam besser und einfacher wird.
Ich stehe gerade nur vor so einem Riesenberg, der mir unüberwindbar erscheint.

Danke für deine aufbauenden Worte

Beitrag von clazwi 15.12.09 - 17:59 Uhr

Hallo Schnuckelung,

Deine Frage kann ich gut nachvollziehen, teilweise erinnert mich Deine Schilderung an die "Katastrophenzeit", die mein Mann und ich zwischen 2004 und 2006 durchgemacht haben.

Es fing an, dass mein Mann in einer Firma arbeitete, die insolvent ging.
Einige Mitarbeiter gründeten auf den Ruinen der alten Firma eine neue - die dann auch insolvent ging und zu allem Übel die Insolvenz vertuschte.

Zeitgleich erfuhren wir, dass der Cousin meines Mannes (der uns sehr nahestand) im Alter von 21 Jahren unheilbar an Krebs erkrankt war und ihm nicht mehr zu helfen sei.

Ich ergatterte einen Job, kniete mich wie irre in die Arbeit (ich habe eine hohe Leistungsfähigkeit) und es endete im absolutem Desaster:
der Inhaber des Geschäftes, in dem ich arbeitete, war absoluter Neurotiker.
Am Ende war es so, dass ich pro Woche ca. 60 Stunden arbeitete (mich nicht beklagte, weil die Familie - INSBESNDERS UNSER SCHWERSTBEHINDERTES PFLEGEKIND- von meinem Job mit abhing), keine Pause machen durfte.
Sogar der Gang zur Toilette wurde kameraüberwacht.
Wollte ich etwas trinken, klingelte das Telefon an meinem Arbeitsplatz und ich wurde angewiesen, sofort zurückzugehen.

Juristisch natürlich belangbar - aber in unserer Situation biss ich die Zähne zusammen, dankbar, dass wenigstens ich einen Job hatte.

Bis ich völlig zusammenbrach.....und das heisst sich was bei mir.

Dann waren wir beide arbeitslos, rutschten in Hartz 4.
Wir begleiteten den 21jährigen Cousin meines Mannes bei seinem entsetzlich qualvollen Sterben, hatten noch unsere beiden Kinder - wie gesagt, die Kleine ist schwerbehindert.

Drei Monate nachdem der Cousin meines Mannes verstorben war, erfuhren wir, dass mein Vater binnen kurzer Zeit ebenfalls sterben wird.

Der traurige Höhepunkt war ein Zerwürfnis mit meiner Familie (war schon immer ein Krisenherd, geht zu tief, um das zu erörtern)...


Dank eines hochkompetenten Jugendamtes, dem wir als Pflegefamilie "unterstehen" und mit dem wir gut zusammenarbeiten, bekam ich dann professionelle psychotherapeutische Unterstützung, in der ich mich erst mal wieder selbst erden und fühlen konnte.

Ich dachte irgendwann, ich werde völlig kirre.....


Jetzt sind einige Jahre seitdem vergangen:
mein Mann hat inzwischen einen genialen Job, ich bin ehrenamtlich gut unterwegs und lebe über's Ehrenamt viel aus, was ich schon immer ausleben wollte - und mit etwas Glück kann ich im kommenden Jahr beruflich da weitermachen, wo ich gerade ehrenamtlich unterwegs bin :-).

Ich kann Dir nachfühlen, wie es Dir geht und lege Dir ans Herz, Dir möglichst auch psychologische Hilfe zu suchen.

So wie man in eine schreckliche Krise hineingerät, so kommt man auch wieder heraus.
Besonders wenn man lernt, dass man nicht alles beeinflussen kann, lernt man auch mehr auszuhalten.

LG
Claudia

Beitrag von herzensschoene 15.12.09 - 19:01 Uhr

hallo,

ja, solche siruation kenne ich auch. mein job ist mir sicher.
bei mir war es die gesundheit. wir haben anfang juli unsere hochzeit mit allen freunden und bekannten nachgefeiert. es war eine wunderschöne party. ich fühlte mich etwas erkältet und ging zwei tage später zum arzt. der fand meine lungengeräusche komisch (es war ein neuer arzt) und schickte mich zum röntgen. heraus kam ein riesengroßer tumor im brustkorb der mir erst im oktober rausoperiert werden konnte und ich auch dann erst wusste, dass er gutartig ist.

man denkt, dass leben ist so schön, da muss es doch einen haken geben und bumms ist er da.

aber weißt du was? obwohl ich es nie für möglich gehalten habe, aber mein mann und ich sind jetzt noch enger zusammengerückt.

du hast jetzt viele fragen an dein leben, aber es ist keine dabei, die mann mit sicherheit mit nein beantworten kann.

die tage, in denen du in ein tiefes loch fallen wirst werden immer weniger und es wird dir immer besser gehen.

und wenn es dir dann besser geht, wirst du auch wieder schwanger. da bin ich mir ganz sicher.

ich wünsche dir alles gute.

maren

Beitrag von trollmama 15.12.09 - 19:28 Uhr

Hallo!
Natürlich tut es mir Leid, was Dir passiert ist, aber ich möchte Dir folgendes schildern:
Vor ca. 3 Wochen ist bei uns im Nachbarort ein 21-jähriger junger Mann durch einen Autounfall ums Leben gekommen.
Dieser Junge war das einzige Kind und ist ohne Vater aufgewachsen. Der Vater ist an dem Tag, an dem der Junge geboren wurde, durch einen Brand im eigenen Hause getötet worden.
Sorry, wenn es hart klingt, aber ich denke, daß das, was Du aushalten mußt nichts ist, im Vergleich mit dem, was die Mutter des Jungen aushalten muß!
Glaube mir, es gibt mehr Menschen als Du glaubst, die gerne mit Dir tauschen würden....
Viele Grüße
Trollmama

Beitrag von carla_columna 15.12.09 - 20:55 Uhr

Sowas ähnliches hab ich auch gedacht.



Ich habe 5 Sternchen,kann also schon nachvollziehen, dass es dir nicht gut geht nach deiner FG.

Aber: das Leben geht weiter!

Beruflich ist es ein zwischentief, klar, aber da kommen auch wieder bessere Zeiten.
Du hast ein halbes Jahr Zeit, etwas Neues zu finden!


Verkriech dich nicht im Selbstmitleid! Es gibt wirklich schlimmere Schicksale.

LG und viel Kraft wünscht dir

Carla

Beitrag von vonnerle 15.12.09 - 23:03 Uhr

Versuche das alte Jahr abzuschliessen und gesund und munter ins neue zu starten.

Ich habe dieses Jahr im August geheiratet. Mein Opa war sehr krank seit letztem Jahr und ich habe verboten bekommen meinem Opa von unserer Hochzeit zu erzählen (von meiner Mum und meiner Tante). Ich konnte es ihm nie erzählen denn er starb 2 Monate vor unserer Hochzeit. Dann verstarb noch ein Gast meiner Hochzeit 1 Monat zuvor, plötzlich und völlig unerwartet. Dann wurde ich schwanger in der Woche der Hochzeit. Und verlor das Baby in der 5. Woche......seitdem hat es nicht mehr geklappt.

Versuche nach vorn zu schauen und gib dir trotzdem Zeit zu trauern. Und auch für Selbstmitleid. Das muss sein.

Achja und das eigene Schicksal ist immer das schlimmste!!! Denn nur man selbst muss damit klar kommen.

lg
vonnerle

Beitrag von sakirafer 16.12.09 - 09:41 Uhr

Hallo,

ich kann verstehen, dass dich dies alles sehr mitgenommen und aus der Bahn geworfen hat.

Aber versuche dich damit zu trösten, dass das Jahr 2010 dann nur besser werden kann.

Der Verlust deines Arbeitsplatzes ist traurig, aber du hast ein halbes Jahr Zeit, dir einen neuen Job zu suchen.
Der Verlust des Babys ist für euch auch sehr tragisch, das kann vermutlich nur jemand nachvollziehen, der selbst das Hoffen und Bangen kennt.

Aber lass dir sagen, dass Menschen nochviel, viel, viel mehr aushalten können, bevor sie zerbrechen. Es gibt Schicksale, da fragt man sich, woher diese Menschen den Mut und die Kraft nehmen und weitermachen können und wollen.

Aber wenn du persönlich das Gefühl hast, mit deinen Rückschlägen nicht gut umgehen zu können, suche dir bitte professionelle Hilfe!

Alles Gute und viel Glück für das Jahr 2010!

LG

Sara

Beitrag von julchen55 16.12.09 - 13:36 Uhr

Oh man oder auch Frau kann viel aushalten.
Eine Bekannte von mir hatte drei Fehlgeburten, zwei davon nach der zwanzigsten Woche. Aber sie hält den Kopf oben und jammert nicht.

Eine Arbeitskollegin hat ein schwer körperbehindertes Kind genau zu der Zeit bekommen als ich ein gesundes bekommen habe. Und ich bewundere sie. Sie hat noch nie gejammert.

Eine Nachbarin hat eine Woche vor ET ihr Kind tot gebären müssen. Nabelschnur um den Hals.

DAS sind Schicksale.

Beitrag von schnuckelung 16.12.09 - 13:54 Uhr

Mir ist bewusst, dass es Schicksale gibt, die tausendmal schlimmer und schrecklicher sind. Diese Argumentation wirst du immer anwenden können, jedoch wird sie einer betroffenen Person nie ein Trost sein, höchtsens vielleicht "wach rütteln". 3 FG sind natürlich schrecklich, deswegen wird meine "nur" eine nicht weniger schrecklich dadurch. Verstehst du, was ich damit sagen möchte.

Ich "jammere" auch nicht! Ich denke auch, dass die Menschen, die du gerade aufgezählt hast manchmal verzweifeln und nicht wissen, wie es weitergehen soll. Meine Freunde und meine Familie würden mich zu diesen Menschen zählen, weil sie sehen, wie ich mich aufraffe und Bewerbungen schreibe und versuche mein Leben oder eher unser Leben wieder in den Griff zu bekommen. Aber es gibt immer wieder kleine Momente, in denen man schwach wird und nun mal fällt. Einen solchen Moment habe ich erwischt, als ich meinem Kummer freien Lauf gelassen habe und in dieses Forum geschrieben habe.

und ja, DAS ist mein Schicksal mit dem ich mich gerade abfinden muss! Ich wünsche dir und niemandem diese Erfarhungen. Für mich sind sie schlimm.