Getrennt, noch gemeinsame Wohnung, es ist Horror

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Forum: Partnerschaft

Eine dauerhafte Partnerschaft ist eine der größten Herausforderungen unserer Zeit. Lust und Frust liegen da oft nah beieinander. Hier könnt ihr offen ausdrücken, was euch innerlich bewegt.

Beitrag von suchtknochen 15.12.09 - 19:04 Uhr

Hallo Ihr Lieben,

ich schreibe schwarz, weil ich mich langsam selbst lächerlich finde :-(

Ich bin seit 22 Monaten mit meinem LG zusammen, seit zwei Monaten wohnen wir auch zusammen.

Das Ganze ging ziemlich holterdipolter. Ich war gerade erst seit einem halben Jahr getrennt und dabei, mir eine neue Existenz aufzubauen, als ich ihn kennen lernte oder besser gesagt: wieder kennen lernte. Wir kennen uns schon seit mehr als 20 Jahren.

Auch er hatte sich gerade von seiner Frau getrennt. Das war zwar auch bevor wir uns trafen, aber das wir Beide jede Menge Altlasten mit in die Beziehung gebracht haben, versteht sich von selbst.

Ich kam aus einer Ehe, in der ich psychisch und physisch über Jahre missbraucht wurde, bevor ich mich endlich trennen konnte.

Und als ob das nicht reicht, ist mein LG durch seine Ehe und seine in den letzten Jahren nicht besonders einträgliche Selbständigkeit verschuldet (ca. 15.000 Euro), hatte im letzten Jahr noch die Hoffnung, das in den Griff zu bekommen und ist dann durch ein weiteres schlechtes Geschäftsjahr fast in die Insolvenz geraten.

Das er zu mir gezogen ist und dann nicht mehr viel einbringen konnte hat diese ganze Beziehung von Anfang an nicht leicht gemacht.

Er war letztes Jahr um diese Zeit so weit, dass er sich das Leben nehmen wollte, um niemandem mehr zur Last zu fallen und ich kräftemässig durch zwei Jobwechsel nach Umzug und meiner vorherigen Ehe so am Ende, dass ich ihn mehrfach vor die Tür gesetzt habe weil ich mir nicht mehr zu helfen wusste.

Trotzdem (oder deswegen?) waren die Gefühle füreinander jedesmal so stark, dass es nie zum endgültigen Bruch kam.

Aber es war enorm kraftraubend und seit September bin ich in Therapie, um endlich zur Ruhe zu finden.

So verrückt es auch klingt: wir lieben uns aufrichtig und trotz dieser Gewissheit stehen wir regelmässig vor dem Aus - so wie jetzt (mal) wieder.

Vor 14 Tagen ist es dann leider wieder eskaliert und ich habe wieder seinen Auszug gefordert.

Der steht nun dieses WE an und wieder stehen wir an diesem Punkt an dem wir merken, dass es uns Beide innerlich zerreißt.

Es wäre zum Lachen, wenn es nicht so traurig wäre.

Sobald von Trennung die Rede ist, können wir wieder reden, weinen zusammen und können das Alles nicht fassen.

Und sobald wir beschließen es zusammen zu meistern, weil wir uns ja gar nicht trennen wollen, geht dieses Drama wieder von Vorne los.

Mir ist bewusst, dass es sicher das Beste wäre, sich wirklich für eine Zeit nicht zu sehen um die Dinge mit etwas mehr Abstand beurteilen zu können.

Und das ein Neustart wahrscheinlich auch in einem Heim, dass wir uns gemeinsam suchen, besser wäre als hier - wo ihm seine Abhängigkeit von mir noch mehr bewusst ist als ohnehin schon.

Meine Rausschmisse haben es da auch nicht wirklich besser gemacht. Und seine Sorgen werden trotz aller Liebe leider nicht kleiner.

Aber eben durch seine Situation ist eine räumliche Trennung für ihn sehr schwer und ich kann verstehen, dass er danach für uns keine Chance mehr sieht. Weder hier noch sonstwo.

Also stehe ich vor diesem Dilemma: lasse ich ihn gehen, verliere ich den wichtigsten Mann in meinem Leben. Lass ich ihn bleiben, eskaliert es wieder und ich verliere ihn auch?

Ich bin furchtbar durcheinander und weiss nicht mehr, was Richtig wäre und was nicht.

Mache ich den größten Fehler meines Lebens, wenn ich auf der räumlichen Trennung bestehe oder mache ich einen Fehler, wenn ich es doch noch einmal versuche?

Allein der Gedanke, diesen Mann zu verlieren macht mich fast irre und doch benehmen wir uns wie die Königskinder und ich weiss nicht mehr, was wir tun können.

Ich weiss, dass das für Außenstehende furchtbar wirr und überspitzt klingen muss und ich beantworte gerne Fragen zu den Hintergründen.

Aber ich wäre einfach nur dankbar für ein bisschen Zuspruch.#heul

Danke.

Beitrag von silk.stockings 15.12.09 - 19:27 Uhr

Was sagt denn dein Therapeut dazu?

Grundsätzlich würde ich die Möglichkeit einer Trennung ganz ausklammern. Das scheint ja bei dir eine schnelle Schiene zu sein - sobald es Streß gibt, schmeißt du ihn raus.

An seiner Stelle hätte ich darauf auch keine Lust mehr.

Bau dir innerlich ein Stoppschild ein, sobald diese Gedanken kommen.

LG

Silk

Beitrag von suchtknochen 15.12.09 - 19:47 Uhr

Danke für Deine Antwort und die Geduld bei meinem langen Text.

Mein Therapeut war/ist auch der Meinung, dass ich die Entscheidung über Trennung oder nicht im Augenblick nicht treffen sollte.

Leider habe ich mich von 14 Tagen nicht stoppen können und natürlich hat er keine Lust mehr auf den nächsten Rausschmiss zu warten.

Wenn es bei mir "soweit" ist, ist das wohl eher ein Ausdruck von absoluter Hilflosigkeit....nicht "richtiger" deswegen - aber ich finde einfach den Mittelweg nicht.

Nur ist es wohl diesmal soweit, dass es wohl auf eine räumliche Trennung hinaus laufen wird und ich weiss nicht, ob das in der jetzigen Situation nicht sogar das Beste wäre.

Wir treffen uns heute Abend zum Abendessen und ich weiss nicht, was ich dann sagen soll.

Beitrag von silk.stockings 15.12.09 - 19:52 Uhr

Das kann gut gehen - ihr trennt euch räumlich und jeder kommt erst mal wieder zu Atem. Bei eurer rasanten Geschichte mit den Altlasten wäre das vielleicht gar nicht mal schlecht.

Das kann aber auch in die Hose gehen und euch für immer auseinander bringen.

Als mein Partner zu mir und den Kindern zog, hat es auch des öfteren gekracht. ich habe dann auch schon mal gedacht - zieh doch wieder aus und mach dein Ding. Aber ich habe es nie ausgesprochen. Und das war auch gut so.

Viel Glück

Silk

Beitrag von suchtknochen 15.12.09 - 20:01 Uhr

Ich habe mir oft gewünscht, ich hätte es nur gedacht.

Leider sind dann immer wieder Dinge passiert, die die Pferde mit mir haben durchgehen lassen.

Vom Verstand her weiss ich auch, dass ich mein eigenes Trauma erst verarbeiten sollte und diese Beziehung mir nicht gerade dabei geholfen hat.

Dafür kann er nichts, ich hätte mich ja nicht darauf einlassen brauchen.

Mir war im letzten Jahr nicht klar, was diese Altlasten für Auswirkungen auf uns haben würde und da ich diesen Mann wirklich liebe denke ich, es wäre für ihn vielleicht sogar besser, wenn ich ihn loslasse.

Auch wenn mir der Gedanke nicht gefällt.

Danke.

Beitrag von silk.stockings 15.12.09 - 20:11 Uhr

Was lässt denn die Pferde mit dir durchgehen?