Warum müssen plötzlich soviele Kinder zur "Frühförderung"?!

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Forum: Kindergartenalter

Ein großer Schritt ins Leben für jedes Kind ist der Start in den Kindergarten. Aus dem Kleinkindalter herausgewachsen, wird euer Sprössling nun zunehmend unabhängiger. Es stellen sich ganz neue Fragen, bei denen euch unser Forum hilfreich zur Seite stehen kann.

Beitrag von awk1329 15.12.09 - 22:07 Uhr

Hallo,

ich krieg schon einen Fön, wenn ich dieses Wort nur höre!!

Wir waren gestern bei der U8 gewesen und mein KiA meint nun, ich solle mit ihm dorthin gehen.

Er sei sehr unsicher, konnte kein Strichmännchen malen. Zur Logopädin gehen wir schon seit über einem Jahr, im Moment ist Pause.

Ich hab danach die Erzieherin im Kiga angesprochen, die fand ihn jetzt nicht so auffällig und wollte mit der Leiterin mal sprechen. Die sprach dann heute morgen mit mir und hat mir auch empfohlen, dort mal hinzugehen. Diese FF areitet auch mit unserem Kiga zusammen und würde dort mit ihm "arbeiten"

Ich stell mir einfach auch die Frage, warum zur Zeit "Frühförderung" so angesagt ist und x-Kinder dort hin müssen.
Das gabs doch vor einiger Zeit auch noch nicht in diesem Umfang????

Ich will meinem Kind jetzt nicht das Gefühl vermitteln, mit dir stimmt was nicht, bzw. ihm "so einen" Stempel verpassen??

Es könnte jetzt auch sein, dass die Mitarbeiterin dort feststellt, dass man noch was abwarten kann.

Hab ich was falsch gemacht? Die Frage geht mir manchmal auch durch den Kopf. Aber ich wüsste nicht, was?!

Wie ist eure Erfahrung mit diesem Thema?

Viele Grüße
awk + #baby boy 4 Jahre + #baby girl fast 2

Beitrag von 3erclan 15.12.09 - 22:12 Uhr

Hallo

wir waren dort zum Erstgespräch und waren das letzte mal dort.Ich mache wieder die Therapien in den Praxen die ich mir aussuche.

lg

Beitrag von jenny6 15.12.09 - 22:13 Uhr

Jap!!!

Das denke ich in der letzten Zeit auch..mein Gedanke dazu. Schule beginnt immer früher,man fordert immer mehr von den Kindern und fällt eines dann mal etwas "aus dem Rahmen" (wenn man es überhaupt so nennen kann),dann ist das Chaos perfekt..

Daher-fördern fördern fördern. so wie es die Muttis auch alle schon machen. Sicher, einige Kinder brauchen das,aber ob es wirklich diese ganze Masse ist,wage ich zu bezweifeln...

Lg

Beitrag von angelinchen 15.12.09 - 22:37 Uhr

Hallo
du sprichst mir aus der Seele! 2 meiner Nachbarinnen schleppen ihre Söhne auch zu Frühförderung, Ergo, Logo...Meine Güte, nur weil der eine sehr zappelig ist, heisst das doch nicht dass er ein Defizit hat, im Gegenteil, er kann suuuuuper malen, das ist der Wahnsinn, und der is grad mal 4 geworden. Und der andere ist, naja, sehr schwierig im Umgang, er schmeisst einem dauernd Schimpfwörter an den Kopf und dreht echt manchmal extrem hoch. ICH wär als Mama dennoch nicht wirklich auf die Idee zur "Frühförderung" gekommen (schon gar nicht mit 3 Jahren!), sondern hätte mal meinen Umgang mit ihm unter die Lupe genommen, aber angeblich hilft das ja bei ihm...

Zu deinem Sohn mag ich folgendes sagen. mein Sohn konnte bei der U8 auch NIX selber malen, er versuchte zwar das nachmalen, aber es war mehr schlecht als recht. Das Strichmännchen besass einen Kreis als Kopf, Augen Nase und Mund. Als die Ärztin meinte da fehlen doch noch ein paar Sachen, fiel ihm schon auf dass da noch Arme und Beine hinmüssen, und malte diese IN :-p den Kopf mit rein...ist echt ein lustiges Bild. Mein Sohn hatte/hat teils gaaaanz extreme Wutausbrüche, er hat ein ganz dolles Problem kacka zu machen, er verdrückt es sich teils 5-6 Tage...und weisst du was? er geht in keinerlei "Förderung"...wozu auch? das wird sich schon verwachsen...
Malen kann er übrigens mittlerweile richtig gut!!!! *stolzbin* und -oh Wunder- er hat es von ganz allein gelernt.

Meiner Meinung nach wird den Kindern tatsächlich zu wenig Zeit für alles gelassen. ein paar Monate können da schon ganz gravierende Unterschiede zum Vorschein bringen...

Nundenn, soviel wollt ich gar nicht schreiben, aber mich regt dieses Thema (grad hier in meinem Umfeld) schon ganz lange ganz extrem auf...

LG Anja mit 2 völlig "ungeförderten" Kindern Arian (wird Silvester 5) und Adelina (im Oktober 2 geworden)

Beitrag von bine3002 15.12.09 - 22:45 Uhr

"Ich will meinem Kind jetzt nicht das Gefühl vermitteln, mit dir stimmt was nicht, bzw. ihm "so einen" Stempel verpassen??"

Weil genau darüber kaum einer nachdenkt bzw. auch gar kein Verständnis dafür aufbringt, dass man so denken kann. Ein Kind mit Defiziten muss doch so früh wie möglich gefördert werden und eine Förderung ist doch was Gutes. Und wenn der Arzt oder die Erzieherin sagt, dass Defizite da sind... wie kann man das als Laie anzweifeln? Die Leute denken so...


Ich teile deine Meinung jedenfalls.

Beitrag von bensu1 16.12.09 - 15:14 Uhr

genauso denke ich auch

lg
karin mir florian und sophia

Beitrag von mondgurke 15.12.09 - 22:51 Uhr

Hallo!

Mich regt dieses Thema auch schon lange auf, dabei kommt meine Kurze jetzt erst in den Kiga.
Irgendwie werden ja mittlerweile fast alle Kinder irgendwie, irgendwo "gefördert".
Das Ziel ist anscheinend unsere Kinder alle gleich zu machen.
"Früher" durfte sich noch jedes Kind so (schnell) entwickeln wie es wollte/konnte... aber heute... sobald eines "aus der reihe tanzt" muss es "gefördert" werden.

Es geht wohl tatsächlich einfach nur darum aus ihnen kleinen Maschinen zu machen, damit sie später auch der Gesellschaft nutzen.
Ich weiß es nicht.

Genauso schrecklich finde ich, dass Kinder, die einfach nur mehr Energie haben als andere, bereits in der Grundschule mit Tabletten voll gestopft werden. Ich rede nicht von ADS (was meiner Meinung nach auch plötzlich immer häufiger auftritt) sondern einfach nur von lebhaften Kindern.
Sie sind wohl zu anstrengend, also ruhig stellen...

Mir graut schon vor diesen ganzen Frühförderungen und was weiß ich... bin mal gespannt ob ich mich darauf einlasse...

LG Danie

P.S.: Du kennst dein Kind am besten... entscheide selbst!

Beitrag von 3erclan 15.12.09 - 23:15 Uhr

Hallo DAnie

mit ADHS und ADS kennst du dich zuwenig um so was sagen zu können.

Bis ein Kind Med. bekommt sind Tests usw...

Es ist keine Modekrankheit omann sowas macht mich immer sauer.

Beitrag von mondgurke 15.12.09 - 23:34 Uhr

Ok, meinetwegen kenne ich mich damit nicht aus (hab ich ja auch nicht behauptet).
Ich weiß nur, dass der Arzt in einem bestimmten Fall eindeutig gesagt hat, dass das Kind kein ADS/ADHS hat. Tabletten bekommt es aber trotzdem... damit es "erst denkt und dann handelt" (so seine Worte).
Das fand ich doch etwas merkwürdig.

Manchmal hätte ich auch gerne ein paar von seinen Tabletten, dann hätte ich diese Rüge wohl nicht kassiert.

Danke dafür ;-)

LG Danie

Beitrag von gismomo 15.12.09 - 23:15 Uhr

Hallo,

ja, das ist ein Thema, welches mich gerade auch sehr beschäftigt.

Mein ältester Sohn ist in den "Genuß" von Logopädie und Ergotherapie gekommen. Logopädie deshalb, weil er "s" und "sch" nicht richtig aussprechen konnte, Ergotherapie wg der Grafomotorik (Schreiben fiel ihm schwer).

Wir haben einen Kinderarzt, der diese Dinge nur sehr zurückhaltend verschreibt, und ich habe mich ausführlich mit ihm unterhalten. Die Ergotherapeutin meines Sohnes, die wir eigentlich nur wg. der Schreibprobleme aufgesucht haben, hat plötzlich lauter weitere therapiebedürftige Sachen entdeckt und ein Faß ohne Boden aufgemacht... ich hatte bisher alles auf die "Unsportlichkeit" meines Sohnes geschoben und war auf einmal total verunsichert, als Begriffe fielen wie "Ihr Sohn ist entwicklungsverzögert". Und das bei einem Kind, das laut Klassenlehrerin intellektuell zu den Besten der Klasse gehört und sich mit dem Lernen leicht tut, es passte für mich einfach gar nichts mehr zusammen!

Der Kinderarzt hat ihn dann daraufhin auf meinen Wunsch noch mal untersucht, es war absolut alles in Ordnung, bis auf die Probleme mit dem Schreiben - was aber laut Kinderarzt kein echtes Problem ist. Er hat halt eine Sauklaue und Maler wird er auch nie werden. Dafür spielt er gerne und gut Klavier.

Ich habe das Gefühl, man muss höllisch aufpassen, dass man sich als Eltern nicht die Butter vom Brot nehmen und sich total verunsichern lässt. Man muss sehr genau gucken - wie sehe ich mein Kind, wie sehen Menschen denen ich vertraue mein Kind (Kinderarzt, Erzieherinnen, Lehrerinnen) und wie sehen Menschen mein Kind, die zwar mit ihm zu tun haben, denen ich aber nicht wirklich vertraue (Lehrer, Therapeuten, Ärzte, was auch immer).

Man muss als Eltern wissen, ob die "Defizite" seines Kindes nur auf eine mangelnde Begabung und ein Desinteresse an einer Tätigkeit zurückzuführen sind (so wie ich immer unsportlich war ohne dass damals überhaupt ein Mensch auf die Idee gekommen wäre mich zur Ergotherapie zu schicken) oder ob wirklich ein Behandlungsbedarf besteht.

Mein ältester Sohn wird nie ein Maler sein, auch kein Leistungssportler. Dafür ist er sehr musikalisch, ein absolutes Lesekind und interessiert sich für Naturwissenschaften. Die Ergotherapeutin hat ihm genau die Aufgaben gegeben, die er hasst - kleine Papierkugeln rollen und aufkleben. Ich habe das ein Mal mit ihm gemacht und dann beschlossen: das reicht.

Er wird weiterhin Übungen machen, die seine Schrift verbessern und zügiger machen. Aber ich lasse mir nicht einreden, dass er Defizite in der Dosierung der Kraft in den Händen hat. Der Kinderarzt hat mich darin bestärkt und gesagt es ist absoluter Quatsch so etwas bei einem Kind zu diagnostizieren, welches Klavier spielen und dort gezielt lauter und leiser spielen kann.

Vollstes Vertrauen habe ich dagegen zu dem Logopäden. Mein jüngster Sohn hat im Gegensatz zum Großen, bei dem es nur um "s/sch" ging wirklich massive Ausspracheprobleme. Er wird Logopädie bekommen bis er in die Schule kommt, also noch zwei Jahre. Wir üben mindestens jeden zweiten Tag mit ihm, weil es wirklich notwendig ist. Er konnte viele Laute gar nicht sprechen, glücklicherweise ist er sehr motiviert und ehrgeizig und es geht langsam aber sicher voran. Wir haben gute Chancen dass er bis er in die Schule kommt alle Laute sprechen kann. Ohne Logopädie hätte er definitiv eine Sprachheilschule besuchen müssen und mit hoher Wahrscheinlichkeit LRS entwickelt.

Während bei meinem Ältesten die Logopädie eher eine "Schönheitskorrektur" war, um das Lispeln wegzubekommen, geht es bei meinem Jüngsten wirklich um notwendige Förderung, um eine Fehlentwicklung zu korrigieren, die ihm später mal massive Probleme auch in der Schule bereitet hätte.

Ich habe daraus gelernt, mich hauptsächlich auf mein Gespür als Mutter zu verlassen. Und dem Gefühl zu vertrauen, das ich gegenüber Ärzten und Therapeuten habe. Bei den Logopäden hatte ich gleich das Gefühl, dass meine Kinder sehr gut aufgehoben sind.

Bei der Ergotherapeutin nicht, und dieser Eindruck hat sich von mal zu mal verstärkt. Jetzt werden wir mitten in der Behandlung die Therapeutin wechseln - es tut mir zwar wirklich leid für die Frau, aber mein Kind geht vor. Sie war zudem dermaßen unsensibel, dass sie mir nach jeder Therapiestunde in Anwesenheit meines siebenjährigen Kindes ausführlich erklärt hat, was er alles noch nicht kann und dass er entwicklungsverzögert sei. Mein Sohn mag zwar keine 50 Seilsprünge am Stück schaffen, aber er sein Gehirn und seine Ohren funktionieren ausgezeichnet und es ist gelinde gesagt unsensibel, in Anwesenheit des Kindes deutlich und im Detail zu sagen, was er alles nicht kann, und dabei das Kind selbst völlig zu ignorieren, aber eifrig seine Defizite aufzuzählen, und zwar auf eine Art und Weise, dass er sich selbst völlig unfähig vorkommen muss :-[

Ich bin bestimmt keine Mama die ihr Kind unter eine Käseglocke steckt und sage ihm selbst deutlich was ich denke - aber das geht einfach zu weit.

Tja, mein Beitrag ist länger geworden als ich eigentlich wollte - aber es ist für mich einfach grad ein Thema, mit dem ich mich stark auseinandersetze. Ich könnte noch mehr dazu schreiben, aber ich denke, das reicht erst mal. Ich finde, es läuft einiges aus dem Ruder und in die falsche Richtung - die sowieso besorgten Eltern werden verunsichert, und die Eltern, die Unterstützung nötig hätten, fallen durchs Raster, weil Angebote nur dann etwas nützen, wenn sie auch angenommen werden. Kinder werden nur noch nach Schema F beurteilt - solange das Kind bei etwas "weiter" ist als der Altersdurchschnitt, ist es gut - wehe aber, das Kind hinkt ein bis zwei Jahre hinterher, da muss dann sofort gefördert werden... mit viel Aufwand, Zeit, Geld und wenig Erfolg (Aufwand und Erfolg stehen dann in keinem sinnvollen Verhältnis mehr). Das Gras wächst nun mal nicht schneller, wenn man daran zieht! Aber die so wichtige Gelassenheit im Umgang zwischen Eltern und Kindern geht verloren, und das ist die eigentliche Gefahr!

lg
K.

Beitrag von schnufiele 16.12.09 - 07:18 Uhr

So nun will ich mich also solch eine betroffene Mama auch mal zu wort melden !

Ihr regt euch über Frühförderung auf nun gut aber wieso ??? wenn eure Kinder nicht betroffen sind kann es euch doch föllig egal sein !
Mein Sohn 2 Jahre und 3 monate geht auch zur frühförderung und zwar aus dem ganz einfachen grund ER IST EIN FRÜCHEN UND ENTWICKLUNGSVERZÖGERT !!!

jedes Kind das zur frühförderung geht hat bestimmt auch seinen grung !

es wäre das selbe wenn ein kind nicht richtig spricht und zum Logopäden soll geht es wird es bald besser geht es nicht behält es das eventuell sein ganzes lebenlang bei !

Mann sollte sich erst richtig informieren bevor man urteilt !

Wäre mein sohn altersgerecht entwickelt müsste er auch nicht zur frühförderung und glaubt mir ich beneide jeden der es nicht muss ! aber mein kleines frühchen das mit 14 wochen zu früh auf die welt kam braucht diese spezielle art der förderung die ich zuhause nicht umsetzen könnte !

ich finde ihr reagiert auf dieses thema ganz schön unmenschlich !

lg

Beitrag von girl08041983 16.12.09 - 07:54 Uhr

Huhu,

ich versteh auch nicht wie man sich darüber aufregen kann, wenn das eigene Kind nicht betroffen ist. Darüber zu urteilen, wieso ein Kind dorthin muss ohne die wirklichen Gründe zu kennen, verstehe ich auch nicht.

Mein Sohn geht zur Ergo, Logo und Krankengym und das seit er 3,5 Jahre alt ist. Er war bei der Frühförderung 6 Monate und die haben uns einen Kita empfohlen, wo die Erzieher sich einen Sch.. um seine Defizite gekümmert haben und ihn einfach nur abstempeln und in eine Schule für behinderte Kinder stecken wollten.

Mein Kleiner Sohn macht NICHTS, obwohl er ziemlich spät erst mit Sprechen angefangen hat, aber die Erzieher im neuen Kita haben uns noch nie darauf angesprochen, dass er irgendwohin sollte (von unseren Logopäden her, müssen wir auch nichts machen).

Lg Lia

Beitrag von smr 16.12.09 - 11:53 Uhr

Hallo!
Die TE meint doch nicht Frühchen, die natürlich unter Umständen eine besondere Förderung brauchen, sondern sie meint, ob nicht bei viel zu viel "normalen"Kindern mal eben schnell eine Förderung ins Auge gefaßt wird, wenn mal ein bißchen "was nicht stimmt"...nicht aufregen.
LG
Sandra

Beitrag von engelchen28 16.12.09 - 08:31 Uhr

hi awk!

das einzige, was du falsch machen kannst, ist, dich bockig anzustellen und den kommentar des kinderarztes als angriff auf dich, dein kind und deine erziehung anzusehen.

eine frühförderung klärt in erster linie erst einmal ab. und dann ist es ja nicht so, dass du deinem kind erklärst: "hör mal, du bist nicht normal, wir müssen da jetzt hin (in die irrenanstalt)". für dein kind wird es einfach eine stunde spielen, malen, basteln etc. sein - ganz ohne zwang, aber mit viel spaß. nennt es doch "malkurs" oder "spielkreis" o.ä.?! ihr könnt jederzeit abbrechen, wenn ihr nicht weiter hinwollt, aber ich würde mir den kram erst einmal ansehen und DANN entscheiden!

lg & einen schönen tag für dich,

julia mit sophie (4,5 j.) & paulina (2,5 j.) #freu

Beitrag von blume82 16.12.09 - 08:49 Uhr

Hallo,

leider gab es das früher nicht.

Schau viele Kinder sind da einfach zur Sonderschule gekommen.

Und ich persönliche finde es auch "auffällig" wenn dein Kind mit 4 Jahren noch kein Strichmännchen malen kann oder wollte es nur nicht?

In zwei Jahren beginnt die Schule und dort wird immer mehr gefordert.

Mein Patenkind ist gerade in die erste Klasse gekommen und die schreiben schon lange alle Buchstaben und ganze Wörte und Sätze.

LG

Beitrag von brigge67 16.12.09 - 09:41 Uhr

Hi
klar ist es gut dass Kinder die ein wirkliches Problem haben, heute auch dementsprechend gefördert werden.
Aber was bitteschön ist daran auffällig wenn ein 4jähriger kein Strichmännchen malen kann?? Jaime hat sein erstes Männchen bei der U8 gemalt, er malt jetzt immer noch keine, dafür Häuser, SChiffe ect. Und was er ganz toll findet sind einfach farbige Blätter. Er malt gerne zu HAuse und im Kiga und er ist sehr geschickt im Basteln. Aber halt keine Strichmännchen...dafür interessiert es ihn mehr, was bei einem Vulkan passiert und warum es keine Dinosaurier gibt.
Ist er jetzt auch auffällig? Mein KiA sagt nein.
lg
brigge

Beitrag von girl08041983 16.12.09 - 09:45 Uhr

Woher will man wissen, dass das Kind kein Problem hat?

Es bei der FF vorzustellen, heißt ja nicht, dass das Kind da hingehen muss und ein Problem hat.

Lg Lia,

die das Gefühl hat, manche fühlen sich persönlich angegriffen, wenn ihr Kia sowas sagt

Beitrag von linagilmore80 16.12.09 - 09:14 Uhr

Pisa!
Das ist die Antwort auf die Frage, warum so viele zur Frühföderung müssen.
Vor einem viertel Jahr meinten die Erzieherinnen, dass meine Tochter auch sowas bräuchte - der Kinderarzt war da anderer Meinung. Er meinte, dass die Kinder viel zu früh unter Leistungsdruck stehen würden.
Gestern hatte meine Große die Schuleingangsuntersuchung. Die hat mir so Leid getan. Der Arzt hat meiner Meinung nach die Fragen nicht altersgerecht gestellt und man sah, dass meine Tochter echt Stress hatte. Nun, sie ist Schulreif - aber vor lauter Stress hat sie letzte Nacht wieder eingenässt und das hatten wir schon lange nicht.

Ich habe auch sehr kritische Blicke geerntet, weil meine Tochter weder turnt, noch irgendein Instrument oder sonst wie in einem Verein gefördert wird. Meine Tochter tobt draußen rum, sie klettert und singt, wenn ihr danach ist (was oft vorkommt).
Und ich räume ihr das Recht ein, sich in ihrem eigenen Tempo zu entwickeln.

Unsere Kinder müssen jetzt ausbaden, dass die Politik die Bildung zu lange vernachlässigt hat und es auch immer noch tut.

Beitrag von woodgo 16.12.09 - 13:45 Uhr

Also meine Tochter macht sehr viel Sport, sie ist auch in einem Sportkindergarten und nebenher machen wir auch noch Sport. Was soll verkehrt daran sein, daß mein Kind durch Sport und gesunde Ernährung motorisch und auch psychisch top fit ist? Leider machen die Eltern heut zu Tage zu wenig mit Ihren Kindern, was ich Dir jetzt keines Falls unterstellen möchte, sie möchten, daß sich Ihre Kinder so entwickeln, wie sie es für richtig halten...
Ich war jahrelang Trainerin für Kinderturnen, habe verschiedene Altersgruppen trainiert und ich war oftmals sehr erschrocken, daß Kinder mit 5, 6 oder 10 Jahren nicht mal ne Rolle vorwärts hinbekommen haben.

Unsere Kinder müssen jetzt ausbaden, dass die Politik die Bildung zu lange vernachlässigt hat und es auch immer noch tut.
So ein Quatsch...

Beitrag von gismomo 16.12.09 - 14:28 Uhr

Interessanter Beitrag. Die Frage ist doch nur: WAS genau "muss" denn ein Kind in welchem Alter können?

Bei eurer Familie liegen interessensbedingt die Schwerpunkte auf dem sportlichen Bereich. Muss jede Familie ihr Kind auf diese Weise fördern, damit die Kinder dann motorisch und psychisch top fit sind? Ich denke nicht.

In meiner Familie lege ich den Schwerpunkt auf Sprache/Lesefähigkeit, Werteerziehung und naturwissenschaftliche Bildung. Da ich selber kein sportlicher Mensch bin, finde ich Basisfähigkeiten in dem Bereich zwar wichtig (Schwimmen sollen meine beiden Kinder können und auch eine Sportart haben, die ihnen Spaß macht (bei uns Fahrradfahren)), aber mehr muss nicht sein.

Stattdessen finde ich persönlich sehr wichtig, dass meine Kinder mit geschriebener und gesprochener Sprache sehr gut umgehen können, dass sie Interesse an der Welt und ihren Phänomenen haben und dass ihre Neugierde und ihr Forschergeist geweckt werden. Um diese Ziele zu erreichen investiere ich Geld und Zeit.

Das Problem an der Sache ist ja, dass man unendlich viel machen/investieren könnte, wenn man denn unbegrenzt Zeit und Geld hätte.

Vieles, was Eltern tun, um ihre Kinder zu fördern, ist leider nach außen auch nicht sichtbar. Ich erlebe relativ viele Kinder, die in mehrere Kurse gehen, in denen ihre Interessen gefördert werden, die aber Defizite aufweisen in Bereichen wie: "Wie gehe ich richtig mit meinem Geld um? Wie löse ich Konflikte angemessen? Wie gehe ich mit Versagensängsten um? Wie arbeite ich mich vertieft in ein Thema ein? Wie bilde ich mir eine Meinung (die nicht nur auf dem Nachplappern anderer Leute Meinung beruht)", um nur einige wenige Themen zu nennen.

Kinder in Hinblick auf diese Art Fragen zu schulen und zu fördern kostet Zeit - Zeit, die man als Eltern investiert oder auch nicht. Es ist einfacher, Kinder in eine Vielzahl von Kursen zu schicken, als sie in Hinblick auf diese Fragen zu fördern. Es ist einfacher, weil die Kurse zeitlich planbar sind, die Ergebnisse "sichtbar" und vergleichbar sind.

Ob mein Kind gelernt hat, mit Geld umzugehen, erfahre ich letzten Endes erst wenn es erwachsen ist und mit seinem Geld auskommt. Wenn ich das Handyverhalten vieler Teenies beobachte neige ich zu der Erkenntnis, dass viel zu wenig Zeit gerade in das Erlernen der Fähigkeit gesteckt wurde, a) sich sein Geld einzuteilen und den "Wert" davon zu begreifen und b) in der Lage zu sein, seinen eigenen Selbstwert unabhängig von anderen und vom Konsumverhalten zu sehen. Das aber mal nur am Rande.

Die Fragen, die ich genannt habe, setzen lebenslange Prozesse in Gang. Der aktuelle Stand dieser Entwicklung ist schwerer messbar als z.B. das Ergebnis der Frage, was das Kind in der musikalischen Früherziehung gelernt hat und ob es schon eine "Rolle vorwärts" kann. Das bedeutet aber nicht, dass es deshalb unwichtiger wäre.

Und es bedeutet auch nicht, dass das alles "von alleine" kommt. Tut es nicht. Ich muss mir als Eltern sehr genau überlegen, wie ich mich verhalte, um mein Kind in dieser Frage zu fördern. Und vor allem brauche ich dazu auch Zeit. Die ist zwar weniger genau planbar wie wenn ich weiß, ich gehe jede Woche von 15.00 bis16.00 in die musikalische Früherziehung.

Aber wer will, dass Kinder lernen, sich mit einer Sache vertieft und komplex auseinander zu setzen, der bietet dem Kind Materialien, Gelegenheiten und Zeit an, damit es sich damit auseinander setzen kann. Ein Beispiel: Ich kann mit meinem weltrauminteressierten Kind ein Mal ins Planetarium gehen. Dann wars ein schöner Sonntagnachmittagausflug, aber mehr auch nicht.

Oder ich kann ihm immer wieder Bücher zum Thema kaufen (je nach Alter immer wieder welche, die weiter führen und komplexer sind), mehrmals mit ihm ins Planetarium gehen, in die Sternwarte gehen, im Computer nach Kinderseiten zum Thema suchen, etwas mit ihm zum Thema basteln, mit ihm den Sternenhimmel betrachten und einfache Sternkarten benutzen, Querverbindungen zu anderen Bereichen ziehen (philosophische Fragen zur Unendlichkeit etc.). Nur ein Beispiel. Für das alles brauche ich aber Zeit, und zwar gezielte und geplante Zeit - nicht einmal einen netten Sonntagsmittagausflug, sondern immer wieder fest eingeplante Zeit.

Wo bleibt die Zeit denn noch, wenn ich jeden Tag einen anderen "Kurs" besuche?

Kurse sind "in", die Förderung, die ich beschrieben habe, jedoch nicht - viele Eltern verstehen das gar nicht, dass es nicht nur um einen Sonntagnachmittagausflug oder ein Stündchen Basteln geht, sondern um gezielte Förderung der Interessen meines Kindes. Nicht durch eine Kursleiterin, sondern durch mich als Mutter. Klar bin ich keine Weltraumexpertin, aber ich kann mich informieren, wo welche Veranstaltungen dazu stattfinden, ich kann mir Bastelvorschläge und Bücher besorgen etc. Aber das alles kostet Zeit - Vorbereitungszeit und nachher Zeit des Kindes, um zu lesen, zu basteln, ins Museum zu gehen etc.

Diese Art Förderung finde ich persönlich sehr wichtig.

Schon seltsam, dass "Förderung" oftmals nur mit Verbesserung einer Fähigkeit/Begabung gleichgesetzt wird. Die Förderung zur Persönlichkeitsentwicklung allgemein wird oftmals nicht an erster Stelle gesehen.

Wir müssten zuallerst wieder Persönlichkeiten fördern, nicht Fähigkeiten. Dass die Übergänge zwischen beidem fließend verlaufen, ist klar.
Aber dass die so viel gepriesenen Förderkurse (Frühenglisch, Kinderturnen, musikalische Früherziehung, Ballett, Malkurse, Kinderuni usw.) nur Mosaiksteine der Förderung meines Kindes sind, die ergänzt werden müssten (nach meinem obigen Beispiel) ist viel zu wenig im gesellschaftlichen Bewusstsein verankert.

Es ist halt nicht wie im Supermarkt: Ich kaufe mir ein bisschen musikalische Früherziehung plus eine Stunde Kinderturnen pro Woche plus einen Stunde Kinderuni pro Woche und heraus kommt ein leckeres Gericht (=eigene, unverwechselbare und reife Persönlickeit).


lg
K.

Beitrag von woodgo 16.12.09 - 15:15 Uhr

In meiner Familie lege ich den Schwerpunkt auf Sprache/Lesefähigkeit, Werteerziehung und naturwissenschaftliche Bildung. Da ich selber kein sportlicher Mensch bin, finde ich Basisfähigkeiten in dem Bereich zwar wichtig (Schwimmen sollen meine beiden Kinder können und auch eine Sportart haben, die ihnen Spaß macht (bei uns Fahrradfahren)), aber mehr muss nicht sein.


Leider denken viele Eltern so. Man muß kein Kind zum Sport zwingen, aber irgendeinen sportlichen Ausgleich sollte jedes Kind haben, genau so sollte ein Kind im Vorschulalter ne Rolle vorwärts oder die Kletterstange hoch klettern können. Was nützt dem Kind die beste Bildung, die größte Intelegenz, wenn es motorisch eine, ich sage mal vorsichtig "Null" ist? Im Übrigen ist ein sportlicher Ausgleich zum Alltag für jedes Kind, auch Erwachsenen, wichtig, mindestens 2 mal die Woche sollte sich ein Kind sportlich betätigen, was es dabei macht, ist völlig egal. Durch die Bewegung wird auch die Leistungsfähigkeit gefördert#aha

Wir müssten zuallerst wieder Persönlichkeiten fördern, nicht Fähigkeiten.

Die Persönlichkeit wird doch mit den Fähigkeiten gefördert, dann wird ein Schuh draus;-)

LG

Beitrag von gismomo 16.12.09 - 15:36 Uhr

Ich finde es NICHT schlimm, dass viele Eltern so denken. Das heißt noch lange nicht, dass deren Kinder deshalb phlegmatische, fehlernährte und übergewichtige Mehlsäcke sind.

Erstens haben meine beiden Kinder beide mindestens zwei Mal die Woche Sport - beide machen einen Schwimmkurs, dazu geht der Kleine ins Purzelturnen und der Große hat zwei Mal die Woche Schulsport. Und das, obwohl sie eine unsportliche Mama haben, die außer Radfahren und Wandern keinen Sport ausübt. Ich kann da also keine Defizite erkennen.

Zweitens haben Kinder unterschiedliche Begabungen und mein Ältester wird nie ein Leistungssportler werden. Trotzdem ist Sport in der Schule sein sein Lieblingsfach. Wo ist da also ein Problem? Ich kann keins erkennen.

Drittens bin ich tatsächlich der Meinung, dass einem Kind Intelligenz und Bildung mehr nützen als Sportlichkeit und motorische Perfektion. Tja. So verschieden können Meinungen sein... Ich persönlich bewundere Stephen Hawkins mehr als die Klitschko-Brüder. Und beim Anblick eines durchtrainierten Fußball-Waschbrettbauches krieg ich keine weichen Knie, wohl aber, wenn ein eloquenter Redner einen hervorragenden und intelligenten Vortrag über ein naturwissenschaftliches Thema hält - da könnte ich schon mal eher schwach werden ;-)

Viertens stimme ich dir zu, dass durch Bewegung Leistungsfähigkeit gefördert wird. Dass deshalb der IQ um 20 Punkte nach oben schnellt halte ich dann aber doch für ein Gerücht...

Fünftens besteht sehr wohl ein Unterschied darin, ob ich Einzelfähigkeiten fördere oder die Gesamtpersönlichkeit. Die Übergänge sind, wie ich schon geschrieben habe, fließend. Aber das Ganze ist dennoch mehr als die Summe seiner Teile.

lg
K.

Beitrag von woodgo 17.12.09 - 09:47 Uhr

Ich merke schon, Du fühlst Dich persönlich angegriffen, mußt Du aber nicht, ich habe allgemein geantwortet. Ihr macht Sport und das ist doch O.K.

"Ich finde es NICHT schlimm, dass viele Eltern so denken. Das heißt noch lange nicht, dass deren Kinder deshalb phlegmatische, fehlernährte und übergewichtige Mehlsäcke sind."

Ich finde es schlimm und es geht nicht nur um die "Mehlsäcke" sondern um die Gesundheit und Entwicklung im Ganzen, dazu gehört nunmal auch der Sport und gesunde Ernährung ;-)

Und was ist denn falsch daran, Defizite zu fördern? Das Schlimme ist doch eigentlich an der ganzen Sache, daß sich die meisten Eltern auf den Schlips getreten fühlen und die Hilfe nicht annehmen, denn die Eltern wissen es besser.

LG

Beitrag von gismomo 17.12.09 - 14:55 Uhr

Zum ersten Punkt: Ja, zur Entwicklung im Ganzen gehören gesunde Ernährung und Sport. Die Frage ist nur, wie viel davon und welche Priorität das einnimmt, und ich denke, da entscheiden sich Familien unterschiedlich. Nur weil man nicht die absolute Priorität darauf legt, heißt das aber noch nicht, dass es zu wenig ist.

Besser als den ganzen Tag Medien zu konsumieren wie TV oder den Computer finde ich Sport allemal. Aber mir persönlich fehlt in vielen Familien einfach eine Erziehung zur gesellschaftlichen Verantwortung. Schwierig zu erklären: viele Eltern denken, sie schicken ihre Kinder in sämtliche Kurse, sie achten darauf, dass die Kinder Sport machen und dass sie viele Freunde haben. Und alles ist in Butter. Ich frage mich da manchmal: Wo findet Erziehung statt zum nachhaltigen Umgang mit Sachen/Geld? Wo findet Werteerziehung statt, wo findet Erziehung zur Verantwortung in der Gesellschaft statt? Mir kommt das alles immer so "individualisiert" vor. Das eigene Kind soll gefördert werden, gesund und fit sein, und damit ist Erziehung gelungen.

Anders gesagt: Defizite in der Fein-und Grobmotorik, Defizite beim Sprechen etc. ziehen sehr häufig Fördermaßnahmen nach sich. Aber Verantwortung in einer Gruppe übernehmen, die sogenannten "altmodischen" Tugenden ausüben können - da fehlt vieles, das wird oft vernachlässigt.

Warten können, bis ein Verhalten belohnt wird (Bedürfnisaufschub) z.B. - eine meiner Meinung nach sehr wichtige Eigenschaft, die man bei Kindern dringend fördern sollte. Das fällt durch das Raster. Das gehört aber zu einer reifen Persönlichkeit dazu. Ebenso wie wie Rücksichtsnahme, seinen Standpunkt klarmachen zu können ohne andere zu verletzten etc. - das alles ist nicht selbstverständlich da, sondern muss eingeübt werden. Und daran, wie wenig Erwachsene in der Lage sind, sich selbst entsprechend zu verhalten, sieht man, wie wichtig eine entsprechende Förderung der Kinder in diese Richtung wäre.

Zum zweiten Punkt der Defizitförderung:

Der problematische Punkt liegt meiner Meinung nach darin, dass im Einzelfall entschieden werden muss, was ein Defizit ist und was eine Nichtbegabung/Schwäche.

Wer legt das fest? Und warum legt derjenige das fest, welches Ziel verfolgt er damit?

Da sind wir dann an dem Punkt, dass es sicherlich Eltern gibt, die sich weigern, Hilfe anzunehmen, obwohl sie es bräuchten. Aber genauso sicherlich gibt es auch "Fachleute", die Kinder beurteilen, obwohl sie sie nur wenige Minuten gesehen haben - und da hab ich als Eltern auch das Recht, kritisch zu sein.

Und Kinder haben das Recht, in ihrer Entwicklung in irgendeiner Sache ein,zwei Jahre hinter ihren Altergenossen zurück zu sein. Ohne dass es immer gleich ein behandlungbedürftiges Defizit ist. Vieles kommt tatsächlich irgendwann von ganz allein. Das hat mit einer laschen Einstellung der Eltern nichts zu tun, sondern das sind Erfahrungswerte. Diese Gelassenheit geht häufig verloren, wenn Kinder nach Schemata beurteilt werden, darin seh ich die eigentliche Gefahr.

Ich lebe in einem Wohngebiet, in dem viele gebildete, so genannte "gut bürgerliche" Familien leben, häufig ist mindestens ein Elternteil Akademiker. Da wird sehr danach geschaut, dass die Kinder optimal gefördert werden. Oftmals kommt sogar etwas wie Konkurrenzdenken auf - ein Kind (gerade mal vier Jahre alt geworden) geht ins Frühenglisch, also muss das andere Vierjährige auch hin, sonst kann es ja irgendwann in der Schule dann nicht mehr mithalten... (O-Ton einer Mutter!)

Es ist vielleicht bezeichnend, dass ich Englischlehrerin an einer weiterführenden Schule bin und eins meiner Kinder ins Frühenglisch geschickt habe, das andere nicht. Das Kind, das großes Interesse an Sprache und Musik hat und kein Interesse an Lego, Bauen, Basteln, Malen durfte ins Englisch gehen. Das andere Kind, das in logopädischer Behandlung ist, gerne baut und bastelt und fein-und grobmotorisch aktiv ist, durfte nicht gehen. Warum? Weil das eine in einem Bereich gefördert wurde, der sowieso seinen Interessen entspricht, das andere Kind aber eine ganz andere Interessenslage hat und mir diese Art "Beschäftigungstherapie" für mein Kind dann einfach zu teuer ist. Und etwas anderes ist das einfach nicht, wenn Vierjährige ein Mal für eine Stunde in der Woche Englisch hören/reden. Da kann mir niemand glaubhaft machen, dass sich das signifikant positiv auf das Fremdsprachenlernen auswirkt, das ist Augenwischerei. Lieber lese und spreche ich viel mit meinen Kindern, das fördert entsprechende Zentren im Gehirn, die für die Sprache zuständig sind - das bewirkt fürs spätere Sprachenlernen wesentlich mehr als die paar englischen Vokabeln.


Um zum Punkt zu kommen: Gerade unter den gebildeten Familien wächst die Panik, dass Kinder hinter ihren Altersgenossen zurück bleiben könnten. Da geht es dann schnell nicht mehr um wirkliche Defizite, sondern Schwächen oder einfach ein Untalentiert-Sein in bestimmten Bereich wird dann sehr schnell als Defizit gesehen. Das frustriert Eltern und Kindern. Die Gelassenheit, einfach eine Weile abzuwarten und zu akzeptieren, dass nicht jedes sechsjährige Kind im Schwimmbad vom Dreimeter springen kann und will, geht verloren. Meiner Meinung nach schädigt das teilweise gravierend das Selbstbewusstsein der Mütter (Väter sind meist gelassener) und das der Kinder, die ja nicht blöd sind und mitkommen, dass Mama durch den Wind ist, weil es nicht so schön malen kann wie sein Kindergartenfreund, oder was auch immer.

In bestimmten Wohngegenden in Berlin oder Hamburg mag das alles ja angebracht sein, aber in gutbürgerlichen, akademisch gebildeten Familien in Baden-Württemberg geht der Schuss nach hinten los - Familien werden nicht gestärkt, sondern durch zu viel äußeren Einfluss verunsichert.

lg
K.

Beitrag von dana_maus 16.12.09 - 09:25 Uhr

Hallo,

ich war mit meiner Tochter zur U9, sie konnte dort kein Dreieck malen (hatten wir auch nie versucht, so wie andere Mütter das richtig geübt haben) und dann sollte sie mich malen. Es war zwar alles wichtige dran, aber sah nicht wirklich schön aus. Promt bekamen wir ein REzept zur Ergotherapie.


Beim ersten Termin hat die Therapeutin nach einer halben Stunde (und nachdem Celine sich selber gemalt hat) gefragt, warum wir eigentlich bei ihr wären.

Naja, jetzt haben wir das Rezept und machen es einfach, da es Celine sehr gut dort gefällt.

lg Sandy

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