Mein Vater macht alles kaputt...

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Forum: Familienleben

Die Oma füttert die Kinder übermäßig mit Süßigkeiten, Probleme mit der Schwiegermutter, Tipps zum Feiern der Taufe: Hier ist Platz für alle Themen rund um die Familie.

Beitrag von roze 16.12.09 - 07:22 Uhr

Guten Morgen!

Weiss gar nicht wo ich anfangen soll. Weiss nichtmal warum ich gerade das Beduerfnis habe hier meine Gefuehle niederzuschreiben...

Am Samstag hat meine Tochter Geburtstag. Sie wird 2. Schon lange freue ich mich auf diesen Tag.
...bis vorgestern. Ich musste meinen Vater "entladen".
Mein Vater ist Alkoholiker. Starker Alkoholiker. Er ruiniert nicht nur sein Leben sondern auch das seiner Famillie.:-( Obwohl ich inzwischen 300km entfernt von ihm lebe, leide ich immer noch unter seiner Krankheit. Meine Mutter und meine 2 Geschwister (11 Jahre und 22 Jahre) leben noch mit ihm zusammen.
Um es kurz zu machen: Vor ca. einem Monat habe ich ihm einen Brief geschrieben. Er hoert mir sonst ja nie zu, wenn ich probiere mit ihm zu reden, deswegen musste ich den schriftlichen Weg waehlen. Ich habe ihm geschrieben wie furchtbar enttaeuscht ich von ihm bin. Ich habe geschrieben, dass ich weiss, dass Alkoholismus eine Krankheit ist. Ich beschaeftige mich wirklich sehr viel mit diesem Thema. Es ist aber eine Krankheit, die heilbar ist. Ich sagte ihm, dass ich es langsam satt bin, dass er nichtmal den Versuch startet eine Therapie zu machen. Er macht uns seelisch einfach nur kaputt. Ich kann mein Leben mit meiner kleinen Famillie kaum geniessen. Staendig bin ich mit den Gedanken bei meiner Mutter und meinen Geschwistern. Ich rede mir immer ein sie im Stich gelassen zu haben.:-( Es ist so schwierig zu beschreiben wie und was ich fuehle.
Ich habe ihm gesagt, der Brief ist jetzt der letzte Versuch ihn zur Vernunft zu bringen. Ich schrieb, dass wenn er eine Therapie macht ich/wir ihn mit all unserer Kraft unterstuetzen, wenn er aber weiterhin trinkt, ich den verbalen Kontakt zu ihm meiden werde.
Er rief mich dann weinend an und versicherte mir, dass durch den Brief es "Klick" im Kopf machte. Ich habe versucht ih zu glauben.
Naja, vorgestern rief meine Mama mich an und meinte, dass sie Samstag wohl mit dem Zug kommen muessen, weil "er" wieder zur Flasche gegriffen hat.

Ich koennte Tag und Nacht nur heulen!!! Sind wir ihm so wenig wert? Ich wollte Samstag meinen Eltern erzaehel, dass sie wieder Oma und Opa werden...auch das hat er mir jetzt kaputt gemacht.

Ich wuenschte mir ich koennte ihn hassen...dann wuerde ich nicht mehr meine Gedanken an ihn verschwenden.

Ich bin seit 7 Jahren mit meinem Freund zusammen. Erst vor ca. 2 Monaten hat er meinen Vater zum ersten Mal besoffen gesehen. Er musste weinend den Raum verlassen. Das ist sonst wirklich nicht die Art meines Freundes. Ich habe ihm natuerlich sehr viel erzaehlt, aber wenn man sowas nie erlebt hat, dann weiss man nicht wovon ich rede. Er hat mich dann ganz doll gedrueckt und meinte "Es tut mir so furchtbar leid was Du alles erleben musstest!"

Mein Vater ist ein komplett anderer Mensch, wenn er betrunken ist.

lg
roze

Beitrag von fleur75 16.12.09 - 07:37 Uhr

Hallo,

meine Mutter ist seit fünf Jahren (mit einem Ausfall) trockene Alkoholikerin und hat über 20 Jahre getrunken. Bei ihr kommen noch Depressionen hinzu und eine Tablettenabhängigkeit, die im Frühling diesen Jahres stationär behandelt wurde, da sie in Verbindung mit diesem Trinkausfall fast umgekommen wäre.
Ich habe seit vielen Jahren psychisch stark mit dieser Alkoholproblematik zu kämpfen, gerade seit ich vor 6 Jahren selber Mutter wurde und mir dann aufging, was man einem Kind damit antut.
Mein Mann unterstützt mich seit 12 Jahren ganz toll und hat mir in dieser Hinsicht sehr geholfen.
Trotzdem wurde es irgendwann zu viel, so dass ich vor 1,5 Jahren eine Therapie begonnen und vieles aufgearbeitet habe.
Im Juni habe ich den Schritt gewagt, den ich schon viel eher hätte gehen sollen: Ich habe mich mit ihr getroffen und gesagt, dass ich den Kontakt abbrechen werde. Seit dem geht es mir wesentlich besser! Ich habe meine eigene Familie, die mir unendlich wichtig ist.
Meine Vergangenheit war schlimm, aber ich habe die Chance, im Jetzt und Hier zu leben und meinen Kindern eine möglichst unbeschwerte Kindheit zu ermöglichen.
Du hast keine Verantwortung für Deinen Vater, das musst Du Dir immer wieder sagen. Ich habe mich für meine Mutter immer verantwortlich gefühlt und hatte starke Schuldgefühle, dass sie meinetwegen trinkt. Diese Schuldgefühle haben mich jahrelang begleitet.
Ich kann Dir nur raten, brich den Kontakt ab und mach Dich frei!
Bei uns ist es so, dass mein Vater noch mit ihr verheiratet ist und sehr unglücklich ist, aber er wird sie nicht verlassen. Zu ihm habe ich guten Kontakt, ebenso unsere Kinder, aber mit meiner Mutter möchte ich keinen weiteren Kontakt haben.
Wenn Du noch Fragen hast, kannst Du mir gern eine PN schicken.

Fleur #blume

Beitrag von lollylolly 16.12.09 - 10:22 Uhr

so, traurig es ist. DU kannst deinen papa nicht helfen.

niemand kann das!

entweder er will es zu 100% selber und holt sich hilfe oder er bleibt immer alkoholiker.

das einzige was DU machen kannst ist deiner mutter und deinen geschwistern zu helfen.

rede ihnen ins gewissen. sie müssen von ihm weg!

wenn deine mutter eine ist die abhängig von ihm ist und es nicht schafft dann versuch wenigstens deinen geschwistern zu helfen.
vielleicht kannst du sie erstmal zu dir nehmen?
der/die 22 jährige kann sich dann alleine eine wohnung nehmen (auch wenn er/sie nicht genug geld verdient)

der/die 11 jährige muss GESCHÜTZT werden vor ihrem alkoholkranken papa, ihr leben wird dadurch ruiniert. willst du das?
wenn deine mutter nicht in der lage ist ihr kind zu schützen dann bist DU jetzt an der reihe.

schalte notfalls das jugendamt ein!


so schwer es ist, verschwende deine gedanken nicht an deinen papa.
ein alkoholiker der nicht will wird immer einer bleiben und sich und die menschen die ihn lieben kaputt machen.

Beitrag von muggles 17.12.09 - 12:11 Uhr

Mein Vater war auch Alkoholiker.

Allerdings hat er entzogen (nur 1x) und ist dann bis zu seinem Tod (20 Jahre spaeter) anfallsfrei "trocken" gewesen.

Wieviele Jahre er Alkoholiker war, kann ich nicht genau sagen, ich wuerde sagen, ca. 8 Jahre.

Ich habe mit meinem Vater oft genug ueber seinen Alkoholismus nach dem Entzug gesprochen. Er war in der Lage, sehr distanziert darueber zu sprechen.

Seine Aussage war: "Der Wunsch, "trocken" zu sein, muss vom dem Betroffenenen selbst kommen. Sein Umfeld (z. B. Ehefrau und Familie) kann predigen und bitten soviel es will - wenn der Alkoholiker nicht aufhoeren will, wird er es nicht. Ein halbherziger Entzugsversuch wird nicht funktionieren und unweigerlich zum Rueckfall fuehren.

Wie entstand sein Wunsch, nicht mehr Alkoholiker zu sein? Er war in nuechternen Momenten so sehr von sich angeekelt, dass die Abscheu gross genug war, mit dem Trinken aufzuhoeren.

Der Wunsch muss von Deinem Vater selbst kommen.

Du kannst mich gern auch als PN anmailen.

Wir waren sehr stolz auf unseren Vater, dass er es geschafft hat.

LG,

Claudia

Beitrag von elodia1980 19.12.09 - 14:27 Uhr

hallo roze,

so lange er nicht ganz unten angelangt ist, wird sich nichts ändern. alkoholiker brauchen den völligen zusammenbruch ihrer welt, bevor sie sich zur therapie aufraffen. mit briefen, verstand und vernunft, tränen und erklärungen erreichst du da nichts mehr.
so lange ihm seine familie erhalten bleibt und zu ihm steht, wird dein vater so weitermachen.

absoluter blödsinn ist es, dass du dir einredest, du hättest deine familie im stich gelassen. deine mutter ist eine erwachsene frau, die selbst ihre entscheidungen treffen kann und muss. nicht DU bist die mutter, SIE ist es. sie ist verantwortlich für ihr eigenes leben und für das ihrer kinder - das ist NICHT deine aufgabe!

ich kann dir nur dringend raten, inneren abstand zu deinen eltern zu bekommen. du kannst ihnen nicht helfen und du musst es auch nicht, das müssen die beiden allein auf die reihe kriegen. hör auf, dich derart zu sorgen. hör auf, immer alles retten zu wollen. hör auf, ihnen ins gewissen zu reden oder dich verantwortlich zu fühlen. und fang an damit, dich über deine kleine eigene familie zu freuen und die zeit zu genießen. damit geht eine gewisse ablösung von der ursprungsfamilie einher, aber die ist notwendig und heilsam für dich.

alles gute, elodia