Ich kann und will einfach nicht mehr

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Forum: Kleinkind

Das Leben mit kleinen Kindern ist wunderschön, nie langweilig aber auch ziemlich anstrengend. Da können Tipps von anderen Müttern oder Vätern viel Erleichterung und Hilfe in den Alltag bringen. Viele Infos rund um euer Kleinkind  (z.B. Kinderkrankheiten) findet ihr auch in unserem Magazin.

Beitrag von hotandspicy1975 16.12.09 - 10:04 Uhr

Guten Morgen, vielleicht kann mir einfach mal jemand Mut machen:

Mein Sohn ist 2 Jahre und 3 Monate und wir sind seit Monaten schon mitten in der heftigsten Trotzphase (ich empfinde es jedenfalls als heftig). Grundsätzlich ist alles "nein", und ständig wird geheult und gebrüllt. Geht schon morgens los, wickeln ist ne Katastrophe, er ist aber auch noch nicht soweit um aufs Töpfchen zu gehen. Die Sch... kann ihm bis zum Hals stehen, es wird getreten, gebrüllt und gehauen, wenn ich die wechseln will. Alles, was einfach mal sein muss - wickeln, Lätzchen um beim essen, Jacke an wenn man auf den Spielplatz will, Zähneputzen und umziehen vor dem schlafen abends - wird von heftigsten Brüllattacken begleitet. Und auch zunehmend in der Öffentlichkeit: Sanstag auf dem Supermarktparkplatz (wollte sich nicht ins Auto setzen und anschnallen lassen), Montag nach dem Turnen (wollte die Halle nicht verlassen und sich nicht anziehen lassen).

Ich hab einfach keine Geduld mehr. ich warte ne gewissen Zeit, aber irgendwann mach ich es auch gegen seinen Willen (habe schon mal von 15.45 bis 17.30, also fast 2 Stunden gebraucht, bis ich ihn gewickelt und angezogen hatten, weil ich nochmal zum Supermarkt musste). Momentan bin ich am Ende meiner Kräfte, ich heule ständig, brülle auch zunehmend zurück und weiss einfach nicht mehr weiter. Er ist bis nachmittags in einer Krabbelstube, wo er auch sehr gern hingeht und es auch keine Probleme gibt, aber an den Tagen, an denen ich nicht arbeiten muss (arbeite 2-3 Mal die Woche), schiebe ich die Abholzeit so weit es geht nach hinten.

Mich macht mein Gewissen fertig: Ich muss mir immer mehr eingestehen, dass mir das Zusammenleben mit meinem Kind zur Zeit überhaupt keinen Spaß macht. Ich bin immer froh, wenn ich ihn nicht um mich habe, ich liebe ihn, aber dieses ständige Geheule und Gebrüll macht mich einfach nur fertig. Mein größter Horror ist ein 2. Kind, ich schaff noch nicht mal das eine. Zur Zeit komm ich mir wie ein Vollversager vor, ich sitze heulend am PC, weil ich heute schon wieder rumgeschrieen habe und habe ein schlechtes Gewissen, weil ich froh bin, dass er nicht da ist.

Ich weiss einfach nicht mehr weiter, momentan wünsche ich mir einfach oft nur noch, dass mein Leben endlich zuende ist und ich meine Ruhe hab.

Und professionelle Hilfe bringt auch nichts, habe Depressionen, ne 3-jährige Therapie hinter mir und auch schon Antidepressiva genommen, die ich aber abgesetzt habe, weil es nichts ändert.

Kann mir bitte irgendjemand mal ein bisschen Mut zusprechen?

Danke im voraus

Beitrag von alteshaus 16.12.09 - 10:12 Uhr

Hallo!
Lass Dich erstmal #liebdrueck
Ich glaube, wir kommen von Zeit zu Zeit alle an unsere Grenzen. Wenn ich allerdings Sachen lese wie
"momentan wünsche ich mir einfach oft nur noch, dass mein Leben endlich zuende ist und ich meine Ruhe hab. "
und "habe Depressionen, ne 3-jährige Therapie hinter mir und auch schon Antidepressiva genommen, die ich aber abgesetzt habe, weil es nichts ändert."
denke ich schon, dass Du Dir helfen lassen solltest. Dir und Deinem Kind zu Liebe. Ich denke Dein Kleiner spürt Deine Unsicherheit und das macht wiederum ihn unsicher, was sich in seinem Verhalten spiegelt. Ein Kind braucht halt und wenn Du zur zeit so labil bist, kannst Du ihm den halt vielleicht nicht geben. In der Kindergruppe scheint er sich ja anders zu verhalten.
Bitte versteh das jetzt nicht als Kritik, dass Du nicht mit deinem Kind umgehen kannst. Wir alle werden nicht als mama geboren und machen Fehler. Aber man sollte sich dann nicht zu schade sein, sich helfen zu lassen.

Alles Gute für Dich und deinem Kleinen
Connie

Beitrag von hotandspicy1975 16.12.09 - 10:13 Uhr

Danke und dir auch alles Gute

Beitrag von alteshaus 16.12.09 - 10:16 Uhr

Danke!
Eins wollte ich noch los werden: vergiß nie, dass dein Kleiner Dich über alles liebt. Das ist von der Natur so vorgegeben. Er macht das nicht, um Dich zu ärgern. Bitte nimm sein verhalten nicht persönlich, sondern als Hilferuf. Lass Dir professionell helfen. Ein Gespräch kann so gut tun und schadet doch nicht. Und wenn dann alles wieder in ordnung ist bei Euch wirst Du sehen, wie sehr Du die zeit mit deinem Kind genießt!

LG
Conny

Beitrag von sysee 16.12.09 - 10:25 Uhr

Hallo erstmals,

vorab schon mal: Du bist nicht allein - jede Mutter macht das in dieser Altersphase mit seinen Kindern durch. Mein Sohn wird im Februar 3 Jahre und wir hatten dieses Theater auch die letzten 5 Monate - durchgehen!! Täglich!
Mäx durchlebt ebenso jede einzelne Phase des Trotzalters udm lässt nichts aus. Bisd hin, das ich fast mit ihm kämpfen muss, das ich ihn anziehen kann - was im Winter höllisch ist, weil bis ich all die Schichten ihm drüber gezogen habe, wir beider dermassen schwitzen, das ich wieder Duschen gehen könnte. Genauso ist es mit Wickeln, wenn er etwas nicht bekommt, seinen Willen nicht durchsetzt...etc. es wird alles mit markerschütterndem Gebrüll quittiert.
Also wie gesagt, wir haben das auch und auch bei mir hat die Geduld ihre Grenzen - Du bist nicht allein:

ABER: Eines muss ich Dir schon sagen - du schreibst, du schiebst die Abholzeit bewusst nach hinten, bist froh, wenn du alleine bist und am Liebsten wäre es dir, wenn du deine Ruhe hast - wann dein Leben zu Ende ist!!!!!???
Ja meinst du den nicht, das dein Sohn dies nicht spürt und alles nur verstärkt! Der merkt ganz genau, das du derzeit nicht mit ihm kannst. Du schreibst du liebst ihn, und das glaube ich dir gerne - aber kannst du diese Liebe dem Kleinen auch zeigen?
Mein sohn geht auch in die Krabbelstube - täglich 4 Stunden. Und auch wenn er mir in der Früh mal wieder zeigen wollte wer hier nun der "Stärkere" ist - ich kann es kaum erwarten ihn ab zu holen, den Rest des Tages mit ihm zu Verbringen - und das zeig ich ihm auch.

ich habe auch oft das Gefühl ich kann jetzt nicht mehr - doch es wird besser. Mäx wird nun drei und ich merke, das schön langsam die extremen Phasen abklingen. Und es bringt gar nichts zurück zu brüllen. Ich steck Mäx dann einfach in sein Zimmer und warte ab bis es vorbei ist. Mir hat in diesem Forum auch mal jemand einen sehr guten Rat gegeben - den Kleinen auch mal in unseren"Kämpfen" gewinnen lassen - das hat Wunder gewirkt!

Ehrlich gesagt bin ich über deinen letzten Zeilen ein wenig erschrocken! Ich glaube sehr wohl das du Hilfe brauchst - ich kenne dich zwar nicht und weiß jetzt auch nicht ob du rein aus Verzweiflung es nun so geschrieben hast wie es da steht - doch wenn du das Ende des Lebens ersinnst - dann befürchte ich, brauchst du in jedem Fall professionelle Hilfe!
Dir und deinem Kind zuliebe, der sich auf Dich verlässt und für den du das Größte der Welt bist. Niemand wird uns je wieder so innig und bedingungslos lieben wie unsere Kinder in diesem Alter.

Alles Liebe

Beitrag von janalein81 16.12.09 - 19:48 Uhr

Das hast du aber ganz schön geschrieben!!!! :-) Hab gerade bei deinen letzten Zeilen eine Gänsehaut bekommen!

Beitrag von kleine1102 16.12.09 - 10:36 Uhr

Hallo,

lass' Dich mal #liebdrueck!

Mensch, da hast Du's ja zurzeit wirklich "am Klappen" mit dem Getrotze und Getobe Deines kleinen "Wutzwergs" ;-).

In dem Alter (und auch noch darüber hinaus) betrachten die Kids sich als "Nabel der Welt", Motto: "Alles hört auf mein Kommando" #augen #schein. Das funktioniert so natürlich nicht- und jedes "Nein", jede Grenze hat oft enormen "Frust" zur Folge. Das ist meist nur schwer auszuhalten (vor allem dauerhaft) für Eltern UND Kind. Eigentlich klare und deutliche Grenzen werden täglich auf's Neue ausgetestet, sehr zur Verwunderung und zum Ärger der Eltern.

Hast Du außer der Krabbelstube Unterstützung (Mann, Eltern, Freundin)? Wie ist es, wenn Du den Kleinen ablenkst? Wie sieht's mit Belohnung aus? Sprich', wenn er sich halbwegs "anstandslos" wickeln/umziehen/ins Auto setzen lässt, gibt's zwei, drei Gummibärchen, ein Traubenzucker, einen Keks, einen Aufkleber, ein Tattoo, ... . Zwar pädagogisch nicht "ganz einwandfrei" ;-), aber vorübergehend völlig okay, wenn man so "geschafft" ist, wie Du. Ein, zwei Stunden "Gerangel", bis man losfahren kann zum Supermarkt (oder wohin auch immer) sind definitiv zu viel. D.h., Du lässt Dich zu sehr auf die Machtkämpfe mit Deinem Sohn ein (kein Vorwurf, eine Feststellung!). Es gibt Bereiche, da kann auch ein Zweijähriger mitbestimmen und "selber machen", aber manchmal ist dies entweder nicht möglich oder nicht angemessen. Unsere ältere Tochter "trotzt und testet" auch schon lange immer mal wieder, zum Glück meist nicht (mehr) so extrem #schwitz. Im Alter Deines Sohnes hatten wir auch oft dieses Anzieh-Theater vor'm Rausgehen. War ja auch Winter, unsere Kleine gerade neu geboren, lag schon dick eingepackt im Kinderwagen- und brüllte, weil's ihr zu warm wurde #schrei. Mein Mann und ich auch schon in "voller Montur"- nur Lina war wieder auf ihrem "ich-laufe-ständig-weg-und-lass'-mich-nicht-anziehen-ist-das-lustig"-Trip #aerger #augen. Irgendwann war es uns dann zu blöd und wir haben gesagt, "Okay, wenn du dich nicht anziehen lässt, möchtest du offensichtlich nicht mitgehen!". Sind mit Baby nach draußen gegangen, haben die Haustür zugemacht- und Lina drinnen mal zwei, drei Minuten weiter "toben" lassen. Zwar auch nicht ganz "einwandfrei"- aber es hat geholfen. Seitdem lässt sie sich meist recht problemlos anziehen, bzw. zieht sich inzwischen weitestgehend allein an.

Wenn Du das Gefühl hast, aus eigener Kraft nichts (mehr) verändern zu können bzw. Deinem Sohn nicht mehr die erforderlichen Grenzen setzen und ihm gleichzeitig die dringend notwendige angemessene Zuwendung geben zu können, kannst Du Dir sehr wohl Unterstützung von außen holen, z.B. in Form einer SPFH (Sozialpädagogische Familienhilfe). Dabei geht es nicht um Therapie und auch weniger um Dich und Deine (Vor-)Geschichte, sondern darum, Dich in Deinem Erziehungs-Verhalten zu unterstützen/zu bestärken, gemeinsam mit einer Fachkraft Handlungs-Optionen und -Alternativen zu erarbeiten und dadurch den Alltag für Dich und Dein Kind wieder "erträglicher" und angenehmer zu gestalten.

"Trotzen" ist normal und wichtig, gehört zum Leben eines Kleinkindes dazu. Wenn man aber als Eltern daran zu verzweifeln droht, keine Möglichkeiten mehr sieht, dem Verhalten des Kindes angemessen zu begegnen, die Wutausbrüche entsprechend zu kompensieren, ist es ein guter Weg, sich dafür Hilfe zu holen. Wende Dich an Euer zuständiges Jugendamt, dort wird man Dir weiterhelfen können- OHNE negative Konsequenzen für Dich und Deine Familie (das ist ja leider eine Befürchtung vieler Eltern)!

Hoffe, das hilft Dir ein wenig weiter #gruebel? Ich wünsche Dir & Deiner Familie alles Gute- und trotz täglichem "Terror" eine schöne Weihnachts-Zeit #stern! Kopf hoch- das wird alles besser und einfacher #pro :-) (trotzdem musst Du es jetzt nicht weiter "ertragen")! Würd' mich freuen, wenn Du Dich nochmal meldest (VK), wie's Euch ergangen ist bzw. geht :-D.

Lieben Gruß #snowy,

Kathrin & #huepf Lina Emilia & #baby Antonia Maria

Beitrag von hotandspicy1975 16.12.09 - 10:47 Uhr

Danke für deine lieben Worte. Nein, Hilfe hab ich nicht, mein Mann arbeitet bis spät in die Nacht und ist auch an den Wochenenden und manchmal auch über nacht nicht da.
Das mit den Belohnungen ist ne gute Idee, werd ich mal versuchen.

Liebe Grüße und alles Gute

Beitrag von dielugis 16.12.09 - 11:19 Uhr

Hallöchen,

lass dich erst mal zur Aufmunterung in den Arm nehmen und drücken.
#liebdrueck
Diese Phasen kennen wir auch und unser Sohnemann ist 21 Monate. Bei uns lag es daran, dass er in eine andere Kitagruppe gekommen ist und hat somit auf die Veränderung so reagiert. Damals schrie ich auch den Kleinen Spatz an und einmal rutschte mir die Hand aus und er bekam einen Klap auf den Hintern. Natürlich schrie er dann noch mehr. Ich hatte sofort ein schlechtes Gewissen, habe mich auch beim ihn entschuldigt und versprochen, dass es nicht wieder vorkommt.Nun esse ich lieber ein Stück Schokolade oder trink Beruhigungstee (Ruhe & Kraft).
Mittlerweile hat sich das mit seinen Phasen etwas wieder gegeben und ich kann wieder Kraft tanken.
Mein Mann und ich wechseln uns dann immer ab.
Leider merken wir , dass er bei jeder Veränderung so reagiert und versuchen es bei zeiten einzudämmen. Zwar lachen alle über uns, aber wir haben von anfang an alles dokumentiert, was wir mit ihm machen. Also, haben auf den Wickeltisch gelegt und gesagt; "so nun machen wir den Popo frisch .." oder beim anziehen "Nun kommt der rechte Arm und nun der linke..." Einserseit weiss er was kommt, andererseits hilft es mir ruhig zu bleiben und ich merke sofort an meiner Stimmlage, wenn ich genervt bin und kann auch sofort gegensteuern.
Heute haben wir es dadurch mit einigen Dingen einfacher.
Wir lieben doch schließlich unsere kleinen Tyrannen.
Eins ist nur wichtig, immer ruhig zu bleiben und ich weiß, dass es leichter gesagt ist, als es zu bleiben.

Kopf hoch, du schaffst das!!
Zum aufgeben ist es immer zu früh! :-)
;-)

Deine letzten Zeilen machen mir auch Angst.
#schock
Ich kann dir auch nur empfehlen dir hilfe zu suchen

Beitrag von erm 16.12.09 - 11:29 Uhr

Hallo du,

erst einmal find ich es total klasse das du so offen darüber redest.Ich kenn das Gezicke und Geschrei zu gut hab das schon zwei mal hinter mir, beim dritten mal voll dabei und Nummer vier kommt auch noch. Es ist nicht immer einfach und manchmal bin ich auch kurz vor dem verzweifeln, dann lass ich mir die tollsten Dinge einfallen um meine Leanne wieder runter zu holen von ihrem ich schrei, leg mich auf den Boden und zappel wie wild mit allen vieren Trip. Ach, spuken findet sie im Moment auch total toll. Ich versuch immer ruhig zu bleiben( klappt auch nicht immer).Wenn es garnicht mehr geht dann bring ich die Kleine zur Oma oder Papa passt auf, ihr großer Bruder passt auch mal zehn Minuten auf dann gehe ich zum ausdampfen kurz an die frische luft.
Bei dir ist es wohl so das du ganz allein auf dich gestellt bist und der Papa dir den Kleinen nicht kuz abnehmen kann.
Hast du schon mal daran gedacht eine Mutter-Kind-Kur zu machen?
Frag mal deinen Kinderarzt oder deinen Arzt.
Laß dir helfen wenn du Depressionen hast das ist nicht auf die leichte Schulter zu nehmen.
Du wirst das schaffen für deinen Zwerg und für dich, ich glaube ganz fest daran!!!!


LG#liebdrueckerm

Beitrag von xxxyyyzzz123 16.12.09 - 11:53 Uhr

Hallo!

Erstmals: #liebdrueck

und denk dran: es geht vorbei! Es wird sicher wieder mal bergauf gehen!

Ich bin sonst nicht diejenige die hier kluge Antworten schreibt, sondern bin meistens eher selber am jammern. Aber jetzt hab ich das Buch 'Tyrannen müssen nicht sein' von Winterhoff gelesen und jetzt muss ich auch mal meinen Senf abgeben, da mir das ganze ziemlich einleuchtend vorkommt.

Er schreibt, dass man Kinder als Kinder sehen muss. Dabei geht es um die psychische Reifeentwicklung von Kindern. Kinder werden heute oft überfordert indem sie ständig bei Entscheidungen miteinbezogen werden. Kinder müssen Kinder bleiben und manche Entscheidungen müssen ihnen abgenommen werden. Gewickelt werden ist eben eine Notwendigkeit. Die Entscheidung triffst du - du bist die Erwachsene. Genauso wie das Anschnallen im Auto. Lange Diskussionen bringen nichts. Wenn das Kind lernt dich ständig steuern zu können, kann es sich nicht weiterentwickeln. Es bleibt in seinem narzistischem Denken stecken es sei alleine auf der Welt. Er muss lernen dass er dich nicht wie einen Gegenstand herumschieben kann.
Das hört sich zwar sehr autoritär an, im Buch ist es aber gar nicht so beschrieben - ich hoffe ich bring das jetzt nicht falsch rüber.
Kinder sollen sehr wohl eigene Entscheidungen treffen dürfen, aber eben nur soweit es ihre Entwicklung zulässt. Kinder brauchen eine feste Struktur im Alltag, an der sie sich orientieren können. Und eine Mutter (Vater) der ihnen diese Struktur gibt.
WEnn er z.B. einen Wutanfall hat, dann geh vielleicht gar nicht so viel drauf ein - sondern lass ihn, geh aus der Situation raus, warte einige Minuten, sag ihm KURZ was sein muss und mach es! Stundenlanges warten, diskutieren und hoffen dass er sich selbst anders entscheidet sind vergeblich. Er kann es noch nicht verstehen!
Vielleicht magst du das Buch ja selber lesen - ich kann natürlich das hier nicht in ein paar Sätzen so zusammenfassen dass es auch sicher richtig verstanden wird. Aber es könnte ganz gut auf deine Situation passen.

Ansonsten würde ich dir schon raten, dass du dir nochmal helfen lässt. Versuch's doch noch mal mit den Tabletten - vielleicht brauchst du ja andere. Oder eine andere Psychologin. Ich hatte mal ganz arg mit Angstzuständen zu tun. Mir hat beides sehr gut geholfen! Ich hab die Antidepressiva allerdings auch ein halbes Jahr genommen, obwohl es mir schon lange besser ging! Aber es wurde mir gesagt dass es wichtig ist die nicht zu früh abzusetzen da ich sonst 'rückfällig' werde! Bis heute geht's mir gut!

Geh viel hinaus an die frische Luft und ans Tageslicht. Aber das wirst ja wahrscheinlich eh schon wissen!

Ich wünsch dir alles, alles Gute und viel Kraft. Lass die schlimme Zeit vorübergehen - in ein paar Monaten sieht's vielleicht schon wieder ganz anders aus.

Lg Karin

Beitrag von karupsel 16.12.09 - 12:03 Uhr

Tja ich kenn das, wir hatten auch so eine Phase um den zweiten Geburtstag rum. Alles ging nur noch mit Geschrei und Gebrüll.
Ich habe mich hinterher immer über mich selbst geärgert, dass ich dann auch laut geworden bin. Irgendwann habe ich mir gesagt, dass er ja eigentlich nichts dafür kann und hab dann konsequent versucht auf ihn einzugehen und in aller Ruhe mit ihm zu reden und in ganz schlimmen Fällen irgendwelche Kompromisse zu finden. Wenn es dann garnicht ging, hab ich ihn einfach für ein paar Minuten ignoriert. Und es dauerte nur ein paar Tage und zu Hause war alles wieder total ruhig und harmonisch.

Beitrag von wort75 16.12.09 - 12:31 Uhr

das ist traurig, ich bettle meinen chef dauernd an, dass ich ein paar minuten früher gehen kann, damit ich den früheren zug erwische und meine kinder 30 minuten früher wieder hab.

aber die phasen, die kenne ich schon. aber weisst du was gut ist? sie geht sehr einfach vorbei. ich weiss es kostet anfänglich nerven, aber versuch mal, ihn alleine machen zu lassen. also wenn er nicht mehr gewickelt werden will, darf er mit dem hocker selber in die wanne klettern, die windel öffnen, die du ihm abnimmt und er darf das wassser selber anmachen um sich danach den po zu waschen. vielleicht machts so mehr spass. (klar, wenns eilt vor der krippe gehts weniger gut...)

oder die jacke - spiel das wurst-zerren-spiel. bei meinem sohn geht das prima: er darf die handschuhe (dünne) wie eine wurst zusammendrücken und in der hand behalten, wenn er den arm einfädelt. wenn er die handschuhe beim rausstrecken der hand immer noch hält, hat er gewonnen und wir brüllen "bravo".
ich weiss, das leben ist kein ewiges spiel - aber um den schlimmsten trotzphasen ein bisschen die spitze zu nehmen und zur ruhe zu kommen, darf man scon mal etwas rumspielen, finde ich.

am schluss sind sonst eh alle genervt - gerade während der weihnachtszeit.

ganz wichtig auch: kleine trotzköpfe brauchen regeln. aber brauchts JEDE regel? denk über deine regeln nach. wo gibts am meisten tränen und ärger? weil er vor dem essen noch was naschen will? nicht streiten - schneid einen apfel auf, von dem er ein viertelchen haben darf - den rest des apfels gibts als dessert oder zum essen dazu. wir essen oft obst, statt salat, weils uns besser schmeckt. und z.B. zu käse sehr lecker ist.

klar ist: mit depressionen, haushalt, job und kind ist das leben anspruchsvoll. mit zwei kindern wirds nicht leichter. und wenn die trotzphase vom ersten vorbei ist, beginnt die vom zweiten - und wenn die vorbei ist, beginnt die pubertät. aber es zwingt dich ja auch keiner, ein zweites kind zu haben, oder?

und dann: am anfang kostets nerven, ein kind selbständig werden zu lassen. alles geht ewig lang. und wenn du schon entnervt bist, weil es 10 minuten dauerte, die schuhe selber anzuziehen, will das stolze kind auch noch lob... aber so ists. aber nur am anfang.
lass ihn auch beim kochen helfen, beim tischdecken etc. das macht das kind stolz und selbstzufrieden. dann jammert und nörgelt es auch viel weniger. beim kochen kann er faktisch noch nicht viel machen. aber das abgemessene reis in die pfanne geben geht, die salatsauce rühren auch, tischdecken (anfanglich ggf. mit kindergeschirr) geht auch schon in dem alter.
auch spühlmaschine ausräumen kann er schon. nimm einfach vorher das besteck-fach raus, damit er sich an den messern und gabeln nicht weh tut.
du wirst sehen - es wird zwar alles langsamer gehen - aber er wird glücklicher und ausgeglichener sein.

Grüessli

Beitrag von gingerbun 16.12.09 - 13:14 Uhr

Hallo,
das klingt echt nicht gut was Du da schreibst. Ich weiss nicht ob ich es überlesen habe aber hast Du einen Mann? Also ist ein Papa da? Ich finde es ist weit aus mehr als Trotzen und Bocken was Du da beschreibst. Klar - meine Tochter (auch so alt) hat auch ihre Anwandlungen wenn sie eben was nicht bekommt. Sie macht dann hin und wieder schonmal Theater aber derart ausgiebig schonmal gar nicht und Treten und Hauen ist bei uns ein absolutes Tabu. Das hat sie einmal gemacht und da habe ich ihr wirklich deutlich zu verstehen gegeben (selbstverständlich verbal) dass ich das nicht wünsche. Sie weiss es auch.
Ich denke dass Dein Sohn ganz bewusst nach seinen Grenzen "schreit". Nur ist Deine Situation so schlecht zu beurteilen. Was tust Du denn wenn er etwas will und es nicht haben kann? Sofern Du keine Unterstützung von einem Vater hast (was ich mir wirklich sehr schwer vorstelle) solltest Du Dich aber wirklich um Hilfe kümmern. So kann es ja nicht weitergehen. Du musst auch sehen: Kein Kind will uns bewusst ärgern - es gibt immer Gründe warum Kinder so sind wie sie sind. Verständlicherweise bist Du damit überfordert - wäre ich mit Sicherheit auch. Und es geht auch nicht darum, dass Du was falsch gemacht hast oder nicht aber so ist es nicht zu schaffen. Du brauchst Hilfe!
Alles Gute und Gruß!
Ginger