Fragen zu Thalassämie

Archiv des urbia-Forums Gesundheit & Medizin.

Hier geht es in die aktuelle Version dieser Seite. Nimm dort aktiv am Diskussionsgeschehen teil.

Forum: Gesundheit & Medizin

Hier könnt ihr Fragen stellen zu allen Themen rund um Gesundheit, Vorbeugung, Kinderkrankheiten, Hausmittel und Naturheilmittel. Beachtet dabei bitte, dass medizinische Empfehlungen von interessierten Laien nicht den Gang zum Arzt ersetzen können.

Beitrag von moyra_jocelyn 16.12.09 - 15:05 Uhr

Hallo Ihr
Meine Mutter hat Thalassämie (welche Form weiß ich nicht, wohl aber nicht den gefährlichen Form, denn ihre Eisenwert ist nur sehr niedrig, mehr nicht).
Meine Eisenwert ist seit der SS sehr stark gesunken, trotz Eisentabletten. Heute früh war ich beim Arzt Blut abnehmen, um untersuchen zu lassen, ob ich es auch was davon bekommen habe. Ich hatte schon immer relativ niedrigen Wert, aber es sinkt merklich.
Meine Frage ist: Warum darf man bei Thalassämie keine Eisentabletten nehmen? Was genau passiert da, wenn man es nimmt? Sinken da die Blutwerte? Am Anfang hatte ich 9,8 und jetzt 7,9 gd/l (richtig so?)
Julia

Beitrag von fascia 16.12.09 - 16:13 Uhr

Hallo Julia,

es ist v.a. wichtig, dass ein Eisaenmangel und eine Thalassämie zwei ganz und gar unterschiedliche Dinge sind.

Eisenmangel in der Schwangerschaft kommt relativ häufig vor. Mit Eisentabletten und eisenhaltiger Ernährung tut man (sich) also etwas Gutes.

Bei der Thalassämie liegt kein Eisenmangel zugrunde. Hier ist eher das Gegenteil der Fall.
Die roten Blutkörperchen werden nicht ganz so gebaut wie ursprünglich vorgesehen. Sie erfüllen zwar ihren Dienst ganz passabel (Sauerstofftransport), leben aber nur ein Drittel bis ein Viertel ihrer normalen Lebensdauer. Es werden daher viel mehr von ihnen im Körper gebildet und wieder auseinandergenommen.
Da in die roten Blutkörperchen Eisen eingebaut wird, das der Körper nicht komplett wiederverwertet, aber auch nicht ausscheiden kann, bleibt ein gewisser Überschuss, den der Körper irgendwo ablagern muss. Dieses Ablagern kann Organen schaden, wenn ein bestimmtes Quantum erreicht ist. Daher ist die Gabe von Eisenpräparaten für Thalassämie-Menschen unvorteilhaft - sie haben schon mehr als genug damit zu tun.


In meiner zweiten Sschaft sollte ich auch ein Eisenpräparat nehmen. Das ging gar nicht. Verstopfung ohne Ende... Also habe ich mehr Fleisch gegessen, auch mal Leber, obwohl ich das nicht wirklich mag. Hat aber geholfen.

Deiner Mama alles Gute. Ist es eine leichte Form, geht es vielleicht ganz ohne Therapie und ohne große Umstände weiter.

LG, fascia.

Beitrag von moyra_jocelyn 16.12.09 - 16:20 Uhr

Hallo
Aber auf den ersten Blick hat man Eisenmangel, oder? Denn Meine Mutter hat immer so um 6,0 und bei deiner Beschreibung hört es sich so an, als ob es dann über 16 sein müsste oder so. Hat meine Mutter also doch keine Thalassämie?

Beitrag von fascia 16.12.09 - 18:02 Uhr

Ja, das stimmt auf eine Weise.
Bei Beidem - einem Eisenmangel und der Thalassämie - ist vergleichsweise wenig Eisen im Blut, oder Serum.

Beim Eisenmangel, weil zuwenig dort ankommt.
Bei der Thalassämie, weil mehr benötigt wird durch den schnellen Durchsatz der roten Blutkörper. Wer sich bei einer Thalassämie minor (wie deine Mutter) normal ernährt, hat im Blut einen relativen Mangel. Und vielleicht auch Symptome wie Müdigkeit und verminderte Belastbarkeit u.ä. (Es kommt sozusagen auf den Ort oder den Vorgang im Körper an, für den man das Eisen beurteilt. Z.B. Einfuhr, Verbrauch (wofür und an welcher Stelle), Ausfuhr, Speicheraufbau und -abbau. Der Eisenstoffwechsel ist dabei komplex und findet auf mehreren Ebenen statt. So kann das Blut einen relativen Mangel aufweisen und dennoch für Überschuss an anderer Stelle sorgen...)

Beitrag von moyra_jocelyn 16.12.09 - 20:13 Uhr

Danke dir für die ausführliche Antwort. Morgen oder übermorgen soll das Ergebnis kommen und dann wenn ich fragen habe, greife ich auif dich zurück, lach.
Julia