400 Euro Job Rechte und Pflichten des Arbeitnehmers

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Beitrag von bessi 16.12.09 - 19:46 Uhr

Hallo zusammen,

ich brauche mal Eure Hilfe. Folgende Situation. Zum 1.1. habe ich eine 400 Euro Stelle in einer Arztpraxis. Es ist soweit alles besprochen, morgen habe ich Team-Besprechung und meinen ersten Arbeitstag vorzeitig bedingt durch Vertretung. Ich war schon 2x zum Probearbeiten da. Einen Vertrag in dem Sinne habe ich noch nicht erhalten. Ich habe lediglich ein Formular für den Steuerberater ausgefüllt, in dem meine Stundenanzahl und der Verdienst eingetragen ist.

Nun zu meinem Problem. Eigentlich war ich auf der Suche nach einer Teilzeitstelle, bei der ich sozialversichert bin und mehr verdienen kann. Morgen nachmittag habe ich ein Vorstellungsgespräch bei einer Firma, wo dies gewährleistet ist. Ich rechne mir ganz gute Chancen aus, weiß aber jetzt nicht, ob ich diese Stelle dann zum 1.1. antreten kann, weil ich möglicherweise der 400 Euro Job Stelle verpflichtet bin und eine Kündigungsfrist von 4 Wochen einhalten muss. Oder ist das nur so, wenn ich einen Vertrag unterschrieben habe?

Weiß jemand, wie das rechtlich gehandhabt wird?

LG Bessi

Beitrag von nick71 17.12.09 - 08:42 Uhr

Wenn du keinen schriftlichen Arbeitsvertrag hast, gelten m.W. die gesetzlichen Kündigungsfristen.

Diese wäre in deinem Fall einen Monat zum Ende eines Kalendermonats.
(siehe § 622 BGB)

Ohne Gewähr auf Richtigkeit allerdings...

Beitrag von parzifal 17.12.09 - 11:13 Uhr

Kannst du es dir leisten den anderen Job nicht anzutreten?

Die Befürchtungen vor einem Regress des AG sind meistens rein theoretischer Natur. Anders würde dies bei einem Job aussehen, den nur der bestimmte AN ausüben kann und dem AG durch vertragswidriges Nichterscheinen ein höherer finanzieller Verlust entsteht.

In Deinem Fall solltest Du also gegenüber dem alten AG mit offenen Karten spielen und den neuen Job annehmen.

Wenn du alten und neuen Job irgendwie in Übereinstimmung bringen kannst solltest du dies natürlich machen.

Den neuen Job sausen zu lassen nur um den 400 EUR Job erfüllen zu können sollte keine Option sein, die du in Erwägung ziehen solltest.

Beitrag von bessi 17.12.09 - 14:15 Uhr

Ich würde auf jeden Fall den besser bezahlten Job antreten wollen. Meine Frage ging nur dahingehend, ob ich bei dem 400 Euro Job eine Kündigungsfrist einhalten muss, obwohl ich selbst bei dem 400 Euro Job noch keinen Vertrag unterschrieben habe. Das habe ich wohl etwas mißverständlich formuliert. Die Frage ist, ob ich einfach sagen kann, dass sich zwischenzeitlich etwas Lukrativeres für mich ergeben hat und ich die 400 Euro Stelle nicht antreten kann.

LG Bessi

Beitrag von parzifal 17.12.09 - 21:36 Uhr

Du hast Dich schon klar ausgedrückt.

Ich wollte darauf hinaus, dass selbst wenn eine Kündigungsfrist einzuhalten wäre dies dich nicht scheuen darfden anderen Job anzunehmen.

Für einen 400 EURJob gelten keine besonderen Regeln.

Es stellt sich also die Frage, ob bereits ein Arbeitsvertrag abgeschlossen wurde. Dies hängt von den konkret getroffenen Vereinabrungen ab.
Falls ja müsstest Du mit Frist kündigen.

Ob der AG aber im Zweifel den Abschluss des Vertrages nachweisen könnte ist fraglich (gab es Zeugen)?

Praktisch solltest Du dem "alten AG" einfach mitteilen, dass Du den Job leider nicht annehmen bzw. antreten könntest.

Beitrag von bessi 18.12.09 - 12:08 Uhr

Hi,

Danke für Deine Antwort. Ich hatte mich zwischenzeitlich nochmal beim Arbeitsamt abgesichert und erfahren, dass selbst eine mündliche Zusage auf beiden Seiten einen schriftlichen Vertrag ersetzt, wenn ich das Arbeitsverhältnis bereits angetreten habe. Somit muss ich wohl eine 4wöchige Kündigungsfrist einhalten.

Aber wenn es mit dem anderen Job klappen sollte, wird es hoffentlich nicht an 4 Wochen scheitern.

LG Bessi

Beitrag von parzifal 18.12.09 - 13:41 Uhr

"dass selbst eine mündliche Zusage auf beiden Seiten einen schriftlichen Vertrag ersetzt, wenn ich das Arbeitsverhältnis bereits angetreten habe."

Diese Ausage hilft Dir eigentlich nicht weiter, da Du das Arbeitsverhältnis ja noch nicht angetreten hast. Außerdem ist sie nicht vollständig.

Ein mündlicher Arbeitsvertrag wird wie jeder Vertag durch zwei übereinstimmende Willenserklärungen geschlossen.

Wenn ihr Euch beide über die wesentlichen Punkte einig gewesen seit (Lohn: Stdanzahl, Arbeitszeit etc.) dann liegt ein Arbeitsvertrag vor.

Der tatsächliche Arbeitsantritt erleichtert bei einem mündlichen Vertrag nur den Nachweis des Abschlusses.



Beitrag von bessi 18.12.09 - 18:35 Uhr

Ja genau, so habe ich es auch verstanden. Mündlich wurde ja auch soweit alles besprochen und den ersten Arbeitstag hatte ich ja gestern. Also muss ich wohl die Frist einhalten.

Beitrag von parzifal 18.12.09 - 20:36 Uhr

Ich entnahm Deinem Ausgansbeitrag, dass der Arbeitsbeginn der 01.01. sein sollte?

So gibt es am Abschluss natürlich wenig zu bezweifeln.

Beachte, dass Du auch als 400,-- EUR-Kraft Anspruch auf bezahlten Urlaub, Entgeltfortzahlung im Krankheitsfall und bezahlte Feiertage hast, wenn diese auf einen Arbeitstag fallen.

Beitrag von bessi 19.12.09 - 08:25 Uhr

Guten Morgen,

in meinem Ausgangsbeitrag hatte ich ja geschrieben, dass ich vertretungsbedingt schon einen Tag arbeiten sollte, das war am Donnerstag.

Das mit bezahltem Urlaub etc. ist immer so eine Sache...das ich darauf rechtlich Anspruch habe, dass weiß ich wohl, aber das Umsetzen in die Tat ist von Arbeitgeberseite her immer schwierig. Warum werden 400 Euro Kräfte eingestellt, weil sie kostengünstig sind. In meinem Fall sind drei 400 Euro-Kräfte eingestellt worden, die die Arbeit einer Vollzeitkraft auffangen sollen. Ich glaube nicht, dass ich da so auf mein Recht pochen werden kann. Dann wird man ganz schnell wieder ausgewechselt. Auch wenn die Arbeitnehmer hier Rechte haben, ist es doch ganz selten so, dass sie das auch einfordern, weil sie wissen, das sie ganz schnell wieder draußen sind.

Mir bleibt nichts weiter übrig, als zu gucken, wie es wird.

Ich danke Dir auf jeden Fall nochmals für Deine Antworten.

Alles Gute und eine schöne Weihnachtszeit. Bessi