Wie vorgehen wenn Chef nicht zahlt?

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Beitrag von hoeppy 17.12.09 - 20:38 Uhr

Hallo,

mein bester Freund bat mich hier mal nachzufragen.

Folgender Sachverhalt.

Die Firma in der mein bester Freund arbeitet hat diesen Monat noch keine Gehälter ausgezahlt. Normalerweise ist es am 15. auf dem Konto.
Er hat schon im Büro nachgefragt, die Dame die solche Sachen bearbeitet, bzw. Einblick in diese Unterlagen hat, meinte es wurde auch noch nichts angewiesen.

Der Chef ist die ganze Woche nicht in der Firma gewesen, zumindest nicht zu den üblichen Zeiten. Er kommt immer abends und sperrt sich dann im Büro ein. Er ist für niemanden zu sprechen. Keiner weiß wie die neuen Arbeitspläne aussehen, keiner weiß wann es Gehalt gibt.

Die Firma hat etwa 30 Mitarbeiter. Einen Betriebsrat gibt es nicht. (Der Chef war dagegen)
Mein Freund meinte ob er da was machen kann, bzw. wie da das vorgehen ist....

Er wohnt noch Zuhause bei seinen Eltern und ist Anfang 20.

Er weiß nicht wie es weiter gehen soll, da er ja auch so etwas wie laufende Kosten hat....

Für jede Antwort bereits jetzt ein herzliches Dankeschön!

LG Mona

Beitrag von vwpassat 17.12.09 - 20:41 Uhr

""Der Chef ist die ganze Woche nicht in der Firma gewesen, zumindest nicht zu den üblichen Zeiten. Er kommt immer abends und sperrt sich dann im Büro ein. Er ist für niemanden zu sprechen. Keiner weiß wie die neuen Arbeitspläne aussehen, keiner weiß wann es Gehalt gibt. ""

Das klingt nach GAME OVER!

1. Chef in Verzug setzen - Frist zur Zahlung setzen

2. Krank schreiben lassen

3. Schnellstens neuen Job suchen

4. Wenn Job gefunden - Kündigen.

Beitrag von hoeppy 17.12.09 - 20:47 Uhr

Danke...sowas habe ich ihm auch geraten. Er meinte noch ob er sich krank schreiben lassen muss-ob er nicht einfach so von der Arbeit fern bleiben kann da ja der Chef seiner Verpflichtung auch nicht nachkommt...

Da war ich mir nicht sicher... Ich glaube mal gehört zu haben dass man u.U. bis zu 3 Monaten ohne Gehalt weiterarbeiten muss...?

Beitrag von vwpassat 17.12.09 - 21:45 Uhr

Einfach so fernbleiben geht nur, wenn man mehrfach den Lohn angemahnt hat. Ist aber die schlechtere Variante, weil für die Zeit ja auch kein Lohn/Krankengeld/Konkursausfallgeld gezahlt würde.

Ich selbst hab auch mal was von 3 Monaten gehört, dies ist ja auch die Frist bis zu der spätestens Insolvenzausfallgeld beantragt werden kann. Dazu muss der AG aber ja erstmal Insolvenz anmelden (Alternativ die AN bzw. KK)

Beitrag von seikon 17.12.09 - 22:13 Uhr

Ich würde das noch auf deine Liste setzen.
Wenn der Chef keine Gehälter zahlen kann, dann ist er ja offenbar zahlungsunfähig. Da würde ich als AN dann einen Insolvenzantrag beim Amtsgericht für die Firma stellen.

Beitrag von vwpassat 17.12.09 - 22:18 Uhr

Das ist vollkommen richtig, aber die meisten AN (schade eigentlich) werden damit überfordert sein.

Beitrag von hoeppy 17.12.09 - 22:21 Uhr

Was wäre wenn ein AN solch einen Antrag stellt-und dann stellt heraus, dass die FA doch nicht pleite ist.

Was wenn der Chef "nur" einige Zeit später als vereinbart zahlen will um vielleicht für kurze Zeit Geld für etwas anderes zu haben?

Beitrag von vwpassat 18.12.09 - 00:31 Uhr

Warum werden Verträge i.d.R. schriftlich gemacht?

Weil es wahrsch. ansonsten noch mehr schwarze Schafe gäbe.

Meine Meinung zu Deinem Einwand:

Jedes seriöse und profitabel arbeitende Unternehmen würde einmen kurzen Engpass mithilfe der Hausbank überbrücken können. Die Mitarbeiter erwirtschaften schließlich den Mehrwert, also liegt jedem seriösem Chef auch daran, den Lohn für die Arbeit PÜNKTLICH zu zahlen.

Alles andere ist für mich und mein Rechtsempfinden nicht nur unseriös, sondern strafbar. Weil hier mutwillig anderer Leute Existenz mit zerstört oder zumindest in Bedrängnis gebracht wird.

Beitrag von seikon 18.12.09 - 11:30 Uhr

Naja, ganz so rein kann die Weste des AG ja nicht sein. Warum sonst kommt er immer erst kurz vor Feierabend und sperrt sich sofort ein? Vielleicht weil er Angst vor den unangenehmen Fragen seiner MA hat?

Ausserdem, selbst WENN er aufgrund eines kurzfristigen Engpasses die Löhne erst später zahlen kann, dann kann man die Mitarbeiter immer noch darüber informieren.

Ansonsten, was soll deinem Freund denn passieren, wenn sich dann raus stellt, dass die Firma doch nicht pleite ist?
Eher wird sich der Chef verantworten müssen, warum er trotz offensichtlicher Liquidität die Mitarbeiter nicht bezahlt, ehe man deinem Freund an den Karren macht.

Beitrag von sassi31 17.12.09 - 20:48 Uhr

Hallo,

die meisten Chefs sind gegen einen Betriebsrat. Das kann ja auch sehr unangenehm für sie werden.

Er soll so vorgehen, wie es dir bereits vorgeschlagen wurde.

LG
Sassi

Beitrag von hoeppy 17.12.09 - 22:18 Uhr

Vielen Dank für die bisherigen Antworten.

Ich werde es morgen so weitergeben.

Das Gute ist echt nur dass er noch bei seinen Eltern lebt.

Ich denke schwer wird sowas für Familien oder zumindest für Menschen die irgendwo Miete zahlen müssen....

Danke nochmal.

LG Mona

Beitrag von ayshe 18.12.09 - 09:14 Uhr

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Ich denke schwer wird sowas für Familien oder zumindest für Menschen die irgendwo Miete zahlen müssen....
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ja, da hast du recht.

so ging es meiner mutter damals.
mein bruder und ich noch klein, mein vater im ausland auf montage und der chef war pleite, hat nicht gezahlt und sie wußte schon wirklich nicht mehr, wovon sie einkaufen sollte.
da ist sie mit uns zur firma und hat ihn vol angemacht.
da hat er dann noch etwas gezahlt, aber danach war konkurs angesgat.

Beitrag von sonne_1975 17.12.09 - 22:46 Uhr

Es sind gerade mal 2 Tage Verzug.

Von der Arbeit fernbleiben kann er erst, wenn 3 Gehälter fehlen. Das heisst Leistungsvorbehalt...

Bei uns ging es 2 Jahre lang so, dass die Gehälter bis zu 3 Monaten später ausgezahlt worden sind, da kann ich über 2 Tage echt nur lachen. Hat er denn überhaupt keine Ersparnisse?

Bei uns kommt es noch zusätzlich, dass der AG von meinem Mann auch 2-3 Wochen später zahlt und wir haben auch unsere 2000 EUR Fixkosten im Monat, die am 1. abgehen, man muss halt auf Erspartes zurückgreifen.

Heutzutage ist es doch gar nicht ungewöhnlich, dass Gehälter später kommen, bei 2 Tagen jammert er schon rum?

LG Alla

Beitrag von hoeppy 17.12.09 - 23:01 Uhr

Er "jammert " nicht rum wegen der 2 Tage. Selbst die Dame im Büru hat noch nichts von Zahlungsanweisungen gehört. Normalerweise wird das Geld am 10. des Monats angewiesen damit es spätestens am 15. drauf ist.

Heute ist der 17. und es wurde noch nicht mal angewiesen-also besteht zumindest intern schon mal eine Verspätung von 7 Tagen.

Er jammert nicht-er will nur wissen wie man vorgeht. Er hat ein bisschen was auf der Seite, doch das deckt wohl nicht alle Fixkosten ab.Gut ist, dass er keine Miete zahlen muss...
Zumal es das Gehalt vom November ist, denn das wird erst immer im Folgemonat gezahlt.

Bin ja mal gespannt wie es da weiter geht. Tauschen möchte ich nicht mit ihm... Und mit Dir schon zwei mal nicht-nicht böse gemeint-aber wir haben niemals soviel Erspartes dass es alles decken würde ;-)

LG Mona

Beitrag von sonne_1975 17.12.09 - 23:25 Uhr

Man ist halt froh, wenn man Arbeit hat, die Spass macht und in der Nähe ist. Da nimmt man solche Unannehmlichkeiten in Kauf...

Unsere Firma hat die Kurve gekriegt, es gibt jetzt Gehalt nur 1-2 Wochen später, statt 2-3 Monate. Wie lange es sie noch gibt, weiss keiner, eigentlich hat jeder erwartet, dass wir schon vor 3 Jahren schliessen.

Er kann sich ja einen neuen Job suchen, wenn er unzufrieden ist. Aber da kann es genau so laufen...

LG Alla

Beitrag von ayshe 18.12.09 - 09:17 Uhr

ehrlich gesagt find eich deine haltung recht naiv.

man nimmt das in kauf?


also ich sehe das genauso wie vwpassat.
es klingt nach game over.
da braucht man sich keine gedanken machen, ob man etwas in kauf nimmt.

wenn die firma keine nennenswerten probleme hätte,
würde sich der chef nciht so verhalten.

Beitrag von tabea33 18.12.09 - 18:32 Uhr

Kein Erspartes? Aber wohnt bei den Eltern?

Schon nach 3 Monaten Vollzeitarbeit und zu Hause wohnen hatte ich 3.000 Euro gespart. Schließlich war ich noch an das wenige Geld von davor gewohnt und hab einfach so weiter gelebt. Nach drei Jahren hatte ich ein neues Auto sowie eine voll eingerichtete neue Wohnung. Ohne Kredit! Und meine Eltern haben sogar Kostgeld genommen.

Ich versteh es ehrlich gesagt kein Stück.

Tabea

Beitrag von ayshe 18.12.09 - 18:45 Uhr

vllt verdient er nicht viel,
vllt zahlt er auch wohngeld,
vllt braucht er viel benzin, um weit zu fahren...


vllt, vllt, vllt.



urteile nicht so vorschnell, ohne die hintergründe zu kennen!

Beitrag von hoeppy 18.12.09 - 19:28 Uhr

Danke....

Ich dachte schon ich müsste jetzt sein ganzes Leben hier ausbreiten...

Er gönnt sich eben den Luxus verschiedene Kurse zu besuchen.

Klar ist das nicht vergleichbar mit den Ausgaben einer Familie die auf eigenen Beinen steht....

Aber dennoch hat er seine Ausgaben seinem Verdienst angepasst.

Und nur weil er noch Zuhause wohnt heißt das nicht dass er nicht auf das Geld angewiesen ist...

LG Mona

Beitrag von whitefairy 17.12.09 - 23:30 Uhr

Hallo,

nicht jedem ist es möglich immer auf Erspartes zurückzugreifen.
Warum ist es denn heutzutage nicht ungewöhnlich, das die Gehälter immer später als vereinbart gezahlt werden ? Weil es immer AN gibt, die sich dies gefallen lassen.
Wenn am 15. Zahltag ist, dann ist am 15. Zahltag und nicht 1 Tag, 10 Tage oder 3 Monate später.
Verständnis für finanzielle Probleme bringt sicher jeder AN mit, aber leider vergessen die betreffenden AG immer, das dann das Gespräch gesucht werden sollte, da die Finanzprobleme des AG auch häufig Finanzprobleme der AN nach sich ziehen.
Komisch finde ich immer nur, das die AN in dieser Situation auf ihre eigenen Ersparnisse zurückgreifen sollen, warum macht dies nicht der AG ? Er sollte dafür doch Rücklagen schaffen.

LG whitefairy, die gut versteht, das Menschen auf pünktliche Lohnzahlung angewiesen sind

Beitrag von sonne_1975 17.12.09 - 23:55 Uhr

Jeder AN kann ja gehen, wenn es ihm nicht passt, oder? Wenn er einen anderen Job findet...

Bei uns waren alle Ersparnisse des AG längst aufgebraucht, natürlich wurden sie zuerst eingesetzt... Aber die Banken geben auch nicht unbegrenzt Kredite.

Und ja, eigentlich muss man darüber sprechen, aber leider sind viele Chefs da echt dämlich und stecken den Kopf in den Sand.

Beitrag von king.with.deckchair 18.12.09 - 07:48 Uhr

"Jeder AN kann ja gehen, wenn es ihm nicht passt, oder? Wenn er einen anderen Job findet... "

Und weil es immer mehr Menschen mit dieser dummen, dreisten und zynischen Meinung gibt, erlauben sich die vermeintlich Starken immer mehr Unverschämtheiten auf dem Rücken der Schwachen!

Beitrag von sonne_1975 18.12.09 - 11:42 Uhr

Was kann ich jetzt dafür? Was schlägst du denn vor?

Ich bin ein AN und war/bin schon lange davon betroffen, genau wie mein Mann. Was sollen wir denn tun? Das Geld wächst nicht auf den Bäumen, wenn kein Eingang ist, können die Gehälter nicht ausgezahlt werden.

Natürlich weiss ich, dass es nicht rechtens ist usw. Aber was soll man in der realen Welt tun? Ausser gehen, was ich auch vorgeschlagen habe. Aber gehen kann man auch erst, wenn man was Neues findet. Und es garantiert keiner, dass es da besser sein wird.

Es gibt nämlich noch anderes ausser Geld, was bei einer Arbeitstelle wichtig ist, zumindest für Ingenieure/Entwickler.

Beitrag von king.with.deckchair 18.12.09 - 07:46 Uhr

"Heutzutage ist es doch gar nicht ungewöhnlich, dass Gehälter später kommen, bei 2 Tagen jammert er schon rum?"

1. Nur, weil immer mehr Arbeitgeber offenbar ihre Zahlungsschwierigkeiten oder Scheißegalhatung damit ausleben, dass sie das Gehalt zu spät anweisen, soll der junge Mann also die Klappe halten?!

2. Nehmen wir an, der junge Mann sei auf sich allein gestellt oder eine junge allein erziehende Mama mit ohnehin schon geringem Verdienst. Weißt du, wie lang zwei Tag ohne Geld sein können?!

Beitrag von vwpassat 18.12.09 - 09:10 Uhr

Das ist alles nicht ungewöhnlich?

Jeder kann also tun und lassen, was er will?

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