Fuer euch Mamas - besser: Spezialmamas

Archiv des urbia-Forums Leben mit Handicaps.

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Forum: Leben mit Handicaps

Stolpersteine im Leben sind manchmal überwindbar, manchmal muss man sich mit ihnen arrangieren. Hier ist der Ort, um darüber zu sprechen: Entwicklungsverzögerung beim Kind, ADHS, das Down-Syndrom, Spina Bifida, Leben im Rollstuhl ...

Beitrag von hege08 19.12.09 - 23:29 Uhr

Hallo..

Ich lese hier manchmal mit, und moechte euch etwas posten, was ich auf der HP einer Mama mit einem besonderem Kind gelesen habe. Ich finde es so schoen, wer weiss, vielleicht ist diese Geschichte ja ein alter Hut - ich kannte sie jedenfalls nicht. Alles Liebe fuer euch!

Hege
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Die Spezialmutter

Die meisten Frauen werden durch Zufall Mutter, manche freiwillig, einige unter gesellschaftlichem Druck und ein paar aus reiner Gewohnheit. Dieses Jahr werden 100.000 Frauen Mütter behinderter Kinder werden.

Ich stelle mir Gott vor, wie er über der Erde schwebt und die Werkzeuge der Arterhaltung mit größter Sorgfalt und Überlegung aussucht.

Er beobachtet genau und diktiert seinen Engeln Anweisungen ins riesige Hauptbuch.



"Amstrong, Beth: Sohn. Schutzheiliger: Matthias.

Forest, Marjorie: Tochter. Schutzheilige: Cäcilie.

Rutledge, Carrie: Zwillinge. Schutzheiliger?

Gebt ihr Gerhard, der ist es gewohnt, wenn geflucht wird."



Schließlich nennt er seinen Engeln einen Namen und sagt lächelnd: "Der gebe ich ein behindertes Kind!"



Der Engel wird neugierig:" Warum gerade ihr, oh Herr? Sie ist doch glücklich."

"Eben deswegen", sagte Gott lächelnd.

"Kann ich einem behinderten Kind eine Mutter geben, die das Lachen nicht kennt?

Das wäre grausam."



"Aber hat sie denn die nötige Geduld?" fragte da ein Engel.

"Ich will nicht, dass sie zu viel Geduld hat, sonst ertrinkt sie in einem Meer von Selbstmitleid und Verzweifelung.

Wenn der anfängliche Schock und Zorn abgeklungen ist, wird sie es tadellos schaffen.

Ich habe sie heute beobachtet.

Sie hat den Sinn für Selbstständigkeit und Unabhängigkeit, die bei Müttern zu selten und nötig sind.

Verstehst du: das Kind, das ich ihr schenken werde, wird in seiner eigenen Welt leben. Und sie muss es zwingen, in der ihren zu leben, das wird nicht leicht werden."



"Aber Herr, soviel ich weiß, glaubt sie nicht einmal an dich!"

Gott lächelt. Das macht nichts, das bringe ich schon wieder in Ordnung.



Nein, sie ist geeignet.

"Sie hat genügend Egoismus."

Der Engel ringt nach Luft:" Egoismus? - Ist das eine Tugend?"



Gott nickt. "Wenn sie sich nicht gelegentlich von diesem Kind trennen kann, wird sie das alles nicht überstehen.



Diese Frau ist es, die ich mit einem nicht ganz vollkommenen Kind beschenken werde. Nie wird sie ein gesprochenes Wort als etwas Selbstverständliches hinnehmen.



Nie ein Schritt nach vorn, als etwas Alltägliches.



Wenn ihr Kind zum ersten Mal "MAMA" sagt, sei es auch nur mit den Augen, wird ihr klar sein, dass sie ein Wunder erlebt.



Wenn sie einem blinden Kind einen Baum, einen Sonnenuntergang schildert, wird sie ihn so sehen, wie nur wenige Menschen meine Schöpfung jemals sehen.



Ich werde ihr erlauben, alles deutlich zu erkennen, was auch ich erkenne: Unwissenheit, Grausamkeit, Vorurteile.......



Und ich werde ihr erlauben, sich darüber zu erheben.



Sie wird niemals alleine sein.

Ich werde bei ihr sein, jeden Tag ihres Lebens, jede einzelne Minute, weil sie meine Arbeit ebenso sicher tut, als sei sie hier neben mir."



" Und was bekommt sie für einen Schutzheiligen?" fragt der Engel mit gezückter Feder.



Da lächelte Gott.



"Ein Blick in den Spiegel wird genügen."

Beitrag von deoris 20.12.09 - 19:01 Uhr

Hallo
ich liebe diese Geschichte ! Die habe ich auch schon öfters hier gelesen.Bei mir ist das auf dem Desktop gespeichert und wenn es mir schlecht geht,lese ich das noch mal durch :-D

LG Ewa

Beitrag von mmv 21.12.09 - 07:55 Uhr

Total schön.............

ich glaube daran,dass Gott sich die Familien aussucht,wo diese Kinder es gut haben werden.

Ich,3fache Mami seid dem 3.12.2009......wurde an diesen Tag überrascht.
Als unsere Paulina zur Welt kam,habe ich direkt gesehen,dass sie anders ist.Und die Diagnose war:Trisomie 21(Down-Syndrom).
Meine Welt ist zusammen gebrochen,ich fragte mich,wieso gerade wir??????????????
Aber nun weiß ich es:Weil wir Paulina glücklich machen werden.
Wir lieben die Kleine Maus,so wie sie ist.

Beitrag von hege08 21.12.09 - 08:38 Uhr

Hi du

Ich setze mich in letzter Zeit vermehrt mit "Behinderung" auseinander, grundlos ansich, wir haben zwei gesunde Kinder, ich habe ansich keine direkte Veranlassung. Es interessiert mich einfach und ich habe grossen Respekt vor all den Mamis die das gut auf die Reihe bekommen. Ich will nicht zynisch sein, aber ein behindertes Kind ist etwas ganz Besonderes. Finde schriftlich nicht so die richtigen Worte ohne das es total bescheuert klingt - aber, wenn man sich all die Chromosomen anschaut, dabei die vielen Moeglichkeiten in Betracht zieht, was alles schief gehen kann - und wenn man dann sieht, wie oft es doch "einfach richtig" verlaueft, dann ist ein gesunder Mensch schon fast nichts Besonderes (und es klingt einfach doch doof...). All wir Menschen wollen speziell, individuell und einzigartig sein - aber ansich sind wir es nicht, wir Gesunden.

Ich glaube, ich wuerde ein behindertes Kind genauso annehmen wie ein gesundes. Das ist so erstmal leicht gesagt, aber letztlich liebt man seine Kinder so wie sie sind, oder?

Alles alles liebe euch!!!
Hege

Beitrag von hege08 21.12.09 - 08:53 Uhr

ich nochmal - ich bin uebrigens auch ne mai-mami 2008!!! und eine september-2009-mami! ;-)

hege, einarmig (stillend)

ps - wie waechst du rein in deine neue rolle? wie geht es euch?

Beitrag von mmv 21.12.09 - 09:03 Uhr

Naja.......

ich bin Mutter,wie bei den anderen 2 auch.
Paulina ist ja ein ganz normales Baby,in wieweit sie später geistig fit drauf wird,lässt sich ja jetzt noch nicht sagen.Ich habe sie schon in ein Frühförderungscentrum angemeldet,wo sie dann später gefördert wird.
Wie ich sie geboren habe,habe ich direkt gesehen,dass was nicht stimmt.Und als die Kärztin den verdacht bestätigte,ist meine Welt zusammen gebrochen.Wieso wir???Wir 4 waren Glücklich,hatten ein tolles Leben????Und jetzt????Ein Kind,was etwas anders sein wird,wie ihre Geschwister.Schaffe ich das????Schafft es mein Mann????Aber wir haben sie angenommen,so wie sie ist.
Hier wissen es schon viele,dass mein Kind etwas anders ist,im Kindergarten meines Sohnes wissen es noch nicht alle.Und wenn die nach dem Baby fragen,ob alles ok ist,dann sage ich natürlich ja,denn ihr geht es auch gut und offenbare die trisomie nicht sofort.Irgendwann werden die es auch sehen.Klar,ich habe Angst vor der Zukunft.Ich habe angst vor blöde reaktionen,ich will,dass wir weiter als "normale" Familie behandelt werden.
Ich mein,es gibt viel viel schlimmeres.......als trisomie.
In der schwangerschaft gab es keine Anzeichen,ich habe aber diese Nackenfaltmessung nicht machen lassen,bei keinem meiner Kinder,wieso denn auch?????Ich gehöre ja nicht zur Risikogruppe.....(da kann man sich täuschen)
Aber hätte ich die machen lassen,wie hätte ich mich verhalten??????Hätte ich sie behalten????ßHätte ich abgetrieben??????Diese Entscheidung finde ich viel viel schlimmer............Gott spielen zu müssen.
Dann habe ich es lieber so wie es ist.Ich wurde ins eis kalte Wasser geschmissen........aber nach dem Schock kam auch die Freunde und ich weiß,das mein Mann und meine Familie hinter uns steht,,,,,,,,und das ist das wichtigste...............oder???????

Beitrag von hege08 21.12.09 - 12:56 Uhr

Hi du!

Ich versteh dich so gut, ich glaub ich wuerde genau so denken und handeln wie du. Ich denke auch, das Schwierigste an allem ist die dumme Umwelt, Leute die gucken, und eigentlich gar nciht wissen wie sie sich verhalten sollen. Behinderungen sind irgendwie nicht gesellschaftsfaehig - aber das ist soooo falsch!!!! Ich glaube aber, das liegt zumeist daran, dass sich keiner richtig mit "Behinderung" beschaeftigt. Gleichzeitig werden (besonders als wir Kind waren) Behinderte "versteckt", "weggegeben", "vorenthalten". Heutzutage ist das ja schon ein wenig besser geworden (oder ist das nur meine Empfindung)? Leider bedingt sich das ein wenig gegenseitig - man weiss als Nicht-Betroffener vermutlich wenig ueber die Andersartigkeit eines behinderten Menschens und gleichzeitig werden Behinderte der Gesellschaft vorenthalten. Gott sei Dank gibts heute Integrationsklassen und so etwas. Als ich Kind war, gab es sowas nicht und ich kannte KEINEN Behinderten der bei "normalen Eltern" wohnte - nur solche aus einem Heim. Traurig, nicht wahr?

Ich denke auch, dass du in diese Rolle hineiwaechst und dein etwas-anderes-Kind wird GENNAU SO suess laecheln wie deine "normalen" Kinder. Ich denke auch alles Gruebeln Warum ich, bringt gar nichts, letztlich wird alles "nur so schlimm" wie du es machst - verstehst was ich meine?

Mensch, nur Anfuehrungsstriche hier, aber schon sprachlich ist es schwer "korrekt" darueber zu reden, oder?

Ganz gang fetten Weihnachtsgruss

Hege