Hartz 4 Sätze senken?

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Beitrag von schnuffeline-09 21.12.09 - 11:51 Uhr

Hallo urbianer,

Habe vorhin im Videotext gelesen, das im Gespräch ist die Hartz 4 Sätze um 30% zu senken und statt dessen ein bessereren Hinzuverdienst zu ermöglichen. Würde mich mal interessieren was ihr dazu meint und selbst drüber denkt;-)?

Ich als leider selbst Hartz 4 Bezieher

(und glaubt nicht ich bin es gerne, daher bewerbe ich mich in jeder Hinsicht, egal ob 165€ Basis oder Vollzeitjob um mir und meinem Sohn auch mal ein besseres leben, als auf Dauer Hartz 4 zu ermöglichen. Gehöre nämlich nicht zu den Hartz 4 Empfängern, die oft dank Schwarzen Schafen unter den Hartz 4 Beziehern, über einen Kamm geschert werden. Nein es gibt auch noch welche die sich um Arbeit bemühen, wenn es auch nicht einfach ist sich aus Hartz 4 abzuseilen. Aber wer nicht wagt, der nicht gewinnt;-):-p)

und sehe dem hier echt mit skepsis gegenüber, wenn Hartz 4 schon eine Flaute war, wie dann dieser Vorschlag funktionieren würde#kratz.
Wenn ich überlege mir würden noch 30% abgezogen, dann hätten ich und mein Sohn mit KG und UV unter 1000€ im Monat zur Verfügung#schock. Also selbst mit Hinzuverdienst würde es das Hartz 4 Prob. nicht lösen, sicher müssten dann auch so einige ihren A... bewegen und mal was tun und nicht nur über das jetzige Hartz 4 jammmern, aber wirklich leben, könnt man bestimmt nicht wirklich von#schwitz. Obwohl wenn ich mir so manchen "Geringverdiener" anschaue, habens wir Hartz 4 Empfänger echt nicht schlecht. Wir bekommen Vergünstigungen beim Eintritt in Zoo, Museum und co., Auch die Monatskarte gibt es in vielen Städten als Soz-Ticket, auch können wir uns von der GEZ befreien lassen, Klassenfahrten werden meist für die Kids übernommen und im Notfall bekommt man auch noch einen "Zinslosen" Kredit vom Amt. Welcher Geringverdiener (Und die haben meist noch weniger als
nen Hartz 4 Empfänger) kann davon schon Provietieren#hicks.

LG#snowy#stern

Beitrag von gretchens.armee 21.12.09 - 12:21 Uhr

Hey,

ach, im Gespräch ist sicher vieles... Leider habe ich auch auf die Schnelle nicht gefunden, wie denn das konkret mit dem "besseren Hinzuverdienst ermöglichen" aussehen soll. Schließlich ist meines Erachtens vor allem das Problem, daß bestimmte Lebensumstände (Alter, Alleinerziehung, mangelnde/fehlende Ausbildung) dazu führen, daß jemand keine Arbeit findet; und nicht grundsätzlich die gern zitierte "Faulheit".
Abwarten :-)

Grüße,
G.-

Beitrag von marion2 21.12.09 - 13:06 Uhr

Hallo,

geniale Idee.

Wir nehmen denen, die sowieso schon nicht viel haben, noch was weg um das nächste Steuergeschenk für die zu finanzieren, denen es soooo wahnsinnig schlecht nicht geht.

Hinzuverdienen kann man doch jetzt schon. Bei den wenigsten ist es eine Frage der Motivation, dass sie mit ALGII auskommen müssen.

Und bei denen, die es treffen könnte, würde an der Einstellung nichts geändert. Da verwette ich meinen A***#augen.

Gruß Marion

Beitrag von stephanieanne 21.12.09 - 13:30 Uhr

Was ich für sehr problematisch halte, ist die Tatsache, dass viele arbeitenden Familien genausoviel haben wir Harz 4 Empfänger - nur ohne die genannten Vergünstigungen. Das ist nicht fair und sollte angegangen werden.

Gerade bei Familien mit Kindern finde ich es nicht sinnvoll, das Harz 4 zu kürzen, allerdings sollte eine Möglichkeit gefunden werden, sicherzustellen, dass das Geld bei den Kindern ankommt und nicht von den Eltern vertrunken oder verraucht wird. Verantwortungsvolle Harz 4 Empfänger würden von derartigen Änderungen eh nicht in Mitleidenschaft gezogen werden.

LG
Anne

Beitrag von gretchens.armee 21.12.09 - 13:37 Uhr

Hey,

"...allerdings sollte eine Möglichkeit gefunden werden, sicherzustellen, dass das Geld bei den Kindern ankommt und nicht von den Eltern vertrunken oder verraucht wird"

Wie stellst du dir konkret eine solche Sicherstellung vor? Und wäre diese Sicherstellung nicht in letzter Konsequenz eine Bestrafung derjenigen, die ihr Geld nicht vertrinken oder verrauchen?

Gruß,
G.-

Beitrag von stephanieanne 21.12.09 - 13:47 Uhr

Z.B. Indem das Sozialamt voll die Kosten für den Schulanfangsbedarf übernimmt - aber nur gegen Quittung. In der Klasse meiner Tochter ist ein Harz 4 Kind, das seit Anfang seiner Schulzeit weder Stifte noch Hefte hat, sondern die alle in der Schule von der Lehrerin gesponsert bekommt. Da sind die "guten" Eltern nicht gestraft, die müssten das ja eh auftreiben.

Oder durch Gutscheine. Mit den Eltern reden und dann z.B. nach Rücksprache die Mitgliedschaft in einem Verein übernehmen. Aber das Geld direkt in den Verein bezahlen, sozusagen an den Eltern vorbei.

LG
Anne

Beitrag von gretchens.armee 21.12.09 - 13:54 Uhr

Hey,

das ist einleuchtend. Aber für den täglichen Bedarf scheint mir eine Reglementierung schwierig, die einen Alg2- Bezieher nicht zum Menschen zweiter Klasse degradiert.

Grüße,
G.-

Beitrag von mabo02 21.12.09 - 13:51 Uhr

Durch Gutscheine, aber das Thema ist ja nicht neu.

Beitrag von gretchens.armee 21.12.09 - 14:02 Uhr

Kommt auf die Gutscheine an...

Beitrag von mabo02 21.12.09 - 14:26 Uhr

Also schonmal nicht für Zigaretten und Alkohol.

:-p

Beitrag von gretchens.armee 21.12.09 - 14:32 Uhr

Das ist mir klar, wobei der Konsum von Alk + Zigaretten kein Alg2- Phänomen ist...
Ja, und auch wenn das Thema hier vermutlich schon gefühlte 1000x durchgekaut wurde, würde mich einfach interessieren, wie weit eine solche Gutscheinvergabe ins alltägliche Leben reichen soll.

Beitrag von stephanieanne 21.12.09 - 14:42 Uhr

Na ja, ganz ehrlich, sooooooooooooooo unterschiedlich sind normal begabte Kinder auch nicht.

Gutscheine für:
- Schulbedarf
- (Kinder)Kleidung
- Verein

würde schon sehr helfen, oder?

Was ich beängstigend finde ist, dass alle ALG 2 Empfänger so über einen Kamm geschoren werden. Es ist ja nicht so, dass alle dem Alk und den Zigaretten verfallen sind und ihre Familien vernachlässigen. Im Fernsehen wird ja derzeit so eine richtige Feindzielgruppe aufgebaut.

LG
Anne

Beitrag von gretchens.armee 21.12.09 - 14:48 Uhr

Ja, ich schrieb dir bereits, daß ich deine Vorschläge einleuchtend finde.
Aber es gibt ja noch andere, wesentlich striktere "Gutscheinmodelle"; diese finden ihr Ende im Eintausch gegen (am besten noch ganz bestimmte) Lebensmittel oder Dinge des täglichen Gebrauchs. Mich würde Maboos Ideen interessieren...

"Im Fernsehen wird ja derzeit so eine richtige Feindzielgruppe aufgebaut."

Ach, das scheint mir seit Mitte der Neunziger so, als auf allen Sendern nur noch Talkshows liefen :-)

Grüße, G.-

Beitrag von stephanieanne 21.12.09 - 14:52 Uhr

Ja, das finde ich beängstigend. Andererseits weiß ich auch nicht, wie man sich überhaupt für solche Shows zur Verfügung stellen kann. Auf jeden Fall bekommt der Fernsehzuschauer schon immer so ein Harz 4 Feindbild aufgebaut ... nach dem Motto, die sieben Kinder haben seit vier Tagen nichts gegessen, der Vater liegt da hinten besoffen im Eck, während die Mutter nicht weiß, welchen Flachbildschirm sie betrachten soll ...

LG
Anne

Beitrag von gretchens.armee 21.12.09 - 15:05 Uhr

So ganz werde ich das auch nicht verstehen. Jedenfalls haben diese Sendungen und das, was heutzutage als "Reality Soaps" fortgesetzt werden, viel zu einer öffentlichen Fehl- Wahrnehmung beigetragen. Leider. Alg2- Bezug ist kein erstrebenswerter Zustand, aber die Präsenz von Playstation oder eben den von dir erwähnten Flachbildschirmen und anderen Hightech- Geräten suggerieren immerzu, daß er das ist, wo doch viele sich das mit ihrem "normalen" Gehalt nicht leisten können.
Aber Neid lässt sich nun einmal besser verkaufen als der tägliche Kampf mit jedem Cent.

Beitrag von stephanieanne 21.12.09 - 15:31 Uhr

Ja, das stimmt.

Ich denke schon, dass es Harz 4 Empfänger gibt, für die die Prioritäten einfach anders liegen. Wenn ich den ganzen Tag daheim wäre, wäre eine Playstation für mich auch wichtig. Ich bin froh, dass wir keine haben. LOL.

Was mich eben - wie du auch schon sagst - beunruhigt, ist, dass da so ein furchtbarer Sozialneid geschürt wird. Dass die Playstation evtl. dadurch fianziert wurde, dass die Famile wochenlang von Nudeln und Ketchup lebte, zeigt da niemand.

LG
Anne

Beitrag von andersdenkende 21.12.09 - 17:26 Uhr

"...Ja, und auch wenn das Thema hier vermutlich schon gefühlte 1000x durchgekaut wurde..."

Manche sind da immens resistent gegen Aufklärung... #kratz

Beitrag von mabo02 21.12.09 - 19:57 Uhr

Wichtig fände ich im Hinblick auf die aktuellen Studien betreffs der Ernährung unserer Kinder, das man Gutscheine für bestimmte Gruppen von Esswaren vergibt um eben eine ausgewogene, gesunde Ernährung zu gewährleisten.

Auch fände ich es nicht schlecht wenn es einmal im Monat eine Art Kulturgutschein gibt, und wenn dieser einfach nur für einen Kinobesuch genommen wird, oder mal für einen Besuch in einem Museeum.

Beitrag von gretchens.armee 22.12.09 - 12:19 Uhr

Hey,

nun, und ich finde, exakt da findet die Bevormundung und auch Diskriminierung einer Gruppe an, wenn sich der Staat darin einmischt, was eine bestimmte Gruppe zu essen und wie deren Lebensqualität auszusehen hat, nur um zu verhindern, daß sich eine Minderheit statt Essen Zigaretten + Alkohol kauft. Ein soziales Gewissen ist sicherlich etwas Schönes und eine gewisse Fürsorglichkeit gegenüber Schwächeren ebenso, aber wenn die Fürsorglichkeit in die Absprechung der Eigenverantwortung einer ganzen Gruppe mündet, von der nicht alle nikotin-, alkohol- oder drogensüchtig sind, dann ist das keine Fürsorge mehr, sondern die Erklärung einer Gruppe zu Menschen zweiter Klasse.

Immerhin: Die Idee mit den Kulturgutscheinen hätte was für sich, wenn es nicht ohnehin schon die Möglichkeit gäbe, bestimmte Dinge kostengünstiger zu nutzen. Zumindest in meiner Stadt gibt es diese Möglichkeit, verbilligt durch den Besitz eines Passes Museen etc zu besuchen. Nur meinst du, durch die Ausgabe von Gutscheinen werden solche Dinge eher genutzt für diejenigen, die du ansprechen willst?

Grüße,
G.-

Beitrag von mabo02 22.12.09 - 12:31 Uhr

Ob es auch genutzt wird, kann man keinem vorschreiben.
Das wäre dann auch Bevormundung, aber die Möglichkeit es zu nutzen bestünde und das ist ein Unterschied.

Das mit dem Essen hatte ich jetzt nicht auf den Alkohol- und Zigarettenkosnum gemünzt, sondern es wurde schon öfter festgestellt, dass unsere Kinder sich zum gewissen Teil sehr ungesund ernähren und schon viel zu früh zu dick sind.
Gerade in Sozial schwachen Familien.
Daher die Idee für gewisse Essensgruppen.

Man könnte auch pro Kind einen Gutschein für einen Sportverein zur Verfügung stellen.
Das ist auch gut für die Gesundheit und es stärkt auch das Sozialverhalten.

Aber alles in allem egal was man für Gutscheine kreieren würde, es wäre immer Bevormundung, bis zu einem gewissen Punkt hin.

Beitrag von gretchens.armee 22.12.09 - 12:43 Uhr

Sicher, mit einem Unterschied: Essen muß jeder, Sportangebote kann man freiwillig nutzen oder lässt es bleiben (es sei denn, man wird dazu "verdonnert").
Was die ungesunde Ernährung angeht, so denke ich, besteht eher eine Aufklärungs- denn eine Reglementierungsmöglichkeit....

Letzthin wurde auch "wissenschaftlich nachgewiesen" (zumindest habe ich es in einem TV- Beitrag gesehen), daß diese ganzen Light- Produkte regelrechte Dickmacherfallen sind.
Ich kann für mich, als so denke ich, halbwegs gebildeter Mensch feststellen, daß mir sehr wohl der Unterschied zwischen einer Tafel Schoki und einem Blattsalat bewusst ist; aber mit manchen Methoden der doch recht pfiffigen Nahrungsmittelindustrie halte ich auch nicht immer mit. Und auch nicht damit, was jetzt wirklich das Urgesündeste ist. Back to the roots? Steinzeitdiät?

Ich will das nicht ins Lächerliche ziehen, aber die Ernährungswissenschaftler schmeißen alle naslang etwas in den Topf und verteufeln es als das Böse schlechthin. Und irgendwie habe ich auch den Eindruck, daß nach den Rauchern jetzt die "Dicken" dran sind (wie war das noch, laut BMI sind über 50% der Deutschen übergewichtig?!).

Beitrag von mabo02 22.12.09 - 12:58 Uhr

Aber zumindest kann dann nicht mehr gemeckert werden, dass man angeblich mit ALGII keine gesunden Lebensmittel kaufen kann. :-p

Beitrag von gretchens.armee 22.12.09 - 13:13 Uhr

Nun, das Meckern ist auch kein Vorrecht des Alg2- Beziehers, Jammern auf hohem Niveau gehört doch irgendwie zum guten Ton in diesem Land... Weshalb sollten dann nicht die meckern, denen es mit Abstand finanziell am Schlechtesten geht? #kratz
Und ich habe wirklich keine Ahnung, wie es heutzutage denen im Alg2- Bezug geht: An die bunten Fernsehbildchen, die mir einreden wollen, es ginge ihnen ausgesprochen gut, mag ich einfach nicht glauben...

Beitrag von mabo02 22.12.09 - 14:18 Uhr

Ich kann mir eigentlich auch nicht vorstellen, dass es einem damit gut gehen kann..

Daher kann ich auch so häufig nicht verstehen wie man sich freiwillig in diese Abhängigkeit bringen kann...

Beitrag von gretchens.armee 22.12.09 - 14:39 Uhr

Ich denke, weil man sich selbst nicht vorstellen kann, wie man sich überhaupt in irgendeine Form der Abhängigkeit begeben kann. Verstehen/Nachvollziehen kann ich das in manchen Fällen schon, da manchmal die Gründe wirklich auf der Hand liegen...
Fehlende Alternativen bzw Zukunftsperspektiven, zum Beispiel.

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