Mache mir Sorgen um meinen Sohn

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Forum: Erziehung

Kinder fordern Eltern täglich neu heraus zu Auseinandersetzung und Problemlösung. Kinder brauchen Grenzen - doch welche und wie setzt man sie durch? Welche Erziehung ist die richtige? Nutzt hier die Möglichkeit, euch hilfreich mit anderen Eltern auszutauschen.

Beitrag von heike011279 21.12.09 - 16:08 Uhr

Hallo zusammen,

seit einiger Zeit haben wir arge Probleme mit unserem ältesten Sohn (10 Jahre).
Er lügt bei jeder Gelegenheit..und ich meine wirklich bei jeder Gelegenheit..zum Teil wirklich intrigant und boshaft. #schmoll

Ich versuche mal, ein paar Beispiele zu nennen:

- wir als Eltern haben uns gestritten. Über nix Großartiges, der Streit war relativ sachlich (wir sind beide nicht der Typ, der beleidigend wird im STreit) und auch recht schnell wieder beigelegt. Ich hab mitten im Streit gesagt, dass es mir jetzt zu blöd wird und ich mich erstmal im Keller um die Wäsche kümmern würde und wenn ich in ein paar Minuten wieder da bin, hätte sich die Stimmung vielleicht wieder etwas beruhigt und wir würden beide klarer sehen. So, gesagt, getan. Ich also runter in den Keller, zwei Maschinen Wäsche angestellt, eine bereits fertige Maschine mit feuchter Wäsche zum Trocknen aufgehängt. Auf einmal kommt mein Sohn zu mir in den Trockenkeller und sagt, Papa hätte gesagt, er wäre froh, wenn er hier raus wäre und er würde bald gehen. Ich war völlig perplex, weil der Streit eine absolute Lappalie war (ging um ein Fußballspiel #schein). Na ja, ich sag zu meinem Sohn, er solle wieder hochgehen, ich komme ja auch gleich und dann rede ich mit Papa in Ruhe.
Tja, als ich wieder in die Wohnung kam, wusste mein Mann nichts über seine Aussage. Als ich meinen Sohn zur Rede stellte, wusste er nicht, warum er mir das "ausgerichtet" hat, obwohl es ja gar nicht stimmte. #kratz

- er hat eine recht große Gesellschaftsspielsammlung und wollte seinem Opa eins davon schenken. Als mein Mann ihn gefragt hat, woher er das Spiel hat (er hat es scheinbar nicht erkannt), sagte mein Sohn, dass er es am Samstag mit mir zusammen gekauft hätte. Das Spiel, um das es geht, hat er schon seit Jahren...also warum erzählt er meinem Mann solche Lügen?

- er nimmt Dinge von uns (Haushaltsschere, Briefumschläge etc., was er gerade halt so braucht) ohne uns zu fragen und teilweise obwohl wir es ihm vorher ausdrücklich verboten haben. Fragen wir ihn dann danach, wo zum Beispiel die Schere ist, sagt er er weiß es nicht, er hätte sie nicht genommen..
Zwei Tage später finde ich sie beim Saubermachen in seinem Zimmer...#aerger

Das sind nur einige kleine Beispiele von vielen, aber wir sind mit unserem Latein am Ende. Früher war er so nicht.
Er ist ein super Schüler, schreibt fast nur Einser und ist absolut unauffällig in der Schule. Wenn er bei Freunden eingeladen ist, dreht er voll auf, so dass das anderen Eltern auch schon unangenehm aufgefallen ist. Ich versteh das nicht??????????

Was machen wir denn falsch?
Wir sind eigentlich sehr konsequent, versuchen möglichst oft auf ihn einzugehen, mit ihm zu kuscheln, er kann aus unserer Sicht mit jedem Problem zu uns kommen..
Wir haben Gespräche geführt, wir haben versucht, ihm zu erklären, was das Lügen für Konsequenzen haben kann. Er hat solche Konsequenzen auch bereits zu spüren bekommen (er ist bei einer Lügengeschichte vor Fremden aufgeflogen und das war sehr peinlich für ihn).


Wir wissen uns keinen Rat mehr. Woran kann das liegen?
Er ist sehr selbständig und ein aufgewecktes Kerlchen, aber langsam habe ich Angst, dass er irgendwann auf die schiefe Bahn gerät.

Man kann ihm auch nichts recht machen, er ist so durch und durch unglücklich...
Gestern waren wir Schlitten fahren. Leider haben wir nur einen Schlitten, so dass wir ausgemacht hatten, dass zuerst sein kleiner Bruder fährt und dann er.
Das hat ihm schon nicht gepasst. Als er dann an der Reihe war, ist er nach zwei Minuten vom Schlitten runter und hat gesagt, er hätte keine Lust mehr. Sein Bruder darf alles und er gar nichts!!!! #schock
Er ist dann mit meiner Zustimmung nach Hause gegangen.
Hinterher tuts ihm immer wieder leid, auch aufrichtig, das merke ich. Aber was nützt es, wenn sich nichts ändert???

Was sollen wir machen? Was machen wir falsch? Was können wir noch tun? Mehr als reden und ihm Aufmerksamkeit schenken können wir doch nicht?
Aber er muss sich doch auch an Regeln halten, so wie früher!!!

Ich bin mit meinem Latein am Ende...es scheint, er wird immer verlogener, durchtriebener und hinterlistiger!!!
Ich denke es ist eine Art Hilferuf...aber weshalb????

Was ist schiefgelaufen? Was haben wir nicht bemerkt?
Hattet Ihr schon einmal eine ähnliche Situation?
Wie habt Ihr reagiert?
Konntet Ihr gemeinsam das Problem lösen und Eurem Kind helfen, dass es ihm wieder besser geht?

Meinem Sohn geht es schlecht und ich stehe hilflos nebendran und weiß nicht mehr, was ich noch machen soll!!!!!!!!!!!

Bitte gebt mir einen Rat..öffnet mir die Augen, sagt ruhig, falls Ihr denkt, ich habe in irgendeiner Weise versagt...ich muss es wissen...

Danke schon mal!

Liebe Grüße

eine verzweifelte mama


Beitrag von anja676 21.12.09 - 17:54 Uhr

Hallo,

zu allererst: Ich glaube nicht, dass Ihr irgendwas falsch macht. Ich kenne genau diese Geschichten von meiner Tochter auch. Über die Geschichte mit dem "Streit" musste ich wirklich schmunzeln. Eine ähnliche Geschichte hatten wir auch vor kurzem.

Ich bin davon überzeugt, dass (fast) alle Kinder so ticken. Sie versuchen einfach, auszuprobieren wie weit sie gehen können und denken sich nicht mal was dabei. Sie sind sich scheinbar auch über die Konsequenzen nicht bewusst, die diese Lügengeschichten hinterlassen können. Die "Streitgeschichte" endete bei uns übrigens darin, dass mich Bekannte darauf angesprochen haben, ob es stimmt, dass ich mich von meinem Mann getrennt habe. #kratz

Ob andere Eltern wirklich immer genau hinterfragen, was die Kinder erzählen, wage ich inzwischen zu bezweifeln. Teilweise merke ich bei Freundinnen meiner Tochter auch, dass sie versuchen, mir "die Hucke voll zu lügen". Wenn man sich aber mit den Eltern unterhält, fallen sie aus allen Wolken: "Mein Kind lügt nicht". Sind sind doch alle irgendwie gleich.

Bei uns hat es wirklich nur geholfen, alles zu hinterfragen, sich immer wieder (bei Dritten) zu versichern und Töchterchen dadurch zu zeigen, dass sie nicht weit kommt mit ihrer Lügerei.

LG Anja

Beitrag von heike011279 22.12.09 - 08:08 Uhr

Guten Morgen,
danke für Deine Antwort und sorry, dass ich mich jetzt erst zurückmelde.
Meinst Du wirklich, es ist eine Phase????? Einerseits würde mir ein Stein vom Herzen fallen, andererseits kann ich mir so gar nicht vorstellen, dass das noch normal sein könnte.
Ich werde noch ein wenig beobachten und sehen. ob sich irgendwann von alleine Besserung einstellt. Falls nciht, kann ich ja vielleicht immer noch mit einer Erziehungsberatungsstelle Kontakt aufnehmen.

Vielen Dank für Deine Antwort.

Gruß
Heike

Beitrag von anja676 22.12.09 - 08:23 Uhr

Hallo Heike,

ich halte nichts davon, ständig zu sagen, es wären "Phasen". Wenn wir ehrlich sind, haben sie dauernd irgendwelche Phasen. Ich glaube, dass gehört einfach zum Erwachsenwerden dazu. Ich habe mir anfangs auch wirklich einen richtigen Kopf gemacht, bis ich festgestellt habe, dass die Kiddies alle so "ticken". Der eine hinterfragt halt, was die Kinder erzählen und der andere nimmt alles so hin. Sieh es doch positiv, dass Du nicht darauf reinfällst und seine Lügengeschichten entlarvst. Er wird begreifen, dass es ihm nichts bringt. Meine Tochter hatte auch bei so simplen Dingen gelogen wie: Hast du Dein Toast schon aufgegessen... Also eigentlich der absolute Nonsens, gehört aber wohl dazu.

LG Anja

Beitrag von heike011279 22.12.09 - 08:28 Uhr

Hallo Anja,
ja, hauptsächlich geht es ja auch um so simple Dinge wie "Hast Du deinen Toast schon aufgegessen?". Aber was ich nicht verstehe: Wir haben ihn schon so oft entlarvt, langsam muss er doch mal was merken...#kratz

Wenn man ihn fragt, was das soll, warum er das macht, dann weiß er keine Antwort. Und DAS glaube ich ihm, ich denke, er weiß es wirklich nicht.

hach, schlimm, ich fühl mich so hilflos. tut gut, zu wissen, dass ich nicht ganz allein bin mit dem Problem und das mein Sohn scheinbar gar nicht so unnormal ist..

Liebe Grüße
Heike

Beitrag von 3merlin3 21.12.09 - 19:33 Uhr

herzlich willkommen in der pubertät und rebelion der kleinen hihi


viel erfolg


mach dir keine sorgen nun bricht die phase an wo sie glauben sie sein erwachsen testen und proben wie weit sie gehen können

lg

Beitrag von heike011279 22.12.09 - 08:11 Uhr

#schock

Guten Morgen,

sorry, dass ich jetzt erst antworte, gestern Abend kam ich leider nicht mehr dazu.
Meinst Du wirklich, das ist schon ein Teil der Pubertät? Ich meine, er ist erst 10. Auch wenn die Kinder heutzutage in allem etwas früher sind, wäre das nicht arg früh? #kratz

Ich hoffe, dass Du Recht behältst und wie bei Deiner Vorschreiberin eine Phase für das Verhalten meines Sohnes ausschlaggebend ist.

#danke für Deine Antwort!

Gruß
Heike

Beitrag von maschm2579 21.12.09 - 20:46 Uhr

Ich würde sagen: Pupertät und evlt braucht er mehr Aufmerksamkeit.

Wieso durfte z.B. sein kleiner Bruder zuerst Schlitten fahren? Ich nehme mal das er zuerst da war und der SChlitten ihm gehört... oder? Wieso also nicht er zuerst und dann der Kleine? Immer der Reihe nach... ich würde mir auch hinten angestellt vorkommen...

Vielleicht ist es ja öfters so das der Kleine etwas zuerst darf oder evlt Ihr einiges lockerer seht. Das weiß ich nicht, aber Du kannst ja mal überlegen...

Ansonsten tapfer sein und durchhalten. Evlt mal geziehlt fragen warum er das macht.

Viel Glück
Maren

Beitrag von heike011279 22.12.09 - 08:18 Uhr

hallo Maren,

ja, da könntest Du recht haben. Es ist der Schlitten meines großen Sohns und eigentlich müsste er zuerst fahren dürfen. Ich dachte eben, weil der Große ja schon 10 ist, kann ich mit ihm vernünftig sprechen und es macht ihm nichts aus, ob er nun als erstes oder als zweites auf den SChlitten kann. na ja, und der Kleine hat halt rumgequengelt und da habe ich gedacht, das sei die beste Lösung.
Ja, ich gebe zu, das ist schon oft der Fall, dass der Große eben etwas warten muss, besonders eben als der Kleine noch ein BAby war. Mittlerweile versuchen wir schon, beide gleich zu behandeln. Aber Du hast Recht, das könnte ein Ansatzpunkt sein. Vielleicht schenken wir unbewusst dem Kleinen doch mehr Aufmerksamkeit, weil er eben klein und unselbständig ist und der Große ja schon vieles allein kann.
Du meine Güte, vielleicht fühlt er sich ungerecht behandelt! Hätte nicht gedacht, dass uns das passiert, wir wollten doch immer beiden Kindern gerecht werden. #schmoll

Danke vielmals für den Hinweis, ich werde mit meinem Mann mal drüber sprechen. Vielleicht liegt auch darin eine Ursache des Problems.

Danke, dass Du uns evtl. die Augen geöffnet hast.

Ich werd mal versuchen, die letzten anderthalb jahre Revue passieren zu lassen u. mich an Situationen zu erinnnern, in denen der Große vielleicht hinten anstand. #schmoll

Oh Mann, jetzt bin ich fertig. Was bin ich doch für eine schlechte Mutter...sowas darf doch nicht passieren.

Mal sehen, wie mein Mann darüber denkt. Vielleicht können wir unser Verhalten als Eltern ein wenig ändern.

Danke für Deinen Hinweis.

Gruß
Heike

Beitrag von maschm2579 22.12.09 - 13:21 Uhr

Hallo Heike,

mensch Du brauchst Dich nicht gleich als schlechte Mutter betiddeln. Eine schlechte Mutter würde nie nachfragen und sich nicht Sorgen, sie würde alles hinnehmen wie es ist und keinerlei Gedanken an der Situation verschwenden.

Oft ist es so das einfach mal ein Außenstehender eine Meinung äußern muß, und dann sieht man vieles anders.

Ich drück die Daumen das es "die Lösung" ist und Ihr wieder ein wenig Frieden habt und ein glückliches Kind.
Er ist zwar "schon" 10 Jahre, aber immernoch "erst" 10 und Euere erstes Baby. Manchmal sollte man sich vor Augen halten das er auch Prioritäten haben möchte und auch mal an erster Stelle stehen will.
Genauso sollter der Kleine lernen das er nicht die Nr 1 ist sondern einer von zweien und gleichbehandelt.

Viel Glück Euch

lg Maren

Beitrag von heike011279 22.12.09 - 15:38 Uhr

Hallo Maren,
ja, danke. Vielleicht haben wir das wirklich ein wenig aus den Augen verloren. Und manchmal tut es doch gut, mal völlig fremde und objektive Meinungen einzuholen. Manchmal erkennt man eben das naheliegendste nicht.
Ob das wirklich die Ursache ist, werden wir hoffentlich in ein paar Monaten rausgefunden haben, wenn mein Mann und ich ein wenig bewusster an unserem Verhalten gearbeitet haben.
Also nochmal Merci für den Tip!
Gruß
Heike

Beitrag von cassandracadim 23.12.09 - 07:58 Uhr

hallo heike
habe deinen und marens schriftwechsel gelesen. ich denke das maren auf etwas wichtiges aufmerksam gemacht hat, in familien muss die "rangfolge" eingehalten werden, gerade für kinder, damit sie sich ihres platzes innerhalb der familie sicher fühlen und der ältere kommt zuerst, sowohl beim essen anreichen, beim schlitten fahren.....es gibt hierzu einige psychologische untersuchungen, die belegen, dass bei nichteinhaltung der reihenfolge irritationen auftreten.
lg cassie

Beitrag von jazzbassist 22.12.09 - 12:18 Uhr

Mein Spatz geht jetzt auf die elf zu; ist m.E. viel zu früh in die Pubertät gekommen aber - um ehrlich zu sein - kenne ich so ein Verhalten weder von ihm noch von seinen Kumpels. Und einige von denen sind mir wirklich sehr suspekt :-p. Die versuchen eher mal, sich zu profilieren und weichen dabei ein wenig von der Wahrheit ab (meiner ist da nicht besser), aber dieses Lügen um Erwachsene [Eltern?] zu provozieren ist mir fremd. Wobei mein Sprössling in einer Nachbarschaft wohnt, wo Erwachsene sich ähnlich giftig verhalten. Dort gönnt auch einer dem anderen nichts und man versucht ständig, den anderen schlechter darzustellen.

Ich würde mir aber trotzdem keine all zu großen Sorgen machen. Zum einen lese ich aus Ihren Beispielen jetzt keinen Weltuntergang (auch wenn ich nachvollziehen kann, dass Sie sich deshalb Sorgen machen); zum anderen denke ich schon, dass das sicherlich auch viel mit Experimentieren von ihm zu tun hat. Er muss halt sämtliche Seite menschlicher Aspekte und sozialer Interaktion kennenlernen. Selbst mal boshaft oder intrigant zu sein. Wie sollte er diese Verhaltensmuster bei erwachsenen sonst erforschen?

Sie haben jetzt leider nicht geschrieben, wie lange Ihr Sohn sich schon so verhält. Wenn das jetzt erst seit ein oder zwei Wochen so läuft, würde ich es einfach erstmal so weiterlaufen lassen und - wenn Ihr Sohn sich so verhält - es weiterhin über den friedlichen Weg mit Reden (warum man lügt, warum man lügen kann, wo man nicht lügen sollte, wo man nicht lügen darf) aber auch ihn zu Fragen (wann hat er schon mal geflunkert (z.B. um sich zu profilieren), wann stand er schon mal vor einer Notlüge, wann hat er schon mal gelogen, um seine Eltern zu hintergehen? Warum hat er das getan?) Solange Sie hier nicht vorwurfsvoll klingen, sondern einfach nur abends - wenn er im Bett liegt und sich sicher und geborgen fühlt - friedlich mit ihm reden, wird er ihnen zuhören und aufrichtig sein.

Manchmal kann man bei unangenehmen Themen das Eis auch ziemlich leicht brechen, in dem man mal in seine eigene Kindheit zurückblickt und mal guckt, wo man selbst als 10-jähriger mal gelogen hat (um sich zu profilieren; weil es eine Notlüge war; weil man Angst vor eine Strafe hatte; oder einfach mal, um das Gesicht der doofen Lehrerin zu sehen, wenn man ihr erzählt, dass man eine Schlange im Rucksack hat.) Wenn Kinder sehen, dass auch Eltern mal 10 Jahre alt waren und wissen (und auch ein kleines bisschen Verständnis dafür aufbringen), dass das Leben als 10-Jähriger gar nicht so einfach ist, wie man meinen mag, kann so ein Gespräch ziemlich gut verlaufen. Zumal man als Kind noch eine völlig andere Sicht auf die Dinge hatte. Ich kann mich noch erinnern, dass ich als Kind früher den Pastor bei der Beichte immer angelogen habe und mir irgendwelche Sachen ausgedacht habe, die ich angeblich angestellt hatte. Mir ist damals schlechtweg nichts eingefallen, dass ich hätte beichten können. klar - ich bin täglich auf meinem Bruder losgegangen war frech zu meinen Eltern etc. etc. Aber das (für mich damals als Kind) alles keine Sachen, die beichtwürdig waren sondern einfach völlig normal.

Ansonsten - gehen Sie in die offensive. Es gibt sicherlich tausende moralische Bücher für die Altersgruppe 10 bis 12, die das Thema lügen/flunkern/notlügen etc. altersgerecht aufgreifen und für einem 10-Jährigen eine ganz spannende Geschichte darstellen. Fahren Sie einfach mal in eine Buchhandlung und lassen sich beraten. Die können notfalls bei Libri, KNO und Co. bibliographieren und finden schon ein passendes Buch für Ihren Großen. Ihn zum lesen zu motivieren sollte ganz einfach sein: Erlauben Sie ihm einfach, Abends eine halbe Stunde länger aufzubleiben. Einzige Bedingung: Er muss still im Bett bleiben und das Buch lesen. Wenn Sie merken, dass er doch nicht so wirklich Lust hat, bieten Sie ihm an, dass Sie ihm ein paar Seiten Abends daraus vorlesen. Manchmal sind auch 10-Jährige einfach noch Kinder; die gerne mal eine Geschichte hören. Ist für ihn immer noch besser, als schlafen zu müssen :-p

Ihr Schlittenfahren-Beispiel finde ich völlig normal und altersgerecht. Sehen Sie Welt aus seinen Augen, die nicht objektiv sein müssen; er ist halt erst 10: Er sieht auf der einen Seite, was sein kleiner Bruder alles darf oder bekommt oder noch mit Verhaltensmuster durchkommt, auf der anderen Seite sieht er nur, wie viele Pflichten er hat (da er ja der große Bruder ist). Das muss und wird auch lange Zeit nie objektiv sein; wenn Ihr Kleiner mal älter wird, wird der hingegen nur sehen, wie viele Privilegien der große Bruder schon hat: Er darf abends länger draußen bleiben, muss später ins Bett, darf spannendere Filme gucken etc. etc. Als kleine Vorwarnung: Auch er wird in Phasen kommen, wo er auf seinen großen Bruder eifersüchtig ist. Das ist unter Geschwistern völlig normal - und auch ein 10-Jähriger ist wirklich nur ein Kind (Sie werden hier im Forum viele Eltern finden, die Ihn nicht einmal für eine Stunde alleine zu Hause lassen würden); von daher sollte man ihm schon verzeihen, dass er Eifersüchtig ist, wenn sein Bruder zuerst mit dem Schlitten fahren darf. Und - an dem Satz: XYZ darf alles und ich darf gar nichts - sollten Sie sich lieber gewöhnen. Er ist sozusagen die Visitenkarte kindlicher Vorpubertät :-p Das würde ich völlig von dem Lügen-Thema trennen; dass ist wirklich normale kindliche Entwicklung unter Geschwistern. Auch Trotz (ich hab keine Lust mehr) ist da völlig normal.

Sollte das mit dem lügen nicht besser werden; die Chancen stehen mit Weihnachten eigentlich ziemlich gut - Erfahrungsgemäß sind Kinder da immer marginal pflegeleichter; stellen Sie mit ihrem Sohn Regeln auf, an die er sich halten muss. Mit vorher klar abgesprochenen (nicht bestimmenden) Konsequenzen (er sollte mit diesen also einverstanden sein) - wenn er sich an diese Regeln nicht hält. Das mag grauenvoll klingen - ist aber eigentlich ganz harmlos. Suchen Sie sich mit Ihrem Sohn gemeinsam eine harmlose Strafe aus, die er über sich ergehen lassen muss, wenn er sich an diese Regel (nicht lügen) nicht hält. Diese sollte ihn nicht abschrecken, sondern ihm einfach nur helfen, zu zeigen, dass sein Verhalten nicht nur nicht in Ordnung geht, sondern auch Sie persönlich verletzt. Lassen Sie ihren Sohn sich diese Strafe aussuchen; es wird Ihnen nämlich zeigen, wie groß sein Problembewusstsein ist. Sie dürfen das gerne leiten, aber - lassen Sie ihn im dem Bewusstsein, dass er sich das selbst ausgesucht hat; dann wird er mitspielen.

Viel Erfolg!

Beitrag von heike011279 22.12.09 - 15:47 Uhr

Hallo und danke für die ausführliche Antwort.

Na ja, das Problem kristallisiert sich nun seit ungefähr einem halben jahr immer stärker heraus (das mit dem Lügen).
Wir haben schon oft mit ihm gesprochen, in ruhigem Ton. Wir haben auch schon oft Konsequenzen angedroht und durchgesetzt (z. B. Fernseh- oder Wii-Verbot, am WE früh ins Bett). Es ist auch nicht so, dass er diesbezüglich uneinsichtig ist. Er weiß, das Lügen falsch ist und es tut ihm hinterher auch offensichtlich aufrichtig leid. Aber trotzdem lügt er zehn Minuten später schon wieder.

Vielleicht haben Sie recht und es gehört zur Entwicklung, zu experimentieren, verschiedene Verhaltensmuster auszuprobieren und zu entdecken, wie die Umwelt darauf reagiert. Aber ich habe das GEfühl, dass unser Sohn tief im Herzen todunglücklich ist. Aber wir kommen nicht mehr an ihn ran, wenn dann immer nur kurzzeitig, aber nie nachhaltig.

Irgendetwas beschäftigt ihn...aber wir können nicht fassen, was. Ich denke, er weiß es selbst nicht so richtig.
Wir haben ihm angeboten, dass er nach wie vor jederzeit mit jedem Problem zu uns kommen kann. Er weiß (so hoffe ich zumindest), dass wir immer hinter ihm stehen und offen sind für seine Probleme.

Ich werde Ihren Tipp mit der Lektüre einmal aufgreifen, das ist ein Gedanke, der mir so noch nicht gekommen ist.
Ich weiß auch, dass es ganz normal ist, dass er sich manchmal ungerecht behandelt fühlt gegenüber seinem Bruder und wir werden versuchen, auch daran zu arbeiten, um wieder ein harmonisches Familienleben führen zu können.


Vielen Dank nochmal!

Grüße
Heike

Beitrag von jazzbassist 22.12.09 - 17:39 Uhr

>Na ja, das Problem kristallisiert sich nun seit ungefähr
>einem halben jahr immer stärker heraus (das mit dem
>Lügen).

Bei einem kürzeren Zeitraum hätte ich sein Verhalten einfach mal auf Ihre Schwangerschaft geschoben. Eigentlich passt das immer :-p

>Aber ich habe das Gefühl, dass unser Sohn tief im Herzen
>todunglücklich ist.

Das fände ich persönlich ziemlich bedenklich. Wie macht sich das - abgesehen von seinen Intrigen - denn sonst noch bemerkbar? Ist das eine Form von „unglücklich“, die man als objektiver Betrachter auch beobachten könnte; oder eher etwas, was man als Mutter einfach spürt? Wie sieht es mit seinem Freundeskreis und Freizeitaktivitäten aus? Hat er Schwierigkeiten, Freunde zu finden bzw. nicht mal einen besten Freund? Dann sollten Sie hier ansetzen - noch ist er in einem Alter, wo Eltern das ziemlich gut lenken können. Wenn er den ganzen Tag nur zu Hause rumhockt - versuchen Sie es mit einem Sportverein o.ä. Ist er denn eher Einzelgänger oder hält er sich lieber in Gruppen auf? Wenn er sich in Gruppen wohlerfühlt, wie verhält er sich denn dort?

Wenn man im Freundes- und Familienumfeld nichts findet, sollte der nächste Blick mal zur Schule fallen. Das er gute Noten schreibt, muss nicht zwingend ein Indikator dafür sein, dass er sich dort glücklich fühlt. Ich würde hier einfach mal das Gespräch mit den Lehrern suchen; es kann diverse Gründe für unglückliche Kinder geben. Diese können z.B. Unterforderung (bei begabten Kindern oder Kindern mit Inselbegabungen) sein, aber genau so gut die Klassenkameraden. Die Lehrer haben eigentlich ein ziemlich gutes Bild davon, ob Ihr Sohn in der Klasse oder auf den Pausenhof etc. von irgendwem getriezt wird o.ä.. Selbst 10-Jährige können untereinander extrem grausam zueinander sein. Ein weiterer Grund könnte Leistungsdruck sein; der muss nicht einmal von den Eltern o.ä. ausgehen. Kinder sind hier ziemlich eigen. Haben Sie denn das Gefühl, dass er momentan alles schulische noch spielerisch schafft oder könnte ihn das beschäftigen? Lernt er für seine guten Noten oder kommen die ganz von alleine?

Wie sieht denn Ihr Umgang mit Ihrem Sohn aus und könnte es möglicherweise daran liegen. Ich las nur nochmals ihren Ausgangsbeitrag und stolperte über folgendes:

>er nimmt Dinge von uns (Haushaltsschere, Briefumschläge
>etc., was er gerade halt so braucht) ohne uns zu fragen
>und teilweise obwohl wir es ihm vorher ausdrücklich
>verboten haben.

Darf man fragen, warum Sie ihm Haushaltsscheren oder Briefumschläge verbieten? Geht es hier eher um einen finanziellen Aspekt (Briefumschläge) oder um einen Gefahrenaspekt (Haushaltsschere)? Finanzielle Schwierigkeiten der Eltern beispielsweise können sich absolut unbewusst auf Kinder übertragen; auch kann ein Kind natürlich unglücklich darüber sein, wenn es mit 10 Jahren noch zu sehr bemuttert wird (Gefahrenaspekt). Er braucht natürlich Freiräume um sich kreativ/frei entfalten zu können; nimmt man ihm diese oder schränkt diese ein (auch wenn man es als Elternteil nur gut meint) kann sich das natürlich negativ auf seien Gemütszustand auswirken. Würden Sie sich eher als lockeren Elternteil bezeichnen (dessen Kinder eher viele Freiräume haben und - auch wenn das jetzt doof klingt - ein gefährlicheres Leben führen dürfen?) Ich würde hier einfach mal versuchen, sich selbst als Elternteil noch einmal ganz objektiv zu durchleuchten. Eigentlich sollte man dann 100 Dinge finden, die einen 10-Jährigen unglücklich machen könnten - dann würde ich einfach mal versuchen, dass mal Probe- und Stückchenweise (auch wenn es ungemein schwer fällt) abzuändern. Es kann eigentlich nur besser werden.

Fragen Sie ihn doch mal, was er sich wünschen würde, wenn er sich irgendetwas aussuchen dürfte. Kommen Sie ihm zuvor (bevor er ihnen das nächste Wii-Spiel nennt) mit Dingen wie: Abends länger draußen bleiben, Abends länger aufbleiben, eine kleine Taschengelderhöhung etc. Sie werden da schon was finden, was ihr Sohn gerne hätte und dann würde ich ihm das einfach mal geben; gerne auch unter Regeln.

Wie oft kommt es denn vor, dass Sie mal mit Ihm alleine (ohne kleinen Bruder) unternehmen?

Beitrag von petra1982 24.12.09 - 06:13 Uhr

hallo,

ich glaube auch nicht das ihr was falsch macht, ist dein mann denn sein papa also leiblich?

ich glaube er kommt langsam in die pubertät wo eben alles blöd ist und er vieleicht auch selbst wirklich nicht wiess warum er es tut.