Ich weiss im Moment nicht mehr weiter...

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Forum: Erziehung

Kinder fordern Eltern täglich neu heraus zu Auseinandersetzung und Problemlösung. Kinder brauchen Grenzen - doch welche und wie setzt man sie durch? Welche Erziehung ist die richtige? Nutzt hier die Möglichkeit, euch hilfreich mit anderen Eltern auszutauschen.

Beitrag von schnuffel0101 21.12.09 - 20:48 Uhr

Momentan ist mein Sohn (4 1/4) ein absolutes Buch mit sieben Siegeln. Er legt ein Verhalten an den Tag, es weiss keiner mehr so wirklich mit ihm umzugehen.
Ich muss allerdings folgendes dabei sagen: Ich bin neu verheiratet und wir haben noch einen Säugling von 9 Wochen. Ich weiss, Eifersucht ist dabei normal und um dieses Thema geht es mir auch im Moment gar nicht wirklich.
Abgesehen davon,dass er teilweise sehr böse ist zum Kleinen und ihm extra weh tut oder ihn im Schlaf erschreckt, lässt er sein Verhalten auch im Moment an uns aus. Das heisst, hauptsächlich an mir und meiner Mutter.
Zwei Beispiele von heute: Ich wollte ihn heute morgen für den Kindergarten anziehen und vorbereiten. Er geht gerne in den KiGa. Auf einmal fing er an, wie von Sinnen um sich zu schlagen, zu treten und zu schreien. Es hatte ihm keiner was getan. Sobald er dann nicht in jeder Form seinen Willen bekommt, dreht er völlig durch.
Heute abend das gleiche: Er weiss dass um 19.30 Uhr Schlafanzug-Zeit ist und daran halten wir uns auch. Meine Mutter kommt dann immer hoch, weil sie ihm im Bett noch was vorliest. Ist klar, dass keiner gerne ins Bett will, aber so habe ich ihn selten erlebt. Er sagt immer, ich solle ihn anziehen. Wenn ich das dann aber machen will, tritt und schlägt er wieder um sich und schreit. Das geht soweit, dass meine Mutter ihn festhalten muss, weil man ihn anders nicht mehr gebändigt kriegt.Er hatte dann sein Kuscheltier weggeworfen. Ich sagte ihm, er könne es wiederholen, wenn wir fertig sind mit Schlafanzug-anziehen. Die Hose hatte er schon an. Er hat so ein mörderisches Theater veranstaltet, weil er mal wieder seinen Willen durchsetzen wollte. Seiner Meinung nach müsste er erst sein Tier wiederholen und danach das Oberteil anziehen. Ist doch eigentlich total egal, was zuerst gemacht wird. Haben wir auch versucht, ihm plausibel zu machen. Der hat geschrien wie am Spiess und sich auf einmal sein Oberteil selber wieder ausgezogen. Ok, die Schlacht war dann irgendwann geschlagen. Dann ging es im Bad weiter. Nach dem Toilettengang wollte er sich noch die Hände waschen. Ist ja auch völlig richtig. Er hat sich dann so dermassen lange die Hände eingeschäumt, das ist bei ihm nicht normal. Ich habe dann in der Zeit schon mal die Zahnpasta auf seine Zahnbürste gemacht. Das passte ihm auch nicht und er veranstaltete ein Mordstheater. Aus lauter Wut hätte er fast die Zahnbürste noch weggeworfen. Das kann es doch nicht sein.
Wie würdet Ihr reagieren?
Jetzt kommt noch negativ hinzu, dass mein Mann oft sofort losschimpft, wenn er am Kleinen dran ist. Klar schimpfe ich auch, aber ich versuche erst , zu erklären. Er ist jetzt sauer, weil ich ihn eben etwas kritisiert habe bez. seiner Art und Weise. Bei sowas muss man doch echt an einem Strang ziehen. Weiss echt nicht mehr weiter.
Sorry, dass es so lang geworden ist.

Beitrag von ja-wer-schon 21.12.09 - 21:14 Uhr

Hallo,
also so wie du das schilderst, würde ich sagen, dein Sohn kämpt buchstäblich um Aufmerksamkeit. Vielleicht fühlt er sich halt momentan einfach in die Ecke gestellt: Neuer Ehepartner und auch noch ein kleines Geschwisterchen... Hat er denn vorher mit dir allein gewohnt? Dann wäre das Verhalten für mich absolut nachvollziehbar, er muß dich ja nun plötzlich gleich mit zwei weiteren Personen teilen.
Vielleicht kannst du versuchen, ihn mit einzubeziehen, indem du ihm kleine Aufgaben anvertraust, z. B. dem Baby den Schnuller geben, wenn es weint #baby oder vielleicht mag er ihm was vorsingen....
Somit hat er dann das Gefühl, daß er unbedingt gebraucht wird und wichtig ist.
Vergiß nicht, wenn er jetzt 4 Jahre lang, der alleinige Sonnenschein war, ist es für ihn schon auch eine große, nicht ganz einfache Umstellung.
Red mit deinem Partner, er soll sich einfach etwas in Geduld üben.
Das wird schon wieder #huepf !!
L.G. C.

Beitrag von schnuffel0101 21.12.09 - 21:20 Uhr

Ich versuche ja, ihn einzubeziehen. Er kann auch manchmal sowas von lieb sein, das ist toll. Er hat nur ganz kurze Zeit mir mir alleine gewohnt, das war nicht lange. Daran kann es eigentlich nicht liegen.
Ein Problem wird auch sein, bei seinem Vater darf er so ziemlich alles und wir verbieten ihm natürlich auch so manches.

Beitrag von p.sylvie 22.12.09 - 14:11 Uhr

Wir haben ein PFlegekind das alle 2 Wochen zu seinen Eltern darf (8 Stunden lang) und dort ALLES darf und nach Strich und Faden sehr verwöhnt wird.
Aber er weiss dass es bei uns Regeln gibt und an die hat er sich zu halten. Bei seinen Eltern herrschen andere Regeln, aber der Stinki weiss sehr wohl welche Reglen wo gelten.
Ich denke nicht dass das Verhalten deines Sohnes etwas damit zu tun hat dass bei seinem Vater andere Regeln herrschen.
Lg Sylvie

Beitrag von mamamaja 21.12.09 - 22:01 Uhr

hallo.......#freu

also ich würde auch sagen, dass dein kleiner EURE aufmerksamkeit sucht.

"Abgesehen davon,dass er teilweise sehr böse ist zum Kleinen und ihm extra weh tut oder ihn im Schlaf erschreckt, lässt er sein Verhalten auch im Moment an uns aus. Das heisst, hauptsächlich an mir und meiner Mutter. "

das ist ja natürlich nicht so schön.....wenn er dem baby weh tut.....aber ich glaube er ist tierisch eifersüchtig.

er merkt, dass mama weniger zeit für ihn hat.....dein mann oft mit ihm schimpft, wenn er zum kleinen gehen möchte und dann ist da auch noch eine oma, die er ganz doll lieb hat und die jetzt, dass baby viel süßer findet.....

früher war er halt der mittelpunkt, jetzt muss er lernen, dass er nicht mehr alleine ist.....genauso ist es aber wichtig, dass IHR lernt nicht nur einem kind aufmersamkeit zu schenken sondern beiden kindern....

warum bringt oma ihn denn jeden abend ins bett?
das wäre schon das erste was ich ändern würde.....wenigstens am abend kuscheln und den tag noch mal besprechen, geschichte erzähen ect. ....das ist doch soooo schön und sollte man auch nicht anderen überlassen außer mama und papa.....

zur not kannst du das baby ja mitnehmen, wenn du ihn ins bett brinst.....dann macht ihr das alle ZUSAMMEN....ein abendritual.....

mach es ihn "schmackhaft", dass er ein großer bruder ist und lobe ihn!!!

du schreibst ja, dass es DIR nicht um die eifersucht geht.....ABER es geht deinem kleinen darum, verstehst du? für mich hört sich das so an als ob er ganz dringend nach aufmerksamkeit bettelt...und alle personen , ob mama, papa oder oma ihn als störfaktor sehen, obwol er einfach nur aufmerksamtkeit sucht.

lg
maja

Beitrag von juli2007 21.12.09 - 22:17 Uhr

Also ich kaann meinen Vorrednerinnen da nur bedingt zustimmen. Klar kann es sein das dein Großer eifersüchtig ist, aber ich denke das er auch deshalb jetzt ganz klare Grenzen braucht! Denn wenn ich Dich bis hierher richtig verstanden habe, tust Du bereits einiges um seine Eifersucht zu mindern und auf ihn einzugehen und das ist auch unbedingt richtig so. Und trotzdem muß er auch wissen wo Deine Grenzen sind und sich darauf verlassen können.
Mein allererster Gedanke beim Lesen eben war: Wow! Bei so einem Theater mit umziehen und waschen wäre meine erste Reaktion gewesen: Dann muß Oma eben gehen und es gibt eben keine Geschichte mehr von ihr! Ich mein so ein Theater allabendlich geht einfach nicht. Und in seinem Alter kann er solche Konsequenzen mit Sicherheit sehr schnell verstehen.
Als nächstes würde ich ihm in einer ruhigen Minute mal erklären wie empfindlich sein kleines Geschwisterchen noch ist und das man vorsichtig damit umgehen muß. Und das Du ihn, wenn er es wieder angeht, aus dem Zimmer schicken wirst Und das mußt du dann auch durchsetzen, dein Mann ebenfalls. Schimpfen hilft da wahrscheinlich nicht so viel, weil je mehr Worte umso weniger kommt bei den Kindern an, da sie das in dem Moment doch gar nicht hören wollen!
Hoffe dir hilft das irgendwie weiter. Sind halt meine Gedanken dazu und ich gebe zu: Reine Theorie. Habe noch ein einzelkind. Aber manchmal sieht man die Dinge aus der Entfernung ja einfach anders als wenn man mitten drin steckt.
Liebe Grüße
Ruth

Beitrag von p.sylvie 22.12.09 - 14:07 Uhr

HAllo
Also du hast ja erst vor ein paar Tagen schon im Forum "familienleben" gepostet und auhc da einige Ratschläge bekommen die in die gleiche Richtung gehen wie diese Antworten hier (hab allerdings nicht alles gelesen)
Also das Problem ist, denke ich, dass du auch sehr "fixiert "bist auf das Verhalten deines Sohnes. Wahrscheinlich bist du müde, bräuchtest ein wenig Ruhe, aber die Kinder sind nun mal da,- AUCH dein Grosser!
Der ist immerhin schon 4 Jahre alt, kann verstehen wenn du mit ihm redest und braucht die Bestätigung deiner Liebe. Er wird sein Verhalten nicht einfach so wieder einstellen, wenn du und dein Mann euch ständig über ihn aufregt.
Er will DIE Aufmerksamkeit die das Baby hat, er will DIE BEstätigung die das Baby hat. Wieso darf er die nicht haben?
Ich hab dir geschrieben, du sollst ihn in alles einbinden was das Baby betrifft, lass ihn Verantwortung übermehmen, grenz ihn nicht aus, hast du das versucht?
Ich möchte dich sicher nicht angreiffen, ich denke du bist ziemlich verzweifelt und suchst nach einem Ausweg, aber dein Sohn wird sich nicht von alleine ändern. DU musst den Weg zu ihm suchen. Er hat Konkurrenz bekommen, er steht nun an 2. Stelle, das ist für einen kleinen Mann nicht so einfach. Es nützt nix wenn du hier im Forum nach Hilfe suchst und dann erwartest dass alles von alleine geht.

Die Situationen die du heute beschreibst, zeigen dass dein Sohn ziemlich sauer und ziemlich durcheinander ist.
Er möchte angezogen werden, möchte es dann doch alleine tun, schliesslich ist er schon gross und kann das schon. Er kann auch seine Zahnpasta schon alleine drauf tun, klar ist er sauer.
Was ist mit dem Baby wenn er zu Bett geht? Wette das Baby ist dann noch im Wohnzimmer?

Ich denke du wirst (und auch dein Mann ) einen schritt zurück gehen müssen, ihr müsst einen anderen Weg einschlagen, um wieder an euren Grossen ran zu kommen. Holt ihn da ab wo er gerade steht. Geht auf ihn ein, nehmt euch Zeit für ihn. Akzeptiert seine Entscheidungen (pullover alleine anziehen, dann doch nicht...), ärgert euch nicht. Zeig ihm dass du da bist für ihn. Sei da wenn er Hilfe braucht, sei auch da wenn er es alleine schafft (Lob).
Wieso bringst du ihn nicht ins Bett? Lies DU doch mit ihm noch ein Buch! Deine Mutter kann doch dann bei deim Baby bleiben.
Nimm dir einen Tag in der Woche für deinen Sohn, geht schwimmen, zeig ihm dass du ihn lieb hast, auch wenn er nun ein Brüderchen hat.
Ich kann gut verstehen wie das ist wenn eines der Kinder JEDEN Tag immer und immer wieder ausflippt oder sich sonstwie daneben benimmt. Man wird einfach empfindlicher, man wird genervter und reagiert schneller.
Aber die Kinder sind immer noch Kinder und nur wie Erwachsene können sie aus ihrem "Loch" herausholen. Von alleine schaffen die es nicht. Wir Erwachsene müssen Wege zu unseren Kindern suchen, wir haben andere Möglichkeiten. Geh aus der Situation raus- d.h. nimm sein Verhalten nicht persönlich und ärgere dich nicht zu sehr darüber. Dein Sohn sucht seinen Platz in der neuen Familienkonstellation und er scheint so seine Probleme damit zu haben.
er BRaucht dich. Er braucht dich emotional. Das Baby braucht dich auch, aber anders.
Versuch es doch einmal.
Bei uns gibt es für unseren Grossen regelmässig ein "papa-Luca Tag" oder ein "Mama-Luca Tag" und diese Tag sind Sooo toll! Wirklich!
Vielleicht magst du lieber beim Baby bleiben, da ist neu und man kann gar nicht aufhören es anzuschauen, möchte es kuscheln, knutschen, riechen... Und wenn es dann mal schläft, möchte man Ruhe haben... Aber das ist das schwierige am 2. Kind: dass man noch das 1. kind hat das einen auch braucht.
Lg Sylvie

Beitrag von juliamonique 23.12.09 - 09:44 Uhr

Hallo,

dein Sohn kämpft um Aufmerksamkeit. Aber ganz gewaltig.
Hast Du denn Zeit für ihn alleine? Macht Dein Mann alleine was mit ihm? Was ist mit dem Vater des Kindes?

Als erstes: sei konsequent und zieh das durch. Jede Form von Gewalt seinerseits (hauen, treten, beissen) würde ich nicht dulden.
Lobe ihn wenn er etwas gut gemacht hat.
Zeig ihm, dass Du ihn liebst indem Du mit ihm spielst, ihm vorliest (wieso macht das Deine Mutter und nicht Du)?

Meine Tochter hat nach der Geburt ihres Bruders auch aufgedreht und mich getreten und geschlagen. Ich habe ihr dann besonders viel Zeit gewidmet, weil der Kleine ja sowieso viel geschlafen hat. Und wenn er wach war, durfte sie ihn betütteln.

Heute sidn beide ein Herz und eine Seele. Das ganze ging übrigend nur 2 Monate, dann war es durch.

Grüße
Julia