Antidepressiva und Beruhigungstabletten

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Forum: Partnerschaft

Eine dauerhafte Partnerschaft ist eine der größten Herausforderungen unserer Zeit. Lust und Frust liegen da oft nah beieinander. Hier könnt ihr offen ausdrücken, was euch innerlich bewegt.

Beitrag von antidepressiva 22.12.09 - 09:01 Uhr

Guten Morgen,

viele von euch sind sicherlich mächtig mit den letzen Weihnachtsvorbereitungen beschäftigt.
Ich habe noch nichtmal ein Geshenk gekauft.

Ich war gestern bei meiner Hausärztin und bin ich Tränen ausgebrochen, ich konnte gar nicht reden, ich konnte nur flüstern, es tat so weh mit jemandem darüber zur reden, aber gleichzeitig auch so gut.

SIe hatte sehr viel Verständnis für mich und hat mir sehr viele verschiedene Möglichkeiten aufgezählt.

Bis dato hielt ich mich für ganz normal.
Aber meine Symptome wurden immer schlimmer.
Ich habe irgendwie zu niemandem mehr KOntakt, der Zwiespalt zwischen Beruf und Privatsleben dazu.
Bei der Arbeit werde ich gemocht und geschätzt, zu Hause komme ich an und werde erniedrigt.
Ich habe eh nicht so das beste Selbstwertgefühl, aber ständig kommen Spürche die es noch mehr zerstören.
Ich liege manchmal völlig regunslos irgendwo und starre die Wand an.
Ich habe so einen Druck im HErzen, der es mir schwer macht zu atmen.
Ich funktioniere nur noch wie ein Roboter,Kind hüten(bespielen, fördern, es was erleben lassen) Arbeit, putzen, kochen, Beine breit machen.
Von Liebe keine Spur.

Gestern habe ich mich dann krankgemeldet und war bei der Ärztin und sie meinte dass sehr viele Menschen in der heutigen Zeit Depressionen haben, immer mehr junge Frauen, sogar Kinder.
Sie hat mir Beruhigungstabletten aufgeschrieben, die ich so oft wie nötig aber so wenig wie möglich einnehmen soll, da sie süchtig machen können und ein Antidepressiva, welches aber erst nach ca 10-14 Tagen wirkt.

Ich habe nun nach den Feiertagen nochmal nen Termin bei ihr und wir werden besprechen, ob eine Wirkung eingetreten ist und wie diese Therapie nun weiter geht.

Ich habe Angst dass ich irgendwann reif für die Klappse bin.
Sie meinte meine Depressionen kommen von den ganzen Geschehnissen außerhalb, irgendwie reaktive Depressionen.
Ich kenne mich mit dem Thema nicht aus, sie meinte auch was von einem Burn-out-Syndrom.
Ich habe schon ein wenig recherchiert im Internet.
Ich würde gerne Erfahrungsberichte von Frauen hören die Antidepressiva zu sich nahmen oder nehmen.

Wird es mir langfristig helfen?Oder wird es nur das unterdrücken was dieses Down in mir ausgelöst hat.
Ich weiß nicht weiter, ich bin gerade total schläfrig, ich soll die AD ja jeden Morgen nehmen, was ich soeben getan habe.

Erzählt mir von euch und euren Erfahrungen wenn ihr mögt.
AD

Beitrag von das Problem liegt tiefer 22.12.09 - 09:09 Uhr

guten Morgen,

Du hast eine ausgewachsene Depression
ich möchte Dich bitten Dir Hilfe zu suchen und nicht "nur "bei Deiner Hausärztin
bitte laß Dich zu einem Facharzt überweisen
die Tabletten werden Dein Problem nur verschleiern
wahrscheinlich wird es Dir sogar besser gehen

aber Du schreibst von häusliche Problemen"von Liebe keine Spur""Beine breit machen"
Dein Problem liegt tiefer
und da werden Dir die Tabletten nich raushelfen


Gruß

Beitrag von finchen85 22.12.09 - 09:17 Uhr

Tu dir und deinem Kind den Gefallen und geh zu einem Therapeuten. Du brauchst richtige Hilfe...Tabletten zu futtern hilft nicht das wirkliche Problem zu behandeln.
Du betäubst du das Symptom:(

Wie meine Vorrednerin schon schrieb, liegt dein Problem sehr viel tiefer!

Lg und alles Gute!

Beitrag von badguy 22.12.09 - 09:26 Uhr

Guten Morgen zurück,

viele von euch sind sicherlich mächtig mit den letzen Weihnachtsvorbereitungen beschäftigt. Nee, eigentlich nicht, gar nicht, finde ich auch nicht schlimm!

Ich mein, ich kann dir an dieser Stelle nicht helfen, das kannst nur du selbst. Ich hatte letztes Jahr um die Zeit eine Chefin, die so ziemlich jeden im Büro geknickt hat.

Die Diskrepanz zwischen der Erwartung an die Weihnachtszeit und dem realen Erleben ist richtig groß.

Ich hab keine Erfahrung mit Antidepressiva aber nachdem unsere Chefin gefeuert worden ist, haben wir alle ein Seminar Stressmanagement bekommen.

Tipp 1: Anziehen und raus gehen, bewegen, das macht die Verarbeitung leichter. Wenn möglich, Sport treiben, nicht übertreiben!

Tipp 2: In der dunklen Jahreszeit ruhig mal auf die Sonnenbank, dem Körper fehlt jetzt Vitamin D, den bekommst du durch Lichteinstrahlung.

Tipp 3: Nicht den Helden spielen, du kannst dazu stehen, dass es dir nicht gut geht

Tipp 4: Nimm die Antidepressiva auch

Tipp 5: Im neuen Jahr von der Hausärztin in psychatrische Facharzthände überweisen lassen.

Alles Gute!

Beitrag von AD... 22.12.09 - 09:54 Uhr

Danke für eure Antworten, ich finde es auch super dass fremde Verständnis für so eine Situation haben und mich nicht gleich als Verrückte abstempeln.

Ich merke halt nur seit langem, dass es so nicht weitergehen kann und ich irgendein Problem tief in meiner Seele habe, welche diese Symptome hervorruft.

Ich habe einfach nur Angst als psychisch kranke, die ja voll irre ist abgestempelt zu werden.
Nach außen hin merkt ja niemand wie schlecht es mir wirklich geht, ich merke nur schon seit Jahren dass mich viele immer fragen, warum ich immer so traurig ausschaue, mir war das alles nie bewusst.

Ich bin auch echt dankbar, dass es Hilfe gibt die ich mir holen kann.
Ich habe schon seit Jahren ein Stechen in der Herzgegend, dass es mir nicht einfach macht zu atmen.
Ich bin himmelhochjauchzend und zu tode betrübt zu gleich.

Dieses Jahr war aber noch schlimmer als alles was je passiert ist.
LG
AD

Beitrag von ug2712 22.12.09 - 10:37 Uhr

Hallo AD,

du hast den ersten Schritt schon getan, dass ist gut so - der Gang zum Arzt, um Hilfe zu holen, ist bekanntlich der schwerste.
Wie bereits gesagt wurde, die Medikamente werden dir nicht wirklich helfen, deine Probleme in den Griff zu bekommen. ICh habe 1,5 Jahre Therapie gebraucht und dabei mein Leben komplett umgekrempelt (neuer Job, neuer Mann, Abgrenzung von meinen Eltern)
Die Medikamente waren dabei eine Unterstützung.
Es gab teilweise sehr schlimme Situationen, in denen ich froh war einen Menschen an meiner Seite zu haben, der mich halten konnte.
Du kannst mich gern über VK anschreiben.

Beitrag von sniksnak 22.12.09 - 10:19 Uhr

Zu aller erst: Du bist nicht verrückt!

Zweitens: Was meinst du, wieviele Menschen "sowas" haben?! Aus dem Stehgreif fallen mir 5 in meinem Freundes- und Familienkreis ein ;-)
Mach dich selber nicht fertig!

Wie dir hier schon empfohlen wurde: Nimm die AD, aber mach es dir zur Aufgabe, für's nächste Jahr einen Therapeuten zu finden. Außerdem sollte ein Psychiarter zumindest mal überprüfen, ob die Medis für dich die richtigen sind. Hausärzte sind da oftmals nicht sooo firm drin.

Am wichtigsten ist es aber, dass du dir einen Therapeuten suchst. Nur Tabletten nehmen ist erwiesen nicht effektiv genug.

LG & gute Besserung
sniksnak

Beitrag von AD... 22.12.09 - 10:22 Uhr

Danke

Beitrag von ich auch 22.12.09 - 10:46 Uhr

Ich habe vor ca. einem Jahr an Depressionen gelitten und kenne diesen Schmerz in der Seele.

Ich habe ebenfalls eine zeitlang Antidepressiva genommen, sie wirkten ganz gut, ich würde sehr gleichmütig, aber andererseits auch unwahrscheinlich müde.

Ich ging wieder zum Arzt und sagte, dass ich dieses Medikament wegen der bleiernden Müdigkeit nicht mehr nehmen kann, weil auch ich Kinder habe, denen ich, vor lauter Erschhöpfung, nicht mehr gerecht werden konnte.

Ich war damit sogar bei einer Therapeutin, die mir dann ein Antidepressivum mit einem anderen Wirkstoff verschrieb. Die Müdigkeit blieb.

Heute nehme ich gar nichts mehr, weil es bei mir an was anderem gelegen hat.
Eine Freundin von mir wurde wegen Depressionen sogar stationär aufgenommen, hat eine Langzeittherapie gemacht, aber nichts hat groß geholfen.
Sie nimmt auch Antidepressiva und kommt damit besser zurecht als ich (hat allerdings auch keine Kinder und viel mehr Ruhe).

Eine Therapie schadet natürlich nicht, ist aber nicht immer das Non-plus-Ultra. Unterstützend können die Medis u.U. sogar notwending sein.
Viele haben ja die Kombi: Therapie, Medis.

Vielleicht solltest Du auch die häusliche Situation mal überdenken. Damit meine ich, wenn Du eine lieblose, erniedrigende Partnerschaft löst, wird es Dir wahrscheinlich besser gehen.

Alles Gute!


Beitrag von jade63 22.12.09 - 10:48 Uhr

Hallo,

Was die anderen schrieben, kann ich nur bestätigen.
Und dazu: was deine Hausärztin da mit dir macht, ist geradezu gefährlich!
Ich nehme an, du hast Tavor bekommen von ihr.
So was soll nur kontrolliert und nicht ambulant verschrieben werden, wegen der Suchtgefahr und der Nebenwirkungen.

Du kannst mich ruhig per VK anschreiben.
Das wird sonst ein ausgedehnter Roman hier im Forum. Es geht ja nicht nur um die Medis, allein das ist schon ein großes Thema.

Also schreib bitte mal.
Den Weg, den du jetzt gehst, den habe ich hinter mir.

LG Jade

Beitrag von ich auch 22.12.09 - 10:52 Uhr

Wie kommst Du darauf, dass sie Tavor nimmt?

Das würde mich wirklich mal interessieren. #kratz

Ich habe 2 verschieden Antidepressiva bekommen,
keines war Tavor.

Beitrag von ug2712 22.12.09 - 10:54 Uhr

Sie meinte das Beruhigungsmittel.
Tavor wird in der Tat gern verschrieben.
Habe ich von 3 verschiedenen Ärzten bekommen...

Beitrag von ich auch 22.12.09 - 11:01 Uhr

Ach so!

Beitrag von jade63 22.12.09 - 20:54 Uhr

Das war geraten.
Tavor wird bei schweren akuten Depressionen verschrieben.
Andere Antidepressiva (z.B. Valdoxan, Remergil) wirken ja erst richtig nach ca. 14 Tagen.
Wer akut stark depressiv ist, leidet sehr, denkt auch oft an Selbstverletzung oder Selbstmord - um dem vorzubeugen, wird zwischenzeitlich Tavor verschrieben und dann später wieder ausgeschlichen.

Beitrag von anonym5 22.12.09 - 11:05 Uhr

Hallo

Du hast ja schon viele gute Antworten bekommen.Und auch ich stimme den andern zu.Such dir unbedingt erstmal ein Psychater du musst erstmal richtig auf die Medikamente eingestellt werden evtl. muss die Dosis oder auch die Medikamente nochmal gändert werden.

Die Müdikeit ist eine von den Nebenwirkungen.Hab ich auch.Aus erfahrung kann ich dir schreiben das das AD einige zeit brauch bis es wirkt.Anfangs wirst du merken das es dir vorkommt als hätte man dir die Tränen ausgesaugt.Du willst weinen kannst aber nicht.Das wird sich dann aber legen also unbedingt dran bleiben.
Das AD lindert die Symptome aber sie ändern sie nicht und zaubern auch nichts weg.Von daher such dir wircklich ein Therapeuten.Erst mit dieser Kombination kann es dir langfristig besser gehn.Und ein Therapeuten solltest auf den schnellsten wege suchen die warte zeiten sind in der Regel sehr lang.Als Tipp rufe am besten alle an in deiner umgebung und lass dich bei jeden auf der warteliste setzen.

Und noch eins du bist nicht verrückt.Der erste schritt hast du schon geschafft in dem du selber erkannt hast das du Hilfe brauchst.Darauf kannst du stolz sein.

Ich wünsche dir alles gute
Bibi

Beitrag von nocheinmensch 22.12.09 - 19:04 Uhr

Hallo,

bitte nimm die Beruhigungsmittel nicht über einen längeren Zeitraum, sondern nur als "Notfallmedikament", wenn du z. B. Selbstmordgedanken bekommst.

Finde auch, dass solche Medikamente viel zu schnell vom Hausarzt verschrieben werden, wichtig ist begleitend eine Therapie.

Und Finger weg von den Beruhigungsmitteln (besonders Benzodiazepine), das geht ganz schnell, dass man davon süchtig wird.

LG & Alles Gute!

Beitrag von ladymarian 25.12.09 - 08:25 Uhr

Guten Morgen!

Der erste Schritt ist schon mal getan, dass du zu deiner Hausärztin gegangen bist.
Allerdings finde ich seltsam, dass sie dir Tabletten verschreibt, die süchtig machen können?!
Es gibt mittlerweile sehr viele Tabletten, die das nicht machen.

Ausserdem hätte sie dich sofort an einen Psychiater überweisen sollen, der kennt sich mit der Thematik Depressionen besser aus und kann auch besser einschätzen, welche Tabletten passend für dich sind.
Bei mir wars dann so, dass er mich gleich zu einer Psychotherapie überwiesen hat. Tabletten alleine bringen nämlich nichts.
Natürlich gehts am Anfang auch nicht ohne, aber wirklich nur unterstützend zur Therapie.

Seit ich die Tabletten nehme, gehts mir wesentlich besser. Ich schlafe seit Jahren wieder traumlos, was bei mir das Hauptproblem war. Wenn man nicht erholsam schlafen kann, ist der ganze Tag eine Qual.
Ausserdem ist die Therapie wirklich eine Wohltat. Ich freu mich jedesmal auf die neue Stunde und fahre immer mit einem ganz tollen Gefühl heim.

Ich wünsche dir, dass es dir bald besser geht!!

LG, Anita