Kindererziehung - Umfrage

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Forum: Erziehung

Kinder fordern Eltern täglich neu heraus zu Auseinandersetzung und Problemlösung. Kinder brauchen Grenzen - doch welche und wie setzt man sie durch? Welche Erziehung ist die richtige? Nutzt hier die Möglichkeit, euch hilfreich mit anderen Eltern auszutauschen.

Beitrag von purpur100 22.12.09 - 10:58 Uhr

liebes Urbia-Team: Wenn mein Beitrag hier nicht reingehört, dann bitte verschieben #danke

Wie ist das eigentlich: Eltern erziehen ihr Kind zur Selbständigkeit und freiem Willen und dann will das Jugendamt den Eltern das Sorgerecht entziehen.

Eure Meinungen bitte zu diesem Beispiel hier:
http://de.news.yahoo.com/26/20091221/twl-muss-das-segelmdchen-laura-jetzt-ins-0af634d.html


Meine Meinung: "Einmischung" des Jugendamtes und Arztes völlig überflüssig!

Beitrag von miau2 22.12.09 - 11:16 Uhr

Hi,
meine Meinung:

mit 14 ist sie zu jung für das, was sie vorhat. Diese Meinung vertreten offenbar auch die Behörden. Wiederum offenbar haben die Eltern überhaupt keine Kontrolle über dieses Mädchen.

Erziehung? Ja klar, ich erziehe meine Kinder auch so, dass sie einfach abhauen, wenn ihnen etwas nicht in den Kram passt, und nenne das dann "Erziehung zur Selbständigkeit" - dass Erziehung auch gewisse Grenzen und Regeln vermitteln sollte wurde ganz offenbar total vergessen.

WAS dem Mädel offenbar an "Selbständigkeit" und "freiem Willen" beigebracht wurde ist: Gesetze gelten für andere, aber nicht für mich. Grenzen gelten für andere, aber nicht für mich. Regeln gelten für andere, aber nicht für mich.

Von daher finde ich die Einmischung nicht wirklich überflüssig, sondern notwendig. Es war ja nach Meinungen gefragt ;-).

Viele Grüße
Miau2

Beitrag von purpur100 22.12.09 - 13:12 Uhr

Danke für deine Meinung.
Ich sehe es eher so, daß das Mädel ja erst abgehauen ist, nachdem ihr ihr Vorhaben verbaut bzw. verboten wurde.
Es gibt Grenzen und Regeln, natürlich. Gibt es aber eine Regel, daß man erst mit Volljährigkeit alleine segeln darf?

Ok, sie ist noch recht jung. Und so eine Weltumseglung ist recht gefährlich.
Wir gefährlich ist es eigentlich im Zirkus? Wenn Kinder von ihren Eltern "nachgezogen" also in einem Job bereits von Kindheit an ausgebildet werden, der gefährlich, knochenbrecherisch ist?
Eigentlich dürfte es doch keine jugendlichen Artisten geben, oder? ;-) Wo bleibt das das Jugendamt?

Beitrag von kruemlschen 22.12.09 - 13:51 Uhr

Der Unterschied bei Deinem Vergleich ist ganz einfach der, dass Zirkuskinder trotz allem von Ihren Eltern groß gezogen werden und die Kinder nicht mal eben 2 Jahre auf sich gestellt.

Gruß Krüml

Beitrag von miau2 22.12.09 - 15:08 Uhr

Hi,
wie schon gesagt - die Kinder im Zirkus sind nicht alleine, sondern bei einer Aufsichtsperson.

Sie werden auch nicht hilflos am Trapez baumeln gelassen, sondern WENN sie in Not sind, wird ihnen geholfen. Und das ist nicht erst Stunden, Tage nachdem sie in Not geraten sind möglich. Wenn sie krank werden, können sie zum Arzt gehen, auch wenn sie im Zirkus leben. Sie sind nicht darauf angewiesen, alleine einzuschätzen, wie schlecht es ihnen wirklich geht (und "Selbstbewußtsein" und "Selbstüberschätzung" kann ziemlich dicht beisammen liegen - glaubt wirklich jemand, dass das Mädel wegen Bauchschmerzen den Törn abbrechen würde? Oder würde sie vielleicht das gleiche Verhalten weiter zeigen - durchhalten um jeden Preis...). Sie müssen nicht immer wieder u. U. mehrere Tage am Stück praktisch ohne Schlaf auskommen. Geschweige denn, dass sie 2 Jahre lang vermutlich keinen Tag das bekommen, was man als "ausreichend" an Schlaf ansieht. Sie müssen nicht alleine mit allen großen und kleinen Problemen klarkommen.

Lebensgefährlich ist vieles, auch und erst recht im Hobby-Bereich. Aber es ist halt auch eine Frage, ob ein Kind/Teenager mit einer u. U. lebensgefährlichen Situation vollkommen auf sich alleine gestellt ist und das auch für längere Zeit bleibt - oder ob recht schnell jemand helfen könnte.

Ja klar, das Mädel ist abgehauen, nachdem ihr Vorhaben verboten wurde. Wenn meine Kinder so reagieren würden wäre das für miche in Zeichen dafür, dass meine Erziehung ja wohl so toll nicht gewesen sein kann - abhauen, weil es Probleme oder Verbote gibt als Erziehungsziel kann ja wohl nicht wirklich die Weisheit überhaupt sein. Zumindest nicht, wenn es um derartiges geht (Ausnahmesituationen - wie das Ausreißen eines misshandelten Kindes mal komplett außen vor gelassen).

Klar dürfen auch Teenager alleine segeln.

Aber es ist vielleicht ein Unterschied, ob ein Teenager alleine in Küstengewässern herumkreuzt, oder ob ein Teenager für 2 Jahre komplett auf sich alleine gestellt ist.

Würdest du einen 14jährigen Teenager ohne jede Begleitung 2 Jahre lang alleine um die Welt radeln lassen (gibt ja so Extremradsportler)? Ich nicht. Und das, obwohl er oder sie da ja sogar festen Boden unter den Füßen hätte.

Viele Grüße
miau2

Beitrag von juniorette 22.12.09 - 11:32 Uhr

"Wie ist das eigentlich: Eltern erziehen ihr Kind zur Selbständigkeit und freiem Willen "

Wenn es danach geht, sind jugendliche Ausreißer alle optimal erzogen? Aha #kratz

Ich bin der Meinung, dass in der Erziehung dieses Mädchens Einiges schief gelaufen sein muss. Da die Eltern versagt haben, greift der Staat jetzt ein und das ist völlig richtig.

Das Mädchen muss vor sich selbst geschützt werden, sonst können Urbianer bald eine Kerze für das arme ertrunkene Mädchen aufstellen.

LG,
J.

Beitrag von purpur100 22.12.09 - 13:14 Uhr

auch dir danke für deine Antwort!
Du meinst, daß das Mädchen vor sich selbst geschützt werden muß? Gut möglich. Mir fallen da aber ganz andere "Fälle" ein, wo das Jugendamt die Kinder vor sich selbst schützen müßten, weil dadurch auch andere gefährdet werden.

Beitrag von miau2 22.12.09 - 15:10 Uhr

Und nur, weil es andere Beispiele gäbe ist es hier nicht gerechtfertigt?

Nur, weil eine Situation irgendwo noch schlimmer ist ist das Eingreifen in einer schlimmen Situation nicht ok?

Ist doch irgendwie unlogisch...der Logik nach dürft kaum ein Verkehrssünder zur Kasse gebeten werden, weil es ja garantiert immer irgendwo einen gibt, der noch mehr Mist verzapft.

Klar fallen mir auch andere Fälle ein. Aber um die geht es hier doch gar nicht.

Beitrag von gretchens.armee 22.12.09 - 12:02 Uhr

Hey Purpur,

da ich früher sicherlich kein Kind von Traurigkeit gewesen bin, und einige wilde Aktionen gestartet habe, müsste ich eigentlich vollstes Verständnis für das Mädel aufbringen und auch für ihre Eltern.
Da ich aber mittlerweile erstens in die Jahre komme und zweitens eine Tochter habe, die mit fast 10 Jahren mehr und mehr ihren eigenen Willen bekommt, der sich sehr oft von dem meinigen unterscheidet ;-), und ich mich auch schon gefragt habe, wie das denn so sein wird, wenn sie erst in diesem Alter- also 14- ist, so flaut mein Verständnis in dem Maße ab, wie mein Sicherheits- und Beschützerbedürfnis wächst.

Streng genommen kann man argumentieren, daß eine solche Tour grundsätzlich nicht ohne Risiken abläuft, egal welchen Alters man ist. Und sicherlich kann man auch argumentieren, daß manche weiter sind für ihr Alter. Aber ich sehe das heute doch ein wenig anders. Mit jenem Argument im Hinterkopf haben wir uns Silvester zu zwei Mädels an die Straße gestellt in eisiger Kälte, um nach Düsseldorf zu trampen. Und das nichts passiert ist, war wohl mehr Glück als ein Beleg für Umsicht und geistige Reife.

Und diese Nachdrücklichkeit der Eltern weckt dann doch eher unangenehme Assoziationen zu irgendwelchen "Eiskunstlauf- Muttis", so daß man sich auch fragen muß, welcher Wille da letztlich der ausschlaggebende ist. "Freie Wille"? Wie frei warst du WIRKLICH mit 14?

Lg,
Gretchen

Beitrag von purpur100 22.12.09 - 13:20 Uhr

#freu Hi Gräddschen,
jau, Eiskunstlaufmuttis. Oder ein ganzer Artistenclan.
Halsbrecherische Dinge geschehen da ;-)
Wo bleibt da das Jugendamt?

#kratz Laß mich mal nachdenken. Wie frei war ich mit 14? Ordentlich erzogen, wie ich nunmal bin ;-) habe ich die Dinge, die mich betrafen, schon damals selbst entschieden.
Egal ob es die weiterführende Schulausbildung oder später dann um den Ausbildungsplatz ging: Alles im Alleingang und meine Eltern im Rücken.
Wie es sein sollte.

Ich mußte aber um 22.00 Uhr zuhause sein. Auch am Wochenende. Bis ich 18 war :-p

Beitrag von gretchens.armee 22.12.09 - 13:26 Uhr

Ahoi Purpur,
zu Zirkussen möchte ich mich hier nicht allzu groß äußern. Ich habe dazu eine ganz eigene Meinung, die vielleicht in eine Riesendiskussion ausarten könnte. Nur soviel: Genau, wo bleibt da das Jugendamt? Oder das Ordnungsamt, um die Viecher da rauszuholen?
So wie erst kürzlich hier in der Nähe geschehen...

Davon abgesehen: Auf andere Mißstände hinzuweisen, um den Mißstand an sich zu relativieren, geht schwer in die Richtung Totschlagsargumentation ;-)

Beitrag von purpur100 22.12.09 - 13:41 Uhr

bähhhhhhhhhh :-p;-)
Ja doch, ich weiß. Und trotzdem! Wie du schon sagst: Es gibt weitaus bedürftigere Dinge, in die sich eingemischt werden sollte. Weil viele davon profitieren würden.
Ist aber anscheinend zu viel Arbeit. Lieber einem einzigen Mädel ne Chance verbauen.

Beitrag von gretchens.armee 22.12.09 - 13:49 Uhr

Leider hat die Familie sich sehr in die Öffentlichkeit gestellt. Und wo Öffentlichkeit ist, da wird auch polarisiert. Und damit sich keiner am Ende blamiert, oder es heißt, wieso habt ihr nichts unternommen?!, werden auch solche Entscheidungen gefällt, über den "freien Willen" oder die "Chance" hinweg.
Und ich finde es richtig, in manchen Fällen auch einfach mal die Verantwortung zu übernehmen ;-)

Beitrag von rosastrampler 22.12.09 - 13:57 Uhr

Naja, vielleicht war es die Chance, sich umzubringen. #kratz

So wie ich es gelesen habe, war der Vater ebenfalls dagegen. Wenn ich meinen Kindern etwas verbiete und sie machen es trotzdem, wäre ich in dem Falle dankbar für die Hilfe...

Beitrag von leefu 22.12.09 - 12:56 Uhr

Ich seh das ähnlich wie Du. Ich finde, man sollte sie segeln lassen. Ich fand das von Anfang irgendwie ungerecht, daß man sie zurückhält. Sicher ist das alles saugefährlich, aber das wäre es auch, wenn sie drei, vier Jahre älter wäre. Und so, wie ich das mitbekommen habe, ist sie mit dem Segeln ja wirklich bestens vertraut, also so what? Wenn die Eltern einverstanden sind und sie selbst auch, sollte man vielleicht überlegen, ob man sie einfach noch besser auf den Trip vorbereiten könnte - ihr vielleicht irgendeinen Profi als Lehrer an die Seite stellt und das ganze dann mit Kameras mitverfolgt und ein schöne Dokumentation draus macht. Was weiß ich... Jedenfalls ist das eine Chance, die sie niewieder haben kann, weil sie dann irgendwann nicht mehr der jüngste Mensch ist, der die Welt umsegelt und wird sich vielleicht immer drüber ärgern oder so. Keine Ahnung! Ich würde sie jedenfalls gehen lassen - von behördlicher Seite aus. Wenn es meine Tichter wäre, würde ich sie aber vielleicht auch davon abhalten. (Aber das würde ich auch noch, wenn sie 18 wäre)

Beitrag von purpur100 22.12.09 - 13:23 Uhr

Danke für deine Antwort!

"Wenn die Eltern einverstanden sind und sie selbst auch, sollte man vielleicht überlegen, ob man sie einfach noch besser auf den Trip vorbereiten könnte"

#pro eben.

Beitrag von rosastrampler 22.12.09 - 13:50 Uhr

#schock
Weißt du, wie groß allein der Pazifik ist???

Ich meine, es geht nicht darum, am Festland entlangzusegeln...

"Die Fläche des Pazifischen Ozeans beträgt entweder 181,34 Mio. km² (mit Nebenmeeren) oder 166,24 Mio. km² (ohne Nebenmeere), was rund 35 Prozent der gesamten Erdoberfläche oder die Hälfte der Meeresfläche der Erde und damit mehr als die Fläche aller Kontinente zusammen ausmacht."http://de.wikipedia.org/wiki/Pazifischer_Ozean

Da kann man doch nicht ernsthaft eine 14jährige ALLEIN loslassen!!!
Das ist echt erschreckend!

Beitrag von leefu 22.12.09 - 21:03 Uhr

Nein, Du ich wußte gar nicht, wie groß der Pazifik ist... Ist mir tooootal neu. *hihi

(Wenigstens war ich schonmal da und bin selbst drauf rum geschippert)

Nee, mal im Ernst, jedes Meer ist groß, wenn man in ner realtiv kleinen Yacht unterwegs ist....oder?

Beitrag von rosastrampler 22.12.09 - 21:12 Uhr

Ja, das stimmt.
Ich führte den Pazifik an, weil es der größte der Ozeane ist und sie wohl um die 3 Wochen allein darauf wäre.

Deswegen meine ich weiterhin, dass eine 14 jährige da allein nichts verloren hat.

Beitrag von windsbraut69 22.12.09 - 15:00 Uhr

Als Vertreter der "behördlichen Seite" würdest Du Dich genau so strafbar machen wie die Eltern in diesem Fall.

Dass man sie machen lassen soll, weil sie in ein paar Jahren dann nicht mehr die jüngste Weltumseglerin wäre, ist doch ein Witz, oder?

Hast Du ne Ahnung, WIE gefährlich das ist?

Gruß,

W

Beitrag von gunillina 22.12.09 - 17:14 Uhr

Wie sieht es dann mit den 16jährigen Jungen aus, die die Welt umsegeln? Ist denn ein Junge mit 16 Jahren fähiger und reifer, als ein Mädchen mit 14 Jahren? Nur mal so gefragt. Warum darf der 16jährige los segeln, oder war er noch jünger, schließlich war er bei Ankunft im Heimathafen 17 Jahre alt...
Geht es da einfach nur um die Altersgrenzen, die per Gesetz bestehen?

Beitrag von mama2kinder 22.12.09 - 17:34 Uhr

Also das finde ich genauso bescheuert!
Aber ein 16 jähriger ist idR kräftiger als eine 14.

Ich könnte mir auch vorstellen, dass es daran liegt, dass die 14 nicht den vollen Rückhalt der Eltern hat. Wenn die Mutter das Amt verständigt hat, müssen sie handeln.

Beitrag von gunillina 22.12.09 - 17:54 Uhr

Stimmt, daran könnte es liegen... Wir werden ja sehen, was daraus wird. Mehr Presse geht ja kaum;-)

Beitrag von leefu 22.12.09 - 21:00 Uhr

"Hast Du ne Ahnung, WIE gefährlich das ist?"

Nee, Du?

Beitrag von pupsismum 22.12.09 - 13:37 Uhr

Hallo purpur,

natürlich sollen Kinder zur Selbständigkeit erzogen werden, keine Frage. Diese muss aber wachsen, zusammen mit der entsprechenden Reife dafür.

Bei einer Weltumsegelung ist man Monate unterwegs, sie wäre in diesem Falle ganz allein die ganze Zeit. Das halte ich, aus einer Seglerfamilie stammend, nicht für vertretbar.

Weder in Hinsicht auf die Wetterbedingungen, die herrschen können, noch in Hinblick darauf, dass sie in jedweder sonstigen Situation wirklich auf sich allein gestellt ist, über eine lange Zeit. (Wer überwacht z.B. die ausreichende Versorgung? Wer überwacht, dass sie ihre Kräfte einteilt (14-jährige neigen ja gerne mal zur Selbstüberschätzung ;-)) usw. usf.?

Ich denke, es ist etwas anderes, wenn ich meinen Sohn in dem Alter zum Flughafen bringe und allein nach England fliegen lasse (so wie im Januar d.J. geschehen) und er dort in Empfang genommen wird, als wenn ich in z.B. mit dem Rad alleine über mehrere Monate dorthin radeln lassen würden.

Selbständigkeit muss gelernt und in der Realität ausprobiert werden, aber bitte nicht gleich an Großprojekten. ;-)

Gruß
p