Tätlichkeiten im Schulhort - Abmahnung durch Rechtsanwalt

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Forum: Erziehung

Kinder fordern Eltern täglich neu heraus zu Auseinandersetzung und Problemlösung. Kinder brauchen Grenzen - doch welche und wie setzt man sie durch? Welche Erziehung ist die richtige? Nutzt hier die Möglichkeit, euch hilfreich mit anderen Eltern auszutauschen.

Beitrag von lottie 22.12.09 - 18:51 Uhr

Hallo,

ich habe heute sehr unangenehme Post erhalten.
Ein Anwalt hat mir/uns eine Abmahnung im Auftrag eines erbosten Vaters geschickt.
Vorgeschichte: Meine Tochter hat vor einigen Wochen, zusammen mit anderen Kindern im Schulhort ein gleichaltriges Mädchen geärgert, was soweit eskalierte, dass das Mädchen auf Grund von Rumgeschubse hinfiel.
Der Hort führte ein Gespräch mit beiden durch. Körperlich ist nichts passiert.
Ich wurde jedoch nicht durch den Hort informiert, sondern erst abends am Telefon durch einen wütenden Vater.
Ich lies mir den Vorfall nochmal von meiner Tochter erzählen, nahm sie ins Gebet, dass sowas nicht nochmal passieren darf. Gewalt ist immer schlimm. Wenn sie sich nicht mögen, sollen sie sich aus dem Weg gehen...

Heute kam der Brief, der Anwalt bezieht sich auf das Gewaltschutzgesetz und spricht von Nachstellungen.
Ich habe meine Tochter gefragt, ob nochmal was vorgefallen ist. Leider ja. Wieder Gezeckele, diesmal wohl ein leichter Schlag.
Ich weiß nicht, was bei meiner Tochter los ist, wir sind ein gewaltfreier Haushalt, haben keine gewaltverherrlichten Medien oder Spielzeug im Haus, u.s.w..

Was aber viel schlimmer ist, ich weiß garnicht, wie ich auf das Schreiben reagieren soll. Ich kann sie nicht aus dem Hort nehmen, da wir beide berufstätig sind.
Bisher hatte ich jetzt auch kein größeres Problem, mit diversen Feindlichkeiten in Hort oder Schule. Es gibt immer wieder Kinder, die sich mal schubsen, weil sie sich genervt oder provoziert fühlen. Auch meine kam schon mit dem einen oder anderen Schürfer nach Hause.

Aber was soll ich jetzt tun, ich bin ja nicht dort, um ständig auf sie aufzupassen.
Vom Hort habe ich noch gar keine Information erhalten, über diese neuerliche Aggression.

Wie würdet ihr reagieren?

LG

Beitrag von reethi 22.12.09 - 19:17 Uhr

Hallo!

Das ist jetzt nicht Dein Ernst oder?!
Also wenn ich es richtig verstanden habe, haben sich die Kinder gestritten und geschubst und Du bekommst eine Abmahnung vom Anwalt?!! Ich fasse es nicht und ehrlich gesagt weiß ich auch nicht wie ich darauf reagieren würde...

Ich würde erst einmal das Gespräch mit dem Hort suchen, und mir von den Betreuern dort die Situation schildern lassen, die passiert ist (und vielleicht mal durch die Blume fragen wie die Eltern des anderen Mädchens so drauf sind).

Was steht denn in dem Schreiben was passiert wenn nochmal etwas vor fällt? Wollen die dann ernsthaft eine 9-jährige vor Gericht zerren oder was?

Ich finde das absolut lächerlich... Ganz ehrlich. Das ist ja schon beinahe zum lachen. Nur hilft Euch das auch nicht viel, oder?
Ob es Sinn macht mit den Eltern zu sprechen weiß ich nicht-wenn sie schon so schnell so reagieren...?!

Alles Gute!
Neddie

Beitrag von marenchen23 22.12.09 - 19:46 Uhr

Zeig das Schreiben dem HOrt.
Der Hort ist dann verpflichtet, eure Kids auseinander zu halten. Ein wenig übertrieben finde ich es vom Vater aber auch.....

Soll der Hort doch sehn, wie er das regelt....

Maren

Beitrag von snoopster 22.12.09 - 22:49 Uhr

Hallo,

ohne mich mit dem Thema wirklich auszukennen frage ich mich nur grad, ob die denn keine Pausenaufsicht haben im HOrt??

Es hört sich ja nicht so an, als ob Deine Tochter gezielt auf das andere Mädchen losgegangen ist und sie geschubst hat, sondern dass da was vorausgegangen ist. Wenn, dann hätte doch die Aufsicht Pflicht dafür zu sorgen, dass das nicht so weit eskaliert.

Das soll Deine Tochter nicht in Schutz nehmen.

LG Karin

Beitrag von manavgat 23.12.09 - 09:11 Uhr

Grundsätzlich hat der Vater Recht wenn er versucht, sein Kind zu schützen. Ob es der richtige Weg ist?

Der Hort bzw. dessen Leitung hat hier völlig versagt. Es kommt leider immer wieder vor, dass Kinder mobben. Oft ist es das schlechte Bespiel zuhause. Die Kinder schnappen auf, wie Eltern über Nachbarn, Arbeitskollegen, Verwandten umgehen bzw. über diese herziehen und leben das dann so ähnlich in der Schule. Kinder, die das von zu Hause nicht kennen werden auch mit reingezogen.

Ich würde den Hort auffordern, seine Aufgaben zu erledigen. Kinder zu erziehen!!!!! Dafür haben sie einen Auftrag. Das geht mit verschiedenen pädagogischen Mitteln. Themen: Ich und der andere, Toleranz, Miteinander.

Was das Schreiben anbelangt, so ist es jetzt schwierig. Vielleicht kannst Du die Kanzlei anschreiben, dass es Dir leid tun würde, wenn es so gewesen wäre und dass Du Dich bemühst, das die Schwierigkeiten zwischen den Kindern von den zuständigen Erwachsenen (besonders dem Hortpersonal) geklärt werden.

Außerdem kannst Du überlegen, ob Du das Mädchen mal zu Euch einlädst. Vielleicht merkt Deine Tochter dann mal, dass dieses Mädchen auch andere Seiten hat.

Mit Verboten, Drohungen etc. erreichst Du nichts. Versuch es mit Vermitteln, Erklären und klarer Stellungnahme! Gezicke zwischen den Mädchen kann ganz üble Wege nehmen. Als meine Tochter in diesem Alter war, bin ich auch mehrfach dazwischen und hab mir die Mädels mal gemeinsam geschnappt und ihnen gesagt, dass wir so! nicht miteinander umgehen und dass es jede! treffen kann.

Mein Kind war leider auch einige Male Opfer von Übergriffen. Das ging auch bei uns bis zu einer Anzeige wegen gefährlicher Körperverletzung.

Kinder müssen lernen, fair und offen miteinander umzugehen. Und sie brauchen Erwachsene, die ihnen dabei helfen.

Wenn Du wissen willst, warum Deine Tochter sich so verhalten hat, dann frag niemals: warum hast Du das gemacht oder was hast Du getan? Frag: was ist passiert? Wie würdest Du Dich fühlen, wärst Du xy? Kannst Du Dir vorstellen, wie es ihr geht? Was würdest Du Dir wünschen, wie jemand zu Dir sein soll, der Dich nicht mag?

Eine schwierige Aufgabe, aber leistbar.

Gruß

Manavgat

Beitrag von lottie 24.12.09 - 10:41 Uhr

Ich danke dir für die offenen Worte.

Leider ist der Vater des betroffenen Mädchens nicht bereit sich mit uns an einen Tisch zu setzten. Auch Vermittlungsversuche des Hortes scheiterten.

Aus dem Schreiben des Anwaltes geht hervor, das er keinerlei Kontaktaufnahme meiner Tochter zu seiner Tochter wünscht. ( Ich komme mir bei ihm vor, als wären wir Abschaum...)
Leider gehen beide auch in eine Klasse, so das die Kontaktsperre schwierig wird.
In der Schule gab es von seiten meiner Tochter keinerlei Vorfälle gegen das bewußte Mädchen, sie gehen sich weitestgehend aus dem Weg oder verleben einen ganz normalen Schultag, mit gemeinsamen Pausen, Gelächter usw. Zumindest war das bisher so.

Danke! und Schöne Weihnachten!

L.

Beitrag von susanne85 24.12.09 - 10:49 Uhr

hallo

meine frage ist: hat sie eine konsequenz erfahren? hast du sie bestraft?

wenn mein kind zum wiederholten male ein kind mobbt oder andere dinge tut, würde sie mich erstmal richtig kennenlernen.

tanzunterricht? aus für einen monat
hausarrest
taschengeld weg
freunde zu sich holen oder hin gehen niemals

es kann nicht sein das schon 9 jährige so aufeinander los gehen. da hat nicht nur der hort zu handeln auch du.

Beitrag von lottie 24.12.09 - 10:46 Uhr

Eine Anmerkung muß ich noch auf den Post hin schreiben.
Die Abneigung beruht auf Gegenseitigkeit und entstand bereits vor Jahren durch Schwindeleien und Primadonna-Verhalten des anderen Mädchen.

( Verfahrene Kiste...)

L.

Beitrag von dominiksmami 23.12.09 - 10:13 Uhr

Hallo,

oh je, das ist heftig, wer weiß warum der Vater sofort zum Anwalt gegangen ist.

Etwas macht mich allerdings äusserst nachdenklich:

>>Bisher hatte ich jetzt auch kein größeres Problem, mit diversen Feindlichkeiten in Hort oder Schule.<<

Aber es gab schon Feindlichkeiten? Ich meine...deine Tochter ist erst 9, da finde ich das nicht selbstverständlich das schon "Feindlichkeiten" ausgetragen werden. Ok, das zwei Kinder sich mal streiten...aber MIT Tätlichkeiten etc. das sollte ein absolutes No Go sein.

>> Es gibt immer wieder Kinder, die sich mal schubsen, weil sie sich genervt oder provoziert fühlen. Auch meine kam schon mit dem einen oder anderen Schürfer nach Hause. <<

Was sind denn das für Zustände bei euch, das schon so kleine Kinder denken durch Schubsen etc. könnte man etwas lösen? Ganz ehrlich, bei uns kommen Schubsereien vielleicht auch mal vor, aber wenn dann sind das meist eher Kinder aus der 7 oder 8 ( wäre in Deutschland die Klassen 5 oder 6, bis dahin geht bei uns die Grundschule), wenn überhaupt.

Wo bitte sind denn die Aufsichtspersonen? Wie kann es in einem betreuten Hort soweit kommen das ein Kind derart hin und her geschubst wird das es fällt?

Kannst du keinen anderen Hort für deine Tochter finden, die Zustände in eurem wären mit nicht ganz geheuer, wenn ich ehrlich bin.


lg

Andrea

Beitrag von lottie 24.12.09 - 10:52 Uhr

Hallo Andrea,

zu deinen Fragen:

Wir sind eine Kleinstadt mit nur einem Hort.

Mit den Feindlichkeiten meinte ich nicht meine Tochter. Sie war bisher "unauffällig".
Aber wenn ich sie abhole und sehe ich, da wird dort mal gerangelt und da mal geschubst.
Wenn sie nach Hause kam und ich eine Schramme gesehen habe, habe ich jetzt nicht nach Polizei oder Anwalt geschrieen. Es sind eben Kinder.

Gruß
L.

Beitrag von dominiksmami 24.12.09 - 12:19 Uhr

Huhu,

ich meinte auch nicht deine Tochter im speziellen, ich finde es einfach auffällig das dort so viel gerangelt wird.

Ich weiß dass das in Deutschland, oder auch hier je nach Schulform, häufiger vorkommt als an der Schule an der mein Sohn ist...aber dennoch stimmt es mich nachdenklich.

Da muß man doch irgendwas tun können *seufz*

lg

Andrea

Beitrag von marion2 23.12.09 - 10:56 Uhr

Hallo,

ich an deiner Stelle würde dem Anwalt schreiben:

Sehr geehrter Herr Anwalt,

bitte setzen Sie sich bezüglich dieser Angelegenheit mit dem Hort in Verbindung.

MfG

Solches Verhalten kommt übrigens immer Mal vor, wenn mehr als 2 Kinder aufeinander hocken. Ich würde das erst einmal gar nicht so wahnsinnig ernst nehmen.

Meistens ist es doch so, dass sich die Eltern noch in den Haaren liegen, während die Kinder schon wieder miteinander spielen.

Gruß Marion

Beitrag von manavgat 23.12.09 - 14:04 Uhr

so einfach ist es nicht.

Gruß

Manavgat

Beitrag von marion2 23.12.09 - 15:01 Uhr

Was meinste jetzt?

Ich würde an den Hort verweisen, da der die Aufsichtspflicht hatte und ich keine Aussage treffen könnte, weil ich ja nicht daneben stand. Ist ja klar, sonst müsste das Kind nicht in den Hort.

Oder meinst du das zweitere?

Beitrag von manavgat 23.12.09 - 20:30 Uhr

Ein Kind, das über 7 Jahre alt ist, ist zwar nicht strafmündig, kann aber - sofern Einsicht vorausgesetzt werden kann - zivilrechtlich für entstehende Schäden zur Verantwortung gezogen werden.

Zum anderen gehört es auch zur Erziehung, Flagge zu zeigen.

Daher mein Rat: Den Hort selbst auf die Pflicht hinweisen und einfordern und

der "Gegenseite" die Information zukommen lassen, dass man solche Vorfälle bedauert und auf sein Kind einwirken wird.

Das ist ja wohl das Mindeste.

Als meine Tochter, damals 13, ins Krankenhaus musste, wegen eines tätlichen Angriffs durch ein Mädchen (ging um eine Eifersüchtelei...), da hat sich niemand! bei meiner Tochter entschuldigt und auch die Eltern haben mich nicht angerufen. Als die Krankenkasse dann die Behandlungskosten einforderte, haben sie mein Kind erneut verbal bedroht, so dass ich den Eltern (die andere war minderjährig) eine Unterlassungsaufforderung habe zukommen lassen. Auch da: kein Wort der Entschuldigung, des Bedauerns oder irgendeine Reaktion. Asozial ist das!

Gruß

Manavgat

Beitrag von marion2 23.12.09 - 21:09 Uhr

Hallo,

im Ausgangsbeitrag gings aber nicht mal um ne "ordentliche" Prügelei. Ich glaub, dass man das nicht überbewerten sollte.

Ansonsten haste natürlich Recht.

Wobei ich davon ausging, dass die Mutter das mit der Gegenseite schon am Telefon besprochen hatte.

LG Marion

Beitrag von lottie 24.12.09 - 10:58 Uhr

Meine Tochter hat sich nach der Tätlichkeit ( Geschubse, laut Aussage Hort) noch im Hort bei dem Kind entschuldigt!

Ich wäre mit ihr auch am WE ( es war an einem Freitag passiert) nochmal zu der Familie, hätte mich der Vater nicht Freitagabend sehr aggressiv am Telefon angebrüllt.
Ich wusste zu diesem Zeitpunkt noch von garnichts, da der Hort mich nicht informiert hat und meine Tochter auch geschwiegen hatte.

Gruß

Beitrag von rienchen77 24.12.09 - 09:43 Uhr

ich würde mal die anderen Eltern und Kinder und Erzieher fragen wie ihre Beobachtungen zu dem Vorfall sind...

bekannt ist ja immer das es 2 Seiten der Medailie gibt...

wer weiß was war, wer weiß was das Mädchen zu Haus erzählt hat....