Das Krippenhuhn

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Forum: Familienleben

Die Oma füttert die Kinder übermäßig mit Süßigkeiten, Probleme mit der Schwiegermutter, Tipps zum Feiern der Taufe: Hier ist Platz für alle Themen rund um die Familie.

Beitrag von gismomo 24.12.09 - 11:03 Uhr

Eine Weihnachtsgeschichte, die ich in einem Adventskalender gefunden habe und die ich mit euch teilen will. Ich hoffe, ich verletze damit keine Urheberrechte. Sie ist von Doris Bewernitz. Der Adventskalender erscheint jedes Jahr und heißt "Der Andere Advent".

"Fünfundfünfzig Jahre ist die jetzt alt - meine Krippe. Der Nachbar hat nämlich Zigaretten geraucht, und als ich wieder einmal borgen ging bei ihm, sah ich die Kiste. Dünnes, helles Holz. Schönes Holz. Deckel und Boden groß genug, zwei Figuren auszusägen. Es gab ja kein Sperrholz achtundvierzig. Ich musste all meinen Mut zusammen nehmen, um ihn zu fragen. Er guckte so schräg, wie er immer guckte, wenn arme Leute was von ihm wollten. Und dann sagte er: "Ja, ich gebe sie Ihnen. Zehn Eier die Kiste."

Wir hatten zwei Hühner, die mehr fraßen, als sie Eier legten. Ich erzählte ihnen von der Krippe. Sie strengten sich an. Ich sparte noch mehr als sonst, und ihm Frühjahr kaufte ich drei Küken. Eins davon wurde ein Hahn.

Ich zeichnete Figuren. Maria natürlich, Joseph, das Jesuskind, zwei Hirten, die Heiligen Drei Könige. Zwei Kühe, einen Esel, sechs Schafe, zwei Lämmer. Dann fand ich, dass da auch Frauen zum Stall kommen müssten, ist doch richtig, oder? Schließlich wäre ich damals mit meiner Mutter auch gerne hingegangen. Immer stehen da all die Hirten und Könige, und Maria würde sich doch bestimmt freuen, wenn auch ein paar Frauen da sein würden, die was von kleinen Kindern verstehen.

Währenddessen gaben sich die Hühner und der Hahn alle Mühe. Nach zwei Jahren hatte ich elf Zigarrenkisten. Beim Tischler borgte ich mir eine Laubsäge. Die Sägeblätter waren sehr teuer, und obwohl ich sie wie rohe Eier behandelte, rissen mir zwei. Deshalb kam ich nicht so schnell voran. Ich musste immer erst aufs nächste Sägeblatt sparen. Der Fahrradhändler wunderte sich zwar, aber er gab mir seine leeren Lacktöpfchen. Da war immer ein kleiner Rest drin. LEider gab es kein Gelb. Deshalb sind die Gesichter so rosa.

Drei Jahre hat es gedauert. 1951 hatte ich sie fertig. Das war ein Fest, als ich sie das erste Mal aufstellte! Jetzt bin ich achtzig. Hier ist sie, meine Krippe. Ich freue mich immer das ganze Jahr darauf, sie aufzubauen.
Zigarrenkisten und Fahrradlack. Ist das nicht schön?

Ach ja, sehen Sie das kleine Huhn? Direkt neben Maria? Es schläft... Ich weiß, eigentlich gibt es keine Hühner im Stall von Bethlehem, aber Sie werden verstehen."

Ich wünsche euch allen schöne Weihnachten und ich wünsche uns allen, dass wir neben all der Hektik und dem Trubel den Geist von Weihnachten spüren und bewahren können, dass er uns durchträgt durch die Hektik und uns einen Blick werfen lässt auf das, was hinter den Dingen steht - das Unsichtbare, Hoffnungsvolle. Ich wünsche uns allen, dass wir Gott begegnen.

Alles Liebe,
K.

Beitrag von risala 24.12.09 - 11:36 Uhr

Hi,

eine wunderbare Weihnachtsgeschichte!

Schöne Weihnachten!

LG
Kim