Kindergartengespräch - autistische Züge - und nun?

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Stolpersteine im Leben sind manchmal überwindbar, manchmal muss man sich mit ihnen arrangieren. Hier ist der Ort, um darüber zu sprechen: Entwicklungsverzögerung beim Kind, ADHS, das Down-Syndrom, Spina Bifida, Leben im Rollstuhl ...

Beitrag von hopsi2005 26.12.09 - 02:55 Uhr

Ich weiß, es wurde hier schön öfter gefragt, aber ich wollte jetzt nochmal ganz konkret wegen meiner Situation nachfragen:
Amelie ist jetzt fast 4 Jahre alt und seit dem Sommer im Kindergarten. Vorher war sie schon 1 1/2 Jahre in einer Kinderkrippe. Sie war schon immer eigenwillig, aber wir hielten sie für recht integriert und haben uns auch deshalb keine Sorgen gemacht.
Nun fand unser erstes Kindergarten-Gespräch statt und da wurde uns gleich an den Latz geknallt, dass Amelie auffällig ist und auf jeden Fall besondere Förderung braucht. Man sagte uns, das was Amelie bräuchte, könne man im Kindergarten-Alltag nicht leisten.

Es wurde eine sogenannte Beobachtung vorgestellt, wo Amelie einen ganzen Tag lang genau unter die Lupe genommen wurde. Die schriftliche Ausführung davon wurde uns vorgelesen. Wir waren schon geschockt, denn so kennen wir unser Kind überhaupt nicht.

Ich kann das jetzt nicht mehr alles im Einzelnen wiederholen, aber im Grunde hieß es, das Amelie alle Möglichkeiten der Welt hat, aber sich selber ausschließt. Außerdem weigert sie sich, mit den anderen Kindern gemeinsam rauszugehen und versteckt sich oft unter den Tischen, unter dem Teewagen und unter der Treppe. Was den normalen Ablauf angeht, so hatte sie ihn innerhalb kürzester Zeit verinnerlicht, aber sie wartet immer, bis alle fertig sind und achtet selbst darauf, dass sie immer als letztes drankommt. Und sie kann beim Essen nicht still auf ihrem Hintern sitzen. Sie beobachtet die Kinder die ganze Zeit, aber sie betreibt keine Konversation. Oft steht sie beim Spielen daneben und freut sich, aber will auch auf Einladung nicht mitmachen.
Dann ist auffällig, dass sie sich ihre eigenen Rituale geschaffen hat, z. B. dass sie seit 4 Monaten jeden Morgen als allererstes immer ein bestimmtes Buch liest. Sie räumt unaufgefordert und sehr akribisch alles wieder auf.
Und sie spricht mit sich selber, sie ist sehr verträumt, starrt manchmal bewegungslos aus dem Fenster, und antwortet manchmal einfach nicht.

Usw. ich kriege das nicht mehr alles so genau auf die Reihe. Wenn irgendwas außer der Reihe ist, verweigert sie manchmal komplett.

Dann sagten die noch irgendwas von sehr geräuschempfindlich und hochintelligent, sehr gutes Gedächtnis, schnelle Auffassungsgabe, aber gleichzeitige Leistungsverweigerung, was vielleicht daher kommt, dass sie keine Rückschläge beim Üben ertragen kann. Was sie nicht sofort beherrscht, möchte sie auch kein zweites Mal probieren.

Meine Mutter hat sofort abgewunken und meinte, das sei jawohl normal, das würde damit zusamenhängen, dass Amelie im selben Jahr ein Geschwisterkind bekommen hat, in den Kindergarten kam und wir dann auch noch in eine andere Stadt gezogen sind.

Dann hat sie mich noch dran erinnert, dass ich im Kindergarten und in der Schule genauso war und schließlich auch keine Autistin geworden bin. #kratz

Ich kann bis heute keine Schleife binden, weil ich das auch nicht sofort konnte und dann wollte ich aber auch nicht mehr mitmachen.

Wir haben jetzt die Nummer von einem Typen im Gesundheitsamt, dem sollen wir unser Kind mal vorstellen.

Was denkt ihr, was das alles zu bedeuten hat?

Beitrag von girl08041983 26.12.09 - 07:39 Uhr

Huhu,

was das zu bedeuten hat, wird dir keiner sagen können, da keiner dich, dein Kind und die ganze Situation wirklich kennt.

Was sagt denn der Kinderarzt bis jetzt? Gab es bei den U-Untersuchungen irgendwelche Auffälligkeiten etc?

Ich würde an deiner Stelle als erstes den Weg dorthin suchen und mit dem Arzt die ganze Sache besprechen, danach kannst du dann immer noch zum Gesundheitsamt und die dein Kind testen lassen.

Lg Lia

P.s. dein Kia soll sich den Bericht vom Kindergarten schicken lassen

Beitrag von hopsi2005 19.01.10 - 19:14 Uhr

Die U 8 ist jetzt nächste Woche und zwei Tage später der Termin beim Gesundheitsamt.

Beitrag von hopsi2005 27.01.10 - 23:51 Uhr

Wir waren jetzt am Montag bei der U 8 beim Kinderarzt und er glaubt nicht, dass sie autistisch ist, weil sie ihm bei der Untersuchung sehr offen vorkam. Man muss dazu sagen, dass sie den Kinderarzt überhaupt nicht gut kannte, weil wir ja im Sommer erst umgezogen sind. Sie war nur einmal dabei, als ich mit Lena dort war.
Ein Hochbegabung hat er dagegen nicht ausgeschlossen. Es war sehr erfrischend, denn ich habe ihn direkt darauf angesprochen, ob er diese ganze Diagnostik und einen IQ-Test für sinnvoll hält. Und er meinte nur: "Ganz ehrlich: Sie wissen doch, dass sie ein schlaues Kind haben! Geben Sie dem Kind Input und sorgen Sie dafür, dass es sich nicht langweilt. Die Probleme im Kindergarten sind nicht so gravierend, dass wir unbedingt handeln müssen."
Ich habe ihm dann erzählt, was sie so für Fragen stellt und dass sie Lesen und Schreiben lernen möchte usw. Und er hat dann gemeint, ich soll dem nachgeben. Ich soll mit ihr in die Bibliothek gehen, das Internet benutzen und auf die Altersempfehlungen pfeifen. Wenn sie von selbst danach fragt, ist sie auch soweit.

Evtl. muss man auch mal mit dem Kindergarten reden und vereinbaren, dass sie an den Übungen für Vorschulkinder teilnehmen kann. Bis jetzt ist das nur getrennt in "kleine und mittlere Kinder" und "Vorschulkinder".

Beitrag von reethi 26.12.09 - 14:43 Uhr

Hallo!

Also erst einmal finde ich es schon ein wenig Seltsam, dass erst einmal über das Kind Bericht geführt wird und dann mit den Eltern gesprochen. Ich kenne es wenn so, dass man schon vorher angesprochen wird, wenn irgendetwas auffällig ist.

Wie ist sie denn bei Euch zu Hause? Habt Ihr da Grund zur Sorge?
Grundsätzlich würde ich mir natürlich einen Hinweis vom Kindergarten Ernst nehmen und mich um Abklärung bemühen. Aber wenn sie zu Haus ganz anders ist und Ihr den Schilderungen aus dem Kindergarten nicht zustimmen könnt geht doch erst einmal zum Kinderarzt und sprecht mit dem.

Dass das Gesundheitsamt in diesem Fall weiterhilft habe ich noch nie gehört, aber vielleicht läuft das bei Euch darüber.

Ich würde es abklären lassen und dann könnt Ihr weitersehen.

Alles Gute!
neddie


Beitrag von girl08041983 26.12.09 - 17:50 Uhr

Huhu,

bei uns ist das auch so, Sachen wie z.B. Integrationskinder laufen bei uns über das Gesundheitsamt und Jugendamt.

Unser Kita hat auch erst einen Bericht gemacht und dann ein Entwicklungsgespräch mit uns geführt, wo die ne Liste aufgestellt haben, was unser Sohn alles so nicht kann.

Lg Lia

Beitrag von hopsi2005 01.01.10 - 14:19 Uhr

Doch, das ganze nennt sich "Beobachtung" und jedes Kindergartenkind sollte einmal im Kindergartenjahr so eine Beobachtung bekommen, soweit die Erzieherinnen das denn zeitlich hinbekommen. Das kann ja nur Vorteile haben, da bei 25 Kindern ja vieles übersehen werden kann.

Beitrag von regentaenzer 26.12.09 - 15:34 Uhr

Hallo,

wenn euer Kind zuhause nicht so ist, sondern "normal" und der Alltag einfach und auch einfach zu verkraften ist für euch Eltern, steckt kein Autismus dahinter.

Spielt sie zuhause denn normal? Ist euer Alltag super schwierig mit ihr oder kommt ihr klar?

Warum habt Ihr euch bisher keine Sorgen gemacht?

Das alles deutet darauf hin, dass auch alles in Ordnung war und es nur eine "Phase" ist. Es könnte sehr mit dem zusammen hängen, was Deine Mutter gesagt hat.

Und nur weil Du keine Schleife binden kannst, heisst das nicht, dass Du autistisch bist.

Autistische Züge bedeutet, dass Kinder Verhaltensweisen zeigen, die mit denen autistischer Kinder übereinstimmen, jedoch kein Autismus dahinter steckt.

Die Therapie, um solche Verhaltensweisen umzulenken, ist jedoch die selbe wie bei Autisten.


Ich selbst bin hochbegabt und habe mich immer so verhalten, wie Deine Tochter. Mein IQ liegt nachgewiesen bei 135 und ich habe eine sehr gute Merkfähigkeit - vor allem bei Zahlen - und eine sehr ausgeprägte Fähigkeit zur Empathie (äußerst hilfreich;-)).Ich bin kein Autist.

Mein Sohn wird im Frühling 4. Er ist hochbegabt UND Autist.

Daher erlebe ich diesen doch sehr schweren und sichtbaren Unterschied jeden Tag.

Also lass Dich erst mal nicht verwirren. Stell die Kleine beim Gesundheitsamt vor. Dort wird ein Gutachten erstellt, welches wahrscheinlich auf erhöhten Förderbedarf lauten wird. Du solltest ihr dann einen integrativen Kindergartenplatz besorgen.

Das wird schon wieder. Ich wünsch euch viel Glück.

LG

Beitrag von hopsi2005 01.01.10 - 15:01 Uhr

Also, leider ist die Sache dann noch ganz so einfach. Ich hatte auch noch andere Probleme, allerdings lag der Fall bei mir so, dass ich eine Schwester mit einer Lernbehinderung habe, weil sie unter der Geburt einen Sauerstoffmangel erlitten hat. Im Gegensatz zu ihr war ich sehr unauffällig und ja auch leistungsfähig, von daher bin ich so mitgelaufen.
Meine beste Freundin im Kindesalter war meine Schwester, so dass es vorher nicht auffiel.
Jedoch weiß ich, dass ich im Kindergarten lange keinen Anschluss gefunden habe und auch nie mit den anderen Kindern draußen spielen wollte. Meine Mutter hat mir immer erzählt, dass ich ständig bei meiner Erzieherin am Rockzipfel gehangen habe.
Dann weiß ich noch, dass wir in der zweiten Klasse in eine andere Stadt gezogen sind und ich überhaupt keine Anschluss gefunden habe. Meine Lehrerin hatte den Eindruck, dass ich aber auch keinen Anschluss haben wollte. Deshalb bat sie meine Mutter zum Elterngespräch und dann fragte meine Lehrerin in der Klasse, ob mich nicht eines der Kinder mal zu sich nach Hause einladen wolle. Ein Mädchen meldetet sich und sie ist bis heute meine beste Freundin. Sie ist heute selbst Erzieherin und hat eine sehr soziale Ader.

Das Beispiel mit der Schleife sollte zeigen, dass ich auch schon im Kindergarten sehr perfektionistisch war. Ich hatte auch Probleme bei Schwimmen lernen und später in der Fahrschule, obwohl ich dann später sehr gut schwimmen und fahren gelernt habe. Aber diese beiden Dinge haben mich fast an den Rand der Verzweiflung gebracht. Ich habe eine Neigung dazu, Prüfungen abzubrechen oder gar nicht erst anzutreten. Das spiegelt sich auch in meiner beruflichen Laufbahn wider.

Ich habe zwei Studiengänge abgebrochen, weil ich zwar in den ersten Klausuren gut war, aber dann bei den Hausarbeiten so an mir gezweifelt habe, dass ich bei der ersten nicht in der Lage war, die fertige Arbeit aus der Hand zu geben und bei der nächsten die Hausarbeit trotz fertigem Konzept nicht schreiben konnte (Schreibblockade). Ich habe dadurch auch die Zulassung zu meiner Zwischenprüfung nicht bekommen und konnte den Leistungsnachweis für das BaföG-Amt nicht bringen. Dadurch habe ich auch meinen Lebensunterhalt verloren.

Danach habe ich mit Haupt- und Realschülern zusammen eine Ausbildung zur Rechtsanwalts- und Notarfachangestellten absolivert. Mein Lehrer hat mir zum Abschluss gesagt, ich wäre faul wie die Nacht und es sei doch erstaunlich, dass ich mit so wenig Aufwand noch so ein gutes Ergebnis erreicht habe. Man muss dazu sagen: Ich wurde vier Monate vor der Abschlussprüfung schwanger und litt an diesem übermäßigen Schwangerschaftserbrechen und konnte entsprechend auch kaum noch lernen. Ich wollte die Prüfung einfach nur noch hinter mich bringen. In der mündlichen Prüfung hatte ich dann das zweitbeste Ergebnis. Einer der Prüfer wollte gleich wissen, ob ich schon eine Stelle nach der Ausbildung hatte, aber ich musste ihm dann sagen, dass ich wohl erstmal Hausfrau und Mutter werde. Wie das Leben so spielt...

Abgesehen davon war ich auch viele Jahre immer wieder wegen psychosomatischer Beschwerden (Magenschmerzen, Migräne,...) und Depressionen in Behandlung. Bei mir wurde aber nie ein IQ-Test gemacht oder gar sowas wie Ergo-Therapie vorgeschlagen. Denn meine Noten in der Schule stimmten ja.
Ich war schon immer ein bisschen seltsam, aber nie so, dass ich aus dem Rahmen gefallen bin. Bis eben zum Studium.

Ich habe meine Mutter mal gefragt, ob sie sich vorstellen kann, dass ich auch vielleicht hochbegabt oder autistisch bin (diese Frage zu stellen kostet sehr viel Überwindung) und sie hat erwartungsgmäß gesagt, dass sie diese Frage albern findet.

Wie soll ich da also beurteilen, ob Amelie normal ist und ob sie besonders anstrengend ist? Mein Mann ist auch ein Sonderling. Ich meine, viele seiner Freunde haben zu mir gesagt, dass sie überrascht sind, dass er überhaupt mal eine Frau findet, die es mit ihm aushält. Er hat jedoch zwei Klassen wiederholen müssen und ist dann schließlich durchs Abi gefallen. Kann also nicht hochbegabt sein, denkt man. Und doch bin ich überzeugt, dass er hochintelligent ist.

Ist Amelie also einfach nur sehr schlau und geprägt durch die Marotten ihrer seltsamen Eltern oder braucht sie wirklich Hilfe?

Beitrag von minkabilly 26.12.09 - 18:59 Uhr

Hi!
Bei meinem 2.Sohn bestand letztes Jahr auch der Verdacht auf Autismus und was soll ich sagen: es hat sich diesen Sommer bestätigt. Er ist frühkindlicher Autist, aber vom Kopf her fit.
Und: Man sieht es ihm NICHT an; er fällt halt in seinem Verhalten extrem auf. Meine Familie sagte auch "ich seh Gespenster" oder "falsche Erziehung". :-(
Aber: ich merkte schon früh, daß er "anders" war, konnte es halt nicht zuordnen, da er auch ein Frühchen war und seine Defizite anfangs darauf begründet wurden.
Wir haben ihn 1x in der Autismusambulanz vorgestellt, um dort eine Meinung einzuholen. Das Gespräch führte dazu, daß wir weiter testen ließen beim Kinderpsychater; der stellt die endgültige Diagnose.

Ist sie denn zu Hause auffällig????
LG

Beitrag von hopsi2005 01.01.10 - 15:12 Uhr

Das ist so schwer zu sagen, sie ist eigenwillig, aber dann auch wieder sehr angepasst und höflich und manchmal auch zu erwachsen für ihr Alter. Aber dann bekommt sie auch wieder solche Wutanfälle. Sie hat z. B. so eine Arielle-Barbie bekommen. Arielle ist ja eine Meerjungfrau, die statt Beinen eine Schwanzflosse hat. Bei der Barbie wurde das allerdings so gelöst, dass über die Beine ein einteiliges Beinkleid aus Stoff drübergezogen wurde, das man auch ausziehen kann. Dann ist es eine normale Barbie mit Beinen. Diese Tatsache hat Amelie zum Ausflippen gebracht, da sie der Meinung war, dass eine Meerjungfrau keine Beine haben kann.
Und wenn ich meine "Ausflippen", dann heißt das, sie hat 20 Minuten nur geschrieen und mit Sachen um sich geschmissen, danach fiel sie vor Erschöpfung in sich zusammen und schluchzte nur noch. Ich habe sie dann lange im Arm halten müssen, bevor sie sich wieder beruhigt hat. Dieses Verhalten kannte ich bei ihr schon aus der Trotzphase, aber ich war mir nicht sicher, ob Kinder mit 4 Jahren auch noch so trotzig sind.

Beitrag von minkabilly 01.01.10 - 19:27 Uhr

Dieses "ausflippen" kenn ich. Wenn die "Ordnung" der Kinder gestört ist dann gibts riiiiiiiiiiesen Geschrei. Selbst Kleinigkeiten lösten solche Wutanfälle aus...z.B. die Straßenlaterne ging an und mein Sohn hat nicht geguckt...
LG

Beitrag von hopsi2005 03.01.10 - 00:27 Uhr

Das war eines der wenigen Mal, wo ich selber dachte, dass ich nicht mehr kann und mir eigentlich Hilfe suchen müsste. Ich meine, dass ein Kind einen Wutanfall bekommt, weil es etwas nicht bekommt, was es haben möchte, das kann man ja noch irgendwie nachvollziehen. Aber ich wusste auch nicht, wie ich sie beruhigen soll.
Ich habe da später mit meinem Mann darüber gesprochen und er meinte dann, er hat das schon beim Auspacken gesehen und sofort gedacht, dass es bestimmt Probleme gibt, wenn sie die Beine bemerkt. Da kann man mal sehen, wie wir auch schon selber unseren ganzen Alltag so organisieren, dass wir sie vor diesen Dingen beschützen wollen. Aber wir können sie nicht ewig beschützen. Die Menschen sind nun mal fehlerhaft und die Kinder gemein.

Einmal kam Amelie nach Hause und hat geweint, weil ein Junge gemeint hat, er sei der einzige in der Gruppe, der noch 3 Jahre alt sei. Aber es waren insgesamt noch vier Kinder außer ihm. Aber er wollte nicht zugeben, dass er einen Fehler gemacht hat. Das hat sie für den Rest der Woche fertiggemacht, bis mein Mann ihr gesagt hat, sie solle dem Jungen sagen, dass er nur Quatsch erzählt. Damit war die Sache erledigt.
Sie hat auch mal erzählt, dass die Kinder sich auch gegenseitig beschimpfen, aber das macht ihr anscheinend nichts aus. Sie ist also nicht besonders empfindlich.

Beitrag von emmi79 26.12.09 - 20:10 Uhr

Hallo Hopsi,

für mich hört sich das stark nach Mutismus an. Es gibt auch eine Seite im Netz : Mutismus.de
lies es dir einfach mal durch, vielleicht findest du dein Kind in der Umschreibung wieder.

Meine Tochter ist selbst Mutistin, leider wurde es im Kindergarten nicht erkannt, sie war dort auch schon stark auffällig; also schüchtern, viel allein, aber auch freundlich wie deine Kleine. Zu Hause war sie ganz normal ,eher das Gegenteil also ein kleiner Wirbelwind. Deshalb habe ich mir auch keine Sorgen gemacht.
Letztendlich wird die Diagnose im SPZ oder beim Psychiater gestellt.

Mach dich nicht verrückt, aber sei froh das es `schon` im KG erkannt wurde. Es muss ja alles gar nicht sein.

Wenn Du noch noch Fragen hast meld Dich gerne über VK


Lieben Gruß

Beitrag von jade63 27.12.09 - 13:53 Uhr

Was du schreibst - dieser Perfektionismus, das sich-verweigern beim wissen, es wird nicht so klappen - das kenne ich von meinem Sohn.

Auch dort hatte man den Verdacht auf Autismus. Da war er 5 Jahre alt.
Auch er wurde beobachtet, mit der Videokamera. Man hat mir das Video vorgestellt.

Ich wollte Klarheit damals, also habe ich ihn im Pädaudiologischen Zentrum (er war dort eh schon in der Förderung wegen seiner Schwerhörigkeit) beim Neurologen angemeldet.
Der machte ein EEG.
Der Arzt erklärte mir, dass sich auch bei kleinen Kindern an der EEG-Kurve der Autismus zeigt. So könne man das einwandfrei feststellen.
Während er mir das - völlig unauffällige - EEG erklärte, spielte mein Sohn in einer Ecke.
Der Arzt beobachtete ihn dabei und meinte, auch sein Spielverhalten wäre völlig normal.

Mein Sohn hatte auch einige einschneidende Erlebnisse hinter sich, dazu kam die Schwerhörigkeit.
Jetzt ist er 14 und in der Pubertät. Und ich wäre manchmal froh, wenn er noch so ordentlich und gewissenhalft wäre wie damals... :-)

Zum Thema Kommunikation und Verhaltensauffälligkeiten kann ich dir auch noch eine Geschichte erzählen. Was du schreibst, erinnert mich gerade daran.

Das war in der Grundschulzeit, da wurde ich zu einem Sozialpädagogen in die Schule bestellt.
Der erzähle mir, mein Kind würde sich absondern, würde mit niemandem kommunizieren, nicht antworten und wäre eigentlich zu keiner sozialen Interaktion fähig.

So etwas kannte ich von meinem Kind gar nicht! Auch wenn wir unterwegs waren, kam er schnell in Kontakt mit fremden Kindern.
Man legte mit dringend den Besuch bei einem Psychologen nahe. Zunächst weigert ich mich, suchte Gegenargumente.

Im Verlauf des nächsten Jahres wurde ich immer wieder in die Schule bestellt. Ich sollte dringend zum Psychologen, es würde immer schlimmer werden, mein Kind wäre nicht normal.

Dann hatte ich die Lösung: Ich war damit einverstanden, ich wollte meinen Sohn nun unbedingt beim Psychologen vorstellen. So könnte es ja nicht weiter gehen. Allerdings wüsste ih nicht, was ich dem Psychologen erzählen sollte, denn im häuslichen Umfeld war mein Sohn ja komplett anders! Also bat ich die Klassenleiterin um Hilfe: Sie oder der Sozialpädagoge sollten zu dem Erstgespräch mitkommen und dem Psychologen ihre Beobachtungen mitteilen. Denn nur sie könnten den Grund liefern, der eine psychologische Diagnose überhaupt notwendig machte.

Gleich darauf passierte dann die wunderbare Heilung meines Kindes: Ich wurde nie wieder von Seiten der Schule auf dieses Thema angesprochen. Auch im Zeugnis stand nichts davon. Ab dem Zeitpunkt war mein Sohn wieder völlig normal!
Auf die Antwort zu meinem Vorschlag mit dem gemeinsamen Arztbesuch warte ich übrigens heute noch...

Ich denke so oder so ähnlich könntest du auch verfahren.
Organish die Sachen vom Arzt abklären lassen.
Und da, wo du zweifelst oder anderer Auffassung bist, die Kindergärtnerinnen einbeziehen.

LG Jade



Beitrag von zaubermaus211 28.12.09 - 13:44 Uhr

Hallo, als erstes will ich dich einmal beruhigen!!
Ich bin Erzieherin und arbeite im Kindergarten, das Verhalten welches du da beschreibst (oder was die Erzieherinnen da beschrieben/beobachtet haben), klingt in meinen Ohren nach einer fehlgeschlagener Eingewöhnungsphase!! Wie ist die denn abgelaufen, als sie in den KiGa kam??Durftest du dabei bleiben in den ersten Stunden??Hört sich für mich an, als ob diese Erzieherinnen die Hau Ruck Methode angewandt haben..Kind weint, Mama wird nach Hause geschickt, mit den Worten: "sie beruhigt sich schon wieder!"... ÜBRIGENS ist das in meinen Augen der völlig falsche Weg!!
Ich frag mich wirklich, wie die Erzieherinnen auf Grund ihrer Beobachtungen gleich auf Autismus schließen.die scheinen völlig unprofessionell zu sein.. Ganz davon abgesehen, dürfen sie so etwas nit sagen, sie sind weder Ärzte noch Psychologen!!
Ich hab auch so eine Kollegin( zum Glück arbeitet sie in einer anderen Gruppe), die meint immer alles mögliche an den Kindern zu diagnostizieren, und macht die Eltern damit völlig verrückt!!
Wenn du dich dann besser fühlst sprich doch mal mit dem Kinderarzt darüber!!
Würd mich freuen, noch von dir zu hören..
Ganz lieben Gruß und lass dich nit verunsichern!!

Beitrag von emmi79 28.12.09 - 14:18 Uhr

Hi zaubermaus,

ich stimme dir vollkommen zu was das `voreilige diagnostizieren ` angeht. Aber in meinem Fall zum Beispiel wurde überhaupt (!!!) nichts unternommen von den Erzieherinnen ,dadurch ist uns viel Zeit verloren gegangen, weil die Diagnose zu spät gestellt wurde.
Da Du Erzieherin bist hab ich nur mal eine Frage; Ihr habt doch auch regelmäßige Fortbildungen. Werden Themen wie Autismus oder auch Mutismus z.B auch angesprochen? Ich selbst kenne soo viel Kinder die oft nur als schüchtern im KG abgetan werden und in der Schule heißt es dann : was ist denn bitte mit Ihrem Kind los, es ist total auffällig ...
verstehst Du was ich meine?
Der KG meiner Kinder hatte noch nie etwas von Mutismus gehört.Das kanns doch auch nicht sein ...

Lieben Gruß

Dani










Beitrag von zaubermaus211 28.12.09 - 16:22 Uhr

Hallo,
also wenn ich ehrlich bin, gibt es überhaupt keine Fortbildungen zu diesem Thema!! Ich hab noch ein wenig Theoriewissen, weil ich erst seit 2 Jahren mit der Ausbildung fertig bin.. In der Schule-während der Erzieherausbildung- werden immer die neusten Studien etc zu gewissen Themen in den Unterricht mit aufgenommen, aber die "alten" Erzieher hatten so etws weder in der Ausbildung, noch gibt es irgendwelche Fortbildungen!!
Ich glaube es gibt leider aber auch genug Erzieherinnen denen es einfach nicht wichtig ist, solche o.ä. Beobachtungen an die Eltern weiter zu geben!!
Die denken sich- warum mit den Eltern stressen.. Soll sich doch die Schule damit rumärgern etc..
Das ist mit Sicherheit nicht die Regel, aber ich denke in jedem Kindergarten wirst du mindestens eine Erzieherin mit dieser Einstellung finden!!

Aber wie schon erwähnt, soetwas dürfen wir in unserer Stellung eigentlich auch garnicht sagen, weil wir ja weder eine medizinische noch eine psychologische Ausbildung haben..Bedenken im Verhalten der Kinder dürfen natürlich immer benannt werden, allerdings OHNE Diagnose!!
Heißt sie hätten sagen dürfen, sie ist sehr introvertiert, schüchtern...etc aber zu sagen das Kind hat autistische Züge finde ich persönlich sehr anmaßend!!
LG

Beitrag von hopsi2005 01.01.10 - 15:29 Uhr

Das seltsame ist ja, dass Amelie nur ein einziges Mal im Kindergarten geweint hat und das war in der Woche vor dem Elterngespräch. Sie war die ersten Wochen auch komplett unauffällig und hat sich zunächst komplett angepasst, aber mit der Zeit wurde es schwieriger mit ihr. Sie hatte auch zu Beginn eine Freundin aus einer anderen Gruppe, mit der sie immer zur Abholzeit draußen gespielt hatte.

Außerdem hat sie ja einen Freund in der Gruppe, mit dessen Eltern wir uns angefreundet haben. Wir treffen uns auch mal so zwischendurch. Als ich mit der Kleinen immer zum Babyschwimmen gegangen bin, hat die andere Mama Amelie immer nachmittags mit zu sich genommen. Bis auf einmal, wo sie den Jungen im Eifer des Gefechts vom Hochbett geschubst hat, lief auch alles problemlos und sie sagte selbst, dass sie gerne dort spielt.
Jedoch ist der Junge schon im zweiten Jahr und hat entsprechend schon einen Freund, den Amelie aber absolut nicht leiden kann. Ich habe ihn auf einem Kindergeburtstag mal kennengelernt und kann das absolut verstehen, denn er ist echt ein Kotzbrocken. Entsprechend spielt Amelie mit diesem Jungen nie im Kindergarten.

Ich habe auch schon überlegt, ob zwischen den Kindern irgendwas vorgefallen ist, was ihr Rückzugsverhalten begründet.

Beitrag von zaubermaus211 01.01.10 - 16:16 Uhr

Hallo,
Das ist in der Tat seltsam..Denn auch autistisch wird ein Kind ja nicht von heute auf morgen!!!Vielleicht ist wirklich etwas in ihrer Kindergartengruppe vorgefallen, aber auch das müssten ihre Erzieherinnen ja bemerkt haben, oder auf Grund ihrer Beobachtungen schließen können.
Ich will auch keine Ferndiagnose stellen, dass wär verantwortungslos von mir.
An deiner Stelle nd auch aus pädagogischer Sicht, würde ich dein Kind erst einmal nicht beim Gesundheitsamt vorstellen. Da sind fremde Leute, die dein Kind nicht kennt, somit wird sie sich bei deren "Tests" nochmehr verschließen..
Ich würde das ganz in Ruhe mal mit ihrem Kinderarzt besprechen und der wird dann irgendwelche Untersuchungen in diese Richtung anstellen..Er kennt dein Kind und dein Kind kennt ihn.. Das ist für das Kind auf alle Fälle die bequemere Lösung. Da sie so vielleicht noch nicht einmal mitbekommt das sie "getestet" wird, sonderen sie wird es für eine normale Untersuchung halten..
Liebe Grüße und alles Gute
sendet dir die Zaubermaus

Beitrag von jindabyne 28.12.09 - 20:48 Uhr

Grundsätzlich bin ich immer dafür, Unstimmigkeiten von Experten abklären zu lassen. Aber ich finds auch ganz wichtig, auf den eigenen mütterlichen/elterlichen Instinkt zu hören. Du schreibst, dass ihr so wie beschrieben euer Kind nicht kennt, und das würde mich schon mal stutzig machen. Wenn sich ein Kind in unterschiedlichen Umgebungen ganz unterschiedlich verhält, dann spricht schon viel dafür, dass nicht das Kind an sich eine Störung hat, sondern dass die Umgebung das Verhalten des Kindes hervorruft.

Wie lief es denn damals in der Krippe? Hast Du die Möglichkeit, dort nochmal anzurufen und konkret nachzufragen, wie sie sich damals dort verhalten hat? Wenn die Erzieherinnen dort ähnliche Verhaltensweisen beschreiben, dann würde ich die Sache ernst nehmen, wenn nicht, dann würde ich zwar mal beim Gesundheitsamt vorbei schauen, die Atmosphäre im Kindergarten aber ebenso unter die Lupe nehmen.

Lg Steffi

Beitrag von hopsi2005 28.01.10 - 00:34 Uhr

Ich habe mich nochmal mit der Erzieherin in der Krippe unterhalten und die konnte auch nur sagen, dass Amelie schon manchmal die Tendenz hatte, sich zurückzuziehen z. B. in die Hängematte (meistens hat sie dabei ein Buch mitgenommen). Aber das war nicht durchgehend so. Sie hat auch durchaus mit den anderen Kindern zusammengespielt und Konflikte auch wirklich ausgetragen, d. h. ausdiskutiert und dann auch alleine eine Lösung gefunden. Sie hat weder draufgehauen noch ständig gepetzt. Sie konnte sich durchsetzen und war aber trotzdem immer sehr beliebt bei den Kindern. Die meisten Kinder fanden Amelie lustig und wir haben von mehreren Eltern gehört, dass ihre Kinder viel von Amelie erzählt haben und sie auch gerne nachgemacht haben. Als ich schwanger wurde, haben alle gesagt, dass Amelie bestimmt mal eine supertolle große Schwester wird (und da haben sie ja auch recht behalten, sie ist fast überhaupt nicht eifersüchtig).

Naja, wir hatten dann ja die U 8 und da war sie auch wieder total offen. Der Kinderarzt hat auch gleich gesagt, er könnte sich Autismus bei ihr eigentlich nicht vorstellen.

Beim Gesundheitsamt waren wir heute, da müssen wir nochmal sehen, welche Schlüsse die draus ziehen.