Wie lernt er zu leben?

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Forum: Partnerschaft

Eine dauerhafte Partnerschaft ist eine der größten Herausforderungen unserer Zeit. Lust und Frust liegen da oft nah beieinander. Hier könnt ihr offen ausdrücken, was euch innerlich bewegt.

Beitrag von *°°*°°* 28.12.09 - 00:09 Uhr

Guten Abend!

Ich brauche dringend einen Rat.

Mein Mann (Anfang 40) und ich sind seit 13 Jahren ein Paar, haben zwei Kinder und arbeiten beide. Finanziell geht es uns nicht gut, wir sind selbständig und liegen mit unserem Einkommen im Schnitt nur knappe 100 € über ALG II. Zudem wissen wir nie, wie es sich beruflich entwickelt. Im Moment sieht es so aus, als würde es deutlich schlechter.

Mein Mann hat ein schreckliches Elternhaus. Er wurde als Kind wegen jeder Kleinigkeit verprügelt und durfte/ konnte sich nie eigenständig entwickeln. Er durfte keine eigene Meinung haben und kein eigenes Leben leben.

Wir haben gemeinsam Jahre gebraucht, um zu verstehen, warum wir so große Probleme in unserer Beziehung haben. Inzwischen denken wir aber, dass es daran liegt, dass er nicht lebt. Er nimmt sein Leben nie selbst in die Hand. Damit das einfacher zu verstehen ist, gebe ich Euch ein paar Beispiele:

1) Er sagt nie, was er will. Auf Nachfrage sagt er, dass er oft selbst nicht mal weiss, was er will.

2) Er teilt sich nie mit. Ich weiss nie, was ihn stört, was er verändern möchte, was er sich vorstellt.

3) Er hat beruflich keinerlei eigene Vorstellungen. Seine Selbständigkeit läuft deshalb schlecht. Ich muss etwa 1/3 seiner Aufgaben regelmäßig übernehmen. Ich mach das dann nachts. Inzwischen ist es allerdings so schlimm, dass meine Arbeit soweit ruiniert ist, dass ich meine Selbständigkeit wohl aufgeben und mir eine angestellte Tätigkeit suchen muss.

4) Er steht nie für Gespräche zur Verfügung. Egal worum es geht. Ob um Kindererziehung, unsere finanziellen Probleme oder das Abendessen, er drückt sich immer.

5) Er kümmert sich von selbst um nichts. Er kauft sich nicht mal Kleidung. Er hat auch keine eigenen Vorstellungen zu Kleidung oder z.B. zu seiner Frisur.

6) Er hat auch keinerlei andere Interessen. Keine Hobbies, keine Freunde nichts.

Wenn ich nie schreibe, dann ist das bitte wörtlich zu nehmen. Es heisst nicht manchmal, sondern faktisch nie.

Ich selbst bin inzwischen mehr als am Ende meiner Kräfte. Ich habe immer das Gefühl zwei Leben leben zu müssen. Mein eigenes Leben bleibt dabei auf der Strecke. Alle Gespräche, alles Bitten und Flehen führt zu nichts. Es verändert sich einfach nichts. Ich hab inzwischen selber so viel Angst, fühle mich so überfordert und bin so verzweifelt. Ich werde laut und aggressiv, weil ich mich so hilflos fühle und immer denke, dass an meinem Mann alles abprallt.

Er selbst sagt, er möchte ja gerne sein Leben gestalten, es in die Hand nehmen und Verantwortung übernehmen, er wisse aber nicht wie. Ausserdem sei er immer unglaublich angstbestimmt. Er ist wirklich verzwiefelt und ich bin mir sicher, dass er nicht einfach nur bequem ist.

Ich bin so ratlos. Mein Mann ist nach langen Diskussionen endlich auf der Suche nach einem Therapeuthen für eine Psychoanalyse. Aber auch das gestaltet sich schwierig und mir geht einfach die Puste aus.

Ich möchte gerne wissen, ob hier jemand eine Idee hat, wie man jemandem nachträglich dabei helfen kann, Leben zu lernen. Wir möchten unsere Beziehung unbedingt retten, wissen aber im Moment nicht weiter.

Vielen Dank für jeden wohlwollenden Ratschlag.

LG

Beitrag von bitter... 28.12.09 - 00:31 Uhr

Wirklich helfen kann ich dir nicht, nur sagen, ich habe auch so einen *geschädigten* Mann an meiner Seite, allerdings mit dem Zusammenspiel, dass auch ich eine ähnliche Kindheit hinter mir habe.
Während ich jetzt reden will, was ich jahrelang nicht durfte, zieht er das gleiche durch, was er in seiner Kindheit nie durfte - REDEN...eine schreckliche Mischung.
Gib ihn nicht auf, wenn er schon auf der Suche nach einem Therapeuten ist, ist er schon wirklich weit, mein Mann hatte diesen Gedanken noch nie *oder ich weiss es nicht*, ich spiele hin und wieder damit, aber umgesetzt habe auch ich es noch nicht....
Steh das mit ihm durch, du sagst du liebst ihn, wenn er einmal den Entschluss gefasst hat, ist das Ende absehbar ;-)

Mein Mann und ich wettern in arg bösen Zeiten mal ne halbe std über unsere Eltern, wir wissen, das rettet nix, aber der Urheber sind sie nunmal....danach geht es uns meist besser und wir können wieder UNSEREN Verstand einschalten....#schein

LG

Beitrag von *°°*°°* 28.12.09 - 01:06 Uhr

Ich kann halt einfach nicht mehr. Ich bin so unglaublich überlastet und sehe weder Licht noch Land.

Beitrag von pheromon 28.12.09 - 19:17 Uhr

Eine Psychoanalyse dauert Jahre. Das ist in eurer Situation definitiv das Falsche.

Beitrag von *°°*°°* 31.12.09 - 00:24 Uhr

Psychoanlayse hat ihm die psychosoziale Beratungsstelle unserer Stadt empfohlen. Dort wurde ihm von Verhaltenstherapie dringend abgeraten, diese sei in seinem Fall nicht hilfreich. Ich selbst kann das nicht beurteilen.

Das das Jahre dauert ist mir bewusst und es besorgt mich sehr, weil ich das Gefühl habe, dass ich so lange nicht mehr durchhalte. Wir haben uns jetzt an eine kirchliche Paarberatungsstelle gewandt, in der Hoffnung, dass uns da geholfen wird die aktuelle Belatung zu verringern.

Beitrag von ist doch klar 28.12.09 - 00:52 Uhr

Dein Mann sollte ganz dringend eine Therapie machen.
Habt ihr noch gar nichts in dieser Richtung unternommen?

Beitrag von *°°*°°* 28.12.09 - 01:03 Uhr

Ich hab ja geschrieben, dass er auf der Suche nach einem Therapeuten für eine Psychoanalyse ist. Eine Verhaltenstherapie würde wohl nicht wirklich weiterhelfen.

Allerdings ist weder ein Therpeut schnell und einfach zu finden noch ein Therapieerfolg schnell zu erreichen.

Er war vor knapp zwei Jahren auch mal bei einer psychologischen Beratung. Das allerdings nur, weil ich ihm die Pistole auf die Brust gesetzt hab. Dem Therapeuten hat er nicht mal von den Schlägen erzählt.

Ich hab halt wirklich das Gefühl, es kaum mehr zu ertragen.

Beitrag von silk.stockings 28.12.09 - 09:40 Uhr

>>Ich hab halt wirklich das Gefühl, es kaum mehr zu ertragen.<<

Das liest man sehr deutlich aus deinem Beitrag.

Du hast einen imensen Leidensdruck, weil du das Gefühl hast, dein Mann würde nicht "leben".
Deine Vorstellung von "leben" ist offensichtlich eine ganz andere als seine.

Manchmal ist "keine Meinung zu etwas zu haben" - tatsächlich aber eine Meinung. Manchen Leuten ist sind Frisur, Kleidung, was es zu essen gibt - schlicht egal.
Mit aller Macht versuchst du aber ihn dazu zu bringen, "Meinungen" zu haben. Das kostet dich Kraft und ihn auch. Er macht sich dann vermutlich verzweifelt Gedanken, um dir gerecht zu werden, aber es entspricht gar nicht seinem Naturell und er verbiegt sich für dich.

Im Prinzip machst du nichts anderes als seine Eltern. Du willst ihm vorgeben, wie er zu sein hat. So ist er aber nunmal nicht.
Ob das nun wirklich an seinem Elternhaus liegt oder ob er charakterlich eben so ist, lass ich mal dahingestellt sein.

Du bist ganz klar ein "Macher" - du nimmst Dinge in die Hand, ergreifst Initiative. Das ist deinem Mann nicht gegeben, also bist du die perfekte Partnerin für ihn.
Nun wird es DIR aber zuviel, du bist überlastet und du möchtest ihm einen Teil der Verantwortung abgeben.
Das wird nicht funktioniere, aber mit einer Therapie nicht.
Du solltest DIR Hilfe suchen, für dich einen Weg finden, damit zu leben.
Er muss seinen Weg gehen, aber offensichtlich macht er das gerade nur dir zur Liebe und das kann gewaltig in die Hose gehen.

Meint

Silk


Beitrag von *°°*°°* 28.12.09 - 11:13 Uhr

Ich habe etwas Schwierigkeiten Dir zu antworten, weil mich dies "Im Prinzip machst du nichts anderes als seine Eltern. Du willst ihm vorgeben, wie er zu sein hat." furchtbar trifft. Ich bin mir klar darüber, dass Du mich nicht verletzten möchtest, aber dennoch ist es wie ein Schlag in den Magen und macht es mir schwer mich au das zu konzentrieren, worauf ich eigentlich antworten möchte. Es ist daher wahrscheinlich etwas holprig.

Unsere Beziehungskrise ist darüber entstanden, dass mein Mann seine Selbständiggkeit unbedingt wollte. Er hat das Geschäft von jemandem gekauft und sich um diesen Kauf und die damit einhergehenden Fragen auch sehr intensiv und allein bemüht. Wir haben sehr viel Geld investieren müssen und dafür einen Kredit aufgenommen. Er hat sich auch da um alles gekümmert. Soweit so toll. Als er das Geschäft dann hatte, wurde seine Initiative immer weniger. Das was ihm am meisten Schwierigkeiten bereitete was/ ist das Schreiben und Nachverfolgen von Rechnungen. Seine Arbeit, Beratungsleistungen, war von Anfang an sehr gefragt und es lief besser als er gedacht hatte. Aber er hat keine Rechnungen geschrieben. Das war/ist ihm unangenehm, er will niemandem zuuten für seine Leistungen zu zahlen. Im Laufe der Jahre, die er dieses Geschäft führt, ist der Bereich den er nicht geregelt bekommt immer größer geworden. Ich bin dann oft eingesprungen. Im letzten Sommer hat er irgendwann gesagt, er könne gar nichts mehr, ich müsse alles übernehmen. Er erpresst bei soetwas immer aufemotionaler Ebene, also: Wenn Du mich liebst, dann...
Aus dem Loch haben wir uns dann gemeinsam wieder rausgearbeitet. Inzwischen läut es wieder halbwegs.

Er macht sich im Übrigen über alles und jeden Gedanken. Das Fehlen jeglicher Meinung beschränkt sich auf ihn. Zudem war das mir gegenüber nicht immer so. Als wir uns kennen lernten und ich noch nicht in irgendeiner Form in seine Familie eingebunden war bzw. seine Eltern mich noch nicht kannten, haben wir zwei Jahre lang nur eine intensive Freundschaft gepflegt. Wir haben Pläne geschmiedet, Träume ausgetauscht. Er ist fast 10 Jahre älter als ich und war damals schon knapp 30 und hatte natürlich schon viel detaillierte Vorstellungen vom Leben. Er war unglaublich lebendig und ambitioniert. In der Retrospektive glaube ich, dass es genau anders herum gelaufen ist. es ist nicht so, dass ich den Part seiner Eltern übernommen habe, es ist eher so gewesen, dass er mir diesen Part irgendwann übergestülpt hat. Er hat versucht sich von seinen Eltern zu befreien, aber anstatt sich selbst zu finden, hat er in weitern Teilen einach alles von mir übernommen und so nur ersetzt statt verändert.

Dinge in die Hand nehmen und Initiative zu zeigen ist sehr wohl Teil seiner Persönlichkeit. Alle größeren Entscheidungen in unserem Leben sind von ihm ausgegangen. Er kriegt nur, ähnlich wie beruflich, dann irgendwann Angst vor der eigenen Courage und kappselt sich total ein. Anderes Beispiel: Wir haben ein altes Haus gekauft, das sehr stark renovierungsbedürftig war. Er wollte das unbedingt. Ich eigentlich nicht. Er hatte gute Argumente und mich zusätzlich wieder mit meiner Liebe erpresst. Wir haben dann gemeinsam renoviert, er hat sich um alles gekümmert, vieles geplant und umgesetzt, hatte ganz genaue Vorstellungen und irgendwann brach das weg. Ohne erkennbaren Grund war es vorbei. Heute haben wir dieses Haus vermietet und wohnen selber in einer Mietwohnung, weil er/ wir die Kurve nicht mehr bekommen haben. Unsere Mieter haben die Renovierung nach ihren Vorstellungen zu Ende gebracht.

Ich kann keinen Weg finden damit zu leben. Ich hab ihm angeboten, dass wir uns finanziell auseinandersortieren, damit ich nicht alles alleine stemmen muss bzw. mit ihm Schiffbruch erleiden würde. Ich könnte mir vorstellen, dass mir das ausreichend Distanz gibt, um wieder zur ruhe zu kommen. Er ist nahezu zusammengebrochen und hat mir wieder vorgeworfen ihn nicht zu lieben.

Anders als hier rüberkommt, bedränge ich ihn übrigends nur da, wo ich einfach aus eigener Nor nicht anders kann. Ich bin gerne Ehefrau. Ich hab mich gerne um ihn gekümmert und die alltäglichen Dinge alleine entschieden. Die Belastung war gut zu verknusen. Für mich ist es nicht wichtig, dass er eine zu allem ausdifferenzierte Meinung hat, aber mir ist wichtig, dass er für das Verantwortung übernimmt, was er allein in Händen hält.

Beitrag von silk.stockings 28.12.09 - 11:26 Uhr

Verletzen wollte ich dich nun wirklich nicht.


>>Anders als hier rüberkommt, bedränge ich ihn übrigends nur da, wo ich einfach aus eigener Nor nicht anders kann. Ich bin gerne Ehefrau. Ich hab mich gerne um ihn gekümmert und die alltäglichen Dinge alleine entschieden.<<

Du hast dich gerne gekümmert, er hat das, wahrscheinlich unmerklich, immer weiter ausgedehnt.

Das Problem, das ihr habt, liegt daran, wie ihr miteinander umgeht. Es ist immer einer der macht, einer der mit sich machen lässt.
Er hat dich erpresst, du hast dich erpressen lassen.

Und nun ist das Ende deiner Fahnenstange erreicht, nicht das Ende seiner.

Um da rauszukommen, muss du erstmal an deinem Verhalten arbeiten. Eventuell würde euch eine gemeinsame Therapie gut tun.

Beitrag von *°°*°°* 28.12.09 - 11:40 Uhr

Ich bin mir nicht sicher, was Du meinst.

Ich habe mein Verhalten inzwischen dahingehend geändert, dass ich meine Grenzen wahre, aber dadurch leben wir zurzeit in einem starken Spannungsfeld. Ich habe keine Therapie gemacht, aber eine Fortbildung, die sich sehr stark mit Konflikten, Bedürfnissen und ähnlichem befasst. Diese Fortbildung hat mich letztlich auch gezwungen, mich mit mir zu beschäftigen und meine gelebten Muster in Frage zu stellen. Ich wage daher zu behaupten, dass mein eigenes Verhalten zurzeit jedenfalls nicht mit der von Dir verfolgten Intention therapiebedürftig ist.

Mein Mann ist übrigens der Meinung, dass auch das Ende seiner Fahnenstange erreicht ist. Er sagt, es sei nur alles wie aus Gummi und er wisse nicht mehr weiter.

Beitrag von silk.stockings 28.12.09 - 11:46 Uhr

Nun gut, dann muss er etwas für sich ändern. Du kannst es nicht. Weder übernehmen noch erzwingen.

>>Ich wage daher zu behaupten, dass mein eigenes Verhalten zurzeit jedenfalls nicht mit der von Dir verfolgten Intention therapiebedürftig ist.<<

Ich verfolge gar keine Intentionen. Wenn du das so siehst, wo ist dann dein Problem?

Beitrag von *°°*°°* 28.12.09 - 12:08 Uhr

*Wenn du das so siehst, wo ist dann dein Problem?*

Das versteh ich nicht? Ich dachte ich hätte mein Problem deutlich geschildert.

Beitrag von silk.stockings 28.12.09 - 12:13 Uhr

Nein, du hast deutlich geschildert, dass du deinen Mann anders haben möchtest als er ist. Daran kannst du aber nichts tun, das muss er übernehmen.

Beitrag von *°°*°°* 28.12.09 - 12:25 Uhr

Hier das ist meine Frage:

*Ich möchte gerne wissen, ob hier jemand eine Idee hat, wie man jemandem nachträglich dabei helfen kann, Leben zu lernen. Wir möchten unsere Beziehung unbedingt retten, wissen aber im Moment nicht weiter.*

Das ist zugegebenermaßen aus meiner Sicht gefragt. Ich kann das gerne um die Frage erweitern, was er tun kann, um sich zu helfen, bis er einen geeigneten Therapeuten gefunden hat. Uns beiden geht es nicht gut, mein Mann hat große Angst keine Hilfe finden zu können und keinen Weg für sich zu finden. Wir hatten gehofft, dass jemand der ähnliche Erfahrungen wie er gemacht hat, ihm bzw. uns aus seinen eigenen Erfahrungen hilfreiches berichten kann.

Beitrag von silk.stockings 28.12.09 - 12:32 Uhr

Ja, das habe ich schon verstanden.

ER muss sich helfen lassen. Wenn er das Gefühl hat, es geht überhaupt nicht mehr so weiter, dann muss er einen ambutanten Therapieplatz in Anspruch nehmen. Kann er heute noch machen. Da wird ihm aktuell geholfen, bis zu 6 Wochen und er bekommt auch Hilfe bei der schnellen Suche nach einem geeigneten Therapeuten.

Ansonsten kannst du nur den Druck wegnehmen, denn er wird sich nicht von jetzt auf gleich ändern können.

Beitrag von meineMutterIstSO 28.12.09 - 17:31 Uhr

Ich kenne so ein Verhalten von meiner Mutter (67).
Bei ihr ist Hopfen und Malz verloren.
Dein Mann ist allerdings noch Jung und hat eine Chance etwas zu ändern.
Zuerst sollte er anfangen im Kleinen zu lernen Ziele zu definieren.
Das fängt mit so schlichten Dingen an wie Essen planen.
Er soll einen Plan für die gesamten Woche erstellen, was es zu Mittag etc zu essen gibt.
Solche Menschen sind oftmals schon mit sowas total überfordert aus Angst für ihre Entscheidung abgelehnt zu werden.
Die Aufgaben müssen dann suksesive ausdehnt werden und die Verantwortung muss erweitert werden.
Das ist nämlich das Problem von sehr autoritärer Erziehung.
Die Kinder lernen nur zu funktionieren aber nicht proaktiv (mit)zudenken.
Das ist allerdings auch nicht erwünscht gewesen.

Wichtig ist allerdings auch, dass DU aus der Mami-Rolle kommst, die der Du gerade steckst.
Bei Suchtkranken nennt man das Co-Abhängigkeit.
Denn sonst bleibt dein Mann ewig in diesem Teufelskreis gefangen.
Du schlägst ihn zwar nicht aber Du übernimmst gerade, genau wie seine Eltern das Denken für ihn.

Auch Du musst lernen ihn wieder langsam los zu lassen.

Es ist im Grunde nichts anderes als Kindererziehung.
Die Balance aus Nähe und Distanz...

Beitrag von *°°*°°* 31.12.09 - 00:31 Uhr

Ja, genauso ist es.

Ich bemühe mich in loszulassen. Mir wurde anerzogen Verantwortung für mich und meine Geschwister zu übernehmen. Ich bin sehr stark auf die Bedürfnisse anderer orientiert und pass(t)e von daher sicherlich perfekt zu meinem Mann. Allerdings hat sich das geändert und seither knirscht es in unserem ehelichen System natürlich ganz gewaltig.

Wir haben wegen unserer eigenen Kinder einige Bücher von Alice Miller, die sich mit den Folgen autoritärer Erziehung befassen. Kennst Du vielleicht noch andere Bücher, Artikel oder Foren, die sich mit dieser Problamatik beschäftigen?

Beitrag von Coffeteaor 28.12.09 - 03:06 Uhr

Auf der Suche nach einem Therapeuten.
Bevor er das Thema Psychonalyse angeht, sollte er in einer Verhaltenstherapie versuchen, seiner Ängste Herr zu werden.
Kann es sein, dass die Suche sich deswegen so schwierig gestaltet, weil dein Mann gar keine Therapie will, sondern sich von dir dazu gedrängt fühlt?
DU gehst dabei kaputt, wenn du weiterhin alles versuchst, ihm zu helfen, DU bist sein Puffer, der ihn vor dem Leben schützt.
Das musst du lassen, sonst kommt er niemals auf den Trichter.

Beitrag von *°°*°°* 28.12.09 - 10:38 Uhr

Ich habe nachdem er bei dem psychologischen Berater war nicht mehr mit ihm darüber gesprochen. Er ist dann alleine zu einer Beratungsstelle gegangen und hat da vorgesprochen mit dem Ergebnis, dass ihm dort dringend zu einer Psychoanalyse geraten und von einer Verhaltenstherapie abgeraten wurde.

An der Suche nach einem Therapeuten habe ich mich nicht beteiligt.

Ich versuche im Übrigen nicht ihn zu schützen, sondern zu verhindern, dass er alles gegen die Wand fährt, was wir uns mühsam aufgebaut haben. Es muss doch einen Weg geben, ohne dass er zuerst alles zerbrechen darf, was wir geschaffen haben.

Beitrag von pheromon 28.12.09 - 19:32 Uhr

Wenn ich deine Beschreibungen so lese bin ich mir nicht sicher, ob hier eine Psychotherapie ausreicht und nicht besser ärztliche, psychiatrische Hilfe notwendig ist (auch in Hinblick auf eine auszuschliessende organische Ursache).

Bestände denn für den Fall einer Krankschreibung eine entsprechende Versicherung, die euere Existenz sichert. Ist dein mann zumindestens krankenversichert?

Die derzeit von euch angestrebte Psychoanalyse dauert Jahre, letztlich mit ungewissem Ergebnis. Könnt ihr solange warten?

Kurzfristig solltet ihr auf jeden Fall eine Familientherapeutische Beratungsstelle (die von den meisten Kommunen umsonst angeboten wird) aufsuchen um eure Beziehung zu stabilisieren.

LG Pher

Beitrag von *°°*°°* 31.12.09 - 00:37 Uhr

Wir sind krankenversichert, haben aber keine Krankengeldversicherung mehr. Die wurde uns Mitte des Jahres gekündigt, weil wir zu wenig verdienen. Darüber hinaus ist seine Selbständigkeit ohne ihn nicht zu halten.

Wegen der Psychoanalyse hab ich Dir oben schon geantwortet. Die wurde meinem Mann halt empfohlen. Wir sind da beide Laien und haben uns einfach auf diese Empfehlung verlassen.

Den Rat mit der familientherapeuthischen Beratungsstelle nehmen wir beide gern an. Mein Mann hat da angerufen und uns auf die Warteliste für einen Termin setzen lassen. Der sollte dann im Januar sein.

Welche organischen Ursachen könnten den bestehen? Und warum denkst Du, dass psyschiatrische Hilfe notwendig wäre?

Beitrag von xyz74 30.12.09 - 15:36 Uhr

Du hast Dich leider hier nicht mehr gemeldet.
Vielleicht liest Du die Nachricht aber doch noch.

Ich kopier dir mal einen Link für eine Therapiemethode ein:

http://www.schrotundkorn.de/2009/200905w01.php


Eine sehr gute Therapeutin, die ich kenne und die mich durch eine schwere Krise begleitet hat, arbeitet damit.

http://www.karin-willeck.de/coaching.htm

Vielleicht wäre das was für Deinen Mann.
Erkundige Dich einfach mal ob es Therapeuten bei euch gibt die damit arbeiten

Beitrag von *°°*°°* 31.12.09 - 00:26 Uhr

Danke. Ich schau mir das mal an bzw. zeig es meinem Mann.

Beitrag von manavgat 30.12.09 - 18:01 Uhr

Psychoanalyse ist in m. Augen Quatsch.

Eine Verhaltenstherapie wäre hier angezeigt.

Du kannst das nicht leisten.

Gruß

manavgat

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