Entwicklungsverzögerung

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Forum: Leben mit Handicaps

Stolpersteine im Leben sind manchmal überwindbar, manchmal muss man sich mit ihnen arrangieren. Hier ist der Ort, um darüber zu sprechen: Entwicklungsverzögerung beim Kind, ADHS, das Down-Syndrom, Spina Bifida, Leben im Rollstuhl ...

Beitrag von keimchen 28.01.10 - 21:46 Uhr

Hallo,

ich habe hier ja schon einmal über meinen Sohn berichtet bzw euch um Rat gefragt.

Nun haben wir endlich den Bericht von der Frühförderung bekommen: er sollte in fast allen Bereichen gefördert werden, ist entwicklungsverzögert und auf dem Stand von etwa 24 Monaten (im Oktober 09 ist er 3 geworden).

Wie kommt sowas? :-(

Haben wir ihn in der Zeit, seit seine Schwester geboren wurde (10 Monate, und er ist 12 Monate zurück) vernachlässigt, unbewusst? Haben wir zu wenig mit ihm gespielt? Zu wenig mit ihm gesprochen? KANN das ein Grund sein, dass er quasi in seiner Entwicklung stehengeblieben ist?

Ich mache mir Gedanken, ob ICH vielleicht schuld bin :-( Die Schwangerschaft war nicht einfach, ich konnte kaum laufen, hatte ständig Schmerzen und konnte mich nicht so mit ihm beschäftigen, wie ich es gern getan hätte. Mein Schatz hat sich allerdings in der Zeit sehr um ihn gekümmert...

Naja, und wenn ein Baby da ist, dann ist es mit der Zeit allein für den großen Bruder leider auch knapper, aber wir haben uns immer Mühe gegeben, auch mit ihm allein was zu machen, ihn einzubeziehen, ihm zu zeigen, dass er jetzt nicht weniger geliebt wird.

Haben wir versagt?
Ich bin so traurig, wenn ich daran denke.

Wir warten jetzt auf den Termin von der Frühförderung, leider wird das noch dauern, die Wartelisten sind lang.
Eventuell soll er ab August in einen Heilpädagogischen Kindergarten wechseln, das entwscheidet sich am 3. Februar.

Irgendwie wird es mir gerade alles zu viel, ich habe noch 1000 anderer Probleme, täglich kommt irgendwas dazu, und ich seh bald den Wald vor lauter Bäumen nicht mehr.

Hoffentlich wird das irgendwann wieder mal besser... entschuldigt, dass ich euch hier die Ohren volljaule, aber irgendwie weiss ich gerade nicht, wohin mit mir.

LG

Susi

Beitrag von tonkaldonna 28.01.10 - 23:19 Uhr

Das er Frühförderung braucht hat nichts damit zu tun,daß Du evtl. zu wenig Zeit für Dein Kind hattest.
Mein Sohn ist auch im Oktober 3 jahre alt geworden und bekam auch Frühförderung.Die dauerte genau 6 Monate ,weil er dann in einen Integrationskindergarten.

Bei uns ging es mit der Frühförderung sehr schnelle.Im März wurde ich drauf angesprochen und machte daraufhin sofort einen termin beim Gesundheitsamt.Sie untersuchte ihn und stellte fest,daß unser Knirps ein Förderkind ist,da er zb. nicht so mit arbeitet,wie man es von 3 Jährige kennt.Er nimmt keinen Augenkontakt auf,macht das was er möchte wenn man ihn was erklärt,liess sich nichts zeigen.Seine Sprache war ein grosses Problem,was wir aber auch noch nebenbei machen.Im Juni 2009 haben wir dann mit der Frühförderung,die bei uns zu Hause statt fand,angefangen.Ich weiss ja nun nicht was bei Deinem Kind genau festgestellt wurde.Aber mach Dir keine Sorgen,daß Du evtl.was falsch gemacht hast.Nimm die Frühförderung und jede andere Hilfe an.Er ist noch jung und wird alles aufholen.
Wir haben festegestellt,daß unser kleiner,trotz Frühförderkind,ein cleveres Kerlchen ist.Er kann Dinge die Teilweise 4 jährige noch nicht können.Er puzzelt sehr gerne und auch sehr gut,obwohl er die Puzzle kaum kennt.Er bastelt sehr gerne an knifflige Sachen rum,wo die Frühförederung schon staunte,weil sie teilweise garnicht wusste was damit gemacht werden kann.Unser muss eben einen kleinen Anstoss bekommen und dabei helfen wir ihn.
Beate

Beitrag von geli0178 29.01.10 - 00:00 Uhr

Hallo Susi,

du machst dir Sorgen um die Entwicklung deines Sohnes, ob Du etwas falsch gemacht hast. Diese Sorge kann ich Dir hoffentlich ein wenig nehmen. Du und Dein Mann können nichts für die Entwicklungsverzögerung Deines Kindes. Nenn es einfach Schicksal das es so ist.

Als wir vor gut fünf Jahren unser erstes Kind bekamen wurden wir sofort an die Frühförderstelle überwiesen, da er in der 32ssw zur Welt kam. Am Anfang bekam der kleine "nur" Ergo und Therapie nach Bobath und Voitha (wird das so geschrieben?). Im Laufe der Zeit wurde die Leistung der Frühförderung immer mehr bis wir vor gut einem Jahr noch die Logo mit dazu bekamen. In den Jahren erlebten wir Höhen und Tiefen und irgendwie war immer unsere Betreuerin von der Frühförderstelle für uns da mit Rat und Tat. Es gab eine Zeit da wussten wir nicht ob unser Kind überhaupt "normal" ist. Aber das ist er aber halt nur ein klein wenig anders und das ist schön. Vor über einem Jahr war dann wieder ein Tiefpunkt als uns gesagt wurde das die Möglichkeit besteht das er nicht in eine reguläre Schule gehen kann. Inzwischen ist aus dem kleinen Kerl ein großes Kerlchen geworden und was keiner gedacht hat, er hat seinen Entwicklungsrückstand sehr gut aufgeholt. Wenn alles sich so weiter entwickelt wie bisher dann kann er sogar altersentsprechend eingeschult werden und das bei einer Entwicklungsverzögerung von mehr als einem Jahr.
Unser zweites Kind ist auch entwicklungsverzögert - wahrnehmungsgestört. Auch er bekommt erfolgreich Frühförderung.

Ich möchte Dir Mut machen den Kleinen Kerl so anzunehmen wie er ist. In den seltesten Fällen kann eine Mutter etwas für die Entwicklungsverzögerung ihres Kindes. Was Dich ein wenig beruhigen könnte wäre ein Gespräch mit Deiner Kinderärztin ob es nicht schon eher Anhaltspunkte für eine Verzögerung gegeben hat. Aber nicht immer erkennt eine Kinderärztin in dem kleinen Alter schon einen Entwicklungsrückstand.
Einen kleinen Tip: Es besteht nur die Möglichkeit er Einzeltherapie in der Frühförderung oder der Besuch eines Intigrativkindergartens.

Viele Grüße

Geli

PS: Wir haben alle ganz normale Kinder die ein klein wenig schön anders sind und das macht sie so einzigartig und liebenswert. Man muss nur lernen damit umzugehen und dann lernt man wie wertvoll diese Kids sind.
Du kannst mich gerne auch über VK anschreiben.

Beitrag von girl08041983 29.01.10 - 08:57 Uhr

Hallo Susi,

ich denke deine Gefühle sind normal, jedes Elternpaar wird sich bei solch einer Diagnose fragen, ob man selber irgendwas falsch gemacht hat.
Es gibt bestimmt Fälle wo das der Fall ist, aber in den meisten Fällen ist irgendwo ein Kleiner Schalter nicht richtig umgelegt beim Kind und die Eltern können nichts dafür und das einzige was die Eltern dann machen können, ist sich so schnell wie möglich Hilfe holen und dem Kind die Förderung geben, die es braucht und das macht ihr ja.

Ich drück euch die Daumen, dass ihr den Kita-Platz bekommt (bis zum 3.2. ist ja nicht mehr all zu lange hin) und das ihr bald auch FF bekommt

Lg Lia

Beitrag von spatzl75 29.01.10 - 11:24 Uhr

Hi Susi,

oje, was habe ich mir für Gedanken gemacht.
Selbstvorwürfe, Selbstzweifel, Schuldfrage generell-alles war in meinem Kopf durcheinander. Die Welt war plötzlich eine andere.
Du brauchst ersteinmal ZEIT, um Dich wieder innerlich zu "ordnen". Dein Kind ist etwas anders als andere, das heißt aber nicht das er es nicht aufholt.
Rede viel, Frage viel! Das hat mir geholfen.

Florian lag nach der Geburt 8 Wochen auf der Intensiv. Ich habe jeden Tag bestimmt 3x die gleiche Frage an die Mädels gestellt. Nachdem er aus dem KH entlassen war, ging die gleiche Fragerei bei Therapeuten, Ärzten, Pflegediensten, etc. weiter.:-D

Fakt ist, daß Du keine Schuld hast. Nur das Begreifen und Verinnerlichen kommt mit der Zeit. Da kann Dir auch nicht wirklich jemand helfen!

Ich wünsche Dir alles Gute!

lg
Bianca

Beitrag von jindabyne 29.01.10 - 12:19 Uhr

Liebe Susi,

Mach Dir bitte keine Vorwürfe!!! In den wenigsten Fällen kommt eine so starke Entwicklungsverzögerung von Vernachlässigung! Woher die Verzögerung bei Deinem Sohn kommt, kann ich Dir leider nicht sagen, aber wenn Dein Mann sich auch gut um die Kinder kümmert, kann ich mir nicht vorstellen, dass es an Euch liegt. Kinder brauchen normalerweise keine 1:1-Betreuung von Mama, um sich gut zu entwickeln. "Gesunde" Kinder entwickeln sich fast von alleine, das seh ich an meiner kleinen Tochter, die durch meine Große immer ein bisschen weniger Aufmerksamkeit bekam, ls ich ihr gerne gegeben hätte.

Ich habe ein entwicklungsverzögertes Kind und ein normal entwickeltes "Folgekind". Die Welt unserer Großen stand nach der Geburt ihrer kleinen Schwester Kopf, sie war völlig aus der Bahn geworfen, hat drei Monate lang KEINEN Entwicklungsfortschritt gemacht. Obwohl es danach wieder langsam weiterging in ihrer Entwicklung, hatte ich ein ganz schlechtes Gewissen, weil wir als Eltern ja die Entscheidung für ein zweites Kind getroffen haben und somit dafür "sorgten", dass unser ohnehin schon verzögertes Kind noch weiter in der Entwicklung zurückfiel.

Heute (die Kleine ist fast 1 1/2 Jahrer) sind die beiden ein Herz und eine Seele und die Kleine spornt die Große sogar in ihrer Entwicklung an. Z.B ist meine Große noch nicht trocken, die Kleine fängt aber an sich fürs Töpfchen zu interessieren und plötzlich war das Töpfchen für die Große auch interessant. Sie geht jetzt zunehmend aus eigenem Antrieb aufs Klo.
Oder was die Sprache angeht: Die Kleine spricht bereits Dreiwortsätze, und plötzlich fängt meine Große, die bis dahin maximal Zwei- oder Dreiwortsätze sprach, an, GANZE Sätze zu bilden - fast so, als würde sie sich von ihrer kleinen Schwester nicht einholen lassen wollen...

Ich bin sicher, ihr seid engangierte Eltern und bemüht Euch nach Kräften. Nehmt die Therapieangebote an, vielleicht braucht Euer Sohn einfach nur einen Anstoß von außen.

Und nicht vergessen: Es ist nicht eure Schuld!!!

Lg Steffi

Beitrag von archer 03.02.10 - 23:50 Uhr

Hallo Susi,
ich kann dich gut verstehen. Meine Große wird im Mai 4 und ist in einigen Bereichen auf dem Stand einer 2 1/2 jährigen. Sie bekommt Physio seit sie 8 Wochen alt ist und seit 3 Jahren Ergo bald soll Logo dazukommen. Eine Ursache wurde nicht gefunden. In 10 Tagen müssen wir wieder in die Klinik für ein MRT. Auch das wird wohl wieder kein Ergabnis bringen.
Wir haben alles getan was wir konnten und trotzdem gibt es Tage an denen ich denke es ist alles meine Schuld.
Wir hatten auch weniger Zeit für sie nach der Geburt unserer Kleinen. Aber geschadet hat es ihr nicht. Sie fragt sofort nach ihrer Schwester, wenn die auch nur den Raum verläßt. Sie schaut sich vieles ab und macht sogar Fortschritte.
Ich habe oft gedacht ich hätte zu wenig für meine Große getan. Heute sehe ich, dass ich für die Kleine viel weniger Zeit habe. Mit der Kleinen war ich nicht zum Babyschwimmen nicht zum Kinderturnen und nicht in der Krabbelgruppe, mit der Großen schon. Trotzdem ist sie sogar recht weit für ihr Alter.
An manchen Tagen ist es einfach zu viel und an anderen ist es wunderschön.
Halt durch und lass dir die Freude an deinen Kindern nicht verderben. Wen interessiert schon was die Ärzte für "normal" halten. :-P
LG
Claudia

Beitrag von hiphopaerschla 08.03.10 - 14:50 Uhr

Hi,

unser Sohn ist auch entwicklungsverzögert. Wir gehen seit letztem Jahr August in die FF. KG/Logo/Spielen.
Es tut ihm unheimlich gut.
Er wird im Mai 3 Jahre und hat in den Meisten Bereichen den Stand eines 2 jährigen Kindes.
In der Sprache ist es am Schlimmsten - er spricht kein Wort!

Es ist natürlich schwieriger und anstrengender als mit anderen Gleichaltrigen, aber es kann KEINER was dafür.
Solange Du nicht geraucht, Drogen genommen oder sonst etwas bewusst schädliches gemacht hast (während der SS) dann brauchst Du bei Euch gar keine Schuld zu suchen.
Es gibt sicher viele Eltern die Ihre Kinder sozial vernachlässigen - aber selbst diese Kinder müssen nicht unbedingt eine Störung haben.
Bei Dir klingt das auch nicht danach. Euch war bewusst das ihr durch das 2.Kind die Aufmerksam teilen müsst und habt Euch doch im Vorfeld schon Gedanken darüber gemacht.

Mach Dir keinen Kopf.

Warte auf den Termin in der FF - eine Entwicklungsverzögerung ist auch kein Beinbruch - man muß sich freimachen von dem Druck dem man immer ausgesetzt ist und sein Kind so annehmen wie es ist.
Dein Kind spürt auch wenn Du Dir Gedanken machst - lass das nicht so nach an Dich ran - es gibt leider so sehr viel Schlimmere Dinge....
auch wenn für Dich grad die Welt untergeht.

Kopf hoch