Enttäuscht von Kita! Wie sind Eure denn so?

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Forum: Kleinkind

Das Leben mit kleinen Kindern ist wunderschön, nie langweilig aber auch ziemlich anstrengend. Da können Tipps von anderen Müttern oder Vätern viel Erleichterung und Hilfe in den Alltag bringen. Viele Infos rund um euer Kleinkind  (z.B. Kinderkrankheiten) findet ihr auch in unserem Magazin.

Beitrag von emilia5 28.01.10 - 21:57 Uhr

Hallo, Ihr Lieben!
Ich schleiche mich mal kurz hier rüber (bin eigentlich noch nebenan bei den Babies ;-)). Meine Kleine wird am 10.03.10 ein Jahr alt und soll dann halbtags in die Krippe gehen. Heute haben wir mit der Eingewöhnung angefangen und ich bin etwas enttäuscht. Es gibt in der Krippe kaum Spielzeug (ein paar Puppen, ein Eimer Holzklötze und noch ein bisschen Kleinkram, ein hässliches kleines Holzklettergerüst), alles ist ziemlich trist und farblos und dann haben die noch die Philosophie, dass die Kinder sich alleine entfalten sollen, d.h. die Erzieherinnen sitzen nur auf dem Boden und beobachten und greifen nur ein, wenn es nötig ist oder von einem Kind verlangt wird. Die Kinder waren da total ruhig und passiv. Ich muss dazu sagen, bei uns herrscht absoluter Kitaplatzmangel und es war ein Wunder, überhaupt einen zu bekommen. Ich musste ihn mehr oder weniger ungesehen nehmen, aber er hörte sich gut an: evangelischer Träger, nur 10 Kinder mit 3 Betreuerinnen, jeden Tag frisch gekochtes Essen, großer Spielplatz, etc. Aber irgendwie fand ich das ganze heute sehr deprimierend. Wie soll Kreativität und Motorik gefördert werden, wenn es weder Spielsachen noch "Programm" gibt #kratz ?! Wie ist das bei Euch so? Was wird da "geboten"? Sehe ich das falsch, brauchen die Kleinen das gar nicht? Wäre echt sehr dankbar für Eure Meinungen/Erfahrungen/Tipps! Lieben Gruß von Astrid mit Emilia

Beitrag von widowwadman 28.01.10 - 22:04 Uhr

In unserer Krippe wird taeglich anderes Spielzeug aufgestellt, es gibt eine Kuschellecke und einen Indoor-Sandkasten, an manchen Tagen wird gematscht, oder Papierschnitzel zum drinwuehlen hingestellt. Es wird viel gebastelt, auch schon mit den Kleinsten. Geschichten werden vorgelesen, ab und zu CDs angemacht (und sehr zu meiner Freude machen sie ab und zu auch eine deutschsprachige CD mit Kinderliedern von meiner Tochter an, - wir leben in England.)

Die Kinder werden schon angeregt alleine zu spielen, aber wenn sie Kuschel-Beduerfnis haben, dann werden sie auch bekuschelt. Ganz am Anfang hatten die Betreuerin meine Kleine viel im MeiTai, mittlerweile bevorzugt sie doch alleine rumzukrabbeln.

In eine Einrichtung wie du sie beschreibst, haette ich mein Kind nicht gegeben.

Beitrag von postrennmaus 28.01.10 - 22:07 Uhr

HAllo Astrid!

Ich kann ja mal von uns berichten. Meine Maus geht seit 4 Monaten in die Krippe. Wir sind sehr zufrieden. Es gibt viele Spielsachen, für jedes Alter etwas. Wir haben auch 3 Betreuer. Morgens ist es so, dass die "Großen" in einen anderen Raum gehen, den Therapie Raum. Da können sich die größeren Kindern so richtig austoben. Die kleineren werden dann in dem normalen Raum betreut. Es werden zusammen Bücher geguckt, Bausteine gestapelt oder andere motorisch anregende Sachen gemacht. Um 9 ist Morgenkreis. Da kommen alle zusammen, es wird gesungen, erzählt, geklatscht etc. Es gibt dann nach dem Frühstück Programm. Das ist jeden Tag anders. WIr haben einen Musiktag, einen Kreativtag, einen Ausflugtag, einen Bewegungstag und Freitags ist freies Spiel, da kann jedes Kind ein Spielzeug von zu Hause mitnehmen.

Als ich mir die Krippe voher angesehen habe, war mir aber sehr wichtig, dass das pädagogische Konzept stimmt. Sonst hätte ich sie da nicht angemeldet. Aber klar, es ist immer schwierig mit den Plätzen. Also was will man machen. Vielleicht redest du mal mit den Betreuern, und frags was sie so den ganzen Tag mit den Kleinen machen. Denn du bist ja nicht den ganzen Tag dabei später. Ich denke, dass es jetzt in der Eingewöhnung auch darum geht, dass die Betreuer dein Kind kennenlernen! Dazu muss man erst beobachten und sich langsam ans Kind annähern. Vielleicht kommt das aktive Spiel ja erst in 1 oder 2 Wochen, wenn deine Kleine sich eingewöhnt hat.

Lg postrennmaus

Beitrag von kruemlschen 29.01.10 - 09:59 Uhr

Hallo,

ich kann Dir gerne von unserer Krippe berichten, allerdings nimmt unsere Krippe erst Kinder ab 1,5 Jahren, ich denke also man kann das nicht wirklich vergleichen.

Unsere Krippe ist eher wie ein Kindergarten gestaltet, aber auf die Bedürfnisse von Kleinkindern ausgerichtet.

Wir haben 4 Betreuerinnen (2 Erzieherinnen, 2 Kinderpflegerinnen) bei 16 Kindern.

Es gibt 2 Räume (1 Hauptraum mit Funktionsecke, 1 sog. Bewegungs- und Intensivraum) + 1 Schlafraum.

Unsere Kinderkrippe ist im gleichen Haus wie der Kindergaren untergebracht, der Waschraum wird von allen Kindern im Haus genutzt, außerdem gibt es einen extra Wickelraum für die Krippenkinder. Es wird täglich für alle Kinder der Einrichtung frisch gekocht dabei erhalten die Krippenkinder KEINE Extras's, es wird nichts pürriert, weniger gewürzt oder sonstiges.

Die Kinder bringen ihr Frühstück und die Brotzeit von zu hause mit, Süßigkeiten jeglicher Art (Marmelade&Nutellabrot, Kekse, Pudding &Co.) sind dabei verboten.

Der Tagesablauf in der Krippe ist wie folgt:

07:15 Uhr - 08:30 Uhr - Ankommen & Freispielzeit
08:30 Uhr - 09:00 Uhr - Frühstück
09:00 Uhr - 09:30 Uhr - Morgenkreis
09:30 Uhr - 10:30 Uhr - die Kinder gehen bei einigermaßen gutem Wetter in den Garten
10:30 Uhr - 11:30 Uhr - Freispielzeit/ Festspielzeit
11:30 Uhr - 12:15 Uhr - Mittagessen
12:15 Uhr - 14:15 Uhr - Schlafen
14.15 Uhr - 14:30 Uhr - Freispielzeit
14:30 Uhr - 15:15 Uhr - Brotzeit
15:15 Uhr - 17:00 Uhr - Freispielzeit / Festspielzeit

das ist der "Plan" wobei die Zeiten natürlich so in etwa +/- 15 Minuten variieren können.

Unter "Festspielzeit" fallen Dinge wie basteln, singen, Rollenspiele die immer zum gerade aktuellen Thema der Krippe passen. So haben die Kinder z.B. Anfang des Krippenjahres (September ist Beginn bei uns) das Thema "Spinne" gehabt, danach folgte St. Martin, Weihnachten mit Krippenspiel, Feuerwehr, usw.
Letzte Woche haben sie z.B. Maisenknödel im Garten aufgehängt und den Vögel dann beim futtern zugesehen.

"Freispielzeit" bedeutet, dass die Kinder machen können wozu sie Lust haben, spielen, Bücher anschauen, malen, etc.

Die Krippe ist sehr gut mit Spielzeug ausgestattet, welches auch immer wieder erneuert wird. Die Kinder haben: eine Spielküche, eine Werkbank, verschiedene Fahrzeuge, Gummitiere, Puppe & Puppenwagen, viele Bücher, eine Kuschelecke, Autos mit Parkgarage & Spielteppich, Puzzel, Motorikschleife, Kugelbahn, usw. usf.

Die Kinder räumen nach dem Spielen eigenständig ihre Spielsachen auf, gehen nach jeder Mahlzeit zusammen Händewaschen & sitzen alle gemeinsam am Tisch (ohne Hochstühle oder Ähnlichem). Gewickelt bzw. zur Toilette gegangen wird selbstverständlich nach Bedarf.

Ich finde dieses Konzept einfach SUPER! Die Kinder lernen eigenständig zu sein und sich trotzdem in die Gruppe einzufügen. Wenn ein Kind mal partout keine Lust auf eine bestimmte Aktivität hat (z.B. Malen oder basteln) muss es natürlich auch nicht mitmachen, das kommt aber durch die Gruppendynamik äußerst selten vor.

Der Speiseplan sieht 2 Fleischgericht, 2 Vegetarische Gerichte & 1 Süßspeise pro Woche vor, alle 2 Wochen wird 1 Fleischgericht durch Fisch ersetzt, zur Süßspeise gibt es vorher immer eine Suppe zu jeder Mahlzeit gibt es Salat und Nachtisch (Joghurt, Pudding o.ä.)

Wenn ein Kind Geburtstag hat, wird zusammen beim Frühstück gefeiert, dass Kind bringt dann von zu Hause Kuchen, Muffins, o.ä, mit.

Alles in Allem eben wie im Kindergarten, nur halt auf kleine ausgerichtet.

Die Kinder singen und tanzen jeden Tag, die "großen" Kinder (damit sind die Kinder gemeint, die bereits das 2. Krippenjahr besuchen) gehen 1mal pro Woche zum Turnen.

Ich bin sehr von unserer Krippe begeistert und mein Sohn geht mit Leidenschaft dorthin.

Ich würde an Deiner Stelle mal bei den Betreuerinnen nachfragen wie das Konzept im Allgemeinen ist und der normale Tagesablauf. Wärend der Eingewöhnung laufen oft Dinge anders als normal.

Bei uns wurde Dominic die ersten 2 Tage der Eingewöhnungszeit auch nicht gleich mit integriert, einfach aus dem Hintergrund dass ER Zeit hat die neue Umgebung zu beschnuppern und erst nachdem er das Signal gegeben hat auf die Betreuerinnen zu zu gehen, wurde speziell auf ihn eingegangen.

LG Krüml

Beitrag von almalach 29.01.10 - 10:38 Uhr

Also bei uns in der Kindergarten in ein neues Gebäude gezogen und für den Umzug haben die Erzieherinnen alles Spielzueg durchgesehen und geschaut, was benutzt und was nicht genommen wird. Aus dem Spielzeug für 4 Gruppen wurde Spielzeug für 6 Gruppen, weil es einfach zuviel gab.

Ebenso haben sie noch im alten Haus alle 2 Jahre eine Zeit ohne Spielzeug gemacht. Die Kinder sollten sich selber etwas bauen, basteln (Materialien gab es auf Nachfrage bei den Erzieherinnen). Die Kinder sind aufgeblüht und haben ihre Phantasie spielen lassen. Das einzige Problem war, dass die Kinder zu Hause oft auch keine Lust auf das normale Spielzeug hatten, sondern etwas neues anders wollten.
Ich fand das total spannend. Und 4 -6 Wochen sind ja auch keine Ewigkeit.

In der Krippe gibt es auch Spielzeug, aber nicht zuviel. Die Kinder sind da viel freier als wir.

Frag doch mal nach der Konzeption. Das hat auch einen Einfluß auf die Arbeit. Ich denke die Zeit, dass die Erzieherinnen den ganzen Tag Programm bieten ist vorbei. Und in der Krippe (1-3 Jahre) sind die Entwicklungsschritte doch weit auseinander.

Mit GRüßen aus Leipzig,
almalach

Beitrag von dani.m. 29.01.10 - 10:50 Uhr

Klingt nach Montessori. Ich muss sagen, ich finde es im Vergleich zu unserem Kindergarten sogar ganz gut. Wir haben Unmengen Spielzeug, die Kinder wissen gar nicht, womit sie anfangen sollen. Und dann gibt es natürlich Streit darum #aerger obwohl genügend da ist!
Hast du gefragt, ob es fest geplante Aktivitäten (z.B. Sport oder Musik) gibt? Bei uns sind die Utensilien dafür so wegggeräumt, dass man sie nicht sieht.
Ach ja, Kreativität wird eher durch WENIGER als ZU VIEL Spielzeug gefördert!

Beitrag von sternchen1208 29.01.10 - 22:26 Uhr

Hallo,

ich bin Tagesmutter und die Einrichtung wie du sie beschreibst scheint sich nach Waldorf ausgerichtet zu haben, ich habe hier ein Fachbuch gerade in der Hand und schreibe mal was hier zum Thema Spiel gedruckt ist:

"Einen wichtigen Stellenwert nimmt auch das Spiel ein. Die Waldorfpädagogen fördern das Spiel auf unterschiedliche Weise. zum einen, in dem sie durch ihre eigenen Tätigkeiten immer wieder Anlass zum Nachahmen geben. Zum anderen vermeiden sie es nach Möglichkeit das Kind in seinem vertieften Spiel zu stören.

Das Spielzeug unterscheidet sich stark von dem eines Regelkindergartens. Auffällig sind viele Haushaltsgegenstände wie Besen, Eimer, Tücher, Decken, Wäscheklammern und dergleichen, mit denen Kinder Szenen des täglichen Lebens nachspielen können. Außerdem gibt es eine Vielfalt an Naturmaterialien: Baumrinden, Nussschalen, Äste, Puppen und Tiere aus Filz oder Holz.

Industrielles Spielzeug lehnt man als weitgehend ungeeignet ab."

Ich bin der Meinung, je weniger Spielzeug sich in einem Raum befindet desto besser (es sollte halt das richtige sein und nicht zehn elektronisch blinkende sprechende Telefone oder Plastespielzeug über Plastespielzeug - das gehört nicht in eine Krippe) Kinder entfalten mit weniger Dingen viel mehr Kreativität als wenn sie alles vorgegeben bekommen, sie können besser in Rollenspiele eintauchen (sehr gut für die Entwicklung) und werden nicht mit Elektronikspielzeug überflutet.

Man hat auch herausgefunden dass diese Kinder, die solche Kindergärten /Schulen besucht haben keinesfalls dumm sind (wie gerne behauptet wird "Waldorf ist eine Dummenschule", habe ich schon oft genug gehört) sondern sie sind einfallsreicher, kreativer und schon im Kleinkindalter oft zu sprachlichen Äußerungen in der Lage die bemerkenswert sind.

Also eine schöne Krippen/Kindergartenzeit wünscht Sternchen #stern(die zwar in der Tagespflege nicht mit Waldorf arbeitet aber Einflüsse davon in der Arbeit nutzt ;-) )