Sexuell bedrängt im Teenie-Alter - kann das jetzt erst hochkommen?

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Beitrag von siriak1982 28.01.10 - 22:53 Uhr

Hallo an alle!

Ich hab lange überlegt, ob ich das jetzt posten soll, aber ich mach es jetzt einfach mal - in der Hoffnung, dass mir vielleicht jemand weiterhelfen kann.

Als ich 14 war, habe ich im Urlaub meinen ersten Freund kennengelernt, mit dem ich dann fast ein Jahr lang eine Fernbeziehung über 300 km führte.
Unsere Eltern hatten erlaubt, dass wir uns gegenseitig mit dem Zug übers Wochenende besuchen kommen. Und so fuhr ich bereits das dritte Mal zu meinem damaligen Freund. Es war Winter, dunkel draußen, etwa 18 Uhr. Ich saß alleine in einem Waggon mit offenen Sitzplätzen, immer 2-er-Sitze, am Fenster. Außer mir saß nur noch ein Mann mittleren Alters in meinem Abteil, auf meiner Höhe, auf der anderen Seite des Ganges. Ich sah durch die Spiegelung in meiner Fensterscheibe, dass er begann zu onanieren. Erst rieb er nur mit der Hand an seiner Hose, und nachdem ich - um es überhaupt glauben zu können, was ich vermutete - einen Blick riskierte, hatte er seine Hose bereits aufgemacht und sein Teil herausgeholt. Er blickte mich ständig an und ließ seine Augen nicht von mir. Ich höre noch wie er stöhnt und mir irgendwelche KOmplimente macht. Ich war wie starr vor Angst. Ich zitterte, konnte mich aber nicht bewegen, geschweige denn etwas sagen. Ich war so geschockt.
Die Schaffnerin war erst kurz zuvor die Fahrkarten kontrollieren gekommen, und da es ein Eilzug war, der nicht überall anhielt, kam auch niemand mehr hinein. Ich habe so gehofft dass sie noch einmal kommt.
Irgendwann saß er neben mir. Er berührte meine Brüste und glitt mit der Hand in meinen Pulli. Er hauchte mir schmutzige Dinge ins Ohr, während er sich wiederum an seinem Teil zu schaffen machte. Ich empfand so viel Ekel, konnte aber mich nicht dagegen wehren. Ich war einfach still und ließ ihn tun. Ich weiß bis heute nicht, warum ich ihn nicht weggestoßen habe, warum ich ihm nicht die Meinung gesagt habe, ihn angeschrien habe, es sein zu lassen. Ich ließ alles einfach nur geschehen, stillschweigend, wagte kaum zu atmen.
Er hat nicht mit mir geschlafen, er hat mich lediglich überall berührt und sich vor mir bis zum Ende befriedigt. Irgendwann ist er dann ausgestiegen. Und ich bin weitergefahren, und habe von da an versucht, die Sache zu verdrängen. Ich habe es bis heute niemandem erzählt. Es ist mir einfach peinlich. Ich schäme mich dafür - vor allem dafür, dass ich es nicht gleich verhindert habe.

Nun hatte ich mit 19 bereits eine Phase mit heftigen Panikattacken (für die ich damals allerdings keinen richtigen Grund fand, außer der Scheidung meiner Eltern). Dann war alles wieder eine Zeit lang ok, und nun kämpfe ich mit 29 schon über ein Jahr wieder mit einer Depression, die ich momentan nur dank Tabletten und Therapeuten-Unterstützung im Griff habe.
Mein Therapeut meinte, dass der Angst und der Depression ein Trauma zugrunde liegt, denkt jedoch, dass es der plötzliche Tod einer Angehörigen ist, die vor 2 Jahren verstorben ist. Und ja, ich trauere noch viel um sie. Sie war mir sehr wichtig.
Aber dennoch frage ich mich, ob das nicht auch mit dem Erlebnis damals zusammen hängen kann? Auch wenn ich mir jahrelang keine Gedanken darüber gemacht habe?
In letzter Zeit, seit ich mit dem Therapeuten intensiv arbeite, bemerke ich, wie immer wieder Erinnerungen von dem Erlebnis damals hochkommen, und ich zittere heute noch, wenn ich daran denke. Die Gedanken sind allerdings immer gleich wieder weg, ich kann sie kaum fassen.

Muss ich das beim Therapeuten ansprechen? Meint ihr das ist noch relevant? Ich weiß einfach nicht, wie ich das in Worte fassen soll. Schreiben ist ja schon schwer. Ich will das einfach nicht noch einmal seelisch durchleben. Es war so schön irgendwo ganz hinten in meinem Kopf verborgen, sollte es da nicht lieber bleiben?
Vielleicht spinne ich ja auch, und das war gar nicht so schlimm für mich, dass es bis heute nachwirkt? Es war ja keine Vergewaltigung in dem Sinne, er hat mich ja "nur" bedrängt.

Es wäre schön, Meinungen von euch zu dieser Sache zu hören. Vielen vielen dank!!!!

Siriak




Beitrag von siriak1982 28.01.10 - 22:55 Uhr

Und bitte macht mir keine Vorwürfe, die mache ich mir selbst schon. Ich hätte damals einfach anders reagieren müssen, dann wäre es auch nicht so weit gekommen. Ich hab einfach "versagt" in dieser Situation.

Beitrag von .elfe 29.01.10 - 02:01 Uhr

Hallo Siriak,

warum solltest Du das nicht bei Deinem Therapeuten ansprechen? Es beschäftigt Dich.
In einer Therapie kommen viele Dinge, die man jahrelang mehr oder weniger erfolgreich verdrängt hat wieder hoch, was nicht unbedingt von Vorteil ist (meine Meinung).
Ich kann Dir nur sagen, daß die Lösung nicht in der Vergangenheit liegt, das heißt es ist gut zu wissen, oder zu glauben was Deine Krankheit ausgelöst hat aber es heilt sie nicht gleichzeitig.
Konfrontation mit den Angst-auslösenden Momenten und das Akzeptieren Deiner Schwächen bringt mehr als über die Vergangenheit zu sprechen.
Ich habe ähnliches wie Du erlebt, jedoch war es nicht der Auslöser für meine Krankheit. Im Moment habe ich nicht die Kraft mich zu stellen und bevorzuge die medikamentöse Therapie.

#liebdrueck elfe

PS: Bitte gib Dir keine Schuld an dem Erlebten.

Beitrag von doucefrance 29.01.10 - 07:54 Uhr

Guten Morgen Siriak,

wenn Du das all die Jahre mehr oder minder erfolgreich verdrängt hast, dann kann es gut sein, dass das ganze Thema jetzt in der Therapie wieder hoch kommt. man bekommt ja viele Denkanstöße, vieles noch so unbedeutende fällt einem wieder ein, oft schießt es nur kurz wie ein Blitz durch den Kopf, aber oft kommt auch ein Thema hoch, das irgendwie immer Thema in der Seele war, weil es verdrängt, aber niemals verarbeitet wurde.

Ich an Deiner Stelle würde das in der Therapie auf jeden Fall ansprechen, sag es, so wie es ist, dass Dir erst nach den letzten Gesprächen dieser Vorfall wieder präsent ist. Dass Du ihn nicht verarbeitet hast merkst Du an deinen körperlichen Reaktionen darauf, die jetzt kommen, wenn Deine Gedanken in die Richtung gehen. Damals empfandest Du Ekel, du warst warhscheinlich im wahrsten Sinne des Wortes "starr vor Schreck" so dass Du Dich nicht wehren konntest, auch wenn Du gewollt hast.

DU bist nicht Schuld an dem Vorfall, Schuld hat derjenige der Dich belästigt hat.

Ich wünsche Dir weiterhin viel Kraft für Deine Therapie und dass Du alle Sachen aufarbeiten kannst.

Liebe Grüße,
B.

Beitrag von ayshe 29.01.10 - 08:00 Uhr

##
Es war so schön irgendwo ganz hinten in meinem Kopf verborgen, sollte es da nicht lieber bleiben?
##
nein, das sollte es nicht.

ich kenne auch ein paar frauen, die ähnliches oder auch weit weniger erlebt haben.
irgendwann kam es unkontrolliert hoch.

du hast panikattacken?
vllt kommt es davon.

ich würde das alles ernst nehmen und versuchen, es mittels therapie tatsächlich zu verarbeiten.

reines unterdrücken geht einige zeit, aber meist nicht für immer.


ich wünsche dir viel glück und alles gute.
es tut mir echt leid, daß du so etwas erleben mußtest. #liebdrueck

Beitrag von nordseeengel1979 29.01.10 - 11:34 Uhr

Hallo Siriak,

mir ist ähnliches passiert :-(

Und ja, man kann es verdrängen, sehr gut sogar.

Und ja, Du kannst es beim Therapeuten ansprechen, wo auch sonst wenn nicht da ? Dafür ist er da. In einer Therapie kommt vieles wieder hoch, also nur Mut. Und wenn Du es nicht aussprechen kannst schreib es auf und gib den Zettel ab.

Lg Nordseeengel

Beitrag von siriak1982 29.01.10 - 11:44 Uhr

Ich danke euch sehr für eure Antworten. Und dafür, dass ihr mich nicht dafür verurteilt. Ich bin froh, dass ich auf Verständnis stoße, danke #liebdrueck

Ich würde glaube ich schon gerne mit meinem Therapeuten reden, er ist auch sehr einfühlsam und ein toller Therapeut. Aber irgendwie schäme ich mich. Und ich will nicht dass er denkt dass ich damit nur Aufmerksamkeit will oder so. Ich bin ja schon seit Sommer bei ihm und hab das nie erwähnt. Es ist doch total komisch wenn ich jetzt auf einmal sage mir ist das wieder eingefallen.

Nachher glaubt er mir nicht und denkt ich will nur irgendwelche Klischees erfüllen oder so :-( Ich hab einfach Angst nicht ernst genommen zu werden. Oder dass das einfach runtergespielt wird, obwohl es mir so schwerfällt mich zu öffnen #heul

Nachher tut das ja doch alles gar nichts zur Sache und ich hab mich umsonst zum Affen gemacht. Mir ist das soo peinlich!

Beitrag von gaia1976 29.01.10 - 12:08 Uhr

Hi,

Du machst Dich auf gar keinen Fall zum Affen, Dein Erlebnis ist sehr schlimm, überleb mal, wie jung Du warst, und es trifft Dich keine Schuld.

Sag Deinem Therapeuten, dass Du es bis jetzt nicht erzählt hast, weil Du Dich schämst, evtl. druckst Du auch Deinen Ursprungstext aus und läßt ihn das lesen, dann musst Du nicht alles nochmals erzählen!

Ich drück Dir die Daumen, Du packst das, und hoffentlich hat der Kerl aus dem Zug schon seine gerechte Strafe dafür bekommen!

LG
Gaia

Beitrag von kapulli 29.01.10 - 16:31 Uhr

Hallo!

Das was Du beschreibst ist wirklich ein sehr einschneidendes traumatisches Erlebnis. Es kann sein, dass dieses durch die Inhalte der Therapie oder aber auch durch einen Trigger (sprich ein die Erinnerung auslösenden Reiz) wieder zum Vorschein kommt.

Du solltest dieses Erlebnis Deinem Therapeuten schildern. Vielleicht hilft es Dir, wenn Du die Geschichte in der 3. Person schilderst. So als ob Du über jemand anderen sprichst. Diese Methode kann Dir helfen, das Ganze etwas distanzierter zu betrachten. Wichtig ist auch, dass Du zusammen mit dem Therapeuten entscheidest, ob Du das Erlebte bearbeiten kannst oder willst, oder ob es besser für Dich wäre wenn Du das Erlebte quasi "wegschließt". Dazu gibt es in der Trauma-Therapie bzw. Trauma-Begleitung diverse Übungen. Eventuell hat er auch Kenntnisse oder gar eine Ausbildung in dieser Richtung.

Nicht für jeden ist es gut, wenn das Erlebte bearbeitet wird, manche Menschen fahren besser damit, die belastenden Ereignisse ad acta zu legen. Sie würden sonst eventuell Gefahr laufen, diverse psychische Symptomatiken zu entwickeln und ihren Zustand zu verschlimmern!

L.G. Kapulli



Beitrag von romance 29.01.10 - 16:55 Uhr

Hallo,

sprich dein Therapeuten darauf an. Sollte es relevant sein, wird er/sie sich drum kümmern.

Da dir diese Gedanken um dieses Erlebnis dreht, würde ich sagen. DAs du es nicht verarbeitet hast und nun alles hoch kommt.

Ich hatte auch so ähnliche Erfahrungen machen müssen und hatte schon früh eine Therapeutin. Heute geht es mir besser. Und sowas sollte mann niemals unterschätzen. Es ist im Prinzip egal, ob da was passiert ist oder nicht. Es belastet dich sehr. Und sollte angesprochen werden.

Ich hatte damals mehrere solche Erlebnisse und bin froh, das ich nicht vergewaltigt worden bin. Hatte wahnsinniges Glück und schätze das auch sehr.

Und wenn du es deinem Therapeuten erzählst, das kann dir auch für deine Depression weiter helfen. Denn es ja noch was da, was dich belastet. Und mann sollte alles in der therapie besprechen.

LG Netti