Auch mal Taschengeld

Archiv des urbia-Forums Erziehung.

Hier geht es in die aktuelle Version dieser Seite. Nimm dort aktiv am Diskussionsgeschehen teil.

Forum: Erziehung

Kinder fordern Eltern täglich neu heraus zu Auseinandersetzung und Problemlösung. Kinder brauchen Grenzen - doch welche und wie setzt man sie durch? Welche Erziehung ist die richtige? Nutzt hier die Möglichkeit, euch hilfreich mit anderen Eltern auszutauschen.

Beitrag von tiffysb 29.01.10 - 09:55 Uhr

Hallo,

ich wollte mal nachhören, ob ich die einzigste "Spezialistin" in Sachen Taschengeld zu Hause habe.

Unsere Tochter (7) bekommt immer sonntags 2 Euro. Und dann wandert das Geld ins Sparschwein und dann bleibt es dort. Sie gibt es partout nicht aus, weil, und jetzt kommts ! , sie will auf ein Haus sparen ! - keine Ahnung wie sie darauf kommt, hab ihr auch schon gesagt, dass sie das wohl mit den 2 Euro in diesem Leben nicht schaffen wird und man mit 7 definitiv kein eigenes Haus braucht.

Wenn wir einkaufen gehen und sie sieht irgendwas, was sie haben möchte, ich aber nicht kaufe, mit dem Hinweis auf das Taschengeld, will sie die Sache nicht mehr haben, weil das Taschengeld ja gespart wird :-(

Finde das irgendwie etwas traurig.

Einmal im Jahr machen wir dann die Sparschweine zu Hause und bei der Oma leer und bringen das Geld aufs Sparbuch. Dann sieht sie die große Zahl im Sparbuch und freut sich wie Wutz.

Also irgendwie ist das doch nicht normal oder doch ?

Liebe Grüße
Tiffy

Beitrag von mimi1410 29.01.10 - 10:15 Uhr

Hi Tiffy,

unser Großer, grad 7 geworden, gibt sein Taschengeld auch nicht aus, sondern spart. Worauf auch immer. Manchmal kauft er ein Eis davon und das wars auch. Ich bin recht froh, dass wir hier nicht ständig Diskussionen über Zeitschriften etc. führen müssen.

LG Mimi

Beitrag von jazzbassist 29.01.10 - 13:03 Uhr

Die Frage, ob bei meinem Sohn irgendetwas nicht mehr normal ist, stelle ich mir schon lange nicht mehr :-p Und - wenn ich mir so alle Kinder in der Nachbarschaft ansehe oder die Freunde meines Sohnes - werde ich das Gefühl nicht los, dass das auf alle Kinder zutrifft ;-)

Wenn ihre Tochter mit Taschengeld nicht umgehen kann, finde ich, ist es Ihre Aufgabe als Mutter, ihr diesen Umgang beizubringen. Ein Kind kann den Umgang mit Geld nicht erlernen, wenn es in ein Sparschein landet und dann einmal im Jahr auf ein Sparbuch wandert um dann irgendwann für ein Autoführerschein verwendet werden zu können. Dann brauchen Sie ihr nämlich überhaupt kein Taschengeld zu geben, sondern können den Führerschein direkt bezahlen.

Es ist m.E. ohnehin eine Aufgabe der Eltern, Geld für die Sprösslinge anzulegen. Sei es mit Hilfe eines Anlagekontos oder einen Bausparvertrag oder vergleichbarem. Denn selbst wenig Geld, dass monatlich über 18 Jahre hinweg angelegt wird, entwickelt sich zu Summen, die ein Kind den Einstieg ins spätere Erwachsenenleben immens vereinfachen. Seien es monatlich 5 Euro, die einem Kind später zeigen: Junge, konzentrier dich ganz auf dein Abi, die Einrichtung deiner ersten WG können wir nämlich bezahlen. Ich hatte zu meiner Abizeit leider genügend Klassenkameraden, die nebenbei Arbeiten mussten für genau solche Dinge wie ein Führerschein oder die erste Studien-WG und sich damit zwar nicht das Abitur versaut haben, aber es sicherlich nicht so gut abgeschlossen haben, wie sie es hätten abschließen können. Oder bei etwas größeren Summen wirklich: Junge, wir haben genügend Geld dafür gespart, damit du dir eine Eigentumswohnung kaufen und dich vollends auf dein Studium konzentrieren kannst; mach was aus deinem Leben.

Das ist aber eben nun mal nicht die Aufgabe des Taschengeldes. Das können Sie übrigens auch einem 7-Jährigen Kind erklären. Mit der logischen Konsequenz, dass, wenn ihre Tochter mit dem Taschengeld die bezweckte Aufgabe nicht erfüllt, sie schlechtweg kein Taschengeld bekommen sollte. Denn Geld auf ein Sparbuch "anzulegen", wo die Zinsen niedriger sind, als die Inflationsrate des Geldes, heißt, Geld im Kamin zu verbrennen. Ein 7-Jähriges Kind kann diesen Zusammenhang nicht verstehen; daher wäre es sinnlos, dass Sie ihr Entscheidungen über Geldanlagen treffen lassen.

Beitrag von tiffysb 29.01.10 - 14:04 Uhr

Hallo und danke für Ihre Antwort,

die Frage ist ja einfch wie bringe ich ihr das bei ?
Sie kommt sonntags und "verlangt" ihr Taschengeld.
Ich gebe es ihr und sie schleppt es in die Spardose.
Thema Geld - für sie erledigt.

Es ist ja nicht so, dass sie keine Wünsche hätte, mal eine Barbie oder ein Spiel etc. Was den Kindern halt in der Werbung so schmackhaft gemacht wird.

Ich, als Mutter, sehe es aber auch nicht ein, die 345. Barbie zu kaufen. Also sage ich immer, wenn sie dann in der Werbung diese oder jene Barbie gesehen hat, dass sie sich die Puppe gerne von ihrem Taschengeld kaufen kann. Und schwupp im nächsten Moment ist die Barbie auch nicht mehr so wichtig.

Oder anderes Beispiel, wenn eine ihre Freunde Geburtstag hat und wir sind im Spielwarenladen um ein Geschenk auszusuchen. Es ist ja nicht so, dass sie nichts sieht, was ihr nicht gefallen würde, aber bevor sie auch nur 1 Euro von ihrem Taschengeld ausgibt verzichtet sie lieber.

Und das mit dem Sparbuch ist ja auch nur eine Notlösung. Von Oma, Opa etc. bekommt sie ja auch immer mal 5 Euro in den Hand gedrückt und irgendwann ist es meines Erachtens etwas viel Bargeld für das Kinderzimmer, sodaß wir es dann auf das Sparbuch bringen.

"Richtig" sparen erledigen wir ja für sie in Form von Geldanlagen, das weiß sie ja nicht.

Jetzt zu Weihnachten hatten viele ihrer Freundinnen eine Wii bekommen, sie wollte natürlich auch eine. Aber ich kaufe nicht kurz nach Weihnachten aus purer Laune heraus eine Wii. Auch hier sagte ich, Du hast soviel Geld auf dem Sparbuch, dann gehen wir das Geld holen und Du kaufst Dir Deine Wii. Was soll ich sagen ? Sie hat sich dafür entschieden auch ohne Wii leben zu können.

Meine Tochter ist in der Beziehung wohl ohnhin etwas komisch gestrickt und ich weiß leider nicht woher sie das hat, denn von uns ist keiner so.

Sie dreht mir z.B. beim Zähneputzen das Wasser zu, weil das Geld kostet #zitter .

So könnte ich noch viele Beispiele aufführen, ich glaube sie ist einfach ein übertrieben sparsamer Mensch, wieso auch immer. Wir mußten noch nie Hunger leiden und für alles was gebraucht wird/wurde, war und ist auch immer Geld da.

Liebe Grüße
Tiffy

Beitrag von jazzbassist 29.01.10 - 17:29 Uhr

Hat Sie ein eigenes Potmonai?

Wenn nicht: "Schatz, du bist jetzt 7 Jahre alt und Mami und Papi haben entschieden, dass du nun ein eigenes Potmonai brauchst. Darum gehen wir am Wochenende in die Stadt, dort kannst du dir eines kaufen. Nimm bitte genügend Taschengeld mit, denn ein schönes Potmonai wird dich paar Euro kosten." Denn ja - wer Taschengeld bekommen möchte, braucht auch einen Ort, wo man Taschengeld aufgewahren kann.

Das Taschengeld könnte dann erst einmal mit Mamis Hilfe verteilt werden. Sie haben links das Potmonai, wo man Geld aufbewahren kann, und sie haben rechts das Sparschwein, wo man Geld aufbewahren kann. Erklären Sie Ihrer Tochter, dass beide Gegenstände eine unterschiedliche Bedeutung für ihr Geld haben. Fragen Sie sie, wie sie Ihr Taschengeld verteilen möchte. Wenn sie alles ins Sparschwein legen will, schreiten Sie einfach ein: "Die Mama meint, dass es besser ist, wenn du auch ein bisschen Geld in deinem Potmonai aufbewahrst. Es heißt ja auch Taschengeld und nicht Sparscheingeld."

Wenn sie das Haus verlässt; sei es am Wochenende zu einem Zoobesuch mit den Eltern oder zur Schule, bringen Sie ihr bei, immer an das Potmonai zu denken. Sie dürfen da auch ganz direkt nachfragen, wie viel Geld dadrin ist, so können Sie sie unterstützen. Eine 7-Jährige wird hier keinerlei Privatsphäre verlangen. Sobald die Kleinen mehr Freiräume erlangen und dann auch mal Mittags mit gleichaltrigen durch die Gegend ziehen können, wird sich das Konsumverhalten von Kindern ohnehin ändern. Meistens schon auf dem Weg zur Schule.

Ich muss gestehen, mein Sohn war da erschreckend Pflegeleicht, denn, wenn er etwas haben wollte, dann wollte er das auch haben. Und wenn wir dann kamen mit: "Dann musst du aber 2 Euro von deinem Taschengeld dabei tun", fing der direkt an, um jeden cent zu feilschen. Wenn ich aber gemerkt hätte, dass er rein gar keinen Bezug zu Geld hat und selbst das heißgeliebte 20 Euro Legospielzeug ablehnt, nur weil er 1 Euro von seinem Taschengeld dazugeben muss, obwohl er 50 Euro im Sparschein hat (ohne zu wissen, warum eigentlich), hätte ich ihm diese Konsumentscheidung abgenommen. "Tut mir leid Jesse, aber ich halte es für einen Fehler, dieses Spielzeug für 1 Euro nicht zu kaufen. Von daher kaufen wir das jetzt und du musst 1 Euro von deinem Taschengeld bezahlen. Du hast aber noch die Möglichkeit, dich für ein anderes Spielzeug zu entscheiden. Wir könnten auch das große Legoschiff kaufen, dass du schon seit Wochen haben möchtest. Dann müsstest du aber 5 Euro von deinem Taschengeld dabei legen. Welches der beiden Spielzeuge dir lieber ist, musst du entscheiden; eines von beiden kaufen wir aber."

Es mag sein, dass ein Kind das als ungerecht empfindet. Dann sollte man in einer ruhigen Minute mit dem Kind noch mal darüber sprechen und auch erklären, warum man so entschieden hat. Genau so, wie wir das "Sei bitte um 17 Uhr zu Hause, weil es dann dunkel und gefährlich wird" erklären können, können wir einem Kind auch erklären, dass es nun mal wichtig ist, dass es lernt, mit dem Taschengeld richtig umzugehen. Das kann es aber eben nur, wenn es dieses Taschengeld auch benutzt. Ein Kind lernt Mathematik eben nicht, nur weil es vom Lehrer Hausaufgaben aufbekommt. Sondern erst dadurch, dass es sich daran setzt und sich mit den Aufgaben beschäftigt, knobelt, rechnet und sie löst.

PS: Wenn mein Sohn mir den Wasserhahn abdrehen würde, würde ihn wieder andrehen und ihm freundlich erklären, dass, solange er sich nicht an den Wasserkosten beteiligen möchte, er sich auch über Höhe dieser keine Sorgen machen muss. Wobei es bei uns eher andersrum ist - eigentlich bin ich es immer, der ungeduldig wird, wenn mein Spatz schon wieder seit einer halben Stunde unter der Dusche steht :-p

Beitrag von dominiksmami 29.01.10 - 13:06 Uhr

Huhu,

die Tochter meines Schwagers ist auch so.

Sie hat immer eisern gespart...ersten jeden einzelnen Pfennig, dann jeden einzelnen Euro.

Erst als sie mit 14 das Hobby Pferde für sich entdeckte begann sie wenigstens ab und zu mal etwas auszugeben *g*

Wir haben uns auch immer alle gewundert...aber sie blieb da stur.

Tja und jetzt, sind alle wahnsinnig stolz auf sie *g* denn sie macht den Führerschein mit 17, den bekommt sie von Mama und Papa geschenkt....und wenn sie 18 ist, hat sie schon verkündet..kauft sie sich ein Auto, denn das Geld dafür hat sie jetzt schon zusammen.

Ich finds nicht schlecht wenn Kinder wissen was sie wollen...egal ob sie sparen wollen...oder eben etwas ausgeben wollen.

Mein Sohn (8) bekommt auch 2 Euro in der Woche, Hefte, Süssigkeiten und Krimskrams würde er sich nie kaufen davon. Er spart immer für größere Sachen.

lg

Andrea

Beitrag von engelchen28 30.01.10 - 19:20 Uhr

hi tiffy!

ich finde es toll, wenn kinder auf etwas sparen...! besser, als wenn kinder sich jede woche irgendeinen ramsch oder süßes kaufen.

deine tochter hat noch nicht den bezug zum wert eines hauses (viele erwachsene haben den ja noch nichtmal..), sie denkt, wenn sie nur lange genug ihre 2,- euro spart, dass sie sich dann ein haus kaufen kann. vielleicht hat sie irgendwo mal gehört, dass jemand auf ein haus spart?!

vielleicht könntest du etwas anderes großes in aussicht stellen (z. b. eine reitstunde oder eine CD), für das sie ein paar wochen sparen müsste...?

lg
julia mit sophie (4,5 j., die jeden sonntag 50 cent bekommt und sich auch irre darüber freut, dass es jede woche mehr geld wird) & paulina (2,5 j.) #freu

Beitrag von tiffysb 30.01.10 - 19:51 Uhr

Hallo Julia,

na das mit dem Haus hat vermutlich einen anderen Hintergrund. Wir wohnen in einem kleinen Dorf und hier wohnen 95% alle Leute im eigenen Haus.

Jetzt hat sie aber eine Freundin, deren Eltern sich getrennt haben und die Mutter ist mit der Tochter in eine Mietwohnung gezogen. Für die Kinder hier ist eine Mietwohnung etwas völlig unbekanntes (im Hausgang nicht schreien, in der Wohnung nicht Fußball spielen usw.)
Und eines Tages fragte sie mich, wieso die jetzt kein eigenes Haus mehr haben und ich sagte, dass die Mutter jetzt wohl nicht mehr genügend Geld hätte um ein Haus zu bezahlen. Und daher kommt die ganze Geschichte ;-)

Tja die Sache mit den Reitstunden ist eigentlich keine schlechte Idee, aber hier kostet eine Reitstunde 25€ da müßte sie ja ewig sparen :-) und deswegen bezahle ich die.

Und ich bitte Dich, Geld für eine CD ausgeben ? Wie verschwenderisch bist Du eigentlich /ironie off.

Liebe Grüße
Tiffy

Beitrag von engelchen28 31.01.10 - 13:35 Uhr

huhu!

na, dann eben keine reitstunde, ich meinte nur, dass sie auf etwas kleineres als ein haus sparen könnte, das schon ein paar wochen dauert, dann aber wirklich realisierbar ist (im gegensatz zum haus, zumindest nicht mit taschengeld). vielleicht geben oma & opa noch eine kleine spende dafür...!

verschneite grüße,

julia #:-)