Horrorvorstellungen (3 1/2 Jahre)

Archiv des urbia-Forums Erziehung.

Hier geht es in die aktuelle Version dieser Seite. Nimm dort aktiv am Diskussionsgeschehen teil.

Forum: Erziehung

Kinder fordern Eltern täglich neu heraus zu Auseinandersetzung und Problemlösung. Kinder brauchen Grenzen - doch welche und wie setzt man sie durch? Welche Erziehung ist die richtige? Nutzt hier die Möglichkeit, euch hilfreich mit anderen Eltern auszutauschen.

Beitrag von toennchen 31.01.10 - 22:27 Uhr

Hallo,

ich weiß nicht ob ich hier im richtigen Forum bin, aber vielleicht kann mir jemand einen Rat geben.

Diesen Sommer im Urlaub auf Sylt hat mein Mann meiner Tochter eine Geschichte aus dem Struwwelpeter vorgelesen, die bei der der Schneider den Daumenlutschern die Daumen abschneidet. Ich hab das leider zu spät mitgekriegt, da wars schon passiert.

Sie wollte daraufhin nicht mehr ins Bett, nicht mehr alleine sein, nichtmal mehr allein aufs Klo und überhaupt sofort nach Hause, weil sie so einen Horror vor diesem Schneider hatte. Wir haben dann das Buch der Vermieterin gegeben (die hatte es uns geliehen) und ihr gesagt, wir wollen den Schneider nicht hier haben uns sie soll dafür sorgen, daß er vollkommen verschwindet (sie hat auch mitgemacht und es uns versprochen). Es hat aber nur halbwegs geholfen.

Dann haben wir den Schneider mit dem Nordseewind davonfliegen lassen und noch vieles mehr.

Leider (und verständlicherweise) hat unsere Tochter die Geschichte bis heute nicht vergessen und will nie mehr nach Sylt. Dieses Jahr ist dort zwar kein Urlaub geplant, aber ich würde es mir - und v.a. ihr - ungern für lange Zeit verbauen. Alle Versuche, den Schneider zu verscheuchen helfen nichts und ihr zu erklären, daß er nicht existiert hab ich nicht versucht, weil er für sie einfach zu real ist.

Hat jemand eine Ahnung, wie man am besten damit umgehen kann?

LG, toennchen

Beitrag von bibi22 31.01.10 - 22:48 Uhr

hi Toennchen!

Oje oje, manchmal denken die Männer aber auch net nach! #klatsch

Ihr zu sagen, dass er nicht existiert ist leider sinnlos, weil sie glaubt an ihn.

Du kannst ihr aber sagen, dass solche Geschichten von jemanden geschrieben wurde um Kindern Angst einzujagen, wenn sie etwas bestimmtes nicht tun sollten. Und dass das nie jemand tun würde.

Wenn das nichts hilft, besorge einen Traumfänger oder aber auch ein Kuscheltier, dass sie sich aussucht, welches den Schneider von ihr fernhält und auf sie aufpasst.

Mehr fällt mir leider dazu nicht ein.

lg bianca#blume

Beitrag von toennchen 31.01.10 - 22:52 Uhr

dank dir für deine Antwort. Wir haben ihr schon einen "Aufpasser" für nachts besorgt. Da konnte sie dann wenigstens wieder schlafen.

Das es geschrieben wurde um Angst einzujagen ist ein guter Tip. Werds bei nächster Gelegenheit mal versuchen (ich hab ihr auch schon gesagt, daß sie ja gar keine Daumen lutscht, deshalb muß sie auch keine Angst haben, aber wer weiß schon, wie Kinderhirne ticken?)

LG, toennchen

Beitrag von wort75 01.02.10 - 08:54 Uhr

hm. mist.
vielleicht war der dann mit all den weg-schick-rithualen noch fast präsenter als wenn man einfach drüber weggegangen wäre....

aber okay, ich würde urlaub planen wie immer. wenn sie den struwelpeter je wieder anspricht würde ich sagen, der wäre weg. der nicklaus habe ihn mitgenommen...

ich hab damit noch nicht so viel erfhrung. mein sohn hatte plötzlich angst vor einer handpuppe, mit der ich ihm jeden abend was vorgespielt hatte. urplötzlich. habs genau gemacht wie du: gesagt, die puppe kome jetzt zu mir ins büro und habe sie auch wirklich in die aktenmappe gepackt und mitgenommen... seither war immer gut.

Beitrag von nele27 01.02.10 - 11:00 Uhr

Hi,

ich habe die Struwwelpetergeschichten in dem Alter sehr gemocht #schock

Aber jedes Kind ist anders.
Versuche es noch mal mit vertreiben ... vll tatsächlich irgendein Stofftier kaufen und damit den Schneider verbannen oder vor ihm beschützen.

Oder sage ihr, dass diese Geschichte früher dafür gedacht war, um Kindern Angst zu machen und das gar nicht stimmt, was da drin steht.

Ansonsten hilft wohl nur abwarten #gruebel Ich glaube nicht, dass das ewig so geht, oder?

LG, Nele

Beitrag von bine3002 01.02.10 - 11:42 Uhr

Ich würde den Schneider nicht mehr thematisieren. Wenn sie damit ankommt, dann würde ich nur noch eine ganz kurz sagen: "Den haben wir doch weggescheucht, weißt Du noch?" und dann würde ich das Thema wechseln.

Übrigens MUSS so ein Schneider einem Kind nicht zwangsläufig Angst machen. Meine Tochter hat neulich auch einen Struwelperter bei uns im Regal gefunden (es war MEIN Regal) und ihr sind die Geschichten ziemlich egal (sie lutscht ja auch nicht am Daumen ;-) ). Dafür macht ihr ein Nachtbär Angst. Der kommt aus einem sehr niedlich illustrierten Bilderbuch, von dem man nie angenommen hätte, dass es Angst machen könnte. Wir haben den Nachtbären zu den Nachbaren geschickt. Und wenn Java mal wieder damit anfängt, bekommt sie auch nichts anderes zu hören.

Beitrag von toennchen 01.02.10 - 20:41 Uhr

Danke euch allen für die vielen Anregungen! Ich fange sowieso nicht mit dem Thema Schneider an, das ist immer nur sie.

Naja, ich hoffe, sie vergisst es einfach über das Jahr und nächstes Jahr werden wir sehen. Dann muß halt ein wirklich starker Beschützer her (wir wollten sowieso irgendwann einen Hund anschaffen ;-)). Irgendwann erreicht sie ja eh ein Alter, in dem sie zwischen Geschichte und Realität unterscheiden kann.

LG, toennchen

Beitrag von fritzeline 01.02.10 - 22:45 Uhr

Die Arme, ich kann das nachempfinden. Ich hab als Kind das Buch so gehasst, dass ich es im Garten verbuddelt habe :-D Meinem Neffen hab ich mal versprochen, sollte ihm das irgendwer schenken, würde ich es gemeinsam mit ihm zerhacken, verbrennen _und_ vergraben.

Vielleicht wäre so ein symbolischer Akt ja hilfreich #schein
Ansonsten würde ich, jetzt wo er schon als real existierend angenommen wird, vielleicht versuchen, ihn als ganz unbedrohlich hinzustellen, als lächerlichen Deppen, der vor *irgendwas ausdenk* weißen Mäusen solche Angst hat, dass er sich in die Hosen pinkelt ... Irgendwas in der Art.