FDP-Pläne zur Gesundheitsreform

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Beitrag von strandnudel 01.03.10 - 21:11 Uhr

Ahoi!

Ein interessanter Artikel beschreibt, warum das vom Minister Rösler geforderte Modell der Krankenversicherung ungerecht ist.

http://tinyurl.com/y9lxlcd

Ich finde es darüber hinaus auch scheinheilig von der FDP, wenn sie Steuersenkungen verspricht und andererseits aber Gelder aus den Steuereinnahmen braucht, um den sozialen Ausgleich zu finanzieren. Da bleibt die Frage, wer es denn letztendlich bezahlen soll, was sich die gelben Kameraden so ausdenken...

Beitrag von xenotaph 01.03.10 - 23:01 Uhr

es stellt sich eher die frage im allgemeinen, wie denn jede partei ihr programm bezahlen will.

jede hat doch lustige, teils vernünftige, teils absurde ideen - aber keine sagt konkret, woher denn nun das geld stammen soll.


und zur kopfpauschale : da zahlt wenigsten JEDE/R in den topf. viele privatversichterte (mein mann zählt dazu, ich eventuell bald auch) fallen doch derzeit aus der zählung raus, da sie eben nicht in den großen topf zahlen. diese würden zwar effektiv weniger bezahlen, dafür stünde dieses geld aber dem gesamten gesundheitstopf zur verfügung und würde somit auch den anderen zugute kommen.


Beitrag von grafzahl 01.03.10 - 23:12 Uhr

Ich glaube nicht, dass man mit der Kopfpauschale die Privatversicherten ins System GKV zurück holen will. Das wird gar nicht funktionieren.

Ich bin ein Anhänger der Kopfpauschale.

Solidarität und Zahlung nach wirtschaftlicher Leistungsfähigkeit hat in einer Versicherung nichts verloren. Dafür haben wir die Einkommensteuer.

Mein Beitrag für die Haftpflichtversicherung oder die Unfallversicherung richtet sich auch nicht nach dem Einkommen. Ich sehe nicht ein, warum dieses Prinzip ausgerechnet bei der Krankenversicherung und der Pflegeversicherung nicht gelten soll.

Beitrag von strandnudel 01.03.10 - 23:26 Uhr

"Mein Beitrag für die Haftpflichtversicherung oder die Unfallversicherung richtet sich auch nicht nach dem Einkommen."

Wie hoch sind denn da Deine Monatsbeiträge?
Wenn ich die Zahlen aus dem von mir verlinkten Artikel nehme, dann würde das eine überproportionale Belastung für Geringverdiener bedeuten, welche dann wieder durch Steuergeld ausgeglichen werden soll. Nur, Steuern will die FDP ja auch senken. Da muss die Frage erlaubt sein, woher denn nun all das Geld kommen soll, was eingespart und woanders ausgegeben werden soll.

Beitrag von mamavonyannick 02.03.10 - 07:50 Uhr

Dir ist aber schon bewußt, das JEDE Versicherung nach dem Solidarprinzip arbeitet, oder?;-)
Aber ich versteh natürlich, wie das meinst.

Beitrag von mamavonyannick 02.03.10 - 08:20 Uhr

Ich ziehe meine Antwort zurück. Bitte NICHT lesen oder bewerten. War falsch#klatsch;-)

Beitrag von .doctor-avalanche. 02.03.10 - 10:27 Uhr

Du fasst den Begriff der "Versicherung" viel zu eng. Für Dich ist "Versicherung" ausschliesslich das, was man unter einer privatwirtschaftlichen Versicherung versteht, einzig dem betriebswirtschaftlichen Kosten/Nutzen-Verhältnis unterjocht.

Unter diesem Aspekt wären viele chronisch Kranke, Behinderte oder ganz allgemein solche, die den betriebswirtschaftlichen Betrachtungen der privaten Versicherungswirtschaft unterliegen, "unversicherbar".

"Solidarität und Zahlung nach wirtschaftlicher Leistungsfähigkeit hat in einer Versicherung nichts verloren."

Eine Erklärung, warum nicht auch hier Solidarität greifen soll oder darf, bleibst Du schuldig.
Im Moment verfolgen wir dieses Solidaritätsprinzip und ich halte es für das Beste und allen schlechten Lösungen und ein Besseres kommt mir nicht in den Sinn.

Beitrag von unipsycho 03.03.10 - 08:44 Uhr

Ich komm da nicht mit...#kratz

Was soll an einer Kopfpauschale schlecht sein?
Gleiche Gesundheitsversorgung für alle - wieso sollen da nicht alle das Selbe für leisten?
Wenn die, die viel Geld bekommen, das ausgleichen können, was die mit wenig Geld nicht bezahlen können - warum soll denn der "Steuerzahler" (also die mit viel Geld???) das ausgleichen, was der Geringverdiener nicht zahlen kann???
Das ist doch paradox! Meine Mutter würde sagen: "Das geht von hinten durch die Rippen ins Auge" #klatsch

Wenn ich viel Geld bekomme, dann bricht mir doch kein Zweig ab, wenn ich viel in den Gesundheitstopf zahle und die entlaste, die wenig Geld bekommen.

Ich denke mal, dass du darauf hinauswillst, dass du, wenn du 2000 EUR/Monat Brutto bekommst auch doppelt so viel in der Tasche haben willst, wie der, der 1000 EUR/Monat Brutto bekommt.

#kratz
Dilemma. Hab ich jetzt auch keine richtige Antwort drauf...
Nur, dass für mich Solidariät sehr wichtig ist und ich mich an einem hohen Gehalt nicht erfreuen könnte, wenn ich wüsste, dass ich, wenn ich arbeitslos werden würde, auf dem Trockenen säße.

Ich weiß nur, dass durch dieses System die Armen arm gehalten werden und die Reichen immer reicher werden. Und das find ICH blöd!

Ich mag unser Gesundheitssystem, so wie es ist.
Es ist OK, wenn die Beiträge steigen. Das sollen sie tun - Gesundheit ist viel wert. Es ist OK, wenn gewisse Sachen eine Zusatzzahlung erfordern. Es ist auch OK, dass die Beiträge nach Einkommen bezahlt werden.

ABER: ich finde es nicht in Ordnung, dass die, die viel Geld bekommen von der gesetzlichen Krankenversicherung ausgeschlossen werden und in private Versicherungen entlassen werden und dazu noch wie die Heiligen beim Arzt empfangen werden...!!!

Beitrag von oldma 01.03.10 - 23:18 Uhr

... wenn du was zum fußnägel rollen brauchst, mach mal gleich BECKMANN an. wenn blödheit pickel treiben würde.... da sässen nur streuselkuchen...... und so auch die "gesundheitsreform" an der wir schon seit jahren ersticken......

Beitrag von januar1981 02.03.10 - 14:25 Uhr

"wenn blödheit pickel treiben würde.... da sässen nur streuselkuchen...... "

Nun ja.........hüstel-räusper, dem Herrn Westerwelle ist das doch offensichtlich ins Gesicht geschrieben......#schein#hicks

Beitrag von hilli2 03.03.10 - 18:46 Uhr

#pro

Beitrag von strandnudel 01.03.10 - 23:42 Uhr

Letzte Nacht kam "Sicko" von Michael Moore zum Thema Krankenversicherungen.

http://tinyurl.com/yka5c67

Wer die Möglichkeit hat, sollte den Film ansehen. Leider fehlen im Video hier im Internet die deutschen Untertitel an den Stellen, wo englisch gesprochen wird. Aber es ist schon beeindruckend, dass Franzosen und Engländer ein komplett staatlich finanziertes Gesundheitswesen haben, was aus Steueraufkommen bezahlt wird. Wer krank ist, geht zum Arzt oder ins Krankenhaus und wird dort behandelt. Krankenhäuser und Ärzte werden vom Staat bezahlt, und zwar ordentlich. Eine "Bewilligung" seitens einer Krankenversicherung kennen die gar nicht und irgendwelche Zuzahlungen auch nicht. Gesundheit wird dort voll nach dem Solidarprinzip behandelt: Wer gut verdient, zahlt mit seinen Steuern die Behandlungskosten für den, der nicht so gut verdient.
Vielleicht sollte man in unserer Politik mal schauen, ob man von England oder Frankreich etwas lernen kann?

Beitrag von 3wichtel 02.03.10 - 08:01 Uhr

Wer aber Franzosen oder Engländer kennt (oder sich mit dem Thema mal auseinandergesetzt hat) weiß, dass die beiden Systeme total "kranken".

In England wartet man bis zu 6 Monate auf eine OP.
Recht auf freie Arztwahl hat man NICHT. Man muss den Arzt nehmen, der für den Stadtteil verantwortlich ist.
Mitbestimmung über die eigene Behandlung kennen sowohl Frankreich als auch England nicht.

In Frankreich z.B. werden die Geburten "geplant". Man bekommt einen Termin, zu dem man sich im KH einzufinden hat und dann wird die Geburt eingeleitet. Klappt die Einleitung nicht gibt´s halt nen Kaiserschnitt.

Alles in allem stehen wir hier da wirklich noch besser da.

Beitrag von strandnudel 02.03.10 - 08:43 Uhr

Ahoi!

In "Sicko" werden all diese von Dir angesprochenen Dinge widerlegt. Wer hat nun Recht?

Beitrag von litha 02.03.10 - 10:43 Uhr

Hallo!

Ich habe "Sicko" nicht gesehen, kann dir aber bestätigen, dass es zumindest in Schottland genau so läuft, wie 3Wichtel es beschrieben hat.

Die Userin biene81 kann dir das sicher auch bestätigen, lebt sie doch in GB.

Gruß Litha

Beitrag von strandnudel 02.03.10 - 11:30 Uhr

Ok. Danke, ich nehme das so zur Kenntnis.

Beitrag von .doctor-avalanche. 02.03.10 - 10:29 Uhr

Warst Du jemals in einem stinknormalen Krankenhaus in London?

Schönen Dank auch. Helfe mir Gott, daß ich bei meinem nächsten Englandaufenthalt wie vor 2 Jahren nicht wieder Zahnschmerzen bekomme......

Beitrag von elsa345 02.03.10 - 14:08 Uhr

Hallo,
ich bete und hoffe, daß uns das erspart bleibt. Das hatten wir schon einmal in D und zwar in der DDR. Höre Dir mal Engländer zu ihrem staatlichen Gesundheitssystem an. Zahnarzt gibt es bei den meisten nämlich nicht. Man sollte schon genau drüber nachdenken und recherchieren, bevor man solche Aussagen trifft.

Beitrag von strandnudel 02.03.10 - 14:13 Uhr

Ich unterstelle mal, dass die Macher von "Sicko" schon recherchiert haben, bevor sie mit so einem Film vor ein Millionenpublikum gehen. Die Interviews im Film - mit Ärzten UND Patienten - scheinen auch authentisch.

Beitrag von januar1981 02.03.10 - 14:30 Uhr

Ich finde, dass man die Filme von Mr. Morre eher als Unterhaltung sehen sollte und nicht als objetive Berichterstattung.
Er dreht seien "Fakten" gerne so, wie er es braucht.

Ich hab übrigens schon von einigen Briten gehört, dass sie uns um unser Gesundheitssystem beneiden.....


Ivonne

Beitrag von seelenspiegel 03.03.10 - 11:24 Uhr

Auch in den anderen Ländern kränkelt es gewaltig, was die Gesundheitsversorgung angeht....bzw. deren Finanzierung.

Immer weniger Beitragszahler müssen immer mehr "zu versorgende Menschen" bezahlen.

Eine auf dem Kopf stehende Pyramide bei der es nunmal nach unten hin immer enger wird.


Lösungsansätze wären unter anderem, der Pharmaindustrie sowie den Schieber-Geschäften der Krankenkassen mal einen Dämpfer zu verpassen.

Es kann nicht angehen dass günstige Produkte nicht verordnet werden, weil zwischen Hersteller A und Krankenkasse ein Vertrag reglementiert, dass für Patienten dieser Krankenkasse auch nur speziell DIESE Produkte verordnet werden dürfen, obwohl Firma C den gleichen Artikel wesentlich günstiger anbietet, der Arzt diesen aber nicht verordnen darf.

Es kann nicht sein, dass im Europäischen Umland Deutsche Arzneimittel für weniger als die Hälfte verkauft werden, und sogar mit sog. Reimporten, die vom Aufwand und der Logistik her eigentlich teurer sein müssten als das Originalprodukt, in Deutschland noch Milliarden verdient werden, indem sie wieder importiert- umetikettiert und hier einen Tick günstiger verkauft werden als das Original.

Es kann nicht sein, dass mit der Gesundheit Milliardengeschäfte gemacht werden, sich Krankenkassen mit dem Geld ihrer Beitragszahler riesige Verwaltungstempel bauen, den Verwaltungsapparat immer mehr aufblähen, und sich dann beschweren es wäre kein Geld da, und die Beiträge sollen erhöht- , und Leistungen müssen gekürzt werden.

Es kann auch nicht sein, dass im Pflegebereich Gelder gespart werden sollen, indem Billigprodukte verordnet werden müssen, die Qualitativ schlecht(er) sind, nur um hinterher 10x so viel Geld für neue notwendige Pflegemaßnamen ausgeben zu müssen, für Folgekrankheiten, die durch die aus "Kostengründen" schlechte Erstversorgung überhaupt erst entstanden sind.

Einfach an der falschen Stelle gespart.

Meiner Meinung nach wird das Pferd gänzlich falsch herum gesattelt, aber solange da Geld zu verdienen ist, wird beim kleinen Mann gemolken, damit große Konzerne den Rahm abschöpfen können.

Um GESUNDHEITSVERSORGUNG geht es doch schon lange nicht mehr......es zählt nur noch Geld Geld Geld.

Beitrag von willow19 03.03.10 - 11:47 Uhr

Dem ist nichts mehr hinzuzufügen!
Völlig meine Meinung!

Liebe Grüße und nachträglich noch alles Gute! ;-)

Beitrag von seelenspiegel 03.03.10 - 12:13 Uhr

Dankeschön :-)

Beitrag von doucefrance 03.03.10 - 15:14 Uhr

Hallo,
ich kann Deinem Beitrag nur zustimmen.

Mein Vater, herzkrank, sollte vor ein paar Jahren ein Herzszintigramm gemacht bekommen, das der behandelnde Kardiologe absolut befürwortete. Mein Vater müsse aber vorher bei der Krankenkasse die Kostenübernahme regeln.
Die Kasse (BEK) schrieb ihm auf seine Anfrage mit Bericht des Kardiologen, dass sie die Untersuchungskosten von knapp 500€ nicht übernehmen würden, er solle eine Katheteruntersuchung machen lassen.
Auf Grund seiner Erkrankung ist aber nicht nur das Risiko bei einer Herzkatheteruntersuchung erhöht, sondern unterm Strich auch erheblich teurer, da diese Untersuchung bei ihm nur stationär machbar gewesen wäre. Das hätte alles in allem knapp 2000 Euro gekostet.
Begründung: Wenn die Ärzte etwas finden würden, könnte das gleich mit der Katheteruntersuchung behandelt werden.
Da die Untersuchung aber nur eine KOntrolle gewesen wäre und der Kardiologe keinen Hinweis auf Verschlechterung sah, aber nach den Jahren die kOntrolle eben nötig war, wäre es auch mit dem ambulanten Szinigramm gegangen.

Mein Vater hat sich dann sofort ans Telefon gehangen und einen der oberen Bosse der BEK, die für die Kundenbetreuung zuständig sind, verlangt. Nachdem er sich von ihm als "normaler Bürger mit null Ahnung" betiteln lassen musste, lief mein Vater zur Höchstform auf - und sagte zum Abschluss, dass er sehr wohl rechnen könne. Da der Doc ja eben zu 90% keine weitere Behandlung vermute, würde die Kasse die Differenz zu der kostenintensiveren Behandlungsmethode doch einsparen, immerhin knapp 1500 €... Wenn sie bei jedem Patienten so aus dem Vollen schöpfen würden, wäre es ja kein Wunder, dass die Gelder knapp seien.

Letztlich bekam mein Vater das Szintigramm, das eben die Meinung des Kardiologen belegte, dass man zwar weiter beobachten müsse, aber keine weitere Behandlung nötig sei.

Wenn ich sehen, wieviel Werbung der einzelnen Krankenkassen wir durch unsere Beiträge finanzieren wird mir schlecht, genauso, wenn ich ihre Bürohäuser, die eher einem 5*Hotel gleichen, sehe.

Freunde von uns haben ein Kind mit Down-Syndrom - sie wurden monatelang von einer Krankenkasse belagert, doch zu ihnen zu wechseln. Sie hätten soooo viele Vorteile gegenüber anderen Kassen. Irgendwann haben sie sie eingeladen zum Gespräch. Sie saßen und unterhielten sich über die Vorteile, der Mitarbeiter klamüserte alles auseinander und dann kam der Sohn mit Down Syndrom herein. Der KK-Mitarbeiter fragte nur: Oh, sie haben ein Kind mit Down-Syndrom?
Ja, antworteten unsere Freunde.
Ja, dann müsse man mal sehen. Sie würden ein Angebot zusenden...

Und der gute Mann hatte es auf einmal sehr eilig - und besagtes Angebot kam nie. Anrufe blieben fortan auch aus...
Da sieht man mal, wie es wirklich zugeht. Sobald Geld fließn müsste, machen sie einen Rückzieher. Das schustern sie lieber den oberen Chefetagen zu, und stecken es in ihre "Tempel" oder werfen es anderweitig zum offenen Fenster heraus...

Manchmal denkt man, dass diese Menschen einen ganzen Lattenzaun vorm Kopf haben...

Beitrag von virginiapool 03.03.10 - 10:56 Uhr

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