Schwiegerpapa hat Krebs - wie können wir helfen???

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Forum: Trauer & Trost

Fehlgeburt, Tod eines geliebten Menschen, Angst, nicht enden wollende Trauer um ein Sternenkind: Leider stehen wir nicht immer auf der sonnigen Seite des Lebens, diese Erfahrung muß jeder von uns machen. Oft hilft es, mit anderen darüber zu sprechen...

Beitrag von eisbaer.baby 03.03.10 - 22:28 Uhr

Hallo, Ihr Lieben!

ich schreibe bewusst hier in diesem Forum, weil ich glaube, dass mir hier am ehesten jemand einen Rat geben kann, was wir tun sollen!

Die Situation ist folgende:

Mein Schwiegerpapa hat Darmkrebs. Er weiss es seit dem 08.02.2010 - da wurde es ihm telefonisch mitgeteilt (hiervor hat es drei Monate gedauert, bis er überhaupt einen Termin zur Darmspiegelung bekommen hat, nach zwei Vorgesprächen dann endlich die Untersuchung Ende Januar und das Ergebnis dann eben am 08.02.2010). Eine Woche später dann ein persönliches Gespräch - man werde sich jetzt um einen OP-Termin bemühen. Heute sollte dann die stationäre Aufnahme stattfinden. Mein Schwiegerpapa schlägt dort mit gepackter Tasche auf - die Chefärztin des Darmzentrums lächelt ihn nur an, klärt ihn über bürokratische Vorgänge auf und gibt ihm einen Termin für den 16.03. für weitere Untersuchungen. Am 01.04. dann wohl die stationäre Aufnahme und OP (wobei ja der 02.04. schon wieder Ostern ist und die OP-Vorbereitung ja ein bis zwei Tage dauert - ich glaube also nicht, dass die da wirklich was machen).

Es wurde bisher nur Gewebe entnommen und untersucht, was ergab, dass das Gewebe bösartig ist. Es wurde bisher weder untersucht, ob der Krebs schon gestreut hat, noch wie weit er fortgeschritten ist noch sonstirgendwas.

Mein Schwiegerpapa ist vollkommen fertig mit den Nerven und traut sich auch nicht so richtig, mal zu fragen, warum das alles so lange dauert!

Jetzt würde ich mich gern als Angehörige mal ein bisschen umhören, wie das woanders gehandhabt wird. Aber mein Schwiegerpapa wohnt über 400 km von mir weg - ich kann ihn also weder zu Gesprächen mitnehmen, noch kann ich seine Karte für Abrechnungen vorlegen noch sonstirgendwas.

Ich weiss auch gar nicht so recht, wo ich mich hinwenden soll - das Internet ist mir da irgendwie auch keine Hilfe - überall wird für Angehörige nur psychosozialer Dienst angeboten. Ich würde mich eigentlich am Liebsten mit einem Spezialisten unterhalten, dem ich die bisherigen Befunde vorlegen kann und der mir dann seine Meinung sagen kann. Aber wie und wo geht das???

Kann es denn sein, dass ein Mensch mit Krebs (und Darmkrebs wird ja in den meisten Fällen nicht im Frühstadium erkannt) zwei Monate warten muss, bis überhaupt mal relevante Untersuchungen gemacht werden?

Vielen Dank für Eure Hilfe!
Liebe Grüße
Bianca

Beitrag von arkti 03.03.10 - 22:40 Uhr

Naja die Diagnose Krebs heißt nicht das man innerhalb kurzer zeit auf dem OP Tisch liegt.
Anhand der Darmspiegelung sehen sie ja die derzeitige Größe.
Desweiteren spielen auch noch die Tumorarten eine Rolle, bei einem schnellwachsendem wird natürlich schneller reagiert.

Beitrag von eisbaer.baby 03.03.10 - 22:43 Uhr

aber das wissen die ja alles noch nicht (also ob schnellwachsend oder nicht etc.) - zumindest hat ihm keiner gesagt, dass sie es wissen!

der tumor verschliesst bereits den halben darm, er hat schon insgesamt seit einem jahr schmerzen und seit etwa einem halben jahr stuhlgangprobleme etc.

Beitrag von myimmortal1977 03.03.10 - 23:20 Uhr

Glaub mir, die wissen, um was für einen Krebs es sich handelt. Das weiß ein Pathologe schon mit einem Schnellschnitt, der binnen von Minuten im OP Saal zwischen kleiner OP und radikal OP unterscheidet.

Mein Vater hatte einen Kleinzeller. Im Ursprung auch Darmkrebs, als es entdeckt wurde, war der Krebs schon überall.

Entdeckt wurde er in der Lunge. Danach folgte recht schnell eine Ganz-Körper-CT. Eine Knochenszinti, zur Feststellung von Knochenmetastasen hatte man sich im Anschluss an das Ergebnis erspart, da mit der Diagnose in den Weichteilen eigentlich nichts mehr zu machen war.

Die Aufnahme ins KH dauerte nach Diagnosestellung auch ca. 4 - 6 Wochen.

Dein Schwiegervater soll mal in der Zeit, wo er jetzt auf die stationäre Aufnahme wartet, zu seinem Hausarzt gehen und ihm um eine Überweisung zum CT bitten. Dann ist wenigstens schon mal eine Untersuchung getan.

Ich wünsche Deinem Schwiegervater viel Kraft für die kommenden Wochen!

Alles Gute, Janette

Beitrag von arkti 04.03.10 - 00:03 Uhr

Wie schon erwähnt wissen die schon ne ganze Menge.

Du schreibst ja selber das er schon seit einem Jahr Schmerzen hat und seit einem halben Jahr Stuhlgangprobleme.
Leider ist es heutzutage häufig so das die Menschen monatelang warten bis sie überhaupt mal zum Arzt gehen, wenn dann aber Krebs diagnostiziert wird meinen sie immer alles muss jetzt ganz schnell gehen.
Diverse Krankenhausststionen haben nur begrenzte Bettenanzahl da muss man dann schonmal warten.
Viele meinen auch immer das ruckzuck operiert wird.
Um eine OP durchzuführen sind ne Menge Untersuchungen fällig, das dauert nunmal seine Zeit.
Oft folgt vor einer OP auch eine Chemotherapie und Bestrahlung, auch dafür sind eine Menge Voruntersuchungen notwendig.
man bekommt nicht immer von heute auf morgen Termine, manchmal muss man ein paar Wochen warten auch wenn es schwer ist.

Gruß
Arkti

Beitrag von cinderella2008 04.03.10 - 07:09 Uhr

<Kann es denn sein, dass ein Mensch mit Krebs (und Darmkrebs wird ja in den meisten Fällen nicht im Frühstadium erkannt) zwei Monate warten muss, bis überhaupt mal relevante Untersuchungen gemacht werden? <

Es ist leider so. Wir haben das in der Familie auch durch. Von der ersten Vermutung, dass es Krebs sein könnte, bis zur OP vergingen 9 Monate!!!! Zu diesem Zeitpunkt war der Krebs dann schon sehr weit fortgeschritten. Hätten die Ärzte SOFORT gehandelt, hätte es die notwendigen Untersuchungen ohne die monatelangen Wartezeiten etc. gegeben, hätte wahrscheinlich evtl. noch die Hoffnung auf Heilung bestanden.#heul

Ich wünsche Deinem Schwiegervater und der Familie alles Gute,

Cinderella

Beitrag von my.boys 04.03.10 - 11:25 Uhr

Hallo Bianca,
bei meinem Papa wurde am 16. Juli 2007 Darmkrebs festgestellt, eine Woche später war er zum CT und 2 Wochen danach war schon die OP.
Der Tumor hatte einen Durchmesser von ca. 10 cm, also eine Größe bei der man davon ausgeht, dass er schon gestreut hat.

Versuch ALLES damit es schnell geht, ruf in anderen KHs an und frag nach. Wenn der Tumor streut, geht es meistens zuerst auf die Leber und dann sieht es schlecht aus...

Viel Kraft und
lg
Sandy

Beitrag von my.boys 04.03.10 - 11:34 Uhr

Ach ja, vielleicht schaust du mal hier rein:

http://www.krebskompass.de/forum/forumdisplay.php?f=13

Ich habe dort sehr viele hilfreiche Tipps bekommen.

Beitrag von minimal2006 04.03.10 - 18:23 Uhr

Hallo Bianca

Tut mir sehr leid für deinen Schwiegervater.
Wir haben das gleiche durch :-(

Der Krebs Kompass hat mir damals auch sehr viele und nützliche Infos gebracht.
Allerdings sind auch viele Bibelanhänger da unterwegs.. und ich habe dazu meine eigene Meinung!

Sehr hilfreich:

der Krebsinformationsdienst (KID)

http://www.unabhaengige-patientenberatung.de/krebsinformationsdienst.html

Dein Schwiegervater soll sich von ALLEN Untersuchungen (egal ob Blutuntersuchungen, bildgebende Verfahren.. ect) IMMER Kopien aushändigen lassen.
CT und MRT auf CD brennen lassen.
Sammelt ALLE Unterlagen in einem Ordner. Das erleichtert ungemein, sollte eine Zweitmeinung hinzu gezogen werden.

Gib bei Google "Darmkrebszentrum" ein.
Sucht euch ein Zentrum in eurer Nähe.
Ich würde in kein Wald und Wiesenkrankenhaus gehen.

Leider ist das so bei uns.
Mein Schwiepa hatte auch einen späten OP Termin bekommen. Als er zu Hause war, sagte meine Schwiema, er soll nochmal anrufen und mitteilen, das er eine private Zusatzversicherung hat. Und schwupps bekam er innerhalb von ein paar Tagen einen Termin.

Außerdem sollte er einen wirklich fiten Hausarzt an seiner Seite haben, der ihn engmaschig kontrolliert (Tumormarkerbestimmung CA19-9). Er ist zur Verlaufskontrolle wichtig.
Mein Schwiepa hat ihn alle drei Monate machen lassen.

... wenn dein Schwiepa aus unerklärbaren Gründen "plötzlich" ganz starke Schmerzen hat, kann sein Hausarzt ihn einweisen lassen. Dann MÜSSEN sie ihn aufnehmen.

Wir haben einige (unangenehme) Bekanntschaften mit der Krankenkasse gemacht, aber dank des Hausarztes und meiner Hartnäckigkeit sind wir immer so hingekommen, wie es für meinen Schwiepa wichtig und richtig war.

LG und alles Gute für euch

Beitrag von kruemlschen 05.03.10 - 10:46 Uhr

Hallo Bianca,

es tut mir sehr leid, dass ihr diese schlimme Diagnose für Deinen Schwiegervater bekommen habt #liebdrueck

Ich empfinde die Handlungsweise der Ärzte als nicht normal!
Eine OP erst nach etwa 2 Monaten ist an sich nicht unnormal aber erst dann wenn abgeklärt wurde in wie weit der Krebs schon fortgeschritten ist und ob eine OP überhaupt noch möglich bzw. primär wichtig ist!
Dafür bedarf es UMGEHEND ein CT oder zumindest ein MRT. 2 Monate sind für bestimmte Krebsarten nicht nur ziemlich lange, sie können unter Umständen ein Todesurteil sein. Daher besteht dringender Handlungsbedarf!

Das A und O bei einer erfolgreichen Krebstherapie ist unter anderem ein kompetenter und zuverlässiger Hausarzt der Deinen Schwiegervater bei Fragen mit Rat und vor allem Tat zur Seite steht! Der sich in solch einem Fall wie bei Deinem SV um die dringend notwendigen Untersuchungen und Überweisungen bzw. zeitnahen Terminen bei den Fachärzten kümmert!

Wenn bei meinem Vater nicht so schnell gehandelt worden wäre, würde er jetzt u.U. schon nicht mehr leben.
Bei meinem Papa wurde Anfang Dezember Speiseröhrenkrebs mit Metastasen in der Leber festgestellt. Ohne die Chemo, die bereits 1 Woche nach der Diagnose begonnen hat, wäre er vermutlich schon tot.

Sag Deinem SV er solle sich auf gar keinen Fall einfach so abspeisen lassen und brav auf einen Termin warten. Wenn nötig muss er eben auch Kliniken in weiterer Entfernung in Betracht ziehen, aber bitte nicht einfach abwarten!

LG Krüml