Ich schreibe aus verzweifelung! Vorsicht lang

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Forum: Familienleben

Die Oma füttert die Kinder übermäßig mit Süßigkeiten, Probleme mit der Schwiegermutter, Tipps zum Feiern der Taufe: Hier ist Platz für alle Themen rund um die Familie.

Beitrag von traemerin 04.03.10 - 02:33 Uhr

Erstmal einen schönen Abend ( Nacht ) :-)

Ich weiß wohl nicht wo ich anfangen soll und mir fällt es auch nicht gerade einfach hier zu schreiben.
In meinem Leben hatte ich schon immer viele Probleme.
Einen Drogenabhängigen Vater eine Depressive Mama und eine verdammt tolle Kindheit " (sexueller Missbrauch in der Kindheit)

(Leute die selbst sowas erlebt haben und damit nicht umgehen können, sollten vllt nicht weiter lesen#herzlich)

Vor ca 3 Jahren habe ich starke Depressionen mit Selbstverletztenden Verhalten,Suizidversuche und unglaubliche Angst vor anderen Menschen.

Selbst vor denen, die ich Liebe und doch so toll mich unterstützen.#herzlich

Ich habe mich dann Entschieden Therapien zu machen. Habe 3 Stadionäre Therapien gemacht und danach Ambulant weiter gemacht. Was mir super gehofen hat.
Meine Angst legt sich langsam ab und ich habe verdammt viel Selbstbewusstsein gesammelt.

Wäre da nicht diese Endlose Leere in mir, diese Wutausbrüche und Verzweiflung würde ich behaupten aus mir könnte nochmal ein duftes Mädel werden. :-(

Ich fühle mich so alleine gelassen. Wenn ich an die letzten Jahre denke und irgendwie kann ich einfach nicht verzeihen.
Ich meine, als ich meine Therapien gemacht habe oder mal wieder auf der Intensiv lag war nie jemand da.
Es hat mich nicht einer Besucht. (Aus meiner Familie)
Manchmal glaube ich ernsthaft, wenn ich von hier gehe würde sie (meine Mama) es nicht mal merken. Naja bzw frühstens zum ersten des Monats, weil ich ihr kein Geld überwiesen habe.
Ich möchte doch einfach nur mal im Arm genommen werden und hören von Ihr: Hey kleines wir schaffen das schon, du bist doch meine Tochter.

Und doch kämpfe ich jeden Tag weiter mein Leben in den Griff zu bekommen. Nachdem ich einige zeit auf der Straße oder bei Freunden gewohnt habe, habe ich mir eine eigene wohnung gesucht. Auch wenn ich nichts hatte habe ich im Winter hier auf dem Boden geschlafen.
Und nun? Habe ich eine eigene Einrichtung und es ohne Hilfe geschafft. Bzw ohne Ihre Hilfe.
Ich muss dabei sagen, ich darf nicht arbeiten und lebe vom Amt. Aus Gesundheitlichen Gründen.
Ich habe momentan nicht mal 90 euro im monat.
Und musste heute zur Tafel gehen und mir essen holen.
Das erste mal.

Und ich muss sagen, ich bin da echt dankbar für.
Aber aufbauen tut es mich nicht gerade.
(Meine Mama und ihr Freund sind beide Berufstätig)

Schaut mich an, ich bin anfang 20 und habe noch nichts in meinem Leben geschafft. Abgesehen die erfolgreiche Flucht vor alles was einen Motor hat:-)
Wie soll es weiter gehen ?
Soll ich die nächsten Jahre weiter Therapie machen und hoffen das sich etwas verändert?
Meine Sachbearbeiterin und der Ärztliche- Dienst haben mich nun noch ein weiteres Jahr Erwärbsunfähig geschrieben.

Trotz meckern muss ich da wohl durch. Und ganz ehrlich es macht mich noch Depressiver.
Sicher wäre es eine belastung für mich wieder jeden Tag arbeiten zu gehen aber warum entscheiden andere was gut für mich ist?
Ich würde am liebsten einfach iwas machen, selbst einen 1 euro job und selbst wenn ich 100 mal gegen die Wand renne oder auf die Fresse falle so kann ich sagen, Schaut her ich habe es versucht.

Ich hoffe ihr versteht mich.
Ich bin dankbar über Meinungen und Verbesserungsvorschläge.
Nur bitte behutsam#liebdrueck
Danke .......




Beitrag von blaue-rose 04.03.10 - 05:53 Uhr

Hallo traemerin,


ich habe Kontakt mit mehreren Personen die vom Mb betroffen sind und daher möchte ich sagen wenn ich dein Beitrag lese : Du hast schon viel geschafft. Es wird für dich vielleicht nicht so aussehen, aber du arbeitest aktiv an den Folgen deiner Kindheit und bist auf dem richtigen Weg es zu schaffen. Es wird nicht einfach sein die Folgen deiner Kindheit zu verarbeiten, aber aus deinem Beitrag ist ein fester Wille es zu schaffen erkennbar. Dieser Wille etwas zu ändern ist eine Stärke von dir und du hasst schon viel geschafft. Du hast deine eigene Wohnung, was bestimmt ein großer Kraftaufwand für dich war. Du bist bestrebt eine Tätigkeit aufzunehmen wenn es auch im Moment nicht möglich ist. Das zeigt aber das du dich nicht zurückziehst sondern nach vorn siehst.

Aktiv weiter in Therapie zu bleiben ist bestimmt nicht schlecht. Vielleicht gibt es die Möglichkeit das du dich einer Selbsthilfegruppe anschließt oder versuchst in einer Sozialen Einrichtung aktiv zu werden. Geh doch mal bitte zum ASB , Caritas, AWO oder der gleichen und stell dort bitte mal dein Problem vor, vielleicht findest du die Möglichkeit dort eine Beschäftigung zu finden. Ich denke wenn es ein paar Stunden in der Woche sind wird es dir schon weiter helfen.


Ich wünsche dir viel Erfolg und Unterstützung deinen Weg erfolgreich weiter zu gehen.

Beitrag von krokolady 04.03.10 - 07:36 Uhr

Kann mich zwar nicht in dich hinein versetzen......aber ich denke was dir fehlt ist eine Aufgabe - eine Beschäftigung!

Du tust ja so gesehen nichts, ausser zu Therapien zu gehn. Und in der restlichen Zeit grübelst rum.......

Kannst nicht versuchen nen kleinen Job zu finden?
Oder zumindestens vielleicht nen Kurs an der Kreisvolkshochschule, oder nen Kurs übers Arbeitsamt.
Irgendwas wo du Bestätigung bekommst!!

Beitrag von blaue-rose 04.03.10 - 08:48 Uhr

Hallo Krokolady,



sie tut gewaltig was, sie geht zur Therapie. Eine Therapie kann für betroffene belastender sein wie den ganzen Tag zu arbeiten.

Wenn du ihren Beitrag richtig gelesen hast, dann kannst du sehen das sie eine Beschäftigung sucht. Ob das Arbeitsamt weiterhilft ist fraglich da sie als erwerbsunfähig eingestuft ist und somit nicht der Vermittlung zur Verführung steht. Bei der Volkshochschule wird es das Problem der Finanzierung geben.

Beitrag von krokolady 04.03.10 - 08:58 Uhr

hab das schon richtig gelesen, keine Bange.
Und ich habe nichts Anderes getan als sie bestätigt was eine Arbeit/Aufgabe betrifft.
Wegen Kursen oder so kann sie doch beim Arbeitsamt nachfragen.......vielleicht nen Computer-Grundkurs oder so nebenbei.
Wichtig ist für sie, so denke ich, das sie nicht so viel Zeit mit Grübeln verbringt, sondern auch mal rauskommt und eine Aufgabe hat.

Beitrag von heike011279 04.03.10 - 08:52 Uhr

Hallo,
Du hast mehr geschafft, als andere Menschen, die eine schreckliche Kindheit erlebt haben.
Du hast Dich aus Deiner Lethargie selbständig befreit und bist die Probleme aktiv angegangen.
Wenn man über Jahre hinweg ein Trauma nach dem anderen durchlebt, dann ist das nicht in ein bis zwei Jahren aufgearbeitet. Das braucht einfach Zeit!
Denk doch mal zurück an die Zeit vor der ersten Therapie.
Glaubst Du rückblickend nicht, dass Du bereits ein ganzes Stück weiter bist?
Du schreibst selbst, Du bist schon viel selbstbewusster als noch vor wenigen Jahren.
Das kann nicht jeder von sich behaupten.
Man muss nicht arbeiten, um etwas im Leben zu erreichen.
Du kannst Dir einen ehrenamtlichen Job suchen für wenige Stunden in der Woche. Wenn Du dir das zutraust.
Dann kämst Du aus Deiner immer gleichen Situation mal raus, kämst auf neue Gedanken, die Dir wiederum etwas mehr Halt und Stabilität geben könnten.
Du BIST ein duftes Mädel, Du bist stark, sonst hättest Du es nicht bis hierher geschafft.
Gib Dir selbst Zeit, sei weiterhin so wie Du bist und versuche auch, mit Deiner Vergangenheit abzuschließen.
Zu Deiner Vergangenheit gehören dann auch Deine Eltern, schau nach vorne und arbeite weiter an Dir. Bau Dir ein eigenes LEben, eine eigene Zukunft auf.

So wie Du hier schreibst, kannst Du das schaffen.

LG
Heike

Beitrag von reethi 04.03.10 - 08:59 Uhr

Hallo!

Ich ziehe den Hut vor einer starken Frau!

Und das meine ich ernst. Du hast doch schon viel geschafft! Du solltest vielleicht nicht einen Riesenberg betrachten, und die Dinge die Du nicht geschafft hast, sondern kleine Schritte machen und stolz sein, dass Du zB eine eigene Wohnung hast, Dich durch die Therapien gearbeitet hast.

Was Dir aber nun anscheinend wirklich fehlt ist eine sinnvolle Tätigkeit um Dein Leben auszufüllen.

Wenn Du im Moment nicht arbeiten gehen kannst, vielleicht kannst Du etwas ehrenamtliches machen? Bei uns das Tierheim freut sich zB immer über Leute die mit den Hunden spazieren gehen, die Katzen streicheln oder sonst irgendwie mitarbeiten. Vielleicht wäre ja so etwas für Dich?

Weißt Du denn schon was Du mal machen möchtest, wenn Du wieder arbeiten kannst? Vielleicht kann Dir jemand einen Praktikumsplatz besorgen? Dann hast Du schon mal Erfahrungen gesammelt und das macht sich doch auch gut.

Und was die Zukunft angeht... Dir kann keiner sagen was die Zukunft bringen wird. Aber-Du hast die Möglichkeit sie zu gestalten. Und das wirst Du mit Deinem Willen bestimmt auch schaffen! Mache einen Schritt nach dem anderen und erwarte nicht zu viel von Dir!

Ich wünsche Dir alles, alles Gute!!

Neddie

Beitrag von physa 04.03.10 - 09:50 Uhr

Huhu,

da hast du wirklich einiges durch #liebdrueck

Das du dich so "leer" fühlst und das Gefühl hast, nichts erreicht zu haben kann ich durchaus verstehen. Auch ich habe Situationen in meinem Leben, wo ich auch diese Gefühle habe. (Alleinerziehend, ab nächsten Monat auch noch arbeitslos, wie soll alles weiter gehen...) Dabei fehlt dir einfach der realistische Blick auf dein Leben! Du hast die Initiative ergriffen, gehst in Therapien, hast eine Wohnung, eine Einrichtung.... das ist für jemanden mit deiner Vorgeschichte eine RIEßEN Leistung!!! Du hättest dich auch einfach ganz bequem deinem Schicksal "ergeben" können, ABER du hast HART gearbeitet (du kannst mir nicht erzählen, dass dir diese Therapien locker von der Hand gehen, harte Arbeit hat nichts mit endgeldlicher Leistung zu tun!!!) und das erreicht, was du jetzt hast! Das ist mehr, als manch einer schafft!!!

Das du nach einer "anderen" Aufgabe suchst finde ich mehr als nachvollziehbar. Ich weiß nicht wie das mit dem Amt aussieht, aber vielleicht könntest du dir ja stundenweise z.B. in einem Tierheim was suchen?! Eine Freundin mit ähnlicher Vorgeschichte hat dies getan und das Vertrauen der Tiere und die Bestätigung die sie dort jeden Tag durch die Tiere erfährt, hilft ihr ungemein - sie hat ihre "Lebensaufgabe" dort gefunden.

Es würde dich zumindest ein Stück weit aus dem "Nachdenken" rausholen!

Ich drücke dir ganz fest die Daumen für deinen weiteren Weg, aber du wirst das schaffen! Denk dran, du hast schon ungemein viel geschafft!

LG
Physa

Beitrag von traemerin 04.03.10 - 13:48 Uhr

Vielen #herzlichen Dank für eure Antworten.
Sie haben mir wirklich sehr geholfen.
Und mir kein kleines bisschen Hoffnung mit auf dem Weg gegeben. :-)

Und das was die meisten geschrieben haben mit der ehrenamtlichen Arbeit finde ich total Klasse:-D
Ich werde mich heute mich sofort Erkundigen was es da für Möglichkeiten gibt.
So wie ich gerade gesehen habe gibt es hier sogar ein Tierheim und ich werde gleich sofort mal dort anrufen. #herzlich


Vieeelen Lieben Dank #liebdrueck

Beitrag von blaue-rose 04.03.10 - 13:57 Uhr

Hallo,


ich wünsche dir viel Glück und wenn du jemand zum reden brauchst kannst du mich gern über Vk anschreiben.

Beitrag von funkelsternchen25 04.03.10 - 23:47 Uhr

Oh, wie kenn ich dieses Gefühl.
Du hast dieses Matürium überlebt.
Das zu überleben ist etwas was du geschafft hast. Diese Leistung kann man an nichts anderem messen.

lg
Funkelsternchen