Erfahrung mit Einschulung von Zwillingen (Junge/Mädchen)

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Beitrag von miramai 04.03.10 - 13:31 Uhr

Hallo liebe Freunde der Netzwelt,

Ich möchte mal gerne etwas zu einer spiezellen Problematik bei unterschiedlich-geschlechtlichen Zwillingen erfahren. Ich bin stolze Mutter von Zwillingen, Junge/Mädchen, die im April 6 werden. Das Mädchen findet leicht Kontakt, ist dominanter und lebhafter und "managt" gerne das Sozialleben der beiden. Der Junge ist, wenn seine Schwester dabei ist, immer etwas zurückhaltender, lässt ihr den Vortritt. Es scheint manchmal, als würde er erst richtig aufblühen, wenn sie nicht dabei ist (so Erzieherin).

Ich kenne andere Zwillingspäärchen von Erzählungen und weiss, dass diese Rollenveralten auch bei ihnen GENAUS so ist und immer war (einmal 11-jährige, einmal Teenager). Meine erste wichtige Frage: wer hat auch eine Zwillingspaar Junge/Mädchen und wie ist die grundsätzliche Rollenverteilung da? Ist bei jemanden auch mal der Junge dominanter/lebhafter? Und wird nicht von seiner Schwester "begluckt"?

Jetzt wollen wir beide im Herbst einschulen und die Erzieherin meint nun, der Junge wäre noch nicht schulreif und es wäre besser, er würde nicht eingeschult. Das zerreisst mir natürlich das Herz, weil er sich schon so sehr mit seiner Schwester auf die Schule freut.

Leider können wir in der Lebensituation, in der wir jetzt stecken, beide nicht in Parallelklassen gehen lassen. Es ist eine internationale Schule und das gibt es nur eine deutsche Klasse.

Zweite wichtige Frage: Wer hat Erfahrungen damit, Junge/Mädchen Zwillinge getrennt einzuschulen? Hat es bezweckt, dass sie sich unabhängiger entwickeln konnten oder nicht?

Ich freue mich auf ganz viele Berichte von Eltern mit Junge/Mädchen Zwilligen

Beitrag von e-milia 04.03.10 - 20:34 Uhr

Da du noch gar keine Antwort hast, schreib ich jetzt mal was, auch wenn ich nicht der ganz korrekte Ansprechpartner bin.

Bin allerdings selber ein Zwilling (zweieiige Mädchen) und kann aus Erfahrung sprechen.
Meine Schwester war bei uns die Dominante, zumindest in der Öffentlichkeit (zu Hause war ich die bestimmende kleine Zicke) ;-)

Wir wurden zugleich in dieselbe Klasse eingeschult und für mich wäre es einfach grauenvoll gewesen, wenn dem nicht so gewesen wäre. Meiner Schwester hätte es sicherlich weniger ausgemacht.
Aber gerade für den schüchternen Zwilling ist der emotionale Halt des anderen doch sehr wichtig.

Da ich aber auch nach der 4.Klasse immer noch sehr zurück haltend war, enschieden meine Eltern zusammen mit den Lehrern, dass wir doch besser getrennt werden sollten, da ich angeblich auch offener wäre, wenn meine Schwester nicht dabei sei.
Waren dann die 5.und 6.Klasse getrennt (bei uns damals die Orientierungsstufenzeit) und fanden es beide total blöd.Um nicht zu sagen: Einfach Furchtbar!!!
Danach verbrachten wir die nächsten Jahre wieder in einer Klasse und alles war gut.

Ganz schrecklich wurde es dann, als ich die 9.Klasse wiederholen musste. Habe mich den Rest der Schulzeit wie ein Versager gefühlt, weil meine gleichaltrige Zwillingsschwester immer ein Jahr voraus war.

Meine persönliche Meinung ist daher, dass du deine Zwillis am besten zusammen einschulen solltest, falls das geht. Unabhängig voneinander werden die beiden ohnehin irgendwann, spätestens in der Pupertät.
Seitdem wurde ich auch stetig mutiger und von meiner Schüchterheit ist heute so gut wie nichts mehr geblieben. ;-)

LG

P.s.: Vielleicht kannst du das ganze ja auch mal mit deinen beiden Kindern besprechen, die wissen in dem Alter meist schon ganz gut was sie wollen und sich zutrauen.

Beitrag von miramai 05.03.10 - 08:41 Uhr

Liebe e-milia,

Genau diese Erfahrungen helfen mir bestimmt weiter in meiner Entscheidungsfindung! Es ist nun mal so, dass meist Jungs im Vergleich zu den Mädchen bei der Einschulung etwas "unreifer" sind, was also vollkommen normal ist. Der Punkt ist, dass die Erzieherin meint, mein Sohn würde einfach viel mehr aufblühen, wenn seine Schwester nicht dabei ist. Ich sehe ihn aber durchaus schon als relativ eigenständig, er spielt sich halt nicht so gerne in den Vordergrund, ist aber - gerade auch wenn die beiden alleine sind - nicht immer nur der "Befehlsempfänger".

Ich habe sie noch nicht zu ihrer Meinung befragt, weil ich nicht weiss wie ich ihnen erklären soll, dass jemand der Meinung ist, einer von ihnen sei "weiter" und er andere "weniger weiter" für die Schule. Aber ich kann mir vorstellen, dass sie wie auch immer sehr protestieren würden, zumal wir z.B. schon für beide die Schulranzen gekauft haben! Alleine der Faktor ist für Kinder nicht nur eine Nebensache.

Vielen, lieben Dank erst mal für deine Einschätzungen.

Miramai

Beitrag von zickentwins 05.03.10 - 11:52 Uhr

Hallo!

Ich habe zwar kein Zwillingspärchen, aber zweieiige Zwillingmädchen bei denen, die Rollenverhältnisse ähnlich wie bei deinen aufgeteilt waren und sind.

Meine Töchter sind im Herbst geboren und damals war bei uns der Einschulungsstichtag der 30.06.. Da eine meine Töchter kognitiv schon sehr weit war, z.B. hatte sie sich schon mit 5 das Lesen selbst beigebracht, meinten Schulärztin und die Direktorin der Grundschule, dass ich sie früher einschulen solle.
Ihre Schwester aber erst im folgenden Jahr.

Sicher hätte sie die Schule auch schon ein Jahr früher gepackt, aber es ging für mich einfach nicht die beiden in zwei verschiedenen Jahren einzuschulen.

Da sie damals eine sehr tolle Lehrerin hatte, die sie toll gefördert, hat sie sich auch nicht gelangweilt.

Sie sind in getrennte Klassen eingeschult worden, weil die Direktorin meinte, die beiden wären ja so unterschiedlich entwickelt und damit sie sich nicht so viel vergleichen könnten.

Sie haben aber die gleichen Bücher, schreiben die gleichen Klassenarbeiten und vergleichen sich natürlich trotzdem ständig.

Auch auf dem Schulhof sind sie meist zusammen. Mit Freundinnen aus beiden Klassen.

Auch bei den Hobbies war es bislang immer so, dass die eine etwas anfing und die andere dann auch wollte. So das sie im Endeffekt meist die gleichen Hobbies haben.

Sie streiten sich zwar oft, hängen aber auch irgendwie sehr aneinander.

Aus heutiger Sicht, die beiden sind jetzt in der 4. Klasse, wäre es wahrscheinlich nicht viel anders gelaufen, wenn sie in einer Klasse gewesen wären.

Es wäre wahrscheinlich sogar einfacher gewesen.
Denn wären die Kinder in einer Klasse, hätten wir auch nicht den Dauerstreit, 'die hat immer weniger Hausaufgaben auf als ich' oder 'wir sind im Mathebuch aber schon eine Seite weiter' oder 'in deiner Klasse sind die netteren Kinder, aber die akzeptieren mich nicht richtig nur, weil ich in der anderen Klasse bin'...

In nächsten Sommer werden sie auf die weiterführende Schule gehen. In eine Klasse. Auf Wunsch der Kinder. Und ich habe gar nichts dagegen.

Ich glaube Zwillinge haben einfach eine noch engere Bindung als normale Geschwisterkinder und da ist auch nichts Schlimmes daran. Mögen einige Pädagogen (wahrscheinlich ohne eigene Zwillinge) meinen, was sie wollen.

Bekannte mit einem Zwillingspärchen haben ihre Zwillinge z.B. in eine Klasse eingeschult und das war aus meiner Sicht goldrichtig. Der Junge und das Mädchen haben sich in der Grundschulzeit eigene Freunde gesucht. In der Grundschulzeit ist das andere Geschlecht ja grds. erst einmal doof. So stand der Junge automatisch nicht mehr ständig unter der Fuchtel seiner dominanteren Schwester.

Ich hoffe, du kannst mit meinen Erfahrungen etwas anfangen.

Viele Grüsse,
zickentwins

Beitrag von zanadu 05.03.10 - 12:55 Uhr

Hallo, ich habe Zwillinge zwei Jungen, allerdings vollkommen verschieden.
ich habe Beid in getrennte Klassen eingeschult. Leider hat mein einer Sohn eine unangenehme Klasse erwischt und mein anderer Sohn eine Traumklasse.
Aber es hat Ihnen gut getan. Beider lernen erstaunlicher weise mit zwei vollkommen unterschiedlichen Systemen. Es ist also nur das Ergebnis vergleichbar. Beide können lesen, rechnen und schreben, wissen viel über ihre Themen in HSU .
Bei eurem Probme würde ich mich von dem Gedanken an Zwillinge vollkommen frei machen und nur das wohl des einzelnen Kindes ansehen. Wenn es für das eine Kind besser ist noch ein jahr warten.
Bei den Pärchenzwillinge die ich kenne ist immer das Mädchen der
dominatere Part. Einmal sogar super agressive dem Jungen gegenüber. Die hätten niemals in eine Klasse gehen dürfen.

Beitrag von bluehorse 05.03.10 - 16:41 Uhr

Hallo,

ich stand nicht selbst vor der Entscheidung, kenne es aber von meinen Brüdern (zweieiige Zwillinge). Die waren zusammen in einer Grundschulklasse. Es war oft recht problematisch (z.B. schrieb nur einer die Hausaufgaben auf, der andere verliess sich auf seinen Bruder etc.). Nach der 4. Klasse haben meine Eltern sie auf unterschiedliche Gymnasien geschickt, was ihnen auch gut tat. Sie hingen trotzdem noch sehr eng zusammen. Aber schulisch hatten sie ganz unterschiedliche Stärken.

Mein Mann hat aus 1. Ehe ein Zwillings-Pärchen. Das Mädchen wurde jedoch schon kurz nach Schulbeginn in die Vorschule zurückgestuft und die Kinder waren danach nicht mehr in einer Klasse.

LG bluehorse

Beitrag von meissel 08.03.10 - 22:11 Uhr

Hallo,

also ich bin auch eine Zwillingsmama von unterschiedlich-geschlechtlichen Zwillingen. Die Rollenverteilung ist genau wie bei Euch. Unsere Zwillinge sind 7 Jahre alt und sind in der 1. Klasse.

Wir haben im letzten Jahr hin und her überlegt. Mit den Kindergärtnerinnen und Grundschullehrerern gesprochen. Jeder hat natürlich eine eigene Meinung. Die Kindergärtnerinnen, waren dafür, dass beide eine Klasse besuchen sollten, da beide einen eigenen Freundeskreis hatten und die Interessen auseinander gingen. Auch die Grundschullehrer haben mir zugeraten. Aus der Nachbarschaft kam Kritik.

Zum guten Schluß, es sind beide in einer Klasse. Mein Sohn wollte nicht mehr neben seiner Schwester sitzen, (worauf sie traurig und unsicher reagierte) und er lebt seitdem richtig auf. Meiner Tochter hat das Auseinandersetzen auch gut getan und seitdem jagt eine Verabredung die nächste.

Zuhause erledigt jeder selbstständig in seinem Zimmer die Hausaufgaben, auch die Leseübungen werden getrennt gemacht, damit der Konkurrenzkampf nicht zu groß wird. Und ich gebe mir große Mühe beide nicht miteinander zu vergleichen.

Vielleicht ist es ja auch eine Alternative, beide zusammen einzuschulen aber
getrennt voneinander zu setzen. Es wird sich jeder seine eigenen Freunde suchen, und die Interessen gehen bei unterschiedlich-geschlechtlichen Zwillingen so oder so auseinander. In der Schule müssen sich beide mehr durchboxen, so daß sich der Junge vielleicht auch gegen die Bemutterung des Mädchens wehrt.

Am Ende wird Dein Bauchgefühl zur richtigen Entscheidung führen. Vielleicht konnte ich ein wenig helfen.

Schönen Abend noch

Meissel

Beitrag von miramai 09.03.10 - 08:12 Uhr

Liebe Meissel,

Wir hatten so oder so vor, sie getrennt von einander zu setzen. Interssant, dass bei euch dann auch der scheinbar "stärkere" Zwilling unsicher wird, wenn er seinen "schwächeren" Gegenpart nicht da hat. Das wird bei uns auch so laufen, denke ich.

Mein Bauchgefühl sagt mir, ich schicke beide zur Schule. Wenn der Junge es wirklich nicht packt, was ich nicht glaube, dann kann er ja dann noch mal irgendwann zurückgestuft werden. Das finde ich besser, als ihm noch ein Jahr Kindergarten ohne seine Freune, ohne seine beste Freundin, ohne Ansporn, zu zumuten.

Es ist schon seltsam, dass bei Junge/Mädchen immer diese Rollenverteilung vorherrscht, findest Du nicht? Meine Vermutung: Das Mädchen hat zu viel, der Junge zu wenig Testosteron im Mutterleib mitbekommen...