vermeintlicher Powerfrau geht die Luft aus...

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Forum: Partnerschaft

Eine dauerhafte Partnerschaft ist eine der größten Herausforderungen unserer Zeit. Lust und Frust liegen da oft nah beieinander. Hier könnt ihr offen ausdrücken, was euch innerlich bewegt.

Beitrag von diekleineivi 04.03.10 - 23:08 Uhr

... ja, ihr Lieben, ich rede von mir...

... und im Moment streckt mich der alltägliche Wahnsinn nieder. Immer wieder versuche ich mir selber in den A... zu treten und mir vorzuschwärmen wie schön doch die kleinen Dinge des Alltags sind. Und immer wenn ich das schon selbst fast glaube, haut mich wieder irgendein blöder Spruch von Außenstehenden (auf die ich als selbstbewußte Powerfrau ja gar nichts gebe) um.

Mein Mann ist beruflich die ganze Woche unterwegs, ich mit Haushalt, Tochter (2) und Arbeit gut beschäftigt. Als typische Jungfrau versuche ich natürlich immer 120%ig zu sein und den Dingen immer einen Schritt voraus zu denken. Meine Ansprüche an mich selbst sind dabei viel zu hoch - ich weiß! Und andererseits vernachlässige ich mich selbst dann so sehr, daß ich meine Nerven abends mit viel zu viel Schokolade beruhige, die sich dann gnadanlos auf Hüften und Gemüt niedersschlagen.

Ein Teufelskreis - und ich sitze hier heute abend mal wieder und bin nur noch fertig. Ich habe das Gefühl keiner versteht mich - am allerwenigsten meine eigenen Eltern, von denen ich mir nichts sehnlicher wünschen würde - Eltern - das leidige Thema zieht sich leider auch bei mir wie ein roter Faden durch mein Leben und hinterläßt einen grauen Schleier von Futter für neue Depri-Phasen.

Und sobald ich mir den Frust hier von der Seele geschrieben habe, geht es mir besser - da freu ich mich auf meine Kleine morgen früh, auf die Arbeit und das Wochenende!!!

Ist das nicht verrückt? So nah können Freud und Leid beieinander liegen? Mit wem darüber reden in unserer oberflächlichen, schellen Gesellschaft? Schwäche zeigen? Und immer das Gefühl zu haben, andere mit seinen Problemen nicht belästigen zu wollen? Kenn das jemand von Euch oder bin ich damit ganz allein?

Vielleicht schreibt mir jemand, dem es ähnlich geht, vielleicht kennt jemand eine Lösung - oder heilt tatsächlich die Zeit alle Wunden und morgen sieht die Welt wieder besser aus? Bitte!

Danke fürs Zuhören und Gut`s Nächtle ;-)

Ivi

Beitrag von miss-lacrima 04.03.10 - 23:21 Uhr

Hi Ivi,

das Problem das "nicht zeigen wollens" kenn ich -ja.
Allerdings liegt es bei mir anders. Ich wurde jung Mama, mit 20. Habe mir aber geschworen die Zähne zusammen zu beissen, weiter zumachen, weiter zu studieren und gleichzeitig den Anspruch an mich, trotz meines Alters eine gute Mama zu sein. In der Realität sieht dass so aus, dass ich manchmal heulen könnte, wenn ich nach 2 Std. Schlaf weiss, dass ich eine Klausur schreiben muss am nächsten Morgen. Meine Eltern schwärmen mir einen vor, wie toll sie es finden, wie wir das alles schaffen und ich würd manchmal am liebsten brüllen, dass ich mich nur von Nervenzusammenbruch zu Nervenzusammenbruch hangel. Tue ich natürlich nicht ;-) Denn glücklich bin ich schon, nur manchmal wird das alles eben etwas überschattet: von Sorgen, Ängsten etc.

Und ja, man muss sich manchmal "auskotzen" - und wenn es nur virtuell ist. Denn die Glücksmomente kommen ja wieder.

Aber kannst du dir nicht etwas suchen was dich glücklich macht, dir eine kleine Auszeit verschafft? Dein Mann ist doch am Wochenende da? Vllt. einen Tag dann nur für dich?

Grüße & Zähne zusammen beissen,
Jenny

Beitrag von diekleineivi 04.03.10 - 23:36 Uhr

Hallo Jenny!

Danke für Deine liebe Antwort um diese Uhrzeit ;-)

Vor Dir ziehe ich echt den Hut! Kleinkind und Studium und, und, und... ich drücke Dir die Daumen, daß alles so wird, wie Du es Dir vorstellst!

Ich entscheide mich wie Du dann doch mal fürs Zähne-Zusammenbeißen!

Wir haben fürs Wochenende schon vereinbart, daß er sich allein für ein paar Stunden um die Kleine kümmert, wenn mich die Kreativität überrannt hat und ich unbedingt an die Nähmaschine möchte :-)

Und schon hat mich das schlechte Gewissen wieder, daß ich ihn dann allein lasse. Ich will ja nicht egoistisch sein. Aber manchmal möchte ich einfach gerne mal für eine Woche tauschen...

Liebe Grüße
Ivi

Beitrag von miss-lacrima 05.03.10 - 00:00 Uhr

Ivi,

es gibt doch dieses Mama-Mantra "Nur eine Phase, Nur eine Phase, nur eine Phase" - das wende ich einfach auch auf den Rest meines Lebens an ;-)

Ein schlechtes Gewissen hab ich nicht wenn ich die beiden mal alleine lasse, das hat mein Freund ja auch nicht.
Ich war letztens einen Tag bei meiner Freundin in Köln, so einen totalen Weibertag, shoppen, essen, endlos lachen. Danach war der Akku wieder voll.

Wünsch dir alles Gute,
Jenny

Beitrag von oldma 04.03.10 - 23:48 Uhr

... ja ich kenne das!! ich habe inzwischen aber lernen müssen, dass 100 % in job und haushalt+liebe mama nicht geht. ich liebe vor allem die zeit, in der ich wirklich mal ganz alleine bin. aber hobbynähmaschine und stricken warten immer..... jute nacht!l.g.c.

Beitrag von connie36 05.03.10 - 10:06 Uhr

hi
so ging es mir nach der geburt unserer zweiten tochter, nur 16 monate nach der grossen.
jeder sagte, toll, wie du das schaffst mit den zwei kleinen. aber keiner hat gemerkt, wie viel es mich gekostet hat, das alles zu schaffen, und allen das gesicht der powerfrau zu zeigen. im nachhinein würde ich mehr liegen lassen.
auch das thema eltern, das ist nich nur ein roter faden sondern eine ganze autobahn.
mittlerweile habe ich null kontakt, und es mag nicht für jeden das richtige sein, aber mir hat es jede menge steine von meiner seele genommen.
lg conny

Beitrag von diekleineivi 08.03.10 - 20:28 Uhr

Danke Conny!

Ich werd´s mal probieren mit liegenlassen - auch wenn es mir total schwer fällt ;-)

Gruß Ivi

Beitrag von ... duda... 05.03.10 - 13:08 Uhr

Hallo Mädels,

ja und genau für solche Phasen brauchen selbst wir Powerfrauen mal einen Mann zum Anlehnen!!

Ich war schon immer eine Powerfrau, ich habe immer alles alleine geschafft, brauchte für nix hilfe.... bin mit 18 von daheim ausgezogen....

Aber ich habe im Jahr 2004 meinen jetzigen Mann kennengelernt.. ich war damals in einer sehr schlechten Verfassung hab das nie jemandem gezeigt (meine mutter hatte damals Brustkrebs)

Er hat mir aber soviel Sicherheit und Geborgenheit gegeben, .... das wir plötzlich Abende hatten an dem ich stundenlang nur an seiner Schulter geheult habe....
obwohl ich diese gefühle eigentlich nie jemandem zeigen wollte...

Jetzt bin ich wieder die Powerfrau, Arbeit, Haushalt, Kind, Schwanger.... aber ich weiß wenns mir nicht gut geht habe ich eine Schulter zum anlehnen,... die hab ich nämlich geheiratet #verliebt

lg duda

Beitrag von jacky 06.03.10 - 09:12 Uhr

Das Wort "Powerfrau" sollte aus dem Vokabular gestrichen werden. Nehme das ohnehin niemandem ab. An irgendwas hapert es bei jedem. Der Tag hat nun mal nur 24 Stunden. Ich bin keine Powerfrau und will auch keine sein! Ich habe ein Kind und einen Haushalt. Mein Kind steht an erster Stelle. Danach kommt der Job und alles andere. Ich würde z.B. mit Baby nie Vollzeit arbeiten. Da schränke ich mich lieber ein finanziell und bin eben keine Powerfrau. Ich hab keine Lust, mir die Radieschen mit 40 von unten anzugucken, weil ich als vermeintliche Powerfrau dann mit nem Herzinfarkt oder Schlaganfall zusammensacke... Alles schon erlebt. Nicht erstrebenswert!

Beitrag von LIEBER SO 06.03.10 - 14:30 Uhr

Hallo Ivi,

erst mal: Bei mir hat die Zeit alle Wunden geheilt.

Ich bin auch eine, die sich gern "Powerfrau" nennen lässt. Obwohl alles unter schlechten Vorzeichen begann, Vater zeitig verstorben (da ging ich noch nicht mal zur Schule), Mutter trinkt, Familie zerbricht.

Und dann habe ich mein Leben selbst in die Hand genommen, mit 17 zu Hause ausgezogen, Ausbildung trotzdem mit guten Ergebnissen abgeschlossen, eine Arbeit gefunden, die mir auch nach 17 Jahren immer noch Spaß macht und bei der ich mich nach (fast) ganz oben gearbeitet habe. Ich genieße den Respekt der gesamten Belegschaft, lege mich dafür aber auch ins Zeug.

Bin seit fast 11 Jahren verheiratet, habe ein Kind. Mein Mann ist die Woche über nicht zu Hause. Arbeit, Kind und Haushalt (den nicht immer perfekt) bringe ich ganz gut unter einen Hut. Die Power geht mir selten aus, diese Woche z.B. war mein Sohn krank. Mit der plötzlichen Freizeit wusste ich erst nichts anzufangen, habe dann eben mal schnell das Zimmer meines Sohnes renoviert. Beim Decke streichen habe ich mich zwar selbst gehasst#schwitz, aber das Ergebnis kann sich sehen lassen.

Wenn ich mal fertig mit der Welt bin, erinnere ich mich an das, was ich in meinem Leben geschafft habe.

Natürlich gibt es auch Nachteile, mit denen ich einfach leben muss: Ich bin kein Familienmensch, das kannte ich eben nie. Ich bin nicht der Typ "Beste Freundin", dafür "Super Kumpel". Na ja, hat halt jeder eine Leiche im Keller.

Blöde Sprüche prallen an mir ab, d.h. ich bekomme nur wenige gesagt, da ich sehr schlagfertige Antworten gebe. Ich liebe schwarzen Humor, das macht solche Antworten für den Anderen nicht angenehm.

Und manchmal geht man abends völlig frustriert ins Bett, schläft sich aus, und morgens scheint die Sonne wieder!!

Beitrag von sally1409 06.03.10 - 21:23 Uhr

Hallo Ivi

Ja ich kenne das auch

Ich bin auch Jungfrau, genüge meinen Ansprüchen nicht.
Ich verlange einfach zu viel.

Ich habe mit 16 meine erste Tochter bekommen die zweite mit 18 meinen Sohn mit 25. Haus auf dem Lande, tolle arbeit - alles supi...
Bis mein Mann schwere Depressionen und eine Psychose bekommen hat. letztes Jahr hat er sich das Leben genommen.

Nun 3 Kinder mit 12 / 10 und 3 alleine Haus und riesen Grundstück... Job und ganz nebenher Ausbildung.

Irgendwie läuft alles und doch gar nichts.

Ich bekomme oft gesagt : wie du das denn noch alles auf die reihe bekommst ...
Dann denke ich auch ist eigentlich schon viel, aber an manchen Abenden sitze ich einfach nur da und alles dreht sich in meinem Kopf. Dann würde ich am liebsten alles hinschmeißen und frage mich für was der ganze aufwand...

Naja und wenn ich dann zu den schnarchenden Kids ins Zimmer schau ... Der Aufwand lohnt sich.

Aber ich brauche in letzter Zeit auch mehr Akku Aufladungen. Ich freu mich auf das schöne Wetter das hoffentlich bald kommt, da läuft immer alles viel besser.

Grüße s.

Beitrag von diekleineivi 07.03.10 - 16:03 Uhr

Hallo S.

Bei Deiner Geschichte bleibt mir die Luft weg - ich zieh alle Hüte vor Dir! Und ich maule hier rum. Sorry!

Ich wünsche Dir ganz viel Kraft - Deine Kinder brauchen Dich mehr als jedes andere Kind seine Mama! Bitte halte durch. - Bestimmt noch so eine doofe Floskel von einer, die sich nicht in Deine Situation hineinversetzen kann. Ich möchte Dir nur Mut machen.


Laß Dich drücken!
Ivi

Beitrag von sally1409 07.03.10 - 17:49 Uhr

Hi Ivi

Erstmal Danke

Und wollte nicht sagen dass du es besser hats...
oder jammerst...

Ich denke es gibt so viele Frauen die Ihr Päckchen zu Tragen haben und viele gar nicht sehen was man eigentlich leistet.

Manchmal zweifle ich echt an mir wenn ich sehe wie andere Ihre Häuser aufgeräumt haben und so, aber dann geht mir das ganze Gerede oder das Chaos zu Hause das in den Kinderzimmern teilweise herrscht am A... vorbei.

Ich denke jeder hat gute und schlechte Tage und hin und wieder muss man sich einfach mal ausheulen und mit zwei drei Tafen Schoki sieht es dann doch schon wieder besser aus

Durchalten tu ich sicher, mein kleiner gibt mir da viel kraft um jeden Tag weiter zu machen, und wenn ich traurig bin und er mit seinen Patschhänden ankommgt und in seinem "Babydeutsch" sagt : Mami muss nicht traurig sein dann muss ich einfach lachen