Der Club des Tages ;-) und gleich die Frage nach dem Gut und Böse...

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Forum: Allgemeines

Aktuelles und Zeitloses rund um das (Familien-) Leben im Allgemeinen. Auch gesellschaftliche Themen sind in dieser Rubrik willkommen. Alles rund um den Internet-Handel, Versand etc. gehört in das Forum "Internet & Einkaufen".

Beitrag von unipsycho 05.03.10 - 09:34 Uhr

Hallo!

Da bin ich wieder! Alle Prüfungen sind geschafft! #huepf

Ich habe jetzt einen Club gegründet: http://mein.urbia.de/club/Ich+sehe+was+was+du+nicht+siehst

Ich freue mich auf rege Diskussionen über "Gott und die Welt" und alles dazwischen! :-)

Die erste Diskussion möchte ich gleich hier ins öffentliche Forum reinstellen und wer Interesse hat, kommt einfach in den Club und diskutiert fröhlich mit. :-)
Auch stille Leser sind herzlich willkommen - aber denkt daran: Wenn keiner schreibt, isses nur ein Vortrag ;-)

Diskussion:

Ich frage mich: Sind wir Menschen im Grunde gut, oder böse?

Wir hatten vor einer Weile im Forum über das Milgram- und das Stanford-prison-Experiment geredet. Es war schon erschreckend zu sehen, zu welchen Sachen, scheinbar ganz normale, Menschen fähig sein können. #kratz
Noch erschreckender fand ich, dass nicht mal ich von mir sagen kann: „Beim Milgram-Experiment hätte ICH niemanden mit Elektroschocks traktiert!“ #schock

Es gibt noch viele andere Beispiele, die mir aufdrängen, der Mensch sei im Grunde schlecht:
- Plünderungen und Gesetzeslosigkeit in Chile nach einem verheerenden Erdbeben
„Es sei zu Schießereien zwischen bewaffneten Bürgerwehren, Plünderern und dem Militär gekommen, berichtet die Nachrichtenagentur dpa.“
http://www.spiegel.de/panorama/0,1518,681112,00.html

Der „Bystander-Effekt“
http://de.wikipedia.org/wiki/Zuschauereffekt
der auch an Theologiestudenten (!!!) getestet wurde und ebenfalls nachgewiesen werden konnte. http://www.wdr.de/tv/quarks/sendungsbeitraege/2008/0415/003_helfen.jsp

Meine Theorie zu dem ganzen ist, dass wir im Grunde nur Tiere sind.
Schon in der Evolution zeigen sich 2 Überlebensstrategien. Die Qualitative und die Quantitative.
Qualitativ: wenig Nachkommen, viel Fürsorge.
Quantitativ: viele Nachkommen, wenig Fürsorge.
Warum zeigen sich diese zwei Überlebensstrategien? Weil die Gene „egoistisch“ sind. Sie wollen erhalten bleiben.
Die Qualitative Überlebensmethode zeigt sich in stabilen Umweltverhältnissen. Man schaue sich nur die Säugetiere an, wo sich immer die Mutter um das Jungtier kümmert. Säugetiere haben ihre Umwelt dadurch stabilisiert, dass ihre Körpertemperatur (bis zu einem gewissen Grad) von der Außentemperatur unabhängig ist. Deren Strategie geht also Richtung Qualität.
Im Gegenzug der Großteil der Reptilien, wo die Brutpflege meist darin besteht dafür zu sorgen, dass die Jungtiere überhaupt schlüpfen, danach sind sie auf sich selbst gestellt. Dementsprechend viele Nachkommen werden in die Welt gesetzt. Quantität.

Jetzt werden wir nach einem Erdbeben zwar nicht zu Reptilien und die wenigsten von uns denken in solchen Situation an Babys. Ich will das Prinzip von Qualität und Quantität nur auf uns Individuen transformieren.
Uns geht es in ruhigen Lebenssituationen um eine hohe Lebensqualität. Wir helfen nicht nur unserer Verwandtschaft (also denen, die eher unsere Gene in sich tragen), sondern wir helfen auch Fremden. Durch Hilfeverhalten streicheln wir unsere Seelen #schein
In Katastrophensituationen dagegen „sind wir uns selbst am nächsten“ hier geht es nur noch darum die eigenen Gene zu retten. Quantität in Form von Lebensdauer.
Da die eigenen Gene aber auch in allen Menschen stecken, die mit uns verwandt sind (Geschwister + Eltern zu 50%, Cousinen + Cousins zu 25%) helfen wir nur noch denen.
Ganz einfach zu sehen an der Überlegung: Wann gehen wir in ein brennendes Haus? Wenn jemand verwandtes drin steckt, oder wenn ein Fremder drin ist?
Wahrgenommene Verwandtschaft (also Freunde, Geliebte und Adoptionsverwandtschaft) mal ausgeschlossen.

Was denkt ihr? Sehe ich die Welt zu schwarz? Glaubt ihr an das Gute im Menschen?

Beitrag von gingerbun 05.03.10 - 09:59 Uhr

Hallo,
dein Post ist interessant aber ich hab nicht viel Zeit gerade, deswegen nur kurz: Hm ist der Mensch gut oder böse - kann man vielleicht so pauschal gar nicht sagen. Menschen reagieren bisweilen in Extrem-Situatuionen natürlich anders als sonst - keine Frage. Überlebensinstinkt und so..
Was mir nur pauschal soeben einfällt: Schau Dich mal um auf der Autobahn bzw. im Straßenverkehr allgemein - da komme ich zu der Überzeugung dass 95% der Menschen bösartig sind. Da herrscht täglich Krieg.
Vielleicht später mehr!
Gruß!
Britta

Beitrag von unipsycho 05.03.10 - 10:31 Uhr

Danke, dass du dir trotzdem kurz Zeit für eine Antwort genommen hast :-)

Hmm, die Autobahn. Man sagt ja auch, sie sei das größte Irrenhaus Deutschlands. Erstaunlich, dass man trotzdem im größten Teil der Fälle heile von A nach B kommt...

Eigentlich eine wunderbare Allegorie für die Evolution.
Man kann auf verschiedene Art und Weisen "Fittness" beweisen.
Bin ich rücksichtslos, komme ich vermutlich schnell von A nach B. Das könnte man als hohe "Fittness" ansehen. ABER die Rücksichtslosigkeit hat auch ihre Kosten:
- man könnte von der Autobahnpolizei angehalten werden. Das kostet Zeit und Geld.
- man könnte auf einen 2. rücksichtslosen Autofahrer treffen, der vielleicht einen Unfall provoziert.

Bin ich angepasst, komme ich mit einer höheren Wahrscheinlichkeit sicher von A nach B und bin dazu noch entspannt.
ABER:
ich kann nicht so schnell fahren, wie der Rücksichtslose.

Wir haben hier also 2 Strategien (inklusive Abstufungen). Beide sind erfolgreich und beide haben Vor- und Nachteile, deswegen setzt sich auch keine gegen die andere durch.

Sorry, off topic #hicks

Beitrag von jella87 05.03.10 - 10:55 Uhr

Ich glaube an das Gute im Menschen ;) Liegt bestimmt aber mit daran, dass ich einfach sehr optimistisch bin...

Ich finde nicht, dass die Menschen eigentlich nur Tiere sind! Klar, wir wollen selber unser Leben erhalten, deswegen reagieren wir in Extremsituationen anders als normalerweise (Chile).
Aber ich denke nicht, dass Tiere z.B. darüber nachdenken würden, ob sie gut oder böse sind :) Sie handeln einfach, ich sag jetzt mal, instinktgetrieben. Wir Menschen dagegen haben die "Freiheit der Wahl", was heisst, dass wir entscheiden können, ob das, was wir machen wollen, gut oder schlecht ist und es dann machen oder eben nicht machen.

Beitrag von unipsycho 05.03.10 - 13:20 Uhr

"Aber ich denke nicht, dass Tiere z.B. darüber nachdenken würden, ob sie gut oder böse sind :) "

Stimmt, da hast du schon irgendwie recht.

Ich muss dich aber leider einschränken:
http://www.faz.net/s/Rub268AB64801534CF288DF93BB89F2D797/Doc~EF32FD42962954BD08E5468056CE0DC74~ATpl~Ecommon~Scontent.html
Moral scheint also von der Evolution vorgesehen zu sein...

Recht gebe ich dir dahinein, dass wir uns ganz bewusst FÜR (moralsich) gutes Verhalten entscheiden können.
Man denke an die Versuchspersonen des Milgram-Experiments, die keine tödlichen Elektroschocks verteilten.

Deutlich wird es auch daran, dass, würde man das Experiment heutzutag durchführen, wesentlich weniger Personen gehorchen würden. Weil wir uns ganz bewusst gegen den Einfluss von Autoritäten wenden können.

Beitrag von sonntagsmalerin 05.03.10 - 13:01 Uhr

Interessantes Thema :-)

Also aus dem was ich glaube schließe ich, dass die Polaritäten auf der Erde nur dazu dienen, um zu erleben. Wir sind hier um Erfahrungen zu machen, Gefühle zu erleben, welche nur durch Kontraste wie Gut und Böse, Liebe und Hass usw. möglich werden.

Außerhalb des Irdischen gibt es diese Polaritäten nicht, so wie wir sie hier kennen...

Beitrag von unipsycho 05.03.10 - 13:28 Uhr

:-) Das geht jetzt vollkommen in die Philosophie ;-)

Begriffe, wie Gut und Böse, Liebe und Hass sind für uns ja irgendwie nur Orientierungshilfen.
Meistens bewegen wir uns mittendrin, versuchen unser Verhalten durch polariserte Begriffe nur zu beschreiben. Insofern ist meine Frage nach dem Gut und Böse eigentlich hinfällig ;-)

Also frage ich sind wir eher egoistisch, oder eher kooperativ?

Was unterscheidet uns vom Affen, AUSSER das Tragen von Waffen?

Beitrag von gingerbun 05.03.10 - 13:52 Uhr

"Was unterscheidet uns vom Affen, AUSSER das Tragen von Waffen?"

(sinnloser) Konsum :-)

Beitrag von unipsycho 05.03.10 - 13:59 Uhr

#rofl

Leider tun das aber sehr viele Tiere. Was denkst du, warum Omas Waldi zur dicken Sofarolle mutiert?

Beitrag von gunillina 18.03.10 - 20:51 Uhr

Aber würde er zur Sofarolle mutieren, wenn die Omma nicht wäre?
Sondern er, wie immer schon, durch die Gegend streifen würde, zusammen mit den Jungs aus seinem Rudel, immer auf der Suche nach Nahrung? Und Frauen?
Nein, wir Menschen machen nicht nur uns, sondern auch die ("unsere") Tiere kaputt. Nicht, dass ich sonderlich tierlieb bin, aber was wir mit Tieren so anstellen, das ist pervers. Siehe deine Sofarolle...
Dein Club fängt an, mich zu interessieren...:-)

Beitrag von inblack 05.03.10 - 14:33 Uhr

Ich bin SICHER, dass deine letzte Aussage in der Diskussion vom Standfort prison war, dass wir Menschen doch gar nicht alle SOOO schlecht sind.

Also echt, du hast täglich neue (sich WIDERSPRECHENDE) Theorien...

#contra

Beitrag von unipsycho 05.03.10 - 19:11 Uhr

Tja, auch ich darf mich entwickeln, oder nicht?

Wenn du die gesamte Diskussion gelesen hättest, hättest du bemerkt, dass ich auch offen für die "Gute Seite" bin.

Und so wirklich einen Widerspruch kann ich auch nicht sehen. Das Stanford-Zitat von mir schwächt die These des "schlechten Menschen" lediglich ab.
Mein Fazit ist auch nicht, dass wir Menschen im Grunde schlecht sind, sondern eher, dass unsere Moral im Grunde nichts weiter ist als eine Adaption an unsere Umwelt.
Zeigt sie sich als nichtadaptiv wird sie oft abgelegt.

Allerdings bleibt die Frage, woher die "Ausreißer" kommen, z.B. Menschen, die in der NS-Zeit Juden gerettet und damit oft ihr eigenes Leben riskiert haben...

Beitrag von inblack 05.03.10 - 14:37 Uhr

Ich zitiere dich selbst:
"Menschen sind doch nicht so schlecht, wie gern behauptet wird."

http://www.urbia.de/forum/index.html?area=thread&bid=11&pid=15805747

Was denn jetzt???