Mir geht sein Gejammer so auf den Wecker...

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Forum: Partnerschaft

Eine dauerhafte Partnerschaft ist eine der größten Herausforderungen unserer Zeit. Lust und Frust liegen da oft nah beieinander. Hier könnt ihr offen ausdrücken, was euch innerlich bewegt.

Beitrag von jammerlappen? 05.03.10 - 11:46 Uhr

Hallo!
Ist vielleicht jetzt nicht das Riesen-Problem. Aber ich bin schon ganz schön genervt.
Wir haben zwei Kinder (5 und 2). Ich bin zu Hause, mein Mann geht arbeiten.
Meine Meinung:
mein Mann
- ist körperlich völlig gesund, sieht aus wie das blühende Leben und ist ein ganzer Kerl von der Statur her
- hat einen für heutige Verhältnisse guten Job. Er arbeitet 35/h die Woche, kommt immer pünktlich nach Hause, hat einen kurzen Weg dahin und verdient wegen langer Betriebszugehörigkeit recht gut.
- und somit auch wir haben keine finanziellen Sorgen
- hat sehr viele Freiheiten innerhalb der Familie. Ich kümmere mich um die Kinder so gut wie alleine.
Seine Sicht:
- er ist mit Mitte 30 ganz schlecht dran, rennt dauernd zum Arzt, meint er fühlt sich nicht fit, hat es im Rücken, schlechte Leberwerte, was weiß ich. Er hatte als Kind mal Krebs und nun immer Angst dass er ernsthaft krank ist.
- er wurde vor ein paar Jahren beruflich degradiert, macht eine "niedrigere" Arbeit, bekommt aber das gleiche Gehalt wie für die frühere Tätigkeit. Die Arbeit strengt ihn an, er ist unzufrieden, traut sich aber was anderes auch nicht zu.
- er findet die Kinder anstrengend. Fragt ständig ob es normal ist dass sie nachts aufwachen, bockig sind, Schränke ausräumen. Es kommen Sprüche wie "mir graust es schon wenn die mal älter sind".
Ich weiß nicht wie ich es besser beschreiben soll. Gestern ist mir der Kragen geplatzt. Ich habe gesagt dass ich es nicht mehr aushalte. Nun hat er wieder Angst ich könnte ihn verlassen, dann bringt er sich um #bla. Man muss dazu sagen dass wir beide psychisch krank sind. Er meint gerade ich müsste ihn verstehen mit seinen Depressionen. Aber ich habe Ziele, war gerade wieder in der Klinik, ich möchte mich nicht unterkriegen lassen von der Krankheit, sondern möglichst gut damit leben und ein schönes Familienleben haben. Mich macht es halt einfach manchmal wütend dass er so undankbar ist.
Was meint ihr dazu? Übertreibe ich?
Freue mich auf Antworten und Grüße, JL

Beitrag von silk.stockings 05.03.10 - 11:52 Uhr

Ist dein Mann in therapeutischer Behandlung?

Beitrag von jammerlappen? 05.03.10 - 11:57 Uhr

Ja, ist er. Er nimmt auch Medikamente und meint selbst dass es ohne nicht geht.
Ich habe nur den Verdacht dass der Therapeut ihn häufig noch bestätigt. #aerger

Beitrag von silk.stockings 05.03.10 - 12:03 Uhr

Warst du schonmal mit?

Beitrag von jammerlappen? 05.03.10 - 12:06 Uhr

Meinst du das bringt was? Wir machen auch Paargespräche. Der Therapeut meint auch dass mein Mann viel jammert, hat ihm das auch gesagt aber das veranlasst meinen Partner nur dazu noch mehr zu jammern - dass keiner ihn versteht etc. #schock Wir verstehen uns sonst gut, aber das ist wirklich schlimm.

Beitrag von ohne psychisch.... 05.03.10 - 12:39 Uhr

.... krank zu sein, was sein Denken sicher beeinflußt, ist es nachvollziehbar, dass

- er sich degradiert und weniger wert fühlt, wenn er eine "niedere" Arbeit machen muß als vorher (unabhängig vom Einkommen).

- er kleine Kinder anstrengend findet.

- nach einer Krebserkrankung unterschwellig immer noch Angst herrscht.

Findest Du nicht?

Beitrag von ttr 05.03.10 - 12:45 Uhr

mich würde ja interessieren, wie das gut gehen soll.
beide haben psychische probleme, der eine macht dem anderen vorwürfe...wäre in ner normalen beziehung ja schon schlimm, wenn keiner was am zeiger hat.
vielleicht solltet ihr euch einfach mal gegenseitig therapieren. solang da immer noch dritte ihr geld raus schlagen, reden die einem immer müll ein. die einnahmequelle soll ja nicht versiegen...
ich hab nichts gegen therapien. nicht falsch verstehen....
aber wenn es nicht grad schicksalsschläge oder burn out-syndrome sind, halte ich andauernde therapien für geldmacherei dritter und bequemlichkeit der betroffenen.
niemand nimmt irgendjemanden die verantwortung für sein leben ab.
niemand kann sich den entscheidungen, die das leben verlangt, entziehen.
jammern ist immer leicht, anklagen ebenso.
sein leben in die hand nehmen, das muss jeder selbst.
paartherapie,psychotherapie des einzelnen.....da sind die feierabende ja mit sitzungen verplant....
und wie erleben die kinder das?
also ich weiß ja nicht, aber nen arsch in der hose, sein eigenes leben anzupacken, und nicht jammernd von arzt zu arzt rennen, sollte man schon haben.
was haben menschen gemacht, als es noch keine therapeuten gab? sich das leben genommen, weil sie angst vor selbigem hatten?
also ich find das grenzwertig

Beitrag von angelaangela 06.03.10 - 00:51 Uhr

Wer sich das Bein bricht, der braucht nen Gips. Wem die Psyche durcheinander kommt, braucht Therapie. Gerade UM sein Leben weiter verantwortlich führen zu können. Bloß weil du schlechte oder keine Erfahrungen hast,brauchst du anderen nicht ihre Hilfe madig zu machen. Als es noch keine Therapeuten gab, gab´s für viele schlicht keine Rettung. Gute alte Zeit.

Beitrag von gh1954 06.03.10 - 08:57 Uhr

>>>vielleicht solltet ihr euch einfach mal gegenseitig therapieren. solang da immer noch dritte ihr geld raus schlagen, reden die einem immer müll ein. die einnahmequelle soll ja nicht versiegen... <<<

Vielleicht solltest du dich zurückhalten, wenn es um Dinge geht, von denen du keine Ahnng hast.

Das gleiche gilt für den Satz:
>>>aber wenn es nicht grad schicksalsschläge oder burn out-syndrome sind, halte ich andauernde therapien für geldmacherei dritter und bequemlichkeit der betroffenen.<<<

Mal gut, dass du nicht zu entscheiden hat, wo eine seelische Krankheit anfängt.

Dir rate ich: Geh bloß nicht zum Arzt, solange es kein Gehirntumor oder Schlaganfall ist, alles andere ist nur Geldmacherei von den Ärzten.... #augen#klatsch

Beitrag von duda... 05.03.10 - 12:56 Uhr

Hallo,

also ide 3. Antwort ist etwas krass - so hart hätte ich das nicht umschrieben aber bitte,... recht geben muss ich dem

vielleicht sollte ihm mal jemand sagen, dass gerade wenn man einmal den krebs besiegt hat, .das leben noch mehr genießen soll? gerade so ein mensch muss ja dankbar sein gesund zu sein und nicht ständig nur herumjammern (ich habe eine freundin die hatte mal einen turmor im kopf jetzt ist alles gut aber wg. jeden "verklemten pups" rennt sie nun zum arzt... mind 1 mal die woche,... ein 2. ma ldie woche mit dem kind ... und wenn man sie fragt wies geht,... dann ist die antwort immer schlecht und krank und bäh.... )


burn out.. wie lange gibts den diese krankheit schon??? ein paar jährchen??? ich meine was war das früher?

was soll den mein mann sagen? arbeitet ca 14 stunden am tag,... kommt geschafft nach hause hat aber immmer noch zeit für sein kind! würde nie sagen -er sei anstrengend,.. ich meine er ist 2!

hätte am liebsten noch jeden Tag sex obwohl er weiß, er muss wieder um 5 aufstehen!!
geht samstags arbeiten und abends trotzdem noch mit mir schick essen.......

das leben ist definitiv zu kurz um dauernd nur herumzujammern!! - sag ihm das einmal!!

lg duda

Beitrag von eine Betroffene 06.03.10 - 10:39 Uhr

Hallo!

Früher war das u.a. als Erschöpfungssyndrom bekannt. Gerade bei Depressionen ist eine Erschöpfung meist ein Begleiter der Krankheit. Viele Depressive bauen nach außen eine Fassade auf, die ihr inneres Empfinden verbirgt. Das erfordert viel Kraft. Zum normalen Arbeiten, Familie etc. kommt das also noch hinzu. Dadurch ist man dann auch schneller erschöpft. Und sollte das auch wirklich ernst nehmen...

Ich denke nicht, dass Du Deinen Mann (offensichtlich gesund?) mit einem psychisch Kranken vergleichen solltest. Wobei ich jetzt nicht weiß, ob derjenige unter Depressionen leidet - aber auch bei anderen psychischen Erkrankungen ist meistens nach außen eine Fassade, die das eigentliche Empfinden verbirgt, um nicht als verrückt angesehen zu werden...

Aber ich gebe Dir Recht - jammern bringt rein gar nichts außer einer Verschlimmerung. Helfen jedoch kann nur er sich selbst und dann erst auch die Angehörigen... ER muss das selbst wollen.

LG

Beitrag von kenn ich 05.03.10 - 13:06 Uhr

Hi!

Ich hab auch so einen elenden Jammerlappen daheim. Nichts kann man ihm recht machen. Alles ist scheisse und jeder gegen ihn. Da ich im Moment auch nicht in bester psychischer Verfassung bin und er sich nicht helfen lassen will spiele ich mit dem Gedanken mich zu trennen. Hilft ja nichts.

Wenn dein Mann eh schon immer zum Arzt rennt, hat er dann schon mal in Erwägung gezogen zum Psychologen zu gehen? Denn helfen kann man ihm wirklich nur wenn er es zu lässt. Sonst gibt es da keine chance.

LG

Beitrag von fruehchenomi 05.03.10 - 17:58 Uhr

Es ist sehr knallhart geschrieben, aber ich muss "ttr" auch zustimmen - in großen Teilen.
Ich weiß aus dem Bekanntenkreis, dass Depressionen und psychische Krankheiten schlimm sind - ohne Frage.
Aber .... ihr habt zwei Kinder und die haben Anspruch auf ein normales Leben - so einfach ist das. Und ich könnte kotzen bei Sprüchen, dass ihm graust, wenn seine Kinder größer werden. Dann hätte er sich keine anschaffen dürfen !!!!!!!!!! Den Kindern grauts bis dahin vielleicht vorm Heimkommen zu so einem Vater ???
Krankheit und Depri entschuldigt NICHT alles !
Erst kürzlich sagte ich zu meinem eigenen Mann, dass er kein Recht hat, wenn es ihm schlecht geht, mich systematisch fertigzumachen, da ich ja ohnehin immer für ihn da bin. Er hats gefressen - und seltsamerweise gehts ihm nun auch besser - ohne seine Jammerei. Und der hätte mindestens soviel Grund wie Deiner (Schlaganfall vor 6 Jahren, schwer hörgeschädigt, die Augen auch nicht mehr perfekt und noch ein paar Kleinigkeiten mehr)
Wenn Du Ziele hast, dann verfolge sie - auch im Interesse Deiner Kinder und ob die ewige Therapiererei Deines Mannes was bringt - naja - dem Geldbeutel des Therapeuten ganz sicher. Denn zu mir sagte mal ein Psychotherapeut, den ich beruflich kennenlernte. Eine gute Therapie ist nur eine, die auch mal ein Ende hat......
LG Moni

Beitrag von jammerlappen? 05.03.10 - 19:57 Uhr

Danke für eure Antworten!
Ich denke auch tatsächlich dass die vielen Therapien bei ihm nichts bringen. Ich selber kenne die schlimmsten Ängste und Depressionen, ich bin durch verschiedene Erlebnisse schwer traumatisiert, aber gleichzeitig dankbar um jeden Tag an dem es mir gut geht und ich für meine Kinder da sein kann. Darum kämpfe ich, dass die Kinder möglichst unbelastet leben können. Ich brauche hin und wieder therapeutische Unterstützung und mir tut es auch sehr gut...auch wenn vielleicht manche urteilen.
Schlimm finde ich auch, dass mein Mann scheinbar gar keine Freude an den Kindern hat. :-( Er geht nicht schlecht mit ihnen um, aber irgendwie kann er keine richtige Beziehung aufbauen. Nach dem was er erlebt hat auch kein Wunder, er hat es ja selbst nie kennen gelernt, also die Liebe von seinen Eltern. Ach, ich bin heute irgendwie traurig darüber. :-(
Gruß

Beitrag von eine Betroffene 06.03.10 - 11:02 Uhr

"Aber .... ihr habt zwei Kinder und die haben Anspruch auf ein normales Leben - so einfach ist das. "

Das mag alles sein. Aber so einfach ist es eben nicht! #aerger Aber vielleicht weißt Du ja nicht wirklich was von psychischen Erkrankungen... Ich schon, denn ich selbst bin vor zwei Jahren mit schweren Depressionen und einem schlimmen Erschöpfungszustand zusammen gebrochen. Ich wollte einfach nicht mehr leben, weil es mir so schlecht ging. Ich war über ein halbes Jahr in der Klinik. Meine zwei Kinder haben das sehr gut verkraftet, weil wir ihnen erklärt haben, was da passiert. Warum ich krank bin. Weil wir sie in gewisser Weise mit einbezogen haben.

Ach ja... Gilt Deine Ansicht auch bei schweren Erkrankungen? Bei schweren Herzerkrankungen oder anderen schweren Leiden? Das wäre verheerend.

"Krankheit und Depri entschuldigt NICHT alles ! "

Du weißt nicht wirklich, wovon Du redest - nicht wahr? Ich hätte mich damals NICHT um meine Kinder kümmern können. Ich war froh, wenn ich in einer Position saß, in der ich mal keine Schmerzen hatte. Alles war einfach nur zu viel. Und ich war dankbar, dass meine bessere Hälfte die Versorgung unserer Kinder und den Haushalt klaglos übernommen hat (zusätzlich zu seiner Arbeit etc) und mich letztlich auch unterstützt hat, was eine Therapie angeht.

"Und ich könnte kotzen bei Sprüchen, dass ihm graust, wenn seine Kinder größer werden. Dann hätte er sich keine anschaffen dürfen !!!!!!!!!!"

Und ich könnte kotzen bei solchen Sprüchen! Du glänzt mit sehr wenig Wissen, maßt Dir aber an, ihn zu verurteilen...

Fakt ist aber, dass sich ein Betroffener nur selber helfen kann. Nur wenn er es will, kann sie ihm helfen. Nur, Vorwürfe sorgen mit Sicherheit NICHT dafür, dass er was ändert. Ansonsten bleibt ihr nur, Konsequenzen zu ziehen, um ihre eigenen Ziele nicht zu gefährden.

LG

Beitrag von jammerlappen? 06.03.10 - 12:42 Uhr

Ich danke dir für deine statements. Es ist eben schwer nachvollziehbar für einen Nicht-Psychisch-Kranken, das kann ich verstehen. Aber eben um meinen Kindern ein "normales" Leben bieten zu können nehme ich die Hilfe in Anspruch. Wir haben übrigens auch Familienhilfe, das ist für die Kinder super, und im Zuge der FH machen wir die Paargespräche.
Mein Mann hat ADS und ist seit 8 Jahren trockener Alkoholiker. Er hat immer wieder depressive Episoden und leidet unter starken Unruhezuständen. Heute vormittag haben wir wieder lange gesprochen, ihm geht es total schlecht, er hat kurzfristig überlegt in die Psychiatrie zu gehen - aber das bringt ja vor allem am Wochenende auch nichts. :-( Gott sei Dank geht es mir momentan so gut. #freu Es ist eben nur so schlimm zu sehen wie er sich hängen lässt. Denn beanntermaßen bringt es ja nichts sich in Selbstmitleid zu baden wenn man depressiv ist.
Schönes Wochenende! Gruß

Beitrag von eine Betroffene 06.03.10 - 14:22 Uhr

"Aber eben um meinen Kindern ein "normales" Leben bieten zu können nehme ich die Hilfe in Anspruch."

Das ist sehr gut und vor allem wichtig. Wenn Du krank bist, nützt Du Deinen Kindern ja am Ende auch nicht wirklich. Daher ist es wichtig, dass Du auch im Interesse Deiner Kinder Therapie machst. Auch ich mach das weiterhin und versuche, auch in schlechten Zeiten immer die Ziele vor Augen zu haben.

Bis dahin, und das wirst Du sicher ja auch wissen, ist es aber oft ein sehr langer und schmerzvoller Weg. Da er selbst zu der Erkenntnis gekommen ist, dass eine Therapie wohl das Beste ist, macht er nun (hoffe ich) den ersten Schritt.

Wenn es bei ihm akut ist, soll er sich umgehend in eine Klinik begeben. Es gibt in Psychiatrischen Kliniken immer auch eine Akutstation, wo er erst einmal untergebracht werden kann. Es wäre für ihn ein erster Schritt in Richtung Veränderung. Ganz besonders wenn es ihm sehr schlecht geht! Er muss da ja auch an Dich und die Kleinen denken...

Und ja, es IST schlimm, so etwas anzusehen. Heute weiß ich, wie schlimm diese Zeit für meinen Mann war. Und daher verstehe ich auch Dich.

"Denn beanntermaßen bringt es ja nichts sich in Selbstmitleid zu baden wenn man depressiv ist"

Das ist vollkommen richtig! Aber das muss ER selbst auch erst begreifen. Und sicher weißt auch Du, dass es ein gewisser Prozess ist. Ich hab dazu Jahre gebraucht und den absoluten Tiefpunkt.

Aus meiner Erfahrung heraus kann ich Dir nur folgendes empfehlen: Sucht Euch eine Klinik, wo er möglichst sofort aufgenommen wird - als Akutfall. Dort ist er mit Sicherheit besser aufgehoben - und DU weißt, dass er dort Hilfe bekommt, auch am WE. Vor allem kannst Du Dich dann auf Dich konzentrieren. Es ist schwer (beinahe zu schwer), als selbst Kranke noch einen anderen Kranken aufzupäppeln und zu motivieren.

Ich wünsch Dir alles Gute und auch ein schönes WE. Lass mal hören, wie es bei Euch weitergeht... #liebdrueck

Beitrag von fruehchenomi 06.03.10 - 19:43 Uhr

Ich war selbst über ein Jahr in Psychotherapie aufgrund einer schweren Depression und meine beste Freundin litt viele JAHRE unter SCHWERSTEN Depressionen - mit mehreren Suizidversuchen, stationären Krankenhausaufenthalten und dem ganzen Programm.
Vorwiegend natürlich sie selbst, aber auch ich mit habe dazu beigetragen, dass sie heute stabil ist und selbst schwere Schicksalsschläge sie Gottseidank nicht mehr aus der Bahn werfen.
Soviel zum Thema .... ich hab keine Ahnung, was ich schreibe.
Und dass ich - ebenfalls seit vielen Jahren, einen schwerkranken Mann zuhause habe, hab ich schon geschrieben. Auch hier hat man laufend mit situationsbedingten Depressionen zu tun, die er an mir auslassen will - aber ich lasse das nicht mehr zu, sogar auf Anraten seines behandelnden Arztes.
Depressiv ist nicht gleich depressiv, schwerst Depressive, die stationär behandelt werden, habe ich nicht beurteilt, das kann ich garnicht.
Einen Mann aber, der noch "gesund" genug ist, auf seinen Kindern herumzuhacken, kann ich weder verstehen noch entschuldigen. ANDAUERNDES haßerfülltes Benehmen gegenüber seinen Kindern hat nichts mit Depression zu tun, sondern - leider - wohl mit seinem Wesen. Gerade WEIL ich in vielen Jahren leider sehr oft mit schwerstkranken Menschen Umgang hatte, die NIEMALS zu ihren Kindern ekelhaft gewesen sind, maße ich mir an, diesen Mann zu beurteilen. Und dazu stehe ich auch.
LG Moni

Beitrag von eine Betroffene 06.03.10 - 23:22 Uhr

"Einen Mann aber, der noch "gesund" genug ist, auf seinen Kindern herumzuhacken, kann ich weder verstehen noch entschuldigen."

Jemand, der psychisch krank ist, ist nicht gesund! Das Verhalten ist nicht richtig - da sind wir uns einig. Dennoch gehören insbesondere bei Männern häufiger als bei Frauen Aggressionen (leichtere Reizbarkeit, schnelles Aufbrausen und Wutanfälle) zum Krankheitsbild. Ich weiß es, weil ich (wenn auch als Frau) leider auch sehr darunter gelitten habe. Und ich war alles andere als gesund. Nach außen war das aber nicht zu sehen. Ich habe mir eine Mauer aufgebaut und nach außen alles verborgen. Ich war schwerst depressiv, völlig erschöpft und überfordert mit meinem Leben. Ich habe darum unbewusst um mich "geschlagen" (verbal), damit man mich in Ruhe lässt. Am liebsten wäre es mir damals gewesen, alles hätte ganz schnell ein Ende mit mir gehabt.

Aus diesem Grund halte ich (mit meiner Erfahrung) es für notwendig, dass er sich schnellstens, also besser gestern als heute, in Behandlung begeben sollte. Die ambulante Therapie scheint hier nicht viel zu bringen. Also muss er (nach dem Wenigen, was hier beschrieben ist) in eine Klinik - im Interesse seiner eigenen Gesundung, seiner Kinder und auch seiner Frau, die ja selbst damit zu tun hat.

Keine von uns weiß, wann die Aggressionen den Kindern gegenüber begonnen haben, ob sie schon von jeher da waren oder erst hinzugekommen sind. Das muss also nicht automatisch mit seinem Wesen zu tun haben. Ich habe auch immer gedacht, ich würde Wut oder Aggressionen nicht empfinden können - und doch brach das mit einer absoluten Macht über mich herein. Ich konnte es nicht kontrollieren. Und bin heute dankbar, dass meine bessere Hälfte vieles abgefangen hat... Oft habe ich mir Vorwürfe anhören müssen. Und es hat mich schockiert, dass niemand auch nur mal gefragt hat, was diese Wutausbrüche überhaupt auslöst. Nicht einmal die Leute, die mich sonst nur als sanftmütig gekannt haben. Doch ich weiß heute, dass Aggressionen sehr häufig ein dicker Schutzschild sind. Darum reagiere ich heute vielleicht auch so, wenn jemand pauschal aburteilt, so wie Du - es läge am Wesen, er hätte halt keine Kinder in die Welt setzen lassen usw. Pauschalisierungen, die am Ende den Betroffenen nicht helfen werden. Eine Aufnahme in einer Klinik wird in seinem Fall sicher eher was bewirken, als ein Therapeut, der ihn zwar bestätigt in seinen Gefühlen, aber ihn nicht zu Änderungen bewegen kann... In der Klinik wird er lernen (müssen), wie er mit den Aggressionen umgeht und wie er sie kontrolliert. Er wird lernen, was sie auslöst und lernen, damit umzugehen.

Vielleicht hast Du Erfahrung mit Depressiven. Da will ich mich mit Dir ja auch nicht streiten. Doch Psychische Erkrankungen haben so viele Gesichter. Aggression, in welcher Form auch immer, ist nur eines... Und wird selten genug mit psychischen Erkrankungen in Verbindung gebracht. Leider...

LG

Beitrag von jammerlappen? 07.03.10 - 06:53 Uhr

Guten Morgen, ich muss mich hier nochmal einklinken. Also mein Mann verhält sich den Kindern gegenüber überhaupt nicht aggressiv. Es ist vielmehr so dass er sich so gut er kann raushält was die Kinder betrifft und dann mich mit Fragen nervt, ob es normal ist dass Kinder so anstrengend sind. Und da kam eben der Spruch "mir graust es wenn die älter sind". Er meint dass wir das dann evt. nicht mehr schaffen. Nebenbei fühle ich mich dann auch noch angegriffen, weil ich mit den Kindern sehr gut zurecht komme und mir auch von den Fachleuten hohe Alltagskompetenz bescheinigt wird.
Wir haben gestern nochmal gesprochen. Er meint er hätte Angst uns zu verlieren, weil ich ihm gesagt habe dass ich das so nicht mehr mitmache. Es ist meiner Meinung nach so dass eine Klinik (in die er selbst bereit ist zu gehen) nichts bringt so lange er in seiner Jammertour verharrt. Ich habe ihm gestern gesagt dasss er wohl zuerst einen Tiefpunkt braucht, nun hat er Angst dass ich gehe. #bla Ich weiß momentan nicht so recht weiter. :-( Gruß und schönen Sonntag!

Beitrag von eine Betroffene 07.03.10 - 13:43 Uhr

Ja, diese Ängste sind mir bekannt. Gerade deswegen sollte er in eine Klinik gehen. Die bringen ihn schon von seiner Jammertour runter. Weil sie Forderungen stellen... Wo er lernt, welche Fähigkeiten in ihm stecken, wo er lernt, wie er sich selbst reflektieren sollte. Er lernt, woher seine Ängste kommen. Viel schneller, als er das in einer ambulanten Therapie schafft. Nur muss ER selbst diese Änderungen auch wollen! Da ist es irrelevant, ob Du glaubst, es würde nichts bringen. In einer Klinik wird er ganz anders angepackt, als ein Angehöriger (auch mit Erfahrungen) das tun würde. Was nützt es denn, wenn er das Jammern einstellt und trotzdem von all den Ängsten und Zweifeln geplagt wird? Das kann dann nach hinten losgehen. Und ja, Kinder sind anstrengend... das muss er lernen. Irgendwann wird es vielleicht ruhiger, aber die Sorgen sind dann andere ;-)

Ich sage das so, weil ich es so in der Therapie erfahren habe. Zwar plagen mich noch immer Ängste und Zweifel (obwohl mir oft genug gesagt wird, ich hätte alles hervorragend im Griff), aber ich komme besser mit ihnen klar. Ich habe dort gelernt, wo meine Stärken liegen, wie ich mir selbst helfe... Ich habe selbst zwei anstrengende Kinder - eines autistisch, das andere sehr begabt (hat zwei Klassen übersprungen). Beide sind wie Tag und Nacht, grundverschieden. Sie SIND anstrengend.

Unterstütz DU ihn in seinem Vorhaben, evt. den schnelleren Weg über eine Klinik zu wagen. Das wäre für Dich hilfreich, weil Du Dich dann in Ruhe um Dich und Deine Ziele sowie um Deine Kinder kümmern kannst. Für ihn, weil er ohne den Druck der Familie Änderungen erreichen kann. Es ist ein großer Schritt, sich selbst einzugestehen, dass man allein mit dieser Situation nicht fertig wird und darum nicht falsch, sich die Hilfe zu holen. Wenn er nichts unternimmt, sehe ich die Gefahr, wird er Euch verlieren oder Du Dich in Deiner Rolle verewigen. Beides sind keine guten Alternativen... Sag ihm, dass Du an ihn glaubst, wenn er sich Hilfe nimmt. Aber nimm ihm nicht den Mut, indem Du von vornherein sagst, es brächte nichts...

Ach, da fällt mir noch was ein: Vielleicht kann er ja auch über eine Reha-Kur (psychosomatisch/psychisch) Hilfe finden... Da muss er sich mal mit seinem Arzt oder Therapeuten unterhalten. So könnte er erstmal wieder Kraft tanken, über manches nachdenken und hätte auch gleichzeitig Hilfe, wenn auch nicht so intensiv wie in einer Klinik... Und ich denke schon, dass er eine solche Kur bewilligt bekommen könnte.

LG und auch einen schönen Sonntag