Leidenschaft oder Pflicht???

Archiv des urbia-Forums Partnerschaft.

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Forum: Partnerschaft

Eine dauerhafte Partnerschaft ist eine der größten Herausforderungen unserer Zeit. Lust und Frust liegen da oft nah beieinander. Hier könnt ihr offen ausdrücken, was euch innerlich bewegt.

Beitrag von himmel_und_erde 05.03.10 - 23:46 Uhr

Liebe Urbianer/innen,

ich möchte Euch eine Situation vorstellen und wissen, was Ihr dazu sagt.

Mann, Frau, Kind.

Mann hat eine gute Bürotätigkeit wenige Gehminuten vom Zuhause entfernt, mag sie aber nicht.

Frau trägt auf der Arbeit eine große Verantwortung, fährt ein paar dutzend km täglich, macht Schichte, mag die Arbeit aber sehr.

Mann hätte die Frau am liebsten zu Hause gehabt, da sie häufig Überstunden macht oder Nachts und am Wochenende arbeitet. In diesen Fällen kümmert Mann sich ums Kind und macht etwas im Haushalt.

Um sich beruflich zu entwickeln, hatte die Frau nach der Babypause ein Jahr lang eine Weiterbildung weit von zuhause entfernt, das Paar musste Wochenendehe führen, was der Mann kaum akzeptieren konnte, ist alles aber gut ausgegangen.

Eines Tages hat Mann in sich einen Künster entdeckt und hat gekündigt.

Jetzt übt er fleißig zu Hause, um später das Geld mit seinem Kunst verdienen zu können (seine Vorstellung). Das Ganze macht ihm total Spaß und er hat absolut nicht vor, wieder seine Bürotätigkeit (auch woanders) anzunehmen.

Die Frau ist nun Alleinverdienerin und hält die Pläne des Mannes für Schwachsinn. Sie meint, ein Künstler kann kaum mit einem festen Verdienst rechnen und er soll wieder eine normale Arbeitsstelle suchen.

Der Mann wirft ihr vor, dass sie auch Jahre mit dem Kind zu Hause verbracht hat "ohne großes Nutzen" - er will sich jetzt auch erholen und braucht einige Monate, bis seine Kunstwerke verkauft werden können.

Jetzt sind beide sauer.

Was denkt Ihr?

Grüßli



Beitrag von Ich behaupte 05.03.10 - 23:52 Uhr

Der Typ hat einen gewaltigen Knall.

Beitrag von angelaangela 06.03.10 - 01:04 Uhr

Ich nehm mal an, er hat nur dieses eine Leben, um seine Träume zu verwirklichen. Aber wenn du keine Lust hast, ewig allein das Geld ranzuschaffen, muss ein Zeitlimit her bis er Geld verdient.

Offenbar fehlt es beiden an Wertschätzung?

Beitrag von So nicht 06.03.10 - 02:45 Uhr

Ein Kompromiß muss her.

Entweder erfüllt er (wie im umgekehrten Falle eine Hausfrau) als Hausmann und Vater seine Pflichten komplett und übt fleissig weiter in seiner Freizeit. Somit wäre lediglich eine Rollenverschiebung zwischen der klassischen Form (Frau - Hausfrau, Mann - Alleinverdiener) hergestellt. Sie hätte also dann wirklich keinen Grund mehr, sich zu beschweren.

Oder er sucht sich einen Teilzeitjob, Haushalt wird dann eben prozentual zwischen den Beiden geteilt. So kann er auch etwas zum Lebensunterhalt beitragen und bis er mit seinem Künstlerjob Geld verdient muss die Haushaltskasse nicht leiden. Da reicht dann auch ein 400€-Job, im Bestfall sucht er sich in dem Bereich einen, wo er sich später sowieso selbständig bewegen will. Dann lernt er gleich die Szene kennen.

Was Beide tun sollten: Akzeptieren, dass man grundverschiedene Ansichten über Lebensqualität hat, aber dass beide damit Recht haben. Einen ungeliebten Job über Jahre machen zu müssen geht aber ebenso wenig, wie jahrelang einen Job zu planen und dabei nichts zu verdienen.

Beitrag von backinblack 06.03.10 - 06:44 Uhr

Hallo

Den Vorwurf von ihm, dass sie auch Jahre zu Hause verbracht hat ohne Nutzen und er sich jetzt auch erholen will, finde ich unangebracht - das gleich mal vorweg.
Das klingt so, als hätte er gar keine Vorstellung davon, wie hart es ist, wenn man mit Kunst Geld verdienen will - es klingt ehr so, als hätte er keine Lust zum arbeiten.

Wenn er mit seiner Kunst Geld verdienen will, dann kann er sich jetzt nicht erholen - dann wird er sehr viel härter arbeiten müssen als in seinem Bürojob.

Ich sehe das an meinem Freund, der ist Fotodesigner. Er sitzt oft 16-18 Stunden am Rechner, ist oft und viel unterwegs und hat kaum mal Zeit für sich, geschweige denn für mich. Aber da ich das als Hobby habe, kann ich nachvollziehen, wieviel man da lernen muss und wie hart das ist. Ich versteh ihn und ich unterstütze ihn.
Man kann schon gut verdienen dabei, aber es ist ein Risiko.

Man muss schon sehr gut sein, in dem was man macht und es muss auch noch der breiten Masse gefallen. Man muss sich abheben von allen anderen, die das Gleiche machen, was auch nicht einfach ist und ständig dazulernen - ein geregelter Job ist da viel einfacher. Man geht zur Arbeit, arbeitet seine 8 Stunden, fährt nach Hause und gut ist... Als Künstler kann er das nicht mehr machen.
Er muss ja dann auch Werbung für sich machen, muss bekannt werden und Kunden aquirieren, das ist alles nicht so einfach, wie er sich das vorstellt. Da steckt sehr viel harte Arbeit dahinter und ein paar Monate reichen da bei weitem nicht aus.

Die Leute, die ich kenne (die gut damit verdienen) haben Jahre(!) gebraucht, um da hin zu kommen, wo sie jetzt sind.

Was ist, wenn er mal ein sogenanntes "Krea-Tief" hat (so nenne ich das immer, wenn mir die Ideen ausbleiben)? Solche Phasen wird er öfter haben - dann bleibt aber auch das Geld aus, weil er ja in solchen Phasen nichts verdient.

Sowohl er als auch sie haben nicht ganz Recht - man kann gut damit verdienen, aber es reicht nicht aus, fleissig zu üben. Am Anfang mag die Euphorie recht groß sein, aber das lässt nach - nur darf er dann nicht nachlassen. Und dieser Satz: "er will sich jetzt auch erholen" klingt für mich ehr so, als hätte er gar keine Lust zum Arbeiten, wie ich oben schon schrieb. Und nicht nur das, er hat gar keine Vorstellung davon, wie hart das Leben eines künstlers ist.

Künstler sein ist harte Arbeit und hat nichts mit Erholung zu tun.

Und dann noch eines: Künstler sein macht einsam. Er soll sich das wirklich gut überlegen.

Ich muss immer lachen, wenn ich sowas lese. Da ist einer, der meint, dass er die Kunst für sich entdeckt hat und denkt sich: da übe ich mal ein bisschen und dann geht das von ganz allein... Schön wärs! Dann hätte ich mehr von meinem Freund und er hätte auch mehr Zeit für sich und mich.

LG, backinblack


Beitrag von minimal2006 06.03.10 - 08:07 Uhr

Hallo

Dann will ich mal antworten ;-)

"Mann hat eine gute Bürotätigkeit wenige Gehminuten vom Zuhause entfernt, mag sie aber nicht."

Vielleicht hat er keine Freude mehr an seiner Arbeit und möchte sich beruflich verändern.

"Frau trägt auf der Arbeit eine große Verantwortung, fährt ein paar dutzend km täglich, macht Schichte, mag die Arbeit aber sehr."

Schön, das sie Freude an ihrer Arbeit hat!

"Mann hätte die Frau am liebsten zu Hause gehabt, da sie häufig Überstunden macht oder Nachts und am Wochenende arbeitet. In diesen Fällen kümmert Mann sich ums Kind und macht etwas im Haushalt."

Tja, wenn sie aber einen sicheren, g
ut bezahlten Job hat, der ihr zudem noch Spaß macht, sollte er froh sein. Immerhin trägt es dazu bei, das Geld in die Kasse kommt!

"Um sich beruflich zu entwickeln, hatte die Frau nach der Babypause ein Jahr lang eine Weiterbildung weit von zuhause entfernt, das Paar musste Wochenendehe führen, was der Mann kaum akzeptieren konnte, ist alles aber gut ausgegangen."

Die Frau ist klasse. Ich ziehe meinen Hut vor ihr.

"Eines Tages hat Mann in sich einen Künster entdeckt und hat gekündigt."

OK. es ist schön, wenn man neue Seiten an sich entdeckt, aber generell sollte sein Einkommen gesichert sein.
Vielleicht hätte er "nebenberuflich" erst mal mit seinen Künstlerideen anfangen sollen und seinen Job nicht aufgeben sollen.

"Jetzt übt er fleißig zu Hause, um später das Geld mit seinem Kunst verdienen zu können (seine Vorstellung). Das Ganze macht ihm total Spaß und er hat absolut nicht vor, wieder seine Bürotätigkeit (auch woanders) anzunehmen."

Hm, es ist schön, wenn er Spaß an seiner Arbeit hat.
Dennoch würde ich meinem Mann Beine machen, wenn er sich à la Picasso hier selbst verwirklichen wollte und ich mir den Arsch aufreißen müsste.

"Die Frau ist nun Alleinverdienerin und hält die Pläne des Mannes für Schwachsinn. Sie meint, ein Künstler kann kaum mit einem festen Verdienst rechnen und er soll wieder eine normale Arbeitsstelle suchen."

Kann ich verstehen.. auf der einen Seite... ;-)
Er möchte sich selbst verwirklichen, aber auf die Kosten der ganzen Familie!
Er kann ja seiner künstlerischen Ader nachgehen, aber bitte zuerst mal NEBENBERUFLICH!

"Der Mann wirft ihr vor, dass sie auch Jahre mit dem Kind zu Hause verbracht hat "ohne großes Nutzen" - er will sich jetzt auch erholen und braucht einige Monate, bis seine Kunstwerke verkauft werden können."

Bei solchen Aussagen rollen sich mir die Füßnägel!
Kindererziehung, Haushalt ect. ist mit Sicherheit keine vergeudete bzw. nutzlose Zeit!
Beim allem Verständnis für seine krative Phase, aber da würde ich ihm seine "Kunst" wahrscheinlich vor die Tür stellen.. inkl. seinem gepackten Koffer.
Er hat genauso, wie seine Fau, Verantwortung für seine Familie!

"Jetzt sind beide sauer."

Ich glaube, als Frau wäre ich ganz schön angepisst!


LG minimal

Beitrag von Kommunikation 06.03.10 - 08:24 Uhr

Hallo,

setzt Euch zusammen und findet einen Kompromiss

sein Vorwurf die Frau wäre ohne Nutzen im Elternjahr zu Haus geblieben würde ich nochmal extra disskutieren

mir scheint ihr habt nicht viel gemeinsam

wenn einer von uns sich verändern will werden Vor-und Nachteile abgewogen bevor man einschneidene Schritte wie eine Kündigung begeht

hat er denn schon Feedback bekommen zu seiner künstlerischen Ader?

LG

Beitrag von jacky 06.03.10 - 09:19 Uhr

Wenn ein Kind da ist, geht das ja wohl mal gar nicht. Entweder würde ich Kohle ranschaffen und zum Lebensunterhalt beitragen oder ich würde ihn an die Luft setzen! Die Frau hat immerhin auf ein konkretes Ziel hin gearbeitet und was erreicht. Er macht auf Kunst. Toller Hecht.

Beitrag von himmel_und_erde 06.03.10 - 10:03 Uhr

Danke für Eure Meinungen.

Der Mann hat ganz am Anfang gemeint, dass er einen halben Jahr zum Üben braucht und danach versucht, seine Kunstwerke zu verkaufen; sollte es nicht klappen, wird er doch eine Arbeitsstelle suchen - der Frau zuliebe - aber sie muss in diesem Fall akzeptieren, dass er wieder ständig schlecht gelaunt wird, da er sein erlerntes Beruf hasst. Schliesslich musste er zähneknirschend ein Jahr lang Wochenendehe und mehrstündige Hin- und Herfahrerei ertragen.

Die Frau gibt jetzt regelmäßig Geld für seine künstleriche Bedürfnisse aus. Obwohl sie auch mehrere Hobbys hat und träumt davon, ein eigenes Lädchen mit selbstgemachten Leckereien zu besitzen, sieht sie die Lage realistisch an...

Grüßli

Beitrag von mansojo 06.03.10 - 10:20 Uhr

also hat er noch kein Feedback wie seine Kunstwerke ankommen

hat er denn wenigstens Kontakt zu Galeristen anderen Künstlern die ihn fördern und unterstützen

wenn er wirklich als Quereinsteiger in die Kunstszene will muss er ein Jahrhunderttalent sein das auch noch den Geschmack der <massen trifft
denn nur so läßt sich Geld verdienen

er schmollt weil es Frau gelungen ist eine Arbeit zu finden die sie ausfüllt ,wo sie Annerkennung bekommt und Bestätigung

er verrent sich da in eine Idee wenn er damit auf die Schnauze fällt,fällt er gleichzeitig in ein tiefes Loch

warum ist er denn so fixiert auf diese Kunstidee?

ohne Dir nahtreten zu wollen
wie sieht es denn mit dem Eheleben aus
macht sie ihm auch Vorwürfe
macht sie ihn runter in irgendeiner Form?

LG

Beitrag von manavgat 06.03.10 - 11:00 Uhr

Der würde sich bei mir mitsamt seinem Künsterkrempel draußen wiederfinden.

Gruß

Manavgat

Beitrag von mansojo 06.03.10 - 11:05 Uhr

Du bist aber streng #zitter;-)

Beitrag von asimbonanga 06.03.10 - 15:21 Uhr

Sonst ist sie nicht so streng-nur kurz angebunden.;-)

Beitrag von manavgat 06.03.10 - 15:36 Uhr

#schein

Beitrag von Istessoooschlimm 06.03.10 - 17:32 Uhr

Hallo,
meine Meinung dazu:
Sollte die Frau einen wirklich gut bezahlten Job haben, der die Familie trägt ,wäre es ihr vielleicht möglich Ihrem lieben Mann eine Auszeit von der Arbeit zu gönnen. Vielleicht ein Jahr oder so, einfach aus Liebe zu ihm. Ist er bereit den Haushalt zu schmeissen oder auf das Kind aufzupassen, wäre es doch nicht so schlimm ihm das zu ermöglichen.
Viele Frauen bleiben doch auch zu Hause oder arbeiten auf Minijobbasis. Natürlich nur wenn die Haushaltskasse es zulässt.
Lg.