Frage zu Überstunden - darf der AG das?

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Beitrag von hilli2 06.03.10 - 19:18 Uhr

Hi!

Ich hab jetzt auch mal eine Frage für eine Freundin (wir sind aber beide keine ALG 2 empfänger ;-))

Die arbeitet seit einer Woche im Gruppendienst in einem Heim. Wochenarbeitszeit sind 40 Stunden (laut Vertrag). Nach 6 Tagen arbeit hat sie schon 25 Überstunden (!!!) und wie es aussieht, wird das so bleiben.

Diese Überstunden werden weder bezahlt, noch kann sie die abbummeln (alle Mitarbeiter machen so viele überstunden). Anscheinend müsste man 2 Leute mehr einstellen, damit man mit diesen Verträgen überhaupt hinkommt!!

Nun meine Frage: Ist das arbeitsrechtlich in ordnung?? Darf der ARbeitgeber diese Überstunden REGELMÄßIG verlangen? (so 20 Überstunden jede Woche, für die es KEINEN Ausgleich gibt). Das sind dann ja über 80 Stunden im Monat!!!

Ich hoffe, hier weiß jemand was darüber oder weiß, wohin sie sich wenden kann, denn so kann sie nicht arbeiten (sie hat 2 kleine Kinder, die sie im Moment gar nicht mehr sieht!!)

Beitrag von kathrincat 06.03.10 - 19:23 Uhr

dürfen darf er nicht, wenn sie aber nicht mitmacht, kann sie gehen, bei meinen mann sind überstunden auch jeden tag üblig ohne bezahlung und ausgleich natürlich, die muss da jeder machen. aber wer nicht will kann gehen.

Beitrag von vwpassat 06.03.10 - 19:25 Uhr

Falsche Antwort! Setzen.

Beitrag von terminor 06.03.10 - 19:40 Uhr

Dito!

Beitrag von hilli2 06.03.10 - 19:25 Uhr

Hi!

das Problem ist, dass sie gerade erst angefangen hat und ihr das bei dem Einstellungsgespräch nicht gesagt wurde. Wenn sie das gewusst hätte, hätte sie sich auf diesen Job gar nicht eingelassen...

Beitrag von kathrincat 06.03.10 - 19:35 Uhr

dann soll sie die überstunden nicht machen und der chef kündigt sie.

Beitrag von rosaundblau 06.03.10 - 19:23 Uhr

Die Anordnung von Überstunden findet ihre Grenze in den zwingenden Bestimmungen des ArbZG. Dieses geht von einer maximalen täglichen Arbeitszeit von acht Stunden aus. Die Arbeitszeit darf auf bis zu zehn Stunden verlängert werden, wenn innerhalb von sechs Monaten oder innerhalb von 24 Wochen im Durchschnitt acht Stunden täglich nicht überschritten werden. Da der Samstag nach wie vor normaler Werktag ist, liegt dem Gesetz also eine 48 –Stunden- Woche zu Grunde.

Wird ein Arbeitnehmer verpflichtet, über die gesetzlich zulässige Arbeitszeit (d.h. mehr als die verlängerte Höchstarbeitszeit von 10 Stunden) hinaus Mehrarbeit zu leisten, so ist insoweit die Verpflichtung unwirksam. Der Arbeitgeber handelt ordnungswidrig.

40 Std. + 25 Überstunden = 65 Std. / 6 Arbeitstage überschreiten die Höchstarbeitszeit von 10 Std.

Beitrag von hilli2 06.03.10 - 19:28 Uhr

Danke, kann man das irgendwo nachlesen??

Meine Freundin hat das bei dem Einstellungsgespräch nicht gewusst, dass derart viele überstunden geleistet werden müssen, das wurde ihr nicht gesagt.

Auch ist im Vertrag nun ein geringer Lohn festgesetzt, als ihr beim Gespräch zugesagt wurde. Da sie auf diesen Job angewiesen ist, um ihre Familie zu ernähren, hat sie dennoch unterschrieben...

Da steht auch: Familienzuschlag: 0 Euro (sie hat aber Familie), wie kann denn das sein?? Ich kenn mich damit leider gar nicht aus...

Beitrag von vwpassat 06.03.10 - 19:33 Uhr

Hier:

http://www.gesetze-im-internet.de/bundesrecht/arbzg/gesamt.pdf


Ich würde Dir bzw. Deiner Freundin den Tipp geben, nur so zu arbeiten, wie vorher abgesprochen wurde. Paralell anderen Job suchen.

Sie sollte nicht selbst kündigen.

Beitrag von hilli2 06.03.10 - 19:37 Uhr

Hi!

Sie sucht schon ;-). Ist natürlich doof, weil dieser Job, so wie das abgesprochen war, eigentlich gut gewesen wäre...

Warum sollte sie nicht selbst kündigen?

Danke noch mal!!

Beitrag von kada8102 06.03.10 - 19:43 Uhr

ganz einfach..

sollte sie nichts finden, wird sie überall gesperrt. Ob ALG 1 oder ALG 2 für 3 Monate bzw bekommt eine Sanktion auferlegt.

Lg K.

Beitrag von king.with.deckchair 06.03.10 - 19:56 Uhr

"sollte sie nichts finden, wird sie überall gesperrt"

Nicht zwingend!

Beitrag von liesschen_1980 06.03.10 - 20:13 Uhr

Hallo,
mein Mann war mal in einer vergleichbaren Situation.
Er hatte (da er im Falle der Arbeitslosigkeit ja ALG1 bekommen hätte) vorher schon das Arbeitsamt kontaktiert und denen die Situation telefonisch geschildert. Die Dame am anderen Ende war ziemlich schockiert und hat ihm auch gleich die Nummer einer Rechtsberatungsstelle (? oder ähnlichem?) gegeben.
Ich denke, falls Deine Freundin doch irgendwann nicht mehr kann und selbst kündigt, dann weiss das Amt schonmal Bescheid.
Und ich denke auch einfach ganz naiv, dann droht nicht unbedingt eine Sperre.
Sie sollte sich vielleicht dort mal erkundigen.
LG Anne

Beitrag von vwpassat 06.03.10 - 19:30 Uhr

Kurz und knapp: NEIN, das ist nicht in Ordnung.

Da solche Dinge von unserem Staat ja stillschweigend geduldet werden, wüsste ich auch nicht was Beschwerden irgendwo bringen sollen.

Wenn Sie Mitglied einer Gewerkschaft wäre, sähe dies anders aus, aber davon geh ich mal nicht aus.



Das Einzige, was hilft: Pünktlich Feierabend machen, wenn sicher ist, das weder Freizeitausgleich noch Bezahlung erfolgt. Und alles schön dokumentieren, falls es zu einem Rechtsstreit kommt.

Beitrag von hilli2 06.03.10 - 19:36 Uhr

Rechtzeitig Feierabend machen geht leider nicht....da sie in einem Heim arbeitet. Sie kann ja nicht einfach gehen und die Kinder allein lassen, das wäre grob fahrlässig!

Aber danke!!

Beitrag von vwpassat 06.03.10 - 19:59 Uhr

Wieso kann sie nicht gehen???

Da wird doch "Rund um die Uhr" jemand da sein oder wie läuft das ab?

Beitrag von hilli2 06.03.10 - 20:11 Uhr

Da wird doch "Rund um die Uhr" jemand da sein oder wie läuft das ab?

ja, eben. Sie ist da! Und wenn sie für eine Doppelschicht eingeteilt ist, dann kommt da auch kein anderer. Und dann kann sie nicht gehen, auch nicht, wenn ihre wochenarbeitszeit voll ist!

Beitrag von vwpassat 06.03.10 - 20:44 Uhr

Was sind denn Doppelschichten? 16h? Das ist schonmal sitten und gesetzeswidrig.

Wer betreut derweil Ihr Kind(er)?

Beitrag von hilli2 07.03.10 - 23:08 Uhr

Ihr Mann

Beitrag von terminor 06.03.10 - 19:42 Uhr

Du und Deine wunderbare rotrosa Welt!

Manche Dinge sind eben anders als sie das Gesetz vorsieht. Jedoch grade im Berceich der Arbeitswelt bringt ja eine Klage mal gar nichts, da ja anschliessend das Vertraunsverhältnis gestört ist. Was hat man davon einen Prozess zu gewinen aber keine Arbeit mehr zu haben.

Im Fall der TE hilft nur. Durchhalten und einen anderen Job suchen.

Beitrag von vwpassat 06.03.10 - 19:56 Uhr

Du hast mich anscheinend falsch verstanden.

Mit Klagen meinte ich z.B. den fehlenden Lohn zu fordern bzw. notfalls einzuklagen.

Gearbeitet hat sie doch auch, also soll sie auch gerecht (für alle geleisteten Stunden) bezahlt werden.

Beitrag von terminor 06.03.10 - 20:13 Uhr

Schwierig, das durchzusetzen denke ich.

Kennst Du da Referenzfälle?

Beitrag von vwpassat 06.03.10 - 20:46 Uhr

Das geht schon, nur "getraut" sich halt kaum ein AN derlei Dinge, obwohl sie ihm zustehen.

Die richtige Dokumentation (Kopien der Dienstpläne, etc..) ist das A und O.

Beitrag von grafzahl 06.03.10 - 19:36 Uhr

Bei so einem Arbeitgeber stehen die Bewerber sicher Schlange...


> Anscheinend müsste man 2 Leute mehr einstellen, damit man mit diesen Verträgen überhaupt hinkommt!!

Woher sollen sie die Leute denn bekommen? Vom Sklavenmarkt vielleicht...

Beitrag von tagpfauenauge 06.03.10 - 19:45 Uhr

Hi,

das machen die Mitarbeiter FREIWILLIG, das VERLANGT der AG nicht.

Die Mitarbeiter, die es nicht freiwillig machen, sind unloyal, passen nicht in den Betrieb und müssen gehen.

In der Gastronomie war das z.B. noch nie anders. Buckeln, wenn andere feiern (Weihnachten...) und das meist für lau.

Also das nächste Mal ans Trinkgeld denken! ^^

Zu dir: Sie muss diese Arbeit ja nicht machen. Wenn sie arbeiten will (dort) muss sie wohl die Zähne zusammenkneifen.

vg

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