Habe ich mich selbst schon aufgegeben?! *SILOPO*

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Forum: Trauer & Trost

Fehlgeburt, Tod eines geliebten Menschen, Angst, nicht enden wollende Trauer um ein Sternenkind: Leider stehen wir nicht immer auf der sonnigen Seite des Lebens, diese Erfahrung muß jeder von uns machen. Oft hilft es, mit anderen darüber zu sprechen...

Beitrag von loewenbaby85 08.03.10 - 01:35 Uhr

Hallo liebe UrbianerInnen!

Ich weiß im Moment nicht so recht wohin mit mir selbst und meinen Gedanken und auch nicht in welches Forum, deswegen poste ich es einfach mal hier, ich hoffe es ist o.k. (ansonsten bitte verschieben).

Folgendes zur Situation: ich habe mitte November vergangenen Jahres die Diagnose einer selteneren Art der Leukämie bekommen. Angefangen hat aber alles schon Februar letzten Jahres. Einen Abend vor Weihnachten trennte sich dann auch noch völlig überraschend mein Freund von mir. Auch wenn die Diagnose zuerst so "ungreifbar" war und ich mich vollkommen auf die Trennung konzentriert hatte und wie ich das alles schaffen soll, so hatte ich es doch viel schneller überwunden (dabei schien es immer unmöglich am Anfang) und hatte mich nun mit meiner Krankheit auseinandergesetzt. Ich habe mich sogar bei einem guten Psychologen in Behandlung begeben, der abschließend meinte eine weitere, dauerhafte Theapie sei nicht befürwortenswert da ich mit der Situation gut klarkomme. Ich hatte zwischenzeitlich auch mehr über diese Form der Leukämie erfahren und war bereit alles zu tun damit es mir den Umständen möglichst entsprechend gutgeht.

Doch nun zu meinem Problem; ich habe das Gefühl dass ich immer weiter "abrutsche". Ja, ich nehme zwar wie vorgeschrieben meine Tabletten, gehe zu den Infusions- und Transfusionsterminen, nehme meine Termine in der Uniklinik wahr, etc., aber ich tue es mittlerweile irgendwie "automatisch" und mit einer unbeschriebbaren Gleichgültigkeit. Die Menschen die von meiner Diagnose wissen, die habe ich auch gebeten mich weiterhin ganz normal zu behandeln, wie auch ich mich ganz normal verhalten will. Ich jammer nicht gerne rum und ich möchte auch keine Sonderbehandlung. Und daraus schließe ich auch mein Problem; vlt habe ich das alles doch nicht akzeptiert?! Ich höre nicht auf meinen Körper und wie es mir geht, ich funktioniere ganz automatisch. Ich gebe nach außen hin die "starke" damit alles normal scheint und ich ziehe mich immer mehr von allem zurück um alleine zu sein und nicht allen diese Lüge vorleben zu müssen. Ich will keine Hilfe von Familien und Freunden. Ich sehe in so vielem keinen Sinn mehr und keinen Ehrgeiz, Ziele noch erreichen zu wollen die ich immer hatte. Die Vergangenheit holt mich mehr ein denn je ich es zu glauben gewagt hätte. Ich wünsche mir insgeheim manchmal so sehr bei meinen beiden Sternchen zu sein und bei meinem geliebten Opa. Die Sehnsucht ist manchmal unbeschreiblich groß, vor allem wenn die Nebenwirkungen wieder gnadenlos zuschlagen in ihrer Wirkung (und ich weiß, eine Chemotherapie muss noch um ein vielfaches schlimmer sein; und das möchte ich nicht erleben). Wie oft denke ich den Gedanken, all die Tabletten nicht mehr zu nehmen weil dann hätte all das in ein paar Monaten ein Ende. Andererseits schaffe ich es nicht weil ich jeden Tag erneut unbewusst die selbe Prozedur (durch)mache wie Tags zuvor. Ich fühle mich als würde ich nicht mehr ich selbt sein, als gäbe es nur zwei Gedanken die mich im Unterbewusstsein zwischen Leben und Tod hin- und herreißen. Hab ich mich vlt schon selbst aufgegeben? Wieso sagte der Psychologe, es sei alles o.k., dieses Verhalten und diese Gedanken seien völlig normal (ihm gegenüber habe ich mich versucht authentisch zu geben, denn es hätte ja keinen Sinn gemacht mich vor ihm zu verstellen wenn ich schon selbst von mir aus die Hilfe gesucht habe)? Ist es das wirklich? Was passiert nur mit mir, was ist nur los? Eig will ich mich doch gar nicht aufgeben, doch ich kämpfe auch nicht mehr. Sind das "normale" Phasen die man durchleben muss mit solche einer Diagnose? Ich finde es schade dass es hier im näheren Umkreis keine Selbsthilfegruppen oder sonstiges gibt wo man die Möglichkeit hätt auf andere Sichtweisen, Erfahrungsaustausch, Hilfe, u.s.w..

Vlt hat ja jemande aus eigener Erfahrung oder aus dem nahen Umfeld ein paar Erfahrungen oder ansatzweise Antworten auf meine Fragen im Umgang mit dem Thema Krebsdiagnose, hilfreiche Tipps, etc..

Für Anworten jeder angemessenen Art bin ich euch schon vorab dankbar.

Eine gute N8 noch und Liebe Grüße, wünscht euch

löwenbaby

Beitrag von scrollan01 08.03.10 - 09:26 Uhr

Mensch, das tut mir sehr sehr leid!

Ich bin Krankenschwester und habe lange auch auf der Gyn gearbeitet und betreute Patientinnen mit Brustkrebs und co - inkl. Chemo und Strahlentherapie.

Ich weiß also, wie es dir geht - ich habe aktuell eine gute Bekannte, die leidet auch an Brustkrebs und hat nun die Chemo laufen - die Nebenwirkungen sind schon stark inkl. Haarausfall - aber sie hat 2 Kinder und KANN sich nicht aufgeben!
Eine sehr gute Freundin erkrankte mit 21 an Morbus Hodgkins - direkt nach der Entindung erfuhr sie davon ...
Sie bekam auch Chemo inkl. aller Nebenwirkungen und kämpfte - für ihr Baby!

Mein Vater hatte vor 10 Jahren Magenkrebs mit nur ganz wenig Überlebenschancen. Chemo und alles hatte er gemacht und auch Magen - Op.
Er gab erstmal auf!
Für uns war es schlimm ihn so zu sehen - nichts war ihm mehr wichtig! Alles war egal, er lebte jeden Tag gleich mnoton, wurde depressiv ... versuchte man ihm zu hlfen, für ihn da zu sein, wurde verbal aggressiv!

Geändert hat es sich bei ihm als ich ihm sagte, dass ich schwanger war.
Er hat einen Tag gebraucht um dies zu verpacken - es war das 1. Enkelkind!
Danach konnte man erleben, wie er von Woche zu Woche wieder mehr wurde und er lebt heute noch!
Er hat nun 3 Enkelkinder und ist ein super Opa!

Meine Große hat ihm quasi das Leben gerettet!

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Ich verstehe deine Situation sehr gut, und es ist eben NICHT gut, wie der Psychologe sagt! Suche dir bitte jemanden anderes.

Und vielleicht gibt es ja Menschen an deiner Seite, die dir helfen könnten wenn Du es zulassen würdest!
Du steckst jetzt fest - und helfen an sich kann niemand dir!

Mache Dir bewusst, dass du noch sehr jung bist! Dein Leben könnte noch ganz lange daurn und dir noch vile schöne Dinge zeigen!
Bald kommt endlich der Frühling und es wird warm!
Im Moment ist es ja eh schon so, dass viele gesunde Menschen - auch ich - zu Depris neigen wegen der Kälte und dem Dauergrau!

Mach dir vielleicht einen Plan mit all den Dingen, die du immer schonmal gern machen wolltest und zieh den durch! So hast Du immer wieder kleine Ziele vor Augen!

Gib dich bitte nicht auf!

#liebdrueck

LG Scrollan

Beitrag von dream22 08.03.10 - 10:17 Uhr

Hallo Löwenbaby,

mein Papa hat auch Leukämie auch eine sehr seltene Form. Er muss auch täglich Tabletten schlucken und am Anfang hatten die wirklich schlimme Nebenwirkungen. Mittlerweile (fast 4 Jahre später) ist es etwas besser. Mein Papa hat im Internet ein Forum gefunden wo es ausschließlich um diese Form der Leukämie geht. Nennt sich glaube ich chronische Leukämie. Kann ihn gerne mal fragen wenn Du magst?
Desweiteren würde ich wie meine Vorschreiberin schon schrieb einen anderen Psychologen oder auch eine liebe Freundin aufsuchen.

GlG und alles alles Gute für Dich#klee#liebdrueck

Simone

Beitrag von lorelei_fv 08.03.10 - 13:55 Uhr

Lass Dich #liebdrueck ! Gib nicht auf!

Grüße Nicole #klee

Beitrag von danimitben 08.03.10 - 17:11 Uhr

Hallo Löwenbaby,

ich muss nicht wie du so eine schwere Erkrankung am eigenen Leib ertragen, aber leider habe ich auch schon so einige Erfahrungen damit gemacht.

Meine Schwester erkrankte im Alter von 7 Jahren an Nierenkrebs. Die Prognose lautete, sie wird sterben. Kinder haben aber weniger Ängste und wissen nicht was kommt, sie kämpfen intuitiv. Sie hat es geschafft. Im Dezember 09 im Alter von 36 Jahren kam der Krebs zurück. Sie hat zwei verschiedene Arten von Brustkrebs, eine sehr aggressive Form. Sie steckt in der Mitte der Chemo und wir hoffen dass sie eine weitere Chance auf Leben bekommt. Sie hat es schon einmal geschafft, vielleicht hat sie deshalb etwas mehr Mut.

Mein kleiner Sohn war gleich nach der Geburt an einer schweren Leukodystrophie erkrankt. Eine unheilbare Stoffwechselerkrankung. Er war 12 Monate und 9 Tage bei uns. Er hat gekämpft und gelitten. Kinder zeigen uns dass es sich lohnt zu kämpfen.

Ich bin nicht krank, aber an manchen Tagen wünsche auch ich mir dass es vorbei ist. Ich möchte bei meinem kleinen Engel sein. Es ist einerseits vielleicht ganz schön, wenn man keine Angst vor dem Tod hat, aber ich glaube fest daran dass es sich lohnt zu kämpfen, dass es sich lohnt zu leben.

Ich glaube du hast in den letzten Wochen und Monaten sehr viel mitgemacht und es ist eine völlig normale Phase, deine Kraft und auch dein Mut lässt nach. Versuch es bitte mit einem anderen Therapeuten und ich glaube auch, dass wenn der Frühling kommt, kommt auch neuer Mut.

Gib nicht einfach auf, deine Sternchen wollen dich hier unten sehen!

Ich drück dich und schicke dir einen Sonnenstrahl.
Alles Liebe
DANI mit BEN im Herzen *29.06.08 +08.07.09 (Morbus Alexander)
http://www.ben-sternenkind.de

Beitrag von loewenbaby85 08.03.10 - 22:17 Uhr

Guten Abend liebe UrbianerInnen!

....und wieder ist fast ein Tag geschafft.

Vielen lieben #herzlichen Danke euch allen für eure Antworten, Erfahrungen und aufmunternde Worte.

Ich versuche darin den Mut zu finden um zu kämpfen und positiv zu denken, weil andere es auch geschafft habe. Auch wenn es nicht immer einfach ist und Rückschläge scheint es immer zu geben, doch mir fehlt im Moment die Perspektive was mich hier halten sollte. Nichtmal mehr mein geliebter Job gibt mir das was er mir einst gab.

Ich habe mir ganz feste vorgenommen, mir einen "neuen" Therapeuten zu suchen und eine weitere, unabhängige Meinung zu erhalten, denn ich habe solche Angst zu versagen und ich schaffe das alles nicht.

DANKE dass ich meine Gedanken hier loswerden konnte, es hat für einen Augenblick geholfen und gutgetan.

Ich wünsche euch allen noch einen schönen Abend, eine gute Zeit bzw. Zukunft und vor allem Gesundheit.

Liebe Grüße

Löwenbaby