er will seine Tochter plötzlich nicht mehr sehen

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Forum: Allein erziehend

Als Alleinerziehende selbstbestimmt zu leben hat Vorteile, andererseits ist es oft sehr anstrengend, den täglichen Herausforderungen allein zu begegnen. In diesem Forum findet ihr die Hilfe und Unterstützung von Frauen, die in einer ähnlichen Situation sind.

Beitrag von lepidoptera 08.03.10 - 11:33 Uhr

Hallo ihr Lieben,

ich bin gestern mit meiner Tochter nach ihrer Herz-OP aus dem Krankenhaus entlassen worden. Ich fand eine Mail in meinem E-Maileingang, die mein Ex am Tag geschrieben hatte, an dem unsere Tochter ins Krankenhaus eingeliefert wurde.

Er schreibt, daß er die letzten Wochen viel nachdenken konnte und sich nun entschieden hat, seine Tochter nicht mehr zu sehen. Seine Entscheidung wäre entgültig. Aus steuerrechtlichen Gründen müsste er jederzeit wissen, wo ich mit unserer Tochter wohne. Kein Wort einer Begründung, kein Wort von seiner Liebe zu ihr, nichts! Stattdessen nur die Erwähnung des finanziellen Aspektes in Form der steuerrechtlichen Gründe. Das Einzige, was er noch möchte, ist ein Attest, welche Behinderung unsere Tochter hat (ich habe ihn immer über alle Diagnosen schriftlich informiert).

Ich bin jetzt total verzweifelt und weiß nicht, was ich machen soll und was richtig ist. Er kam bis jetzt regelmäßig jede Woche und hat seine Tochter gesehen.

Auf meine Eltern und mich wirkte es seit Dezember allerdings eher wie eine Pflichtveranstaltung um den Schein zu wahren. Die Umgangstermine wurden immer kürzer gehalten und vermehrt kamen ihm Termine dazwischen, so daß er das Treffen mit seiner Tochter verschieben wollte. Seit September konnte er sie nicht mehr zu sich nach Hause mitnehmen, da sie bei ihm so extrem gefremdelt hat, daß sie sich nicht mehr beruhigt hat und nur noch schrie. Sie ist 1 1/2 und ihre Entwicklung ist etwa um die Hälfte verzögert, womit mein Ex gar nicht klarkommt.

Ich überlege jetzt, ob ich die Umgangspflicht einklagen soll, weil ich doch nicht einfach so zusehen kann, wie er sein Kind einfach fallen lässt. Ich habe die Hoffnung, daß er sich nach einer Weile wieder alleine für den Umgang interessiert, wenn man es nur durchsetzt. Andererseits habe ich die Befürchtung, daß ein erzwungener Umgang nicht wirklich förderlich für unsere Tochter ist.

Kann man so etwas auch komplett übers Jugendamt laufen lassen, ohne sich zu begegnen?
Ich bin mir durchaus darüber im Klaren, daß Eltern miteinander reden sollten, aber ich bin im Moment einfach zu enttäuscht, wie ein Vater sein Kind fallen lassen kann und das auch noch ausgerechnet vor einer schweren Operation.

Was soll ich denn jetzt machen? Wie würdet ihr handeln? Mich interessiert vor allem auch die Sichtweise von Vätern.

Danke für das Lesen dieses Romans.
LG Lepidoptera

Beitrag von mirabelle 08.03.10 - 11:45 Uhr

Ich denke, das dieser Mann es nicht ertragen kann ein unperfektes Kind zu haben.

Sowas gibt es.

Ich würde meinem Kind nicht zumuten wollen, einem sochen Menschen zwangsvorgeführt zu werden. Denkst Du villeicht mal daran, wie verletztend das für Eure Tochter sein würde.

M.

Beitrag von frieda-lotta 08.03.10 - 12:45 Uhr

Hallo,

erstmal hoffe ich das es Deiner Tochter soweit gut geht und Deine Sorgen nicht allzu groß sind.

Meine Meinung fällt auch sehr kurz und knapp aus. Wenn er nicht will, dann laß ihn. Es ist sein Leben welches ohne Bereicherung stattfindet, das Kinder das Leben schöner und sinnvoller machen ( auch mit Erkrankungen ) ist beim ihm scheinbar nicht angekommen.

Du bekommst die Kleine alleine groß und wenn sie irgendwann mal fragt, dann könnt ihr ja immernoch versuchen den Umgang wieder herzustellen.

Aber zwingen würde ich ihn nicht, da wäre mein Stolz zu groß.

Alles Gute für Euch!

Frieda

Beitrag von manavgat 08.03.10 - 13:21 Uhr

Lass dieses ARschtörtchen ziehen.

Eine Umgangspflicht kann man nicht einklagen. Allerdings würde ich das gut dokumentieren, falls ihm irgendwann mal einfällt, er wolle das Kind doch sehen.

Gruß

Manavgat

Beitrag von krokolady 08.03.10 - 13:39 Uhr

na das ist ja nen Arsch.......

Er will bestimmt ne Kopie vom Schwerbehindertenausweis, gelle?
Damit er seine Tochter steuerlich geltend machen kann.......so hat man nämlich erhöhte Freibeträge.

tät ich ihm an Deiner Stelle nicht zukommen lassen.
Da er nichts mit dem Kind zu tun hat benötigt er ja auch keine Vorteile.

Wenn ich Du wäre würd ich auch Schwein sein.....schenk dem ja keinen Cent und versuch für Dein Kind alles das zu bekommen was ihr zusteht!

Beitrag von frau.mecker 08.03.10 - 13:43 Uhr

Ich bin schockiert, wie leicht es sich dein ExMann macht.
Da ist ein hilfebedürtiges Kind und dein Mann erwägt natürlich alle steuerrechtlichen Vorteile, aufgrund der Behinderung, für ihn zu beanspruchen.

Klage lieber auf alleiniges Sorgerecht, anstatt auf Umgangspflicht. Auf einen angemessen Unterhalt sowie Sonderzahlungen zu Babysittern (Kinderfrau) etc...sofern es finanziell dafür reicht.

Nimm dir einen versierten Anwalt.

Ich finde es toll, daß du kein Wort darüber verschwendest, er lässt mich mit allem allein.
Ich wünsche dir dennoch viel Kraft.

mfg

Beitrag von lepidoptera 08.03.10 - 14:56 Uhr

Hallo,

ich muss da erstmal was klarstellen.

Mein Ex ist mein Exfreund, nicht mein Exmann. Ich habe das alleinige Sorgerecht, was bei all ihren Krankenhausaufenthalten einfach nur mein großes Glück ist.

Ob er den Behindertenfreibetrag anrechnen lassen möchte weiß ich nicht und möchte es ihm auch nicht unterstellen. Eventuell geht es ihm auch nur darum, daß er die Adresse unserer Tochter bei der Steuererklärung angeben muss um den Unterhalt anrechnen zu lassen. Ich weiß nicht, ob er die Adresse dafür angeben muss, ich kann es mir aber vorstellen.

LG Sabrina

Beitrag von krokolady 08.03.10 - 17:30 Uhr

nein, sowas muss man nicht angeben!
Der halbe Kinderfreibetrag steht auf der Lohnsteuerkarte - mehr braucht er nicht.

Es gibt nichts wofür er den Nachweis bräuchte das er ein behindertes oder chronisch krankes Kind hat - ausser halt für finanzielle Vorteile!

Und falls er sagt er möchte wissen wie es um die Gesundheit seines Kindes bestellt ist block ab und sag ihm das er gern mal mit zum Arzt kommen kann.

Aber übertrag ihm auf keinen Fall den erhöhten Freibetrag!

Ich gehe mal davon aus ihr habt eine Pflegestufe?
Und dadurch die Möglichkeit ver Verhinderungspflege?

Vielleicht kannst dir dann mal eine Pflegefachkraft oder nen Babysitter besorgen, so das du vielleicht einmal die Woche zu Haus rauskommst.

Beitrag von lepidoptera 08.03.10 - 18:03 Uhr

Hallo,

ich mutmaße derzeit eher, daß seine neue Freundin schwanger ist und er das Attest auch dafür brauchen könnte. Der Gendefekt ist zwar nicht vererbt, sondern neu entstanden, aber man hat mir damals gesagt, daß man bei einer Fruchtwasseruntersuchung halt gezielt danach suchen könnte. Es ist halt nicht klar, ob der Defekt damals auf der Eizelle oder auf dem Spermium lag. Die Wahrscheinlichkeit, daß es sich wiederholt liegt bei unter einem Prozent. Das hab ich ihm auch gesagt.

Eine eventuelle Schwangerschaft würde auch den plötzlichen Sinneswandel erklären.
Ich möchte mir einfach nicht vorstellen, daß er das Attest wegen des weiteren Freibetrags haben möchte, obwohl es leider zu seinem Charakter passen würde.

Ich habe eine Pflegestufe für meine Tochter. Allerdings muss ich zugeben, daß er davon nichts weiß. Ich habe mir in der Schwangerschaft zu oft anhören müssen, daß es mir nur ums Finanzielle geht, so daß ich mir nicht auch noch in dem Fall anhören wollte, ich würde ihre Behinderung nur dazu benutzen, mich finanziell zu bereichern. Er weiß alles von ihrer Behinderung, aber welche Dinge ich beantragt habe, habe ich ihm nicht erzählt, weil er damit nichts zu tun hat.

LG Lepidoptera

Beitrag von krokolady 08.03.10 - 18:24 Uhr

Das mit der Pflegestufe geht ihn auch nichts an!
Das Geld steht eh nur dir alleine zu, und es darf nirgends angerechnet werden.

Also selbst wenn seine neue Freundin einen Test machen lassen möchte auf diesen Gendefekt reicht es, wenn der Arzt erfährt wie der Defekt heisst. Notfalls kopier ihm den Wisch vom genetischen Institut wo der Defekt beschrieben ist.

Lass dich nicht unterkriegen......Du brauchst Deine Kraft fürs Kind.
Versuch ihn einfach zu ignorieren.......auch wenns schwer fällt.

Beitrag von kruemlschen 08.03.10 - 14:06 Uhr

Hallo,

ich bin immer wieder schockiert darüber, dass es tatsächlich doch immer noch schäbiger geht was das Verhalten von manchen Eltern angeht!

Ganz ehrlich, ich bin eigentlich immer jemand der versucht möglichst neutral zu bleiben und die rechte des Kindes in den Vordergrund zu stellen, aber in diesem Fall empfehle ich Dir: TRITT IHM IN DEN ARSCH!

Habt ihr gemeinsames Sorgerecht? Falls ja, würde ich umgehend einen renommierten Fachanwalt für Familienrecht aufsuchen und alles geben um das alleinige Sorgerecht einzuklagen!

Sein schwerkrankes Kind links liegen lassen, aber schön die steuerlichen Vorteile abkassieren wollen. PFUI TEUFEL!

Und ich würde ihm auf gar keinen Fall ein Attest bzgl. der Behinderungen Deiner Tochter zukommen lassen!

Alles Gute für Euch

LG Krüml

Beitrag von janamausi 08.03.10 - 14:38 Uhr

Hallo!

Ich bin auch über das Verhalten deines Ex schockiert, aber ich würde nichts unternehmen. Wenn er nicht will, dann will er nicht und jegliches Aufzwängen wäre nur schlecht für dein Kind.

Kinder spüren genau, bei wehm sie "willkommen" sind und bei wehm nicht. Evtl. hat ja deine Tochter schon gespürt, dass es für Papa nur eine "Pflichtveranstaltung" ist und deswegen so bei ihm geschrieen.

Auch ist ja eine Herz-Op keine Kleinigkeit und da ist so ein Streß, wohl nicht gerade gut. Ich würde erstmal abwarten. Deine Tochter ist noch so klein, dass sie es ja noch gar nicht richtig mitbekommt. Vielleicht ist es ja besser, erst wieder in ca. 1 - 2 Jahren Kontakt aufzunehmen, wenn deine Tochter bewusst mitbekommt, dass jedes Kind einen Papa hat.

LG janamausi

Beitrag von aeternum 08.03.10 - 21:40 Uhr

Aloha Lepidoptera,

der Vater meines Sohnes (*21.5.08) hat Ende Dezember 09 ohne Angabe von Gründen und ohne jeden "Vorfall" den Kontakt zu uns abgebrochen.

Wir haben am 28.12. noch telefoniert (das hab ich nachgesehen, da ich mittlerweile beim Anwalt gewesen bin), völlig normal - seither kein Wort mehr. Keine Reaktion auf meine Anrufe, meine emails, meine zwei Briefe.

In den ersten zwei Wochen habe ich täglich zweimal angerufen weil ich mir nicht erklären konnte, was los war - er wohnt 500km entfernt, also konnte ich nicht einfach klingeln, sozusagen. Zudem brauche ich seine Unterschrift für einen Reisepass meines Kindes, wollte mit ihm über die Modalitäten der Scheidung sprechen: Alles unmöglich.

Auch bei uns kommt hinzu, dass unser Sohn eine chronische Erkrankung hat: Einen angeborenen genetischen Defekt, eine Herzerkrankung (allem sei Dank aber bisher völlig ohne Ausprägung, was mit etwas Glück so bleiben wird. Er bekommt einen Beta-Blocker und wird regelmäßig untersucht). Allerdings waren wir in den letzten neun Monaten auch dreimal stationär in der Klinik, weil aufgrund der Untersuchungsergebnisse jeweils sofort das Medikament neu eingestellt werden mußte.

Das heißt, er hätte bei all meinen Anrufen Angst haben müssen, dass etwas mit unserem Kind ist.. und meldet sich nicht zurück. Von meiner Schwägerin habe ich nun erfahren, er "will nicht mehr" mit mir reden.. was soll ich dazu sagen?

Ich habe ihn abgehakt, als Mensch, für mich persönlich, vollkommen. Sollte er je Kontakt wollen, werde ich diesen nicht verhindern, meinem Sohn zuliebe. Wie genau das ablaufen wird dann weiß ich nicht.. das wird man dann sehen.

Ich versuche auch weiterhin ab und an, ihn telefonisch zu erreichen. Nicht, um mit ihm zu streiten, eigentlich nur, um ein normales Gespräch zu führen und zu erfahren, was er sich eigentlich denkt und wie er sich die Zukunft vorstellt. Natürlich ist er nicht erreichbar und ruft auch nicht zurück.

Umgang einklagen würde ich nicht. Wenn er nicht will, ist das für alle Beteiligten, sollte man dahingehend klagen können, eine farce. Ich würde alles, was eventuell zu klären ist, von einem versierten Anwalt übernehmen lassen - das mache ich so und bin damit sehr glücklich (bisher reagiert mein Noch-Ehemann auch nicht auf anwaltliche Schreiben - ebenfalls unglaublich, aber wahr. Allerdings lebt und arbeitet er nachweislich noch und zahlt auch Unterhalt).

Ich würde den Vater Deines Kindes durchaus nach seinen Gründen fragen und würde darüber reden wollen..weil ich es nicht verstehen könnte (und kann, und ich finde es unbegreiflich, dass der Vater meines Kindes einfach ohne ein Wort "weg" ist.. monströs). Wenn er dann nicht will, dann würde ich es akzeptieren. Ich würde signalisieren, dass der Weg für Umgang immer offen steht, weil Du Deiner Tochter nicht den Vater nehmen willst. Mehr kannst Du, denke ich, nicht tun.

Ich wünsche euch beiden alles Gute, auch gesundheitlich, und das Dein Exfreund vielleicht doch noch zur Besinnung kommt.

Alles Liebe!

Ae


Beitrag von alpenbaby711 09.03.10 - 12:35 Uhr

Also mein Sohn wird auf Autismus getestet und möglicherweise hat er dann auch mindestens 50% Behinderung. Fakt ist ich weiß das man da wirklich ein paar Sachen geltend machen kann. Könnte mir gut vorstellen das diese Vorteile der Vater schon haben will. ABer finde gehören tun sie ihm nicht weil schließlich kümmert er sich nicht ums Kind!
Ich würde mich ehrlich gesagt mal schlau machen ( notfalls Anwalt oder Steuerberater fragen) was du wirklich rausrücken musst. Sonst würde ich ihm schön in den Ar... treten und nichts hergeben.
Ela

Beitrag von astarte2 10.03.10 - 00:46 Uhr

Ich würde an Deiner Stelle mit diesem Mann kein Wort mehr wechseln, ihm nicht einmal die Uhrzeit sagen.Auch dem Kind kann man einen solchen Vater (wenn man das überhaupt so nennen kann) nicht zumuten, dem fällt dann öfter mal ein, dass er gerade mal wieder weg ist. Such Dir einen besseren oder kümmere Dich einfach erst einmal nur um Dein Kind, such' Dir anderweitig soviel Unterstützung wie möglich, die werdet Ihr (Du und das Kind) sicher brauchen.
Ich wünsche Euch alles erdenklich Gute und Deiner kleinen Tochter eine baldige Genesung.