Jeden Morgen das gleiche cabaret - Sohn heult, Mutter stresst

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Forum: Erziehung

Kinder fordern Eltern täglich neu heraus zu Auseinandersetzung und Problemlösung. Kinder brauchen Grenzen - doch welche und wie setzt man sie durch? Welche Erziehung ist die richtige? Nutzt hier die Möglichkeit, euch hilfreich mit anderen Eltern auszutauschen.

Beitrag von esperancefollie 08.03.10 - 12:39 Uhr

Hallo ihr lieben an diesem Montagmorgen!

Zuerst einmal wünsche ich allen einen guten Wochenanfang.

Also nun zu meinem Anliegen: Mein allersüssester Sohn ist gerade 3 Jahre alt geworden und geht Vollzeit in die Tageskrippe (wohnen in Frankreich). Ich arbeite Vollzeit und muss pünktlich an der Arbeitsstelle sein.

Sein Papa, kann seine Arbeitszeit relatif frei einteilen, deswegen bringt er Elias am Morgen zur Krippe. Das heisst, er spielt mit ihm, lässt sich Zeit und bringt ihn dann #cool. Ich hole ihn dafür Abends ab und wir unternehmen noch was zusammen.

In letzter Zeit gibts aber immer grossen Stress am Morgen. Ich wecke Elias extra so, dass ich noch richtig Zeit mit ihm verbringen kann. Ich singe ihm was vor am Bett, wir lesen Geschichten, frühstücken. ABER wenns ums Anziehen geht, ist zunächst einmal kategorische Totalablehnung angesagt #aerger.

Wenn er dann aber merkt, dass ich mich fertigmachen zum gehen, will er unbedingt mit mir zusammen raus. Habe ich ja auch gar nichts dagegen, nur zu dem Zeitpunkt habe ich keine Zeit mehr in anzuziehen. Also soll ihn doch Papa anziehen, damit er dann zur Zeit fertig ist und wir alle zu Dritt rausgehen können.

Aber NEIN, nicht Papa darf ihn anziehen, NUR Mama. "Aber ich habe jetzt keine Zeit mehr, es tut mir leid, lass dich von Papa anziehen, dann gehen wir zusammen", antwort von mir. Dann ein Gebrüll, totale Ablehnung. Tja, schlussendlich muss ich dann gehen und er sitzt heulend halbausgezogen da #schrei.

Diese Situation hinterlässt dann immer einen traurigen Nachgeschmack bei mir :-( und einfach Stress für alle. Wohlgemerkt, er zörgert das Anziehen extra raus, bis an den Zeitpunkt, wo ich eben wirklich gehen muss und dann fängt das Spiel an. Ich bin mir bewusst, dass er halt mich dabehalten möchte insgeheim, denn bin ich mal weg, lässt er sich problemlos von seinem Papa anziehen;

Könnte mir jemand einen Tip geben, wie wir das vielleicht besser organisieren könnten? Oder reagieren? Ich wäre euch sehr dankbar #danke

Einen lieben Gruss aus dem saukalten aber wunderschönsonnigen Paris von der maya #sonne

Beitrag von mamavonyannick 08.03.10 - 12:53 Uhr

Hallo,

warum veränderst du nicht einfach die Reihenfolge? Erst singen, dann anziehen und frühstücken und zum Schluß vorlesen?

vg, m.

Beitrag von esperancefollie 08.03.10 - 13:11 Uhr

Hallo

Das versuche ich ja jedes Mal. Aber er wehrt sich mit Händen und Füssen, wenn ich ihn VOR diesem Zeitpunkt, wo ich gehen soll anziehen will.

Erst dann wenn ich es dann wirklich eilig habe, will er UNBEDINGT mit mir rauskommen und ich soll ihn dann eben auch noch anziehen. Das ist ja das Dilemma. Er wartet genau auf den Zeitpunkt, vorher geht nicht.

Lieber Gruss

maya

Beitrag von hanni123 08.03.10 - 13:13 Uhr

Huhu,

bei uns ist das ähnlich, ich kenne die Situation, auch bei uns bringt mein Mann unseren Sohn in den KiGa und ich hole ihn ab.

Ich finde es einerseits ganz toll, dass mein Sohn jeden Morgen den Papa noch eine Stunde ganz für sich allein hat, andererseits sehe ich eben auch, dass er eigentlich nicht möchte, dass ich gehe. Wobei es sich mittlerweile ganz gut eingespielt hat und er mich in der Regel fröhlich verabschiedet. Es ist nur noch selten, dass er weint oder sagt "ich vermisse dich".

Ich würde die Option, dass er mit Dir gehen kann (bzw ihr alle gemeinsam das Haus verlasst), gar nicht anbieten, denn das verzögert doch das Abschiednehmen nur ein paar Minuten, wenn ich Dich richtig verstanden habe, erzeugt aber den ganzen Stress.

Macht irgendwie ein besonderes Ritual daraus, es dauert vielleicht etwas, bis es sich einspielt, aber wenn er jetzt ja eh jeden Morgen weint, kann es ja nicht wirklich schlimmer werden.

Überlegt euch einen Ablauf, wie er für euch passt, und dann "lebt" den jeden Tag, so dass es zur Routine wird.

z.B. Lied singen, Du ziehst Dich an, ihr frühstückt gemeinsam, Du liest mit ihm noch ein Buch, und dann sagt er Dir zusammen mit dem Papa ausgiebig tschüss, mit einem Küsschen hier, einem Küsschen da und hinterherwinken. (und danach erst zieht er sich an) Immer gleich.

Ausserdem kannst/solltest Du vorher einmal alles mit ihm besprechen, warum es so ist und nicht anders geht, dass Du ihn auch vermisst und Dich schon drauf freust, ihn abzuholen etc.

Wir haben ausserdem eingeführt, dass mein Sohn mir immer ein kleines Spielzeugauto mit in die Arbeit gibt, damit ich etwas habe, um an ihn zu denken und ihn nicht so doll vermisse. Das macht er immer sehr gerne. Nach der Arbeit gebe ich es ihm immer wieder zurück.
Das ist unser Ritual.

Bei uns hat es sich - wie gesagt - ganz gut eingespielt, und es ist sicher keine Resignation von unserem Sohn, sondern tatsächlich einerseits Routine, andererseits einfach das steigende Alter, dass er sich immer besser von mir lösen kann. Mit 3,5 - 4 Jahren sind die meisten Kinder an sich schon viel selbstständiger...

LG

Hanna

Beitrag von quickys1 08.03.10 - 14:23 Uhr

Hallihallo,

ich würde ihn an deiner Stelle gar nicht mehr anziehen.

Fürs Anziehen ist ausschließlich Papa zuständig.

Dann gibt es gar keinen Streß.

Du bist morgens nur zum bespaßen da und zum frühstücken. Den Rest macht der Papa.

Dafür bist du dann Abends dran mit ausziehen, Zähne putze usw.

So hat er gar keine Chance zu betteln, dass du mit ihm gehst oder er nur von dir angezogen wird. Du machst das einfach morgens nicht, da du es eilig hast und dich um dich selbst kümmern mußt und es einfach nicht schaffst ihn anzuziehen.

Versuch macht klug.

Liebe Grüße und viel Glück

Nicole

Beitrag von silberlocke 08.03.10 - 18:13 Uhr

Hi
Dein Kind hat Dich ganz schön in der Hand.... - oder warum hast Du so ein schlechtes Gewissen gegenüber Deinem Sohn? Er hat Papa am Morgen, der sich auch noch ZEIT LASSEN KANN, andere Kinder zum spielen in der Krippe UND Dich dann auch am Nachmittag/Abend ganz für sich.

Da hilft nur die ganz klare Ansage: etweder JETZT anziehen, frühstücken und dann schmusen/lesen/etc, oder Papa darf! Theater ignorieren.

Oder klare Rollenzuweisung, was ich persönlich vorziehen würde: Dein Mann weckt, frühstückt, etc am Morgen und du machst das Nachmittagsprogramm und Abendritual.
So ist ganz klar - morgens Papa, abends Mama.

Es ist ja nicht so, daß Du gar keine Zeit hättest mit Deinem Kind, wenn du ihn morgens schlafen lässt.

Was eh mein erster Gedanke war - WARUM zum eierlegen wird der Kleine denn von Mama GEWECKT, wenn er noch einiges an Zeit bis zur Krippe hat????
Ist Dir schon mal der Gedanke gekommen, daß er einfach auch noch nicht ganz ausgeschlafen ist, wenn Du ihn weckst? Da gibts bei uns auch bei Kleinigkeiten, die sonst mit einem Augenwischen vorbei wären, ein mords Spektakel.

Es ist doch verständlich, wenn das Schöne ein Ende hat, weil Mama gehen muss, daß es Theater gibt.
Er hat ja noch keinen Begriff davon, warum Du ausgerechnet JETZT wos so schön ist los musst. Dass er dann alles versucht, ist auch klar.

Setz klare Grenzen.

LG Nita



Beitrag von jazzbassist 08.03.10 - 18:17 Uhr

Das mag jetzt ungemein banal klingen: Ziehen Sie Ihn einfach mal Abends an und stecken ihn so ins Bett. Dann können Sie ihm morgens, wenn Sie ihn aus dem Bett schmeißen, mal mit: "Huch, du bist ja schon angezogen" begrüßen und ihm zeigen, dass er dann seine Mama-Zeit morgens immernoch bekommt.

Kinder lieben Rituale, da sie ihnen Sicherheit geben. Problematisch kann es dann natürlich werden, wenn ein 3-Jähriger folgendes Ritual erkennt: "Wenn Mama mich anzieht, endet meine Mama-Zeit". Für einen 3-Jährigen ein einfacher ergo Schluss: "Dann lasse ich mich nicht anziehen". Er kann ja nicht zur Uhr gucken und erkennen, dass die Mama um 7.50 Uhr das Haus verlassen wird und deswegen seine Mama-Zeit endet. Für ihn endet diese Zeit, wenn sie ihn anziehen; dagegen wehrt er sich.

Entweder ist er dann am nächsten Morgen lieb und artig - oder er findet einen anderen Grund, seinen Frust (dann würde man von Trotz sprechen) zu verkünden, dass die Mama wegfährt. Beide Möglichkeiten ließen sich nämlich völlig unterschiedlich handhaben, von daher wäre es ganz praktisch, zu wissen, warum morgens dieses Theater kommt.

Beitrag von bine3002 09.03.10 - 09:16 Uhr

Ich lese heraus, dass vor allem Elias den Ablauf bestimmt. Ich finde das nicht gut. Das ist Euch sicher gar nicht so bewusst, aber es zu viel Verantwortung für einen Jungen in dem Alter. Ich denke, Ihr solltet das wieder in die Hand nehmen und am Morgen feste Regeln einführen.

Ich würde den Ablauf verändern. Meine Tochter zieht sich erst an und wenn das alles gut klappt, dann haben wir nach dem Frühstück noch ein paar Minuten Zeit eine Geschichte zu lesen. Wenn sie rumtrödelt, dann muss die Geschichte leider ausfallen, das ist die logische Konsequenz, an die man sie auch immer wieder erinnern kann. Und im größten Notfall muss sie ihr Frühstück unterwegs essen. Das ist noch nicht vorgekommen, aber es wäre eben so.

Wenn Du weißt, dass er von dir angezogen werden möchte, dann würde ich ihn daran erinnern: "Wenn Mama dich anziehen soll, dann JETZT. Sonst macht es der Papa." Dann hat er die Wahl und wenn es wieder in Gebrüll endet, dann muss er da halt durch.

Beitrag von esperancefollie 09.03.10 - 17:07 Uhr

Vielen Dank an euch und eure regen Antworten.

Ich wollte nur noch was dazusagen:

Elias war gerade mit seinem Papa ein paar Tage weg und ist danach direkt krank geworden. Und seitdem ist dieses Verhalten. Er muss sich wahrscheinlich auch wieder an den "alten" Rythmus gewöhnen.

Also wecken tue ich ihn aus dem einfachen Grund, da er sowieso aufwacht, wenn er hört, dass ich mich fertigmache (haben eine Loft) und wenn ich dann gleich gehe und er liegt noch im Bett ist es noch härter für ihn und für mich. Und ja, ich möchte einfach auch ein bisserl Zeit mit ihm verbringen, deshalb tout simplement.

Abholen tue ich ihn erst um 18 h - das ist spät, also nichts von Nachmittag (aber meine Arbeitszeiten sind nun mal nicht zu ändern). Und wenn er dann um 21 h ins Bett geht, habe ich nicht so viel Zeit, wie das hier erwähnt wird.

Einen sehr schönen Abend und das mit dem Anziehen am Abend werde ich mal ausprobieren. Das ist wirklich Jazzbassist live - vielen Dank ;-)

Bises de Paris Maya