Wie kann man Hilfestellung geben?

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Forum: Familienleben

Die Oma füttert die Kinder übermäßig mit Süßigkeiten, Probleme mit der Schwiegermutter, Tipps zum Feiern der Taufe: Hier ist Platz für alle Themen rund um die Familie.

Beitrag von sonnenstern-115 08.03.10 - 14:58 Uhr

Hallo zusammen,

ich habe eine Cousine, die ein paar Jahre älter ist als ich. Sie lebt zusammen mit ihrem Partner und den drei Kindern (4,5 Jahre, 2 Jahre und 1 Jahr) in Ostdeutschland, rund 500 Kilometer von mir entfernt. Meine Cousine hat nach ihrem Schulabschluss keinen Beruf erlernt, ist seit einigen Jahren aufgrund der Kinder Hausfrau. Ihr Partner ist KFZ-Mechaniker und arbeitet sehr viel, um die Familie über Wasser halten zu können. Dennoch reicht das Geld häufig vorne und hinten nicht.

Über Weihnachten besuchte diese Familie meine Familie und wir erlebten viel elterliche Gewalt (sowohl körperlich als auch psychisch) den Kindern gegenüber mit (Schläge, Anschreien, Einsperren, usw. um nur ein paar Beispiele zu nennen). Wir schritten ein, um die Situationen zu deeskalieren, wir führten viele Gespräche mit den Eltern.

Sie sind gnadenlos überfordert. Wenn der Partner meiner Cousine ihr nicht so stark unter die Arme greifen würde, würde sie gar nichts auf die Reihe bekommen. Andererseits ist er selber total überlastet und reagiert oft ungehalten und sehr aggressiv den Kindern gegenüber (Beispiele siehe oben).

Nun war mein Cousin (Bruder der oben genannten Mutter) bei der Familie zu Besuch und erlebte wieder mit, wie der Vater auf seinen ältesten Sohn sehr aggressiv reagierte (auch körperlich). Am nächsten Tag vertraute sich der Junge beim Frühstück seiner Mutter und seinem Onkel an, dass er sich wünscht, ein Engel bei Gott zu sein, da er glaubt, dass es ihm im Himmel bestimmt besser geht als zuhause auf der Erde. Der Junge ist 4,5 Jahre alt!

Wir haben lange beratschlagt, was wir machen sollen. Wir finden die Gewalt in dieser Familie untragbar, aber kommen selber nicht nah genug an die Eltern ran. Die Eltern selber holen sich keine Hilfe z.B. vom Jugendamt, da sie Angst davor haben, dass ihnen die Kinder weggenommen werden. Also leiden alle weiter. Die Eltern in ihrer Hilflosigkeit und die Kinder unter der Aggression und Gewalt der Eltern.

Welche Möglichkeiten haben wir, Hilfestellung zu geben? Aus der Ferne mit ihnen reden bringt rein gar nichts. Sollten wir uns mit dem Jugendamt in Verbindung setzen? Gibt es andere Möglichkeiten zur Hilfestellung? Fraglich ist auch, inwiefern Ämter / Hilfsorganisationen, o.ä. eingreifen können, wenn wir die Situationen nur aus der Ferne miterleben und nicht beweisen können. Wenn Fremde in der Nähe sind, reißt sich die Familie im Normalfall so sehr am Riemen, dass es nicht auffällt, was zuhause geschieht. Eine Sch...Situation.

Wer weiß Rat? Ich will dem Leid nicht zusehen.

Danke.

LG,
Sonnenstern

Beitrag von petra1982 08.03.10 - 15:23 Uhr

Die Eltern sollten sich Hilfe beim Jugendamt holen, da Ihr weit weg wohnt könnt Ihr nicht einschreiten. Sie werden da sicher eine Hilfe zur Seite bekommen weswegen mann sich nicht schämen muss....

Beitrag von linagilmore80 08.03.10 - 15:51 Uhr

Du musst nichts beweisen können, aber Du solltest es beim Jugendamt und im schlimmsten Fall auch bei der Polizei anzeigen, denn das was Du da beschreibst geht auf gar keinen Fall!

Nur nichts machen, heißt "dem Leid nicht zusehen".

Grüße,
Lina

Beitrag von sonnenstern-115 08.03.10 - 16:20 Uhr

Ja, so sehe ich das auch.
Ich kann und will nicht einfach NICHTS tun.

An welches Jugendamt sollte ich mich wenden? Das zuständige im Wohnort meiner Verwandtschaft oder das hiesige an meinem Wohnort? Wahrscheinlich eher das am Wohnort der Verwandtschaft, oder?

LG vom Sonnenstern

Beitrag von katalin 08.03.10 - 18:44 Uhr

Ich würde mich auch an das Jugendamt (das für den Wohnort der Familie zuständige Amt) wenden und die Sachlage schildern mit der Frage, ob die Familie nicht eine sozialpädagogische Familienhilfe haben könnte. Diese sogenannte SPFH kommt in die Familie und schaut nach dem Rechten, führt Gespräche mit den Eltern, vermittelt an andere Hilfsinstitutionen weiter, etc. Am besten wäre es, wenn Du die Eltern selbst motivieren könntest, sich als Unterstützung eine SPFH zu holen, bzw. beim Jugendamt danach zu fragen. Bei der SPFH geht es KEINESFALLS darum, der Familie die Kinder weg zu nehmen!!! Es soll als Hilfestellung gesehen werden, um der ganzen Familie zu einem bessere Zusammensein zu verhelfen. Nur, wenn die Eltern langfristig nichts an der Situation ändern können, kann eine Herausnahme an der Familie anstehen (was dann aber sinnvoll wäre).

Hoffe, Dir geholfen zu haben!

LG, Katalin