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Archiv des urbia-Forums Partnerschaft.

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Forum: Partnerschaft

Eine dauerhafte Partnerschaft ist eine der größten Herausforderungen unserer Zeit. Lust und Frust liegen da oft nah beieinander. Hier könnt ihr offen ausdrücken, was euch innerlich bewegt.

Beitrag von jetzterst 08.03.10 - 17:14 Uhr

Eigentlich sollte ich im Trennungsforum schreiben, aber dort kann ich es nicht anonym tun.
Ich richte mich vor allem an die Frauen, die Gewalt und Psychoterror in Beziehungen erlebt haben.

Würde ich alles berichten, was ich in den letzten Jahren erlebt habe, so müsste ich vielleicht ein Buch darüber schreiben. Allerdings ist vieles nur verschleiert in meiner Erinnerung und kommt manchmal ganz kurz hoch.

Ich bin seit vier Monaten von meinem Expartner getrennt und eigentlich sehr glücklich damit. Für ihn empfinde ich einfach gar nichts mehr. Auch keinen Hass.
Nur kommt es in letzter Zeit oft vor, dass ich nachts im Bett liege und losheule. Irgendeine Erinnerung an die Ungerechtigkeiten, die seelischen Belastungen oder die körperlichen Übergriffe kommt in mir hoch und ich muss weinen.

Unsere Beziehung war einfach grausam, wenn ich jetzt darüber nachdenke. Wir hatten nur Probleme.
Er hatte viele Schulden, nahm Drogen und hat mich auch öfter geschlagen (oder getreten und gewürgt), permanent belogen und evtl auch betrogen.
Er hat mich als ich schwanger war so sehr tyrannisiert (er wollte einen Abbruch), dass ich eine Fehlgeburt erlitt. Mit dieser hat er mich dann auch alleine gelassen. Es hat ihn nicht interessiert bzw. wahrscheinlich war er einfach froh, als ich mein Baby verloren habe.
Ich habe so viel erlebt in diesen Jahren, was ich vorab nur aus irgendwelchen Talkshows kannte. Nie hätte ich für möglich gehalten, dass ich einmal von einem Mann so behandelt werden würde.

Es stellt sich jetzt nicht mehr die Frage, ob ich ihn früher hätte verlassen müssen. Ich frage mich auch nicht, warum er mir das alles angetan hat.
Aber ich verstehe einfach nicht wie ich das alles mitmachen konnte.
Ich ärgere mich so sehr, empfinde so viel Wut mir selbst gegenüber, schäme mich unendlich und habe Angst einem Mann nicht mehr vertrauen zu können. Wie kann man nur so blind vor Liebe sein, bzw. wie kann man Liebe empfinden für jemanden, der so etwas tut?
Ich weiss auch nicht warum es jetzt plötzlich nachts in mir hochkommt. Ich sehe plötzlich irgendeine Situation vor mir (aus der Sicht eines Dritten) und die Tränen laufen einfach nur so runter. Und es tut weh.

Ich bin eigentlich sehr glücklich mit meinem momentanen Leben und wahnsinnig froh den Absprung geschafft zu haben. Seit ich ihn verlassen habe blühe ich regelrecht auf.

War jemand schon einmal in einer ähnlichen Situation?
Warum muss ich weinen?
Ich bin wirklich über diesen Mann hinweg...

Liebe Grüße #blume

Beitrag von silk.stockings 08.03.10 - 17:43 Uhr

Du bist vielleicht erstmal über den Mann hinweg, aber sein Verhalten hat Wunden geschlagen. Wunden und Verletzungen, die dir erst jetzt bewusst werden.

>>Ich sehe plötzlich irgendeine Situation vor mir (aus der Sicht eines Dritten) und die Tränen laufen einfach nur so runter. Und es tut weh. <<

Na sicher tut es weh. Dir wird klar, was du hast mit dir machen lassen und das vor sich selbst einzugestehen und zu ertragen ist gar nicht so einfach.

Nirmalerweise wird diese Erkenntnis nach einiger Zeit weniger bitter, denn schließlich bist du von ihm los.
Trotzdem kann ich dir nur raten, dir Hilfe zu suchen.

Gruß

Silk

Beitrag von ggaa 08.03.10 - 18:00 Uhr

ja, war mal in einer ähnlichens situation. war gefühlsmässig über ihn hinweg und trotzdem hat mich das ganze nicht losgelassen. ich habe mich einfach immer gefragt: wieso musste gerade MIR das passieren? inzwischen weiss ich zumindest, wieso der mann immer noch in meinem leben war. ich bin einfach nicht von der schuldfrage losgekommen. er ist schuld, er hat mir solchen schaden zugefügt...aber ich bin vielleicht doch etwas dran schuld, weil ich früher etwas anderes hätte tun soll-

wahrscheinlich stimmt der spruch, die zeit heilt alles wunden, aber es bleiben narben.
diese erkenntnis hilft dir bei deiner sitaution nun wahrscheinlich auch nicht weiter, deprimiert dich nur, weil du das gefühl hast, du kannst nichts ändern, du musst einfach warten.
stimmt aber nicht ganz. du kannst die heilung beschleunigen und erreichen, dass die narbe kleiner bleibt.
normalerweise wäre der rat jetzt, mach doch eine therapie....ist wahrscheinlich auch der richtige weg, ich hab aber selbst gelernt das zu verarbeiten.

habe meine lebensgeschichte aufgeschrieben und daran erkannt, dass es nicht an mir oder an den andem anderen lag, sondern dass es einfach passiert ist....

also mein rat: schreib es auf, formuliere es von anfang an bis jetzt.

Beitrag von *** 08.03.10 - 18:33 Uhr

Hallo,

da du nun nach 4 Monaten langsam zur Ruhe kommst, fängst du automatisch an, die schlimme Zeit zu verarbeiten.
Das äussert sich halt bei dir so. Die Gedanken schießen dir in den Kopf, du siehst es schon aus Entfernung. Es wird langsam weniger und du fühlst dich immer besser. Die Wunden heilen langsam, aber sie heilen.

Alles Gute #liebdrueck

Beitrag von asimbonanga 08.03.10 - 19:41 Uhr

Hallo,
es ist gar nicht mal selten, das der Zusammenbruch kommt, wenn man eigentlich alles überstanden hat.Hat man mir jedenfalls gesagt.
Hole dir fachliche Hilfe-unbedingt.
L.G.