Bin verzweifelt. Weiß nicht was ich tun soll-

Archiv des urbia-Forums Partnerschaft.

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Forum: Partnerschaft

Eine dauerhafte Partnerschaft ist eine der größten Herausforderungen unserer Zeit. Lust und Frust liegen da oft nah beieinander. Hier könnt ihr offen ausdrücken, was euch innerlich bewegt.

Beitrag von weißnichtweiter 09.03.10 - 10:03 Uhr

Ich schreibe hier, da ich hier anonym schreiben kann. Ich habe eine 8 Monate alte Tochter. Zu Beginn der Schwangerschaft, war ich total unbedarft und dachte, dass ich ganz schnell wieder arbeiten kann. Habe dann auch nur ein Jahr Elternzeit beantragt. Das Geld auf zwei Jahre aufzuteilen ging eh nicht, dann wäre es doch etwas zu wenig gewesen. Habe mich auch früh um einen Kita-Platz bemüht und auch einen erhalten ab 1 Jahr. Günstig ist der auch und am Wohnort. Meine Arbeitsstelle ist 15 km entfernt. Nun ist es so, dass mein Chef ohnehin ein Kotzbrocken ist. Über meine Schwangerschaft war er wenig begeistert, bzw. er hat sie ignoriert und nicht mal rechtzeitig eine Ersatzkraft eingestellt. Ich war die einzige Angestellte. Nun hält er sich schon über 9 Monate (denn ich hatte ja dann Mutterschutz, den ich in seinen Augen gnädigerweise pünktlich antreten durfte) mit ständig wechselnden Aushilfskräften und Schwarzarbeitern über Wasser. Interessiert mich ja nicht. Angeblich will er mir dann ab Sommer eine Teilzeitstelle vormittags ermöglichen. Schriftlich gibt er mir das natürlich nicht. Also weiß ich weder, zu welchen Zeiten, noch zu welchem Gehalt ich überhaupt arbeiten soll. Dies nur so zur Vorgeschichte.

Mittlerweile bin ich total verzweifelt, dass ich die Kleine schon so früh in die Kita geben soll. Ich kann schon nicht mehr schlafen seit der Termin näher rückt. Sie kann gerade erst allein sitzen. Sie trinkt noch fast ausschließlich Milch. Hat keinen einzigen Zahn. Nun schläft sie morgens neuerdings bis 8 Uhr und länger. Es zerreißt mir das Herz, wenn ich mir vorstelle, dass ich ein Baby aus dem Schlaf reißen muss. Um dann in einem popligen Bürojob wenn es hoch kommt 500 Euro netto zu verdienen. Mehr wird wohl nicht dabei rumkommen. Wenn ich dann die Kita-Kosten abziehe und die Benzinkosten. Was bleibt mir denn da noch? Nix. Und das macht mich teilweise echt wütend. Ich habe mich nun vorsichtshalber arbeitsuchend gemeldet. Kann ja auch sein, dass ich mich mit meinem Chef gar nicht einigen kann über die Rückkehr. Da er ja unter 15 Arbeitnehmer hat, muss er mir ja gar keinen Teilzeitplatz anbieten und mir erst recht nicht mit den Arbeitszeiten entgegen kommen.

Das Hauptproblem ist aber, dass ich mir nicht vorstellen kann, die Kleine so früh abzugeben. Oma kommt leider nicht in Frage. Meine Mutter geht selbst noch arbeiten und die andere Oma ist massiv erkrankt. Urgroßeltern sind viel zu alt dafür. Sonst habe ich niemanden. Der Vater des Kindes geht Schicht arbeiten zu oft wechselnden Zeiten. Abgesehen davon ist er entweder so früh weg oder so lange weg, dass er auf das Kind dann auch nicht aufpassen kann.

Ich hadere total mit mir. Anfangs dachte ich, ich schaffe das alles. Jetzt wächst mir das über den Kopf. Ich überlege, selbst zu kündigen und eine Sperre in Kauf zu nehmen und die Kleine dann mit 2 Jahren in den regulären Kindergarten zu geben und mir bis dann einen Job zu suchen. Habe aber auch Angst, dass ich nichts finde. Wobei ein 400 Euro-Job bestimmt zu finden ist notfalls. Es macht mich fertig. Dieser Druck, dass man als Mutter quasi keine andere Wahl hat, als das Kind mit 1 Jahr abzugeben.

Hier im Forum habe ich nun schon oft gelesen, dass viele das selbstverständlich finden. Wenn man einen dicken Batzen Geld mit nach Hause bringt, kann ich das ja auch nachvollziehen. Aber bei solchen Mini-Einkommen wie ich sie habe? Irgendwie erscheint mir die Kita die Verwahrstation für Babys, die keine Oma haben. Wir wohnen ländlich und die haben eh nur sehr wenige Plätze. Gefragt ist das hier nicht so sonderlich. Die Frauen bleiben fast alle länger zu Hause.

Wenn ich mir das alles so durch den Kopf gehen lasse, bin ich traurig und wütend. Ich soll mein kleines Baby so früh in die Kita geben wegen so ein paar lumpigen Kröten. Dieser Streß. Wie soll ich das morgens pünktlich schaffen? Und dann muss ich das Kind aus seiner gewohnten Umgebung reißen, es aus dem Schlaf reißen etc. Und es kann mir nicht mal sagen, ob es ihm gefällt, wie die Erzieherinnen sind, wie lange es auf sein Essen warten muss und wie lange es in der vollgekackten Windel gelegen hat.

Habe einige Mütter in der Bekanntschaft. Eine ist alleinerziehend und lebt vom Elterngeld und vom Unterhalt. Die MUSS gar nicht arbeiten gehen. Sieht sie auch nicht ein. Hat ja den Unterhalt und kann sich Zeit lassen mit der Arbeitssuche. Eine andere (Türkin) hat mir auf den Kopf zugesagt, dass sie niemals mit so einen kleinen Kind arbeiten gehen würde und sie würde auch in ihrem Umfeld niemanden kennen, der das tut.

Ich weiß, dass es wieder Kritik hageln wird. Trotzdem. Mir geht es nur um die Kleine. Ich bin gewiss nicht arbeitsfaul oder unwillig. Ich bringe es nur nicht fertig, sie so früh abzugeben.

Beitrag von willow19 09.03.10 - 10:21 Uhr

Genau aus diesen Gründen haben mein Mann und ich uns entschieden, dass ich mind. 3 Jahre lang zu Hause bleibe, wenn es finanziell eben drin ist. Nun bin ich allerdings schon seit dem 1. Kind zu Hause, aber da es finanziell geht, hab ich auch kein schlechtes Gewissen. Klar müssen wir hier und dort sparen, aber mir ist es das wert, denn es gibt nichts Schöneres, die Kinder richtig aufwachsen zu sehen, da sich eben gerade in dieser Zeit so viel tut.
Du musst für Dich den richtigen Weg finden und wenn Dein Chef eh so ein Ar... ist, würd ich da auch nicht mehr hin gehen. Entweder Du suchst Dir einen neuen Job, oder du genießt die Zeit mit Deinem Kind. Was sagt Dein Mann dazu?

Liebe Grüße

Beitrag von nymi 09.03.10 - 10:26 Uhr

Liebe weißnichtweiter,

das ist genau die Situation, die wir letztens in einer Diskussion hier hatten. http://www.urbia.de/forum/index.html?area=thread&bid=12&pid=15937699
Und da bin ich ziemlich angegriffen worden, weil ich so "antiquierte" Vorstellungen habe. Es ist doch heute "normal" u. "selbstverständlich", sein Kind nicht mehr selber groß zu ziehen, sondern von Institutionen.
Ich kann dich sooooooo gut verstehen - denn genau diese Situation habe ich vor 27 Jahren durchleben müssen. Exakt so.
Meine Tochter war 6 Monate alt. Ich musste sie morgens um 6 Uhr aus dem Schlaf reißen, damit ich pünktlich in die Firma komme. Mein Leben bestand nur aus Stress u. Hetze. Und ich hatte es noch „gut“, denn ich konnte das Kind zur Oma bringen.
Ich musste das Stillen auf abends beschränken.
Auch heute noch empfinde ich diese Zeit als die schlimmste meines Lebens.
Damals war ich auch im Glauben, es geht nicht anders, du MUSST arbeiten. Heute weiß ich, es gibt IMMER einen Ausweg. Diese wichtige u. schöne Zeit solltest du mit deinem Kind verbringen! Es geht auch mit wenig Geld!
Höre auf dein Herz – das sagt dir eine Mutter, die auch nach 27 Jahren noch bereut, damals nicht anders entschieden zu haben!

Alles Gute!

Beitrag von klan82 09.03.10 - 10:46 Uhr

Hallo!

Ich kann dich sehr gut verstehen. Mein 2.Sohn ist jetzt 19 Monate alt und mir würde es auch sehr schwer fallen ihn so früh in eine fremde Betreuung zu geben. Ich habe bei beiden Kindern als sie 6 Monate alt waren wieder angefangen zu arbeiten. Ich arbeite aber nur auf 400€ bei meinem alten AG und nur 9 mal im Monat. Mein Mann arbeitet im Schichtdienst und er betreut die Kinder wenn ich beim arbeiten bin. Wenn wir diese Möglichkeit nicht gehabt hätten, wäre ich auch nicht wieder so schnell arbeiten gegangen.
Bist du denn alleinerziehend? Hättest du vielleicht eine Oma wo auf die kleine paar mal aufpassen könnte? An deiner Stelle würde ich mal nach einem 400€ Job schauen und wenn die kleine dann etwas älter ist könntest du ja dann wieder Teilzeit arbeiten gehen.
Wenn es dir so schwer fällt dann bleib noch bei deiner Tochter. Finde auch das die ersten 2 Jahre so wichtig sind und für uns Mütter was ganz besonderes.

L.G. klan82 mit Justin *03.06.05 und Elias *21.07.08

Beitrag von phoenix05 09.03.10 - 10:52 Uhr

Hallo,

ich kann Deine Ängste verstehen. Meine Kleine war mit 8 Monaten auch nicht weiter als Deine. Ich hatte auch ein Jahr Elternzeit, vor allem, weil ich mir mehr nicht leisten konnte.

Bis Deine Tochter in die Kita geht, vergehen aber noch ca. 4 Monate. Da entwickelt sich ein Kind dieses Alters enorm. Ich habe die Erfahrung gemacht, dass es wirklich ein sehr guter Zeitpunkt war, meine Tochter mit 12 Monaten in die Kita gehen zu lassen. Ich hätte ihr das, was sie dort lernen und erleben konnte gar nicht bieten können. Auch der Kontakt und Umgang mit den anderen Kindern hat ihr so viel gegeben und sie geht immer schon tierisch gern in die Kita. Die Erzieherinnen und das Konzept sind bei uns wirklich super. In diesem Alter haben die Kinder auch noch nicht so große Schwierigkeiten, sich von der Mama (oder dem Papa) abzulösen und sich einzugewöhnen.

Eine Psychologin hat mir mal erklärt, dass in den ersten 3 Lebensjahren das Sozialverhalten eines Menschen geprägt wird. Wenn man also sein Kind erst mit 3 in die Kita gibt, is es ja praktisch in der entscheidenen Phase aus dem Sozialverhalten mit vor allem Gleichaltrigen praktisch ausgeschlossen. Das kann man als Mutter dem Kind nunmal nicht ersetzen.

Nur Mut, warte erst mal ab. Dass Dein Arbeitgeber offensichtlich ein Kotzbrocken und Dein Job auch nicht der "bestbezahlteste" ist, steht natürlich auf einem anderen Blatt und motiviert Dich natürlich nicht besonders. Aber ich würde die Chance, dass Du schon einen Kitaplatz und die Aussicht auf den Teilzeitjob hast, nutzen.

Ganz liebe Grüße
phoenix05 + Amelie 2,5 Jahre

Beitrag von nymi 09.03.10 - 11:19 Uhr

Komisch. Heute erklären die Psychologen uns, man "versündigt" sich praktisch an seinem Kind, wenn man es nicht schnell genug in die Kita schleppt.
Uns 80er Jahre-Müttern hat man erzählt, die ersten 3 Jahre seien die wichtigsten für die Gemeinsamkeit zwischen Mutter u. Kind.......

Sollte nicht jede einzelne Mutter einfach nur auf ihr Gefühl u. ihr Herz hören?
In 5 Jahren erzählen uns die Psychos wahrscheinlich, man sollte die ersten 18 Jahre ausschließlich mit seinem Kind verbringen oder (andere Version) es reicht, wenn man sein Kind mal schnell in der Mittagspause bekommt u. dann husch wieder an die Arbeit.....

Beitrag von phoenix05 09.03.10 - 11:28 Uhr

Leider kann man aber diese Entscheidung nicht nur vom Gefühl abhängig machen, wenn man aus finanziellen Gründen seine Elternzeit nicht länger gestalten kann.

Ich hatte ja auch nur von meiner subjektiven Erfahrung berichtet, die positiv war. Meine Tochter hat jedenfalls davon profitiert. Und unser Verhältnis war immer und ist nach wie vor total innig. Ich bin auch alleinerziehend und arbeit teilzeit, damit ich den Nachmittag mit meiner Maus habe. Dafür verzichte ich auf mehr Kohle.

Beitrag von So nicht 09.03.10 - 11:55 Uhr

Du hast Dein Baby 9 Monate unter dem Herzen getragen.
Du ziehst es jeden Tag ein Stückchen weiter gross und auch das tust Du vorwiegend mit dem Herzen.
Wenn es weint, weint auch Dein Herz und Du gehst und tröstest es.
Wenn es lacht, lacht auch Dein Herz.

Also hör drauf, was Dein Herz Dir sagt, auch in diesem Fall. Es ist das Richtige, auch wenn andere Menschen mit dem Kopf argumentieren und meinen, es wäre falsch. Die fühlen nicht, wie Du..

Beitrag von stormkite 09.03.10 - 16:41 Uhr

Hi du,

du siehst im Augenblick nur die Nachteile die das wieder Arbeiten für dich und dein Baby hätte. Und es sind dir viele gute Gründe eingefallen, warum du nicht so schnell wieder Arbeiten möchtest.

Ich kann dir ein paar Gegenargumente liefern:

- Fast alle Kinder sind sehr gerne mit anderen Kindern zusammen - auch mit einem Jahr schon.

- Je mehr Anregungen ein Kind kriegt, desto schneller entwickelt es sich. Und in einer Kita ist nun mal mehr los, als bei dir daheim.

- Kinder gewöhnen sich schnell an neue "Aufstehzeiten", und sind dann morgens meistens von selber wach.

- Die Mutter- und Hausfrauenrolle ist eine sehr eingeschränkte, und wenn du arbeitest, hast du einen guten Ausgleich dazu.

- Du musst nicht unbedingt auf deinen alten Posten zurück oder dort auf Dauer bleiben, du kannst dich auch für was neues Bewerben.

- Du bist nicht nur Mutter. Sondern hast noch andere Ziele im Leben, außer Buggy schieben, Windeln wechseln, Tassen spülen. Hoffe ich jedenfalls.

- Je länger du aus dem Job raus bist, desto schwieriger wird der Wiedereinstieg.

- Ich kenne einige Alleinerziehende, die den Wiedereinstieg nicht geschafft haben, und seit 10 Jahren Harz 4-Empfängerinnen sind. Glaubs mir, das macht keinen Spaß.

Ja, ich gebs zu, mit Kind zu arbeiten ist anstrengend. Aber nur mit Kind zuhause wirds schell arg langweilig.

Just my two Cents. Kite