Kindern Respekt beibringen-wie?

Archiv des urbia-Forums Erziehung.

Hier geht es in die aktuelle Version dieser Seite. Nimm dort aktiv am Diskussionsgeschehen teil.

Forum: Erziehung

Kinder fordern Eltern täglich neu heraus zu Auseinandersetzung und Problemlösung. Kinder brauchen Grenzen - doch welche und wie setzt man sie durch? Welche Erziehung ist die richtige? Nutzt hier die Möglichkeit, euch hilfreich mit anderen Eltern auszutauschen.

Beitrag von summer7708 10.03.10 - 09:57 Uhr

Hallo Ihr Lieben,

ich bin alleinerziehend mit 3 Kindern.
Und sicherlich habe ich Ihnen bisher zuviel durchgehen lassen und Ihnen möglichst alle wünsche erfüllt.

Doch leider muß ich feststellen das sie meist überhaupt nicht auf mich hören. Sie überhören mich oder provozieren.

Ich wünsche mir das sie im Supermarkt her kommen wenn ich sie rufe und nicht einfach rausgehen. Ich habe keine Lust eine halbe Stunde im Supermarkt hinter Ihnen herbrüllen muß.

Wie schaffe ich das?

Ich möchte nicht das sie Angst vor mir haben indem ich IHnen mit Schlägen o ö drohe sowas geht garnicht.
Es muß doch eine andere Möglichkeit geben das Sie Respekt vor mir haben. Ich behandele sie ja auch respektvoll und liebevoll.

Habt Ihr Tipps?

Beitrag von trollmama 10.03.10 - 10:20 Uhr

Hallo!
Wie alt sind Deine Kinder?
Viele Grüße
Trollmama

Beitrag von summer7708 10.03.10 - 10:35 Uhr

ach ja vergessen
Sie sind 7 , 5 und 2

Beitrag von yvonnechen72 10.03.10 - 11:21 Uhr

Hallo,

sei konsequent. Wer im Supermarkt wegläuft, bleibt das nächste Mal zuhause bzw.muss im Wagen sitzen.Angedrohte Konsequenzen müssen auch durch gezogen werden.Ich habe festgestellt, dass ich hier ohne Brüllen deutlich weiterkomme.
Es gibt klare Ansagen, auch für die Kleine.Passiert nicht was ich sage, wird eine Konsequenz angedroht und passiert dann immer noch nichts, dann folt die Konsequenz.

LG Yvonne


Beitrag von dominiksmami 10.03.10 - 11:37 Uhr

Hallo,

da hilft einzig und allein konsequentes, nachvollziehbares, offenes, ehrliches und respektvolles Handeln. Das so ziemlich schwerste an der Kindererziehung.

Wie genau das im einzelnen aussieht ist immer Situationsgebunden.

Wichtig ist das sie sehen das du deine Worte ernst meinst, dazu gehört in dem von dir genannten Beispiel auch eben nICHT eine halbe Stunde lang hinter ihnen her zu brüllen.

Du kannst sie einmal rufen und netter weise annehmen sie hätten dich nicht gehört, also auch noch ein zweites mal rufen. Dann würde ich sie ( was natürlich extrem schwer ist und vielleicht auch nicht ganz risikolos) stehen lassen und meinen Weg weiter gehen. Das nur so als Beispiel. Den meisten Kindern reicht es schon wenn sie siehen das Mama eben kein Theater macht um sie zurückzuholen sondern einfach geht ( möglichst die nächsten Regale umrunden so das man aus dem Blickwinkel verschwindet).
Der Erfolg ist natürlich in den unterschiedlichen Altersklassen auch unterschiedlich. Aber es wirkt meistens.
Rufen die Kinder dann, sollte man natürlich stehen bleiben und warten und wenn man aus dem Sichtfeld verschwunden ist auch mal "laut geben" um zu zeigen wo man ist...schliesslich geht es nicht darum den Kindern Angst zu machen.
Verstehst du wie ich das meine?
Ist irgendwie genau so schwierig zu erklären wie umzusetzen.

lg

Andrea

Beitrag von jazzbassist 10.03.10 - 12:32 Uhr

Ich ziehe nur ein Einzelkind groß und bin nicht mal alleinerziehend, darum bin ich mir natürlich durchaus bewusst, dass es für zwei Elternteile wesentlich einfacher ist, ein Kind im Bann zu halten als für ein Elternteil, eine 3-köpfige Rasselbande im zaum zu halten.

Meine Frau und ich haben immer alles, was unser Sohn "durfte", als ein Privileg betrachtet. Für uns hieß das, dass wir die Spielregeln bestimmen und nur, wenn er sich daran gehalten hat, durfte er dieses Privileg dann auch tatsächlich genießen. Von der Erziehung her ist das ziemlich magisch. Denn als Elternteil bleibt man weiterhin die Autoritätsperson (auch wenn das ein doofes Wort ist), denn Sie bestimmen, welche Privilegien/Freiräume ein Kind unter welchen Bedingungen genießen darf. Ein Kind nimmt das auch genau so wahr. Aber ein Kind nimmt noch etwas viel wichtigeres wahr - nämlich, dass es selbst dafür verantwortlich ist, ein Privileg genießen zu dürfen oder nicht. Es erzieht sich selbst.

Ich kann ein 5-Jähriges Kind im Supermarkt die ganze Zeit an die Hand nehmen, so brauche ich nicht hinterherrennen, kann, wenn er sich mal daneben benimmt, sofort eingreifen und jeder Gang in den Supermarkt ist plötzlich wieder ganz einfach. Für das Kind ist das natürlich nicht so schön, da es ja schon lieber ein paar Freiräume mehr hätte. Dieser Freiraum ist für das Kind aber lediglich ein Privileg. Er darf es genießen, solange er sich an Ihre Spielregeln für dieses Privileg hält: Z.b. er soll nicht rumtoben, immer im gleichen Gang bleiben wie die Mama, nicht all zu laut sein, niemanden belästigen, nicht alles angrabschen und auch zu kommen, wenn die Mama ihn ruft. Wenn er sich an diese Bedingungen hält, darf er diesen Freiraum genießen; wenn nicht, muss er weiterhin an ihrer Hand bleiben.

Da brauchen Sie nicht mal zu schimpfen oder ihn zu bestrafen, sondern ihm nur ganz freundlich erklären, warum er jetzt wieder für den Rest des Supermarktbesuches an ihrer Hand bleiben muss. Weil Sie ihn in dieser Situaiton nur loslassen können, wenn er sich an ihre Regeln hält, und, solange er das nicht tut, werden sie ihm nicht erlauben, diese zu brechen. Wenn man das konsequent durchzieht, hält sich ein Kind im Regelfall nach dem 2-3 Mal an diese Regeln. Weil das Kind erkannt hat: "Die Mama lässt mich halt nicht los, wenn ich mich daran nicht halte. Und irgendwie ist es an Mamas Hand noch langweiliger, als wenn ich mich an Mamas langweilige (nicht in andere Gänge verschwinden) Regel halte." Grenzen setzen klappt erstaunlicherweise bei jeder Altersgruppe.

Je älter ein Kind wird, des so weniger Regeln braucht so ein Freiraum für gewöhnlich, dass ist also ein Prozess, der dynamisch angepassbar ist und nie vergessen werden sollte. Ein älteres Kind darf sicherlich schon mal in die Spielzeugabteilung vorrennen, während die Mama die langweiligen Sachen kauft. Hier wäre dann die Regel entweder, dass sie ihn dort dann auch wirklich jederzeit finden, oder, dass sie eine Uhrzeit ausmachen, wann er z.b. an der Kasse warten soll. Klappt das nicht, darf dieses Kind entsprechend nicht zur Spielzeugabteilung vorrennen: "Tut mir leid, mein Spatz, da ich dich gestern nicht in der Spielzeugabteilung gefunden habe, obwohl wir abgemacht haben, dass du dort bleibst, darfst du heute nicht alleine in die Spielzeugabteiung vorrennen. Wenn du das jetzt ohne Theater zu machen akzeptierst,verspreche ich dir, dass du morgen wieder vorlaufen darfst."

Das klappt erstaunlicherweise in allen Erziehungssituationen. Und ein Kind ist glücklich dabei, weil es erkennt, dass die Eltern die Richtung angeben und das gibt Sicherheit und gibt dem Kind aber immernoch genügend Spielraum, selbst Entscheidungen treffen zu dürfen, ob es sich an die Regeln hält oder eben nicht. Und es merkt, dass es selbst einfluss auf seine Erziehung nehmen kann: Je mehr sich die Mama auf ihn verlassen kann, des so mehr Freiräume/Privilegien kann sie ihm genehmigen. Außerdem kann man Abends ab und an mal in Ruhe darüber sprechen, warum es z.B. für einen 5-Jährigen Jungen die Regel geben sollte, immer im gleichen Gang wie Mama bleiben zu müssen. Wenn das Kind nämlich heulend im Supermarkt steht, kommen Erklärungen ohnehin nicht an und gehen unter. Abends versteht ein Kind aber ziemlich leicht: "Mama tut das nicht, um mich zu ärgern, sondern nur, um mich zu beschützen" So gewinnen Sie Respekt, weil sie selbst die Kinder respekt- und liebevoll behandeln, ihnen genügend Freiräume geben sie aber trotzdem noch erziehen.

Ein Kind jedoch jedes mal wieder frei im Supermarkt rumlaufen zu lassen und jedes mal wieder hinterherrennen zu müssen, untergräbt hingegen nur Ihre eigene Autorität. Selbst wenn Sie ein Kind dann ausschimpfen oder in irgendeiner Art und Weise bestrafen. Das Kind denkt sich ganz pragmatisch: "Warum lässt Mama eigentlich jeden Tag aufs neue zu, dass ich mich hier daneben benehme?" Da Sie ausschimpfen/bestrfaen nur dann machen können, nachdem das Kind etwas verbrochen hat und es das Kind danach auch nicht mehr aufhält, es beim nächsten mal wieder zu tun. Das Kind erkennt: "Ich kann mit Mama machen, was ich möchte." Eltern interpretieren das gerne mal als mangelnden Respekt - in Wirklichkeit kann ein 7-Jähriger das Wort nicht einmal buchstabieren. Er braucht einfach nur die Gewissheit, dass Mama ihn aufhalten wird, wenn er sich nicht an Spielregeln hält; das erreichen sie nur über einen Weg - in dem Sie ihn aufhalten.

Das durchzusetzen ist bei einer 3-köpfigen Rasselbande natürlich wesentlich schwieriger; sie haben halt nur 2 Hände. Es ist sicherlich eine Herausforderung; aber kein Akt der Unmöglichkeit, sondern einfach manchmal nur zu versuchen, dass Beste aus einer Situation zu machen.

Beitrag von lisasimpson 10.03.10 - 14:58 Uhr

da ich im Moment nicht allzuviel zeit habe- häng ich mich einfach an diesen beitrag dran, den nden kann ich so unterschreiben.

hier ist wunderschön erklärt, was "konsequenz" bedeutet- nämlich das was folgt, wenn das Erziehungsziel nicht mit dem augenblicklichen Verhalten übereinstimmt.
Der Erwachsene ist dann dafür verantwortlich als Konsequenz diesen Einklang wieder herzustellen (kind soll nicht herumrennen- kind wird an die hand genommen, kann daher nicht mehr herumrennen)!

das sind konsequenzen, die Kinder verstehen, weil sie auf ein ziel hin gerichtet sind und nich als Strafe für eine Missetat herhalten müssen!

So entsteht gegenseitiger Respekt

lisasimpson

Beitrag von marion2 10.03.10 - 17:41 Uhr

Hallo,

wenn sie nicht hören, müssen sie beim Einkaufswagen bleiben. Besonders die Großen.

Drück dem Ältesten die Verantwortung für das Kleinste aufs Auge. (Du überwachst das selbstverständlich heimlich). So lernt dein Ältestes Kind was es bedeutet hinter jemandem herzudallern, der nicht hören mag...;-)

Zu viel "Respekt" deinerseits kann übrigens schädlich sein. Immer schön dran denken: Du bist die Monarchin!

LG Marion