Petzen

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Forum: Erziehung

Kinder fordern Eltern täglich neu heraus zu Auseinandersetzung und Problemlösung. Kinder brauchen Grenzen - doch welche und wie setzt man sie durch? Welche Erziehung ist die richtige? Nutzt hier die Möglichkeit, euch hilfreich mit anderen Eltern auszutauschen.

Beitrag von bine3002 10.03.10 - 21:36 Uhr

Meine Tochter hat mit etwa 16 Monaten angefangen andere Kinder zu beissen und zu hauen. Das war mitunter schon ziemlich heftig und es floss sogar manchmal Blut. Mir war es sehr wichtig, dass sie das endlich lässt und ich habe immer wieder mit ihr darüber gesprochen, die Situationen besprochen und ihr vor allem gesagt, dass sie zu einem Erwachsenen gehen soll, wenn sie ein Problem hat. Es ging mir dabei einfach darum, dass das Beissen und Hauen aufhört. Und das hat es dann auch: Sie hat meine Tipps verinnerlicht und schafft es meiner Meinung nach schon sehr gut, Konflikte auch alleine zu lösen. Manchmal jedoch kommt sie noch angelaufen: "Mama die XY hat mich gehauen." oder "Mama die YZ hat mir das Auto weg genommen." Ich gehe dann mit ihr los und kläre die Situation. Ich versuche dabei objektiv zu sein, "befrage" alle Beteiligten und versuche herauszufinden, wer z. B. das Auto zuerst gehabt hat. Ich versuche auch die Kinder dazu zu bringen, die Situation selbst zu lösen und gebe allen Tipps dazu, so wie ich es auch bei meiner Tochter tun würde. Ich denke schon, dass ich da sehr gerecht bin und ich glaube einfach, dass sie das in dem Alter noch brauchen. Wohlgemerkt: Ich glaube nicht, dass man ihnen alle Probleme abnehmen sollte. Ich denke aber, dass sie manchmal einfach noch Hilfe brauchen, Konflikte zu lösen.

So und jetzt kommts:
Montags treffen wir uns immer mit vier Kindern (und deren Eltern) aus unserer ehemaligen PEKiP-Gruppe. Vor etwas mehr als einem Jahr laberte mich eine Mutter immer voll, wie aggressiv mein Kind doch sei und ob ich denn da nicht mal zu Kinderpsychologen gehen will. Tja und nun, wo meine Tochter ankommt, wenn sie ein Problem hat, heißt es von einer anderen Mutter: "Oh Java, ich finde das voll ätzend, dass Du immer petzen kommst." Vor allem ärgert mich diese Aussage deswegen, weil die Mama das Problem ja kennt. Ihr eigener Sohn wurde von meiner Tochter gebissen und sie kennt meine "Strategie".

Hm?!? Ich weiß ja auch nicht... Muss meine Tochter ihre Probleme echt schon selbst lösen und darf nicht "petzen"? Das bringt sie doch total durcheinander: Mama sagt, sie soll petzen und die andere Mama sagt, sie soll es nicht... Ja wie denn nun? Was "petzen" ist, weiß sie eh nicht. Sie macht im Moment echt nur, was die Mama gesagt hat. Natürlich nervt es manchmal, weil sie mitunter drei/viuer mal in kurzen Abständen angelaufen kommt (je nach Tagesform auch mal gar nicht), aber so ist das nun mal.

Beitrag von blumella 10.03.10 - 21:57 Uhr

Ich bin generell der Meinung, dass andere Eltern sich nicht um die Erziehung meines Kindes zu kümmern haben, solange ich dabei bin.

Und gerade wenn ihr Euch schon länger kennt und die andere Mutter auch das "Beißproblem" mitbekommen hat, verstehe ich nicht, wieso sie jetzt so reagiert.
Ich würde sie einfach mal anrufen und offen mit ihr sprechen.

Beitrag von bine3002 10.03.10 - 22:09 Uhr

"Ich bin generell der Meinung, dass andere Eltern sich nicht um die Erziehung meines Kindes zu kümmern haben, solange ich dabei bin. "

Na ja, in dieser konkreten Situation kam meiner Tochter zu der besagten Mutter, weil ich gerade auf dem Klo war. DASS sie was sagte, war also schon OK, nur WAS sie sagte war doof. Ich konnte logischerweise nicht eingreifen, weil ich ja nicht im Raum war, konnte aber mithören. Grundsätzlich ist es unter uns aber auch OK, wenn wir uns auch um die Sorgen der anderen Kinder kümmern bzw. auch "erziehen". In Maßen natürlich, aber wir sind befreundet und haben das so besprochen.


"Und gerade wenn ihr Euch schon länger kennt und die andere Mutter auch das "Beißproblem" mitbekommen hat, verstehe ich nicht, wieso sie jetzt so reagiert. "

Na ja sie findet petzen einfach total doof.


"Ich würde sie einfach mal anrufen und offen mit ihr sprechen. "

Ich habe das an dem Tag noch mit ihr geklärt. Sie hat das wohl auch verstanden. Ich denke jetzt nur noch darüber nach, ob ich so auf dem Holzweg bin und die Kinder vielleicht wirklich schon alles alleine klären sollten. Ach so, sie werden im Sommer 4 Jahre alt. Ich glaube es nicht, aber könnte ja sein, dass es hier auch viele so sehen, dann würde ich unter Umständen darüber nachdenken, es anders zu machen. Das Ding ist nur, dass es im Kindergarten auch so gehandhabt wird: Die Kinder streiten sich, laufen zu den Erzieherinnen und die helfen dann beim Klären. Ich habe aber keinen Vergleich, wie es in anderen Kindergärten gemacht wird.

Und ich denke eigentlich, dass der Begriff "petzen" irgendwann mal unter den Kindern aufkommt und sie dann ganz automatisch lernen, dass das nicht so gut kommt, schätzungsweise im Schulalter. Dann dürften sie aber so weit sein, die Dinge selbst zu klären, eben weil sie es von den Großen gelernt haben.

Beitrag von krokolady 11.03.10 - 09:19 Uhr

grad in dem Alter können die Kids noch gar nicht unterscheiden wo genau Petzen anfängt.
Und in dem Alter würd ich auch nicht von Petzen sprechen.
Sie sagt halt wenn was passiert ist, was in ihren Augen nicht richtig war.......ich find das gut.
Wenn man ihr nun eintrichtert das sie es nicht mehr sagen darf wenn was vorgefallen ist.......dann kann sie vielleicht irgendwann nicht mehr unterscheiden was ok ist, und was nicht.
Dann würde sie vielleicht auch nicht erzählen wenn sie irgendwann mal richtig gemobbt wird, oder sogar misshandelt ( mal im schlimmsten Falle gesehen)

Ich find du machst das genau richtig!
Und lass dir da nicht anderes sagen.
Wenn dir diese Mutter noch mal so kommt dann geb ihr Kontra....von wegen Deine Tochter müsste nicht Petzen wenn ihr Sohn sich nicht so arg verhalten würde!

Beitrag von marenchen23 12.03.10 - 17:13 Uhr

Was ist denn petzen überhaupt: Jemanden die Wahrheit darüber sagen, wenn ein anderer etwas falsches macht.
Dein Kind hat also in dem MOment einfach vollstes Vertrauen zu dir, WEIL sie jedes Mal ankommt und dir jedes Mal auf neue sagt, wenn was passiert ist, weil sie eben weiss du als Mama bist immer für sie da.

"Petzen" aus Sicht einer Mutter: "ach eigentlich habe ich keine Lust, mich um die Angelegenheiten meiner Kinder zu kümmern"

... so sehe ich das! Ist nicht so streng gemeint, wie es klingt. Ich sage nicht, dass Mütter die meinen, Kinder "petzen" sich gar nicht um ihre Kinder bemühen. Aber ich finde eben in dem Alter ist petzen noch an der falschen stelle, da ich schon möchte, dass mein Kind weiss, dass er IMMER zu mir kommen kann. Er ist mittlerweile 4,5 und kommt auch noch sehr oft an und löst die Probleme noch nicht selber, aber dann kann ich ihm Wege aufzeigen, die Probleme angemessen selbst zu lösen, anstatt dass er es alleine versucht und es total schief geht, weil ein Kind ihn haut und er meint, er löst es selber und beisst zurück oder so....

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