Wenn man weiß, dass ein Kind geschlagen wird...

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Forum: Erziehung

Kinder fordern Eltern täglich neu heraus zu Auseinandersetzung und Problemlösung. Kinder brauchen Grenzen - doch welche und wie setzt man sie durch? Welche Erziehung ist die richtige? Nutzt hier die Möglichkeit, euch hilfreich mit anderen Eltern auszutauschen.

Beitrag von coronacora 11.03.10 - 13:51 Uhr

... wie geht man damit um?

Hallo ihr Lieben,

ich bin noch recht aufgewühlt und hoffe, die richtigen Worte zu finden, um euch verständlich zu machen, warum ich so zwiegespalten bin.

Heute habe ich mit meiner besten Freundin aus Kindertagen telefoniert. Wir kennen uns mittlerweile fast 30 Jahre und waren mal unzertrennlich. Durch Heirat, Kinder und weiten Umzug haben wir nicht mehr so engen aber dennoch regelmäßigen Kontakt.

Diese Freundin, nennen wir sie J., ist seit fast 10 Jahren verheiratet und hat zwei Kinder. Die Ehe läuft nicht gut, sie stand eigentlich von Anfang an unter keinem guten Stern.

Die Eheleute streiten häufig. Sie schreien sich an, auch vor den Kindern und der Streit endet häufig damit, dass die Mutter sich heulend zurückzieht. J. erzählte mir heute, dass es in ihrem Haus keine normalen Gespräche mehr gibt, nur Zank und Geschrei.

Der Sohn (8 Jahre alt), verhält sich auffällig. Wenn die Mutter ihn vom Hort abholt, ignoriert er sie. Er begrüßt sie nicht, es gibt keinen Kuss, manchmal schreit er seine Mutter an, sie soll wieder gehen und ihn im Hort lassen. Er redet auch nicht im normalen Tonfall, sondern schreit. Egal, mit wem er spricht. Er schreit.

J. sagte, ihr Sohn habe Freude daran, andere zum Weinen zu bringen oder weinen zu sehen. Das habe er selbst so gesagt: Er freut sich, wenn andere traurig sind. Warum konnte er nicht erklären.

Es kam zur Sprache, dass der Junge geschlagen wird. Auf Nachfrage sagte sie, dass es täglich vorkommt. Sie relativierte es in "einen Klaps auf dem Hintern", aber das kaufe ich ihr so nicht ab. Er würde ja nur gehauen werden, weil er so aggressiv wäre, auch gegenüber seines viel schwächeren Bruders.

Das Gespräch ging über eine Stunde. Wir telefonieren oft so lange, wenn wir telefonieren. Sie hat so viele Probleme in ihrem familiären Umfeld, sei es mit den Schwiegereltern, Ehemann oder Sohn.

Sie selbst ist ein ruhiger Mensch, der sich nicht wehrt, nicht durchsetzt und selten Hilfsangebote annimmt. Wir hatten schon mehrere Gespräche, in denen ich ihr eindringlich gesagt habe, wie sie Sitationen lösen und wo sie sich Hilfe holen könnte. Wenn ich sie beim nächsten Telefonat darauf anspreche, hat sich an der ursprünglichen Situation rein gar nicht geändert.

Gerade heute habe ich ihr gesagt, dass das gar nicht geht, dass ihr Sohn misshandelt wird (Misshandlung hat sie dann relativiert in Klapse). Ich sagte ihr, dass es gesetzlich verboten ist und dass eines Tages auch Polizei und Jugendamt vor der Tür stehen könnten, wenn es jemand zur Anzeige bringt. Sie hat mir gesagt, das wüsste sie. Aber so wie ich sie kenne, ändert sich nichts daran.

Mir geht der Junge nicht mehr aus dem Kopf. Ich ertrage den Gedanken nicht, dass ausgerechnet der Sohn meiner ältesten Freundin offensichtlich so leiden muss. Ich wohne 900 km weit weg und kann mich dementsprechend wenig Hilfe anbieten. In der Vergangenheit hat sich gezeigt, dass Telefonate wenig nutzen.

Ich spiele mit dem Gedanken, es anonym zur Anzeige zu bringen in der Hoffnung, dass das Jugendamt ein Auge auf die Familie hat und evtl. Hilfe anbietet, die J. eher annimmt, weil sie "von oben" kommt. Andererseits empfinde ich, dass ich so die ganze Familie in die Pfanne haue.

Wie verhalte ich mich nun richtig? Was würdet ihr in meinem Fall tun? Ich selbst habe ja gar keine Beweise, ausser die Aussage der Mutter #gruebel.

Konfuse Grüße,

cora

Beitrag von mansojo 11.03.10 - 14:07 Uhr

Hallo,


meinst Du nicht das die Aussage der Mutter Beweise genung sind?

>>>Sie selbst ist ein ruhiger Mensch, der sich nicht wehrt, nicht durchsetzt und selten Hilfsangebote annimmt. Wir hatten schon mehrere Gespräche, in denen ich ihr eindringlich gesagt habe, wie sie Sitationen lösen und wo sie sich Hilfe holen könnte. Wenn ich sie beim nächsten Telefonat darauf anspreche, hat sich an der ursprünglichen Situation rein gar nicht geändert. <<<

mir scheint sie ist ehr hilflos ihrer Situation ausgesetzt
für sie ist es vielleicht genau das richtige wenn man sie mal am Kragen packt

Du musst nicht anonym beim JA anrufen
die Mutter weiß bereits das das JA jeden Tag vor der Tür stehen könnte

tu der Familie einen Gefallen und melde es

LG Manja

Beitrag von apfeltasche 11.03.10 - 14:38 Uhr

Ich denke auch du sollst das melden,es hört sich das so an als deine Freudin auf sowas wartet das jemand das meldet,vieleicht will sie hilfe in anschpruch nehemen und traut sich selber nicht zu anzeigen.

Vieleicht mit eine Anzeige wird die ganze familie geschütet und vieleicht versuchen die ihren umgang ändern.
Der junge schreit nur weil er sich nicht wehren kann,der Junge ist total verzweifel und braucht ein normale umgang,seine Eltern sollten sie sich zusammenreißen wenn die Kinder zuhause sind,und Partherapie besuchen.
Wenn die das nicht bereit sind dann müssen sie sich trenen aber das bringt auch nicht viel weil die Kinder sind schon jetzt gestört und am ende.
Das sind nur Hilfe rufe,von der Mutter und Kinder, höre Bitte nicht weg.
Helfe ihm Bitte,vieleicht hört sich so an als du deine Freundin veraten möchtest(was du nicht willst) aber ihr werden Kinder nicht wegenommen sondern wird ihr Hilfe angeboten die sie anehmen soll.
Deine freundin ist genau verzweifelt wie die Kinder,und weil sie nicht weiß wie sie besser machen soll,schlägt sie dann ihren Sohn,traurig,aber es heißt nicht das sie schlechte Mutter ist.

Beitrag von jazzbassist 11.03.10 - 14:36 Uhr

Laden Sie sich doch einmal mal für ein Wochenende selbst ein; vielleicht können Sie im Gästezimmer übernachten (sofern vorhanden) oder in einem Hotel. Je nach Gegend kann das für sie ein schöner Ausflug sein und sie sehen ihre Freundin mal wieder von Angesicht zu Angesicht; man hat sich nach sovielen Jahren sicherlich viel zu erzählen. Dann bekommen sie mal einen realen Einblick, wie die Dinge dort laufen.

Wenn es in der Ehe Probleme gibt, belastet das selbstverständlich eine ganze Familie; somit auch Kinder. Das spielt sich selbstverständich im Verhalten eines 8-Jährigen wieder. Das alleine sollte aber kein Grund sein, sich deshalb anonym beim Jugendamt zu melden. Es ist leider auch noch in einigen Familien so, das ein Kind einen Klapps auf den Hintern bekommt. Erst Recht, wenn Eltern überfordert sind. Wir kennen die gesetzliche Lage, unser rationaler Verstand sagt uns hoffentlich auch - dass es für ein Kind einfach nur schädlich ist und nicht vorkommen darf. Trotzdem:

Wenn ein 8-Jähriger an einem normalen Hort-/Schulbetrieb teilnimmt, würde ich hier schon auf die Kompetenz der dort betreuenden Erwachsenen vertrauen und nicht auf einigen Telefonaten heraus, wo eine Mutter vertraulich, intrim und privat ihre ganze Seele ausschüttet und emotional sicherlich am Ende war, auf eine Form von Kindesmisshandlung zu schließen, die man dem Jugendamt melden sollte. Letzeres ist schon ein irreparabler Eingriff in die Privats- und Imtimsspähre einer Familie, wie weit das durch Telefonate alleine gerechtfertig ist, mag ich nicht zu entscheiden. Von daher ist es eventuell leichter, einfach mal selbst zu sehen, wie der 8-Jährige so im Alltag drauf ist und wie er sich (auch seinen Eltern gegenüber) verhält. Dann sieht man ja, ob hier eine Atmosphäre herrscht, die für ein Kind bedrohlich ist oder wir uns noch in einer Atmosphäre bewegen, wo es vielleicht sinnvoller ist, dass man es hier weiter selbst versucht, dieser Familie - wenn auch nur telefonisch - zu helfen; sofern diese Hilfe erwünscht ist.

Beitrag von coronacora 11.03.10 - 19:08 Uhr

Ich habe sie schon so oft zu mir eingeladen. Aber sie legt sich immer selbst Steine in den Weg. Sie kam nicht einmal zu meiner Hochzeit. Es war ihr zu weit, zu umständlich, zu teuer...

Ich bin 2-3 Mal im Jahr in meiner alten Heimat und ich besuche sie jedes Mal. Wie oft habe ich ihr vorgeschlagen, uns mal alleine irgendwo zu treffen, ohne Ehemänner und ohne Kinder. Und obwohl ich immer sehr zeitig ankündige, wann ich wieder da bin, schafft sie es nicht, einen Babysitter zu organisieren, der für ein paar Stunden einspringt.

Das letzte Mal, als ich bei ihnen zu Hause war, saß ihr Sohn in seinem Zimmer vor der Playstation. Von dort ist er auch nicht wegzubekommen. Wenn die Mutter es versucht, endet es in Geschrei. Dafür hat sie aber keine Nerven mehr, also lässt sie ihn.

Ihr Mann ist ihr erziehungstechnisch keine Hilfe. Er sitzt auch sehr gerne vor seiner PS. Gemeinsame Familienunternehmungen gibt es einfach nicht.

Zum Thema Klappsen: Ich hatte bei dem Gespräch nicht den Eindruck, dass es bei einem Klapps auf den Hintern bleibt. Unser Gespräch verlief in etwa so:

Ich: "Haust du ihn?"
Sie : "Ja... muss ich so sagen... ja."
Ich: "Kommt es denn täglich vor?"
Sie: "Er macht ständig Sachen kaputt und weiß genau, wie er mich provozieren kann. Das bringt mich sehr schnell auf 180 und dann kriegt er eine."

Später im Gespräch:

Sie: "Wenn mein Mann nach Hause kommt, dauert es nicht lange und der Große kriegt eine gescheuert. Der kleinste Anlass reicht... und "BUMM"." (O-Ton)

Ich: "Das finde ich nicht in Ordnung, was ihr da mit dem Jungen macht. Wenn er so misshandelt wird, braucht ihr euch doch nicht wundern, dass er sich so verhält."

Sie: "Najaaa... Misshandeln ist das nicht.. nur mal einen Klapps auf den Hintern."

Deswegen ist mir das sehr suspekt.

Beitrag von bambolina 11.03.10 - 20:26 Uhr

Hallo

selbst wenn es "nur" klapsen ist - das Kind zeigt jetzt schon Verhaltensstörungen - aus welchen Gründen auch immer. Und es wird nicht weniger - je älter das Kind, desto schwieriger. Schon alleine deshalb wäre es richtig, es dem JA zu melden.

lg bambolina

Beitrag von krokolady 11.03.10 - 14:36 Uhr

Du kannst Dich auch an den Kinderschutzbund wenden......die arbeiten mit dem JA zusammen, gehen aber meist behutsamer an die Sache ran, und versuchen nicht nur den Kindern zu helfen, sondern auch den Eltern.

Beitrag von mama-nadja 11.03.10 - 18:33 Uhr

Wie Du schreibst weis deine freundin das irgendwann da JA vor der Türe steht.....

Ich denke das sie schon (durch eben diese Aussage mit JA) hilfe möchte aber sich nicht traut darum zu bitten.

Wenn Du ihre beste Freundin bist dann wende Dich an das für sie zuständige Jugendamt und schildere dort die Lage.

Sage das du Dir um die Kinder UND die Muter sorgen machst.
Das sie hilfe brauchen und auch möchten aber sich schämen darum zu bitten.

Ich denke das sie Dir bestimmt dankbar sein wird.

LG Nadja

Beitrag von danae-z 12.03.10 - 13:53 Uhr

Rede auf jeden Fall mit dem Jugendamt.
Du hast ja Einblick in die Familie und kannst auch schildern, dass Deine Freundin vor allem überfordert ist und Hilfsangebote braucht.

Die Mitarbeiter sind sehr gut geschult und versuchen, mit minimalsten Eingriffen den größtmöglichen Erfolg zu erziehen. Vielleicht hilft schon eine Erziheungsberatung oder wenn eine Familienhelferin in die Familie geht und mit der Mutter die Erziehung bespricht, die Mutter könnte auch Kurse belegen. Evtl braucht der Sohn auch schon therapuetische Hilfe, da schon Störungen vorhanden sein könnten.

Du kannst Deine Freundin ja auch noch mal fragen, os sie nicht selber um Hilfe beim Jugendamt bitten möchte. Sag ihr, dass es keine Schande ist.
Sie ist ja auch mit der Situation unglücklich, und so könnte sie wirklich etwas ändern.
Sie kann sich ja schon mal einen kleinen Einblick verschaffen (das ist zwar Nürnberg, aber im Prinzip gilt das für alle, bzw kann sie ja auch für ihren Ort googeln):
http://www.jugendamt.nuernberg.de/erziehungsberatung/angebote_beratung.html
http://www.jugendamt.nuernberg.de/downloads/erziehungsberatung_konzeption.pdf

Wenn Du vorher mit dem Jugendamt telefonierst und einen Ansprechpartner für sie ermittlen kannst, ist bei ihr auch vielleicht die Hemmschwelle geringer, wenn Du ihr sagen kannst:
"Ich habe mit Herrn/Frau X telefoniert, supernett, möchte euch helfen und würde gerne mal einen Gesprächstermin mit Dir verabreden, was hältst Du davon?"

Wir haben es echt gut, dass es so wahnsinnig viele Hilfsangebote für Eltern in allen Situationen gibt, es ist der größte Fehler überhaupt, so etwas nicht wahrzunehmen, um Kindern zu helfen.
Wenn ich lese "dann steht irgendwann das Jugendamt vor der Tür " dann hat das sowas von einem angstbesetzten Begriff. "Das Jugendamt steht vor der Tür und nimmt die Kinder weg!"
Es sind HELFER. Kinder aus einer Familie zu nehmen ist das LETZTE Mittel, wenn die Gefahr für die Kinder zu groß ist. In allen anderen Situationen wird geguckt, wie man das Zusammenleben in der Familie verbessern kann, es werden den Eltern Konzepte an die Hand gegeben, Schulungen bezahlt usw usf.


Und noch ein ganz kleiner Nachtrag:
Wenn die Mama aus Hilflosigkeit ihren Sohn schlägt "weil er so aggressiv ist", dann zeigt es, wie tief sie schon drin steckt und dass sie nicht mehr objektiv denken kann.
Das Wort "Teufelskreis" bzw "Spirale der Gewalt" sagen ihr offenbar gar nix, sie braucht wirklich Hilfe--FÜR ihr Kind!


LG

Beitrag von aischa33 12.05.10 - 23:40 Uhr

SO WAS passiert immer wenn man die Besten Freunden geheime erzählt, schäm dich , du willst für die arme Frau Probleme machen , dass bestätigt mir immer wieder dass ich meine Probleme und Geheime für mich behalte , statt JEMANDEN ERZÄHLEN ; DIE Das gegen mir verwendet .
ps : diese Sohn wirst du bestimmt nicht lieben wie seiner Mutter. und was machst du wenn deiner Freundin dich anruft und sagte dir dass jemand hat sie bei Jugendamt bescheisst, ich würde mich schämen ...