Mit Kleinkindern auf Begräbnis gehen?

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Forum: Kindergartenalter

Ein großer Schritt ins Leben für jedes Kind ist der Start in den Kindergarten. Aus dem Kleinkindalter herausgewachsen, wird euer Sprössling nun zunehmend unabhängiger. Es stellen sich ganz neue Fragen, bei denen euch unser Forum hilfreich zur Seite stehen kann.

Beitrag von golfmummy 12.03.10 - 18:00 Uhr

Hallo, ich würde gerne ein paar Meinungen einholen, was ihr davon haltet, dass man Kleinkinder auf ein Begräbnis mitnimmt.

Die Großtante meines Mannes ist am Dienstag in der Nacht gestorben nach längerem Krebsleiden
(Sie war die Schwester der Mutter meiner Schwiemu)

Mein Neffe (2Jahre) und meine Tochter (3Jahre) sahen sie nicht oft im Jahr. Meine Tochter ca. 4-5 mal und der kleine Neffe ca. 3 mal pro Jahr
Ich habe mich mit ihr sehr gut verstanden und obwohl wir doch einige Jährchen Altersunterschied hatten, waren wir oft einer Meinung und hatten gleiche Einstellungen. Z.B. habe ich es respektiert, dass ich sie nicht im Hospiz besuchen "durfte", weil sie wollte, dass ich sie so in Erinnerung halte, wie ich sie kannte. Wir haben aber immer wieder lange Telefonate miteinander geführt.

Nächsten Freitag ist Begräbnis und das Mitnehmen bzw. Nicht-Mitnehmen der Kinder löst in der Familie Diskussionen aus.

Folgende Standpunkte werden vertreten (ich sag euch jetzt nicht, welcher Meinung ich bin, da ich auf wertfreie Antworten hoffe ;-))

2jährigen Neffen mitnehmen:
Kinder in diesem Alter wissen eh noch nicht was da abläuft und fragen eh nicht, somit ist es kein Problem und er wird schon keinen Schaden nehmen. Ausserdem kann der Papa ja mit ihm am Friedhof spazieren gehen, wenns ihm zu viel wird.
2jährigen Neffen nicht-mitnehmen:
wenn er alle (vor allem seine heißgeliebte Oma) weinen sieht, dann wird er auch unruhig und weiß eigentlich nicht was los ist und erklären kann man es ihm noch nicht - nimmt also Belastung mit

3jährige Tochter mitnehmen:
Der Tod gehört zum Leben, das muss sie in dem Alter eben auch schon lernen. Ausserdem stellen Kinder in dem Alter eh noch keine Fragen.
3jährige Tochter nicht-mitnehmen:
Argument wie oben beim Neffen und dazu: Man muss eine 3jährige nicht willkürlich auf das Thema Tod bringen.

Die Tante hinterläßt noch 2 Kinder (urgroßneffe + -nichte) die sehr viel Bindung zu ihr hatten und ausdrücklich darum gebeten haben, dass sie mitgehen dürfen, weil sie sich verabschieden wollen. Die Kids sind im VS-alter.

So die Sachlage - bitte um Inputs!

Herzlichen Dank schon mal
LG
Brigitte

Beitrag von bw1975 12.03.10 - 18:40 Uhr

Hallo,

der Uropa meines Sohnes starb, als er fast 2 Jahre alt war! Seine Uroma wollte nicht das er mitgeht und ich finde es gut so.

Er war zu klein, er wäre unruhig geworden (lange Zeremonie) und es sollte doch eine stille Zeremonie sein, in Erinnerung an den verstorbenen und nichts sollte ablenken! Ich selbst habe geweint und viele leute auch, dazu diese schwarze Kleidung, ich bin froh, das er nicht mitkam.

Er kam danach aber zum Essen mit.

Heute, er ist 4,5, würde ich wohl anders entscheiden!
Aber er nimmt Dinge ganz anders wahr und versteht auf seine Art "Leben und Tod"

LG bw

Beitrag von tragemama 12.03.10 - 18:51 Uhr

Klares Nein. Ich würde meiner Tochter nicht antun, alle weinen zu sehen, sie ist definitiv zu klein, das auch nach Erklärun zu begreifen. Abgesehen davon gibt es für mich kein "pro", sondern nur "contras", die mir dazu einfallen.

Andrea

Beitrag von golfmummy 12.03.10 - 19:15 Uhr

wärst du so lieb, könntest du mir deine contras mitteilen?

ich oute mich mal:
ich bin dagegen, dass unsere tochter mitgeht (das 3jährige kind) und schwiemu ist säuerlich deswegen.
vor allem weil mein neffe (2jahre) mitgenommen wird... das finde ich übrigens auch nicht ok

so, nun suche ich nach argumenten, die ich "aus dem ärmel schütteln" kann, falls es morgen bei unserem besuch zu einer diskussion kommen sollte.

meine contras:
* kinder verstehen nicht, wenn alle weinen, möchten dann klarerweise auch aufmerksamkeit zu einer zeit wo alle anderen "ihre ruhe" wollen.

* meine tochter hat ein massives schlafproblem und wie ich die ganze familie kenne, kommt sicher was in der art, dass sie für immer schläft. es kann (muss nicht) passieren, dass sie dann schlafen noch negativer sieht als sowieso schon.

* ich möchte sie nicht mit dem thema tod konfrontieren, wenn es nicht sein muss. die urgroßtante sah sie wie gesagt ganz ganz selten. wäre es das begräbnis von urli oder großeltern wäre das was anderes mit dem verabschieden. aber warum soll man sie wo hin schleifen, den sie nicht wirklich kannte, und somit nicht nach demjenigen fragen wird in nächster zeit.

lg
brigitte

Beitrag von schullek 12.03.10 - 20:28 Uhr

dein einziges contrab argument richtung schwiegermutter sollte sein: mein kind und ich entscheide in diesem fall. punkt.

wieso ist sie da sauer? oder hat sie vor nen schönen nachmittag zu verbringen mit iohren enkeln? wohl kaum, weshalb ich nicht verstehe, wieso sie die kinder unbedingt dabei haben will.

lg

Beitrag von tragemama 12.03.10 - 21:09 Uhr

Ich würde das nicht diskutieren, sondern mitteilen. Argumente wären für mich: Meine Tochter würde definitiv auch weinen und Sicherheit vermissen, wenn ich weinen würde.

Beitrag von andreag1302 12.03.10 - 19:16 Uhr

Auch wenn das vielleicht ein anderer Fall ist möchte ich das doch kurz schreiben.
Letzte Woche hat sich ein guter Bekannter von uns das Leben genommen,er hinterlässt zwei Kinder im Alter von 5 und 8 Jahren.
Die Kidiś waren beide bei der Beerdigung dabei und haben wohl auch ihren Papa noch einmal angeschaut ( hab ich heute erfahren).
Das dabeisein finde ich jetzt in diesem Alter nicht ganz so schlimm (wobei ich bei der 5jährigen schon überlegt hätte,aber die Beerdigung vom Papa ist vielleicht doch nochmal anders) aber das anschauen hätte ich nicht gewollt.
Meine Meinung.

Als meine Mama vor zwei Jahren starb habe ich nur meinen Sohn damals 8 mitgenommen,die Kleine mit 3 blieb zu Hause.

Ich hoffe ihr trefft für eure Kinder die beste Entscheidung,man kann nicht alle Kinder über einen Kamm scheren,jeder kennt sein Kind am besten und weiss wie es das jeweilige Kind danach verarbeiten kann.

Alles Liebe Andrea

Beitrag von ilvy78 12.03.10 - 19:23 Uhr

Ganz klares NEIN! Der Opa meines Mannes ist im Jan. verstorben und wir haben unserer Tochter nichts gesagt. Erst als wir den richtigen Zeitpunkt gefunden hatten, haben wir ihr davon erzählt und mein Mann ist später mit Ihr zum Grab gegangen. Sie ist sehr traurig darüber und vermisst ihren Uropa ganz doll. Sie wußte allerdings, dass er im Kkh lag und es ihm nicht gut ging.

Beitrag von anyca 12.03.10 - 19:41 Uhr

Grundsätzlich finde ich es o.k., Kinder mit auf Beerdigungen zu nehmen - gehört zum Leben dazu. Wenn die Kinder die Großtante (bzw. ihre Urgroßtante) aber kaum kannten, würde ich es wohl doch eher lassen, zu viel Aufwand.

Beitrag von mimi1410 12.03.10 - 19:58 Uhr

Hallo Brigitte,

ich bin für s Mitnehmen. Unser Großer war bei der Beerdigung seines Uropas dabei, gerade 2,5 Jahre alt und es war gut so.

LG Mimi

Beitrag von schullek 12.03.10 - 20:27 Uhr

hallo,

ich würde eure kinder nicht mtinehmen, da sie die verstorbene ja selber kaum kannten. deshalb dürfte das ganze für sie eher verstörend sein. zumal gerade der 2jöhrige kaum verstehen wird, was tod etc bedeutet.
deine 3jährige würde es sicher in den grundzügen verstehen, aber auch für sie wird einiges unverständlich sein.

die anderen kinder,m die darum gebeten haben mitzudürfen, da sie der verstorbenen nahe standen, sind ein anderes thema. da würde ich es vom kind abhängig machen.

lg

Beitrag von juliane1978 12.03.10 - 20:47 Uhr

Hallo,
ich würde die Beiden mitnehmen.
Letztes Jahr im Januar starb von meiner Cousine die Oma (also nicht unsere Gemeinsame, sondern die "andere" Seite). Ich habe die Dame auch über viele Jahre gekannt und bin mit beiden Kindern auf die Beerdigung. Sie waren da 5 und 3. Ich dachte mir, mit der Beerdigung einer nicht so nahestehenden Person, kann man sie "sacht" an das Thema Tod heranführen und hatte damit genau Recht. Sie haben intuitiv den "Ernst der Lage" erkannt und waren beim Gottesdienst und auch anschließend auf dem Friedhof absolute Musterkinder. Natürlich kamen vorher schon und auch anschließend gefühlte Millionen Fragen zum Thema Tod und Sterben. Auch wollten sie zig Mal wissen, warum die Leute geweint haben, warum der Sarg in die Erde kommt, wenn man doch in den Himmel kommt usw., aber sie haben es echt sehr gut verkraftet und haben durch die Beerdigung nicht Angst oder so bekommen.
Ich denke man kann und soll Kinder nicht vor allem beschützen und der Tod und Beerdigungen gehören nunmal leider zum Leben.
LG,
Juliane

Beitrag von cooky2007 12.03.10 - 20:50 Uhr

NEIN!
Die Kinder sind zu klein, um zu verstehen, was eigentlich los ist.
Und sehr nahe standen sie der Tante ja auch nicht, also lass es lieber.

Beitrag von golfmummy 12.03.10 - 21:31 Uhr

danke euch allen für eure antworten!

unsere entscheidung ist gefallen, wir nehmen unsere 3jährige tochter nicht mit.

ich war vorhin total verblüfft... eigentlich hat mich meine schwiema als ich ihr das vorgestern am telefon sagte gewirkt, als wäre sie sauer auf mich
vorhin habe ich mit ihrer besten freundin telefoniert und erfahren, dass schwiema nachgedacht hat und uns versteht und unsere entscheidung unterstützt... eigentlich hab ich ja eh einen lieben schwieger#drache #herzlich

er 2jährige neffe wird mitgenommen. nunja, finde es nicht klug, aber er ist ja nicht mein kind.

lg
brigitte

Beitrag von anni_hase 12.03.10 - 21:33 Uhr

Letztes Jahr im März ist meine Schwiema und im November mein Papa gestorben. Unseren Sohn haben wir sogar auf Empfehlung vom Pastor mitgenommen, unsere Tochter allerdings nicht und ich kann sagen.....es war die richtige Entscheidung.

Seine Oma (meine Schwiema) hat Nils tagtäglich gesehen und sie hatten ein sehr herzliches und inniges Verhältnis zueinander, aber auch meinen Papa hat Nils oft gesehen.

Wenn gerade mein Sohn allerdings noch jünger gewesen wäre, hätten wir ihn auch nicht mitgenommen.

LG Anja
mit Nils (07.07.04) & Rieke (08.08.07)

Beitrag von schmusemaus772003 12.03.10 - 22:24 Uhr

hallo brigitte


also ich muss dir ein erlebnis aus meiner kindheit erzählen.

meine Oma gestoren als ich ein bischen über 3 war. Meine Mama hat so entschieden wie viele hier und hat mich untergebracht ich habe und liebe meine Oma immernoch. Ich habe es nie richtig verkraftet mich nicht richtig veranschieden zu können einfach tschüss zu sagen!

aber meine oma war mir sehr na

ob ich so regaieren würde weiß ich nicht würde es warscheinlich auch davon abhängig machen um welchen verwandschaftsgrad es geht

Beitrag von rain72 13.03.10 - 00:08 Uhr

Hallo,
also ich würde die Kinder mitnehmen.
Das Argument bei vielen hier:
"In dem Alter verstehen die das sowieso nicht."
Ah, ja?? Stimmt - aber wer versteht "das" denn?? Welcher Erwachsene steht denn ganz abgeklärt vor dem Thema "Sterben" und hat das alles "verstanden"??
Ich glaube, bei vielen ist es eher die Angst, Kinderfragen nicht beantworten zu können....
LG
rain72

Beitrag von golfmummy 13.03.10 - 08:39 Uhr

ja, du hast recht, ich weiß nicht wie ich fragen beantworten sollte.
vor allem muss ich dazu sagen, dass meine tochter sprachlich nicht so weit ist,dass sie gefühle oder fragen richtig ausdrücken und formulieren kann. und ich wüßte nicht, wie ich auf ein einfaches "wo?" "was?" antworten sollte.

ich stehe dem thema sehr gelassen gegenüber.
wir hatten die tante lieb, sie hat gelitten und endlich ist sie erlöst. wir werden sie vermissen, aber jetzt geht es ihr besser! klar bin ich traurig, aber wie gesagt: wo sie jetzt auch immer ist, dort geht es ihr gut und hält ein waches auge auf uns #liebdrueck

Beitrag von janamausi 13.03.10 - 08:44 Uhr

Hallo!

Mein Vater ist vor 1 Jahr gestorben. Meine Tochter hatte ein sehr gutes Verhältnis zu ihm und ihn oft gesehen. Sie war damals auf der Beerdigung mit dabei und es war auch wichtig für sie, so konnte sie auch damit abschließen.

Da deine Kinder aber nicht so viel Kontakt zur Großtante hatten, würde ich sie nicht mitnehmen. Ein Begräbnis ist schon sehr emotional und Kinder haben danach auch viel zu verarbeiten.

Eine Verabschiedung finde ich aber schon wichtig für die Kinder. Daher würde ich dir lieber raten, dich mit deinen Kindern daheim von ihr zu verabschieden. Du kannst es deinen Kindern ja erklären, ihr könnt eine Kerze anzünden und evtl. beten. So haben deine Kinder die Möglichkeit, sich zu verabschieden, ohne dass sie das sehr emotionale Begräbnis miterleben müssen.

LG janamausi

Beitrag von miratom 13.03.10 - 11:01 Uhr

Hallo !

Tom war letztes Jahr bei 2 Beerdigungen. Ich habe ihm erzählt, dass alle traurig sein werden, er nicht reden darf während der Zeremonie und wenn er lieb war, er danach ein Auto bekommt. Hätte selbst nicht hingehen können, wenn ich ihn nicht hätte mitnehmen können.

Bei der ersten Beerdigung ist er eingeschlafen und als er die Augen wieder auf gemacht hat, hat er ganz leise gefragt, ob es vorbei wäre und er nun sein Auto bekommt.

Bei der zweiten Beerdigung (halbes Jahr später) war er ganz ruhig, hat nichts gesagt, aber die "Umgebung" schon viel genauer beobachtet. Danach hat er viele Fragen gestellt (Warum lief Musik - Was hat im Hintergrund geplätschert - Wo ist Opa Maurice jetzt - Warum gehen wir jetzt noch was essen usw) - es waren alles Fragen, die ich auf kindliche Art beantwortet habe. Für ihn war es ok und ich denke, wenn man es den Kindern kindlich erklärt und vielleicht ein wenig mit Belohnung arbeitet, dann ist es kein Problem

Liebe Grüße
Svenja mit Tom 3,5 Jahre

Beitrag von koll 13.03.10 - 13:49 Uhr

hallo brigitte
meine freundin hatte gerade das gleiche problemihr sohn 3 ihre tochter 2.... sie hat sie nicht mit genommen obwohl die familie meinte die kinder sollen sich auch verabschieden...
natürlich habe ich als patentante mir auch meine gedanken gemacht und nur gesagt nehm sie nicht mit!!!
1. mama was ist das für ein kasten (sarg) >>> das ist ein sarg da liegt oma drin als wenn sie schlafen würde
2. mama wann wird oma wieder wach>> oma wird nicht mehr wach oma ist ein engel und wohnt jetzt im himmel...
3.aber sie liegt doch da im sarg>>> wieso wird der sarg "verbuddelt" wenn oma darin liegt?wie soll sie dann in himmel kommen?
wieso weinen alle?wieso sind alle so komisch die sonst mit mir quatsch machen und spielen?

ich hätte keinen nerv mir all diese fragen anzuhören wenn ich gerade trauer/weine...
kinder haben in meinen augen nichts auf der beerdigung zu suchen, solange sie noch in einem alter sind wo sie es noch nicht verstehen...

LG nicole