Was passiert denn bei einem Staatsbankrott?

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Beitrag von hilli2 13.03.10 - 19:05 Uhr

Hallo!

Alle Welt redet davon, dass Griechenland pleite ist, der STaatsbankrott drohe (bedeutet doch pleite, oder?#kratz).

WAS passiert denn aber, wenn ein Statt wirklich und total pleite ist und nix mehr geht??

Kann mir das mal einer erklären?

Danke!:-)

Beitrag von grafzahl 13.03.10 - 19:17 Uhr

Der Staat zahlt dann seine Schulden einfach nicht zurück. Er ist dann aber zwingend auf äußerste Haushaltsdisziplin angewiesen und ein Haushaltsdefizit ist die nächsten Jahre ausgeschlossen. Gibt ja niemanden, der einem solchen Staat auch nur eine Drachme leiht.

Die Staaten werden aber wohl nicht pleite gehen sondern über eine Inflation ihre Finanzen sanieren. Hat in Deutschland schon immer funktioniert. Da wird einfach die Notenpresse angeworfen. Pech für die Sparer. Pech für die Menschen, die ihr Geld lieber auf das Tagesgeldkonto packen und für die Aktien "Pfui" sind.

Beitrag von timan.faya 14.03.10 - 11:41 Uhr

Der Ansatz ist nicht schlecht, aber speziell der erste Satz ist so nicht ganz korrekt.

Staaten zahlen ihre Schulden längst nicht mehr zurück und sind deswegen noch lange nicht bankrott.

Beitrag von grafzahl 14.03.10 - 12:02 Uhr

> Staaten zahlen ihre Schulden längst nicht mehr zurück und sind deswegen noch lange nicht bankrott.

Sorry, aber das ist schlicht falsch.

Die Bundesrepublik Deutschland zahlt Anleihen bei Fälligkeit zurück. Griechenland tut dies auch (noch). WIE man diese Rückzahlung dann finanziert, ist eine ganz andere Frage. Möglicherweise, in dem man eine neue Anleihe emittiert. Ein Problem tritt dann auf, wenn ein Staat das Vertrauen der Anleger verloren hat. Dann kann er nämlich bei Fälligkeit einer Anleihe keine neue Anleihe emittieren bzw. findet er für die Neuemission keine Käufer. Und dann kann er die Anleihe eben nicht zurückzahlen.

Beitrag von bezzi 15.03.10 - 10:06 Uhr

Oh, oh, Graf Zahl. Da bist Du aber fachlich ziemlich neben der Spur. VWL war sicher nicht Dein Lieblingsfach. ;-)

"der einem solchen Staat auch nur eine Drachme leiht."

Griechenland ist seit 1999 im EURO da gibt es keine Drachmen mehr.

Aber mit der Aussage toppst Du alles:

"Die Staaten werden aber wohl nicht pleite gehen sondern über eine Inflation ihre Finanzen sanieren. Da wird einfach die Notenpresse angeworfen."

- die Europäische Zentralbank ist Hüterin der Währung und autonom. Kein Staat der Gemeinschaft kann einfach so "die Notenpresse anwerfen" wenn er Geld braucht.

"Hat in Deutschland schon immer funktioniert."

Quatsch. Zumindest nicht seit Bestehen der Bundesrepublik. Hier ist nämlich immer schon die Bundesbank für die Geldpolitik zuständig, nicht die Regierung.



Beitrag von grafzahl 15.03.10 - 18:58 Uhr

Na da habe ich ja eine 1a-VWL-Schulung bekommen...

> Griechenland ist seit 1999 im EURO da gibt es keine Drachmen mehr.

Das ist komplett falsch.

http://de.wikipedia.org/wiki/Griechische_Drachme

Davon abgesehen, dass Griechenland mit zweijähriger Verspätung der Währungsunion beigetreten ist, verschwanden auch die übrigen europäischen Währungen nicht am 01.01.1999 - es wurde lediglich der Wechselkurs der Währungen zum Euro gefixt. Erst mit Einführung des Euro-Bargeldes am 01.01.2002 würde ich vom Verschwinden der nationalen Währungen sprechen.


> - die Europäische Zentralbank ist Hüterin der Währung und autonom. Kein Staat der Gemeinschaft kann einfach so "die Notenpresse anwerfen" wenn er Geld braucht.

Das hast du sehr schön auswendig gelernt.

Selbstverständlich kann heute kein Mitgliedsstaat der EU die Notenpresse anwerfen und sich die fehlenden Euro drucken. So wie in der Bundesrepublik die Deutsche Bundesbank die Hüterin der Währung war, ist es die EZB heute beim Euro. Die Frage ist nur: Wie lange hat die Währungsunion Bestand?

Was ist, wenn die Regierung in Athen vor dem Mob der Straße einknickt? Wer soll den Griechen Euro geben, wenn die nächsten Anleihen fällig werden? Meinst du wirklich, dass man mit aller Gewalt am Euro festhalten wird? Eine Währungsunion war ja theoretisch eine gute Idee. Praktisch wird der Euro seine Halbzeit bereits hinter sich haben. Weil man zu einer Währungsunion eine politische Union benötigt. Was soll die Griechen daran hindern, wieder ihre nationale Währung einzuführen?


>> Die Staaten werden aber wohl nicht pleite gehen sondern über eine Inflation ihre Finanzen sanieren. Hat in Deutschland schon immer funktioniert.

> Quatsch. Zumindest nicht seit Bestehen der Bundesrepublik. Hier ist nämlich immer schon die Bundesbank für die Geldpolitik zuständig, nicht die Regierung.

Wie kurzsichtig ist das denn bitte?

http://tiny.cc/yedlN
http://tiny.cc/Rwd3O

Reicht das?


Es besteht schon ein Unterschied darin, ob man VWL auswendig lernt oder ob man das Gelernte versteht und anwenden kann.

Und ja - VWL war mein Lieblingsfach. Weil man dort mit Auswendiglernen nicht weit kommt.

Beitrag von bezzi 15.03.10 - 10:14 Uhr

In der ersten Stufe wird der Staat seine Schulden nicht zurückzahlen können, die Zinsen für die Kredite nicht mehr bedienen.
Was zur Folge hat, das keiner dem Staat mehr etwas leihen wird.
Wenn der Staat aber nun kein Geld mehr aufnehmen kann und selber zu wenig einnimmt, kann er bald auch seinen anderen Verpflichtungen nicht mehr nachkommen.
Gehälter der Beamten werden nicht mehr gezahlt. Sozialleistungen werden nicht mehr bezahlt. Krankenhäuser/Schulen/öffentliche Einrichtungen müssen schließen.

Am Ende steht Anarchie und Chaos.

Beitrag von adalgisa 15.03.10 - 10:32 Uhr

http://tinyurl.com/yk4udql #aha