Nicht Frau, nur Mutterersatz ...

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Forum: Partnerschaft

Eine dauerhafte Partnerschaft ist eine der größten Herausforderungen unserer Zeit. Lust und Frust liegen da oft nah beieinander. Hier könnt ihr offen ausdrücken, was euch innerlich bewegt.

Beitrag von die Zeit steht still 14.03.10 - 11:26 Uhr

Hallo,

mein Mann und ich haben seit vielen Jahren schon Schwierigkeiten in unserer Ehe. Wir haben zwei Kleinkinder und arbeiten beide in verantwortlicher Position in Vollzeit .

Er hat immer weniger Verantwortung übernommen und immer weniger Interesse an uns als Paar aufgebracht.

Ich hab in den letzten Jahren sehr häufig das Gespräch gesucht und über viele Dinge mit ihm gesprochen:

Dass ich das Gefühl hab ihm nicht zu reichen, im Sinne von er braucht immer eine Beschäftigung neben mir, sonst ist ihm langweilig.

Dass er mich nicht erwachsen werden lässt bzw. mich nicht als vollwertige Partnerin akzeptiert.

Dass er mich nicht respektiert, keine Rücksicht nimmt und meine Gefühle und Bedürfnisse übergeht.

Dass er sich andererseits an mich klammert, als wäre er ein Kind, dass von mir abhängig ist.

Dass er nie hinter mir steht, sich nie schützend vor mich stellt, sondern immer von mir erwartet, dass ich mich zurücknehme.

Dass er mich auf einen Sockel stellt und sich selbst künstlich klein macht.

Dass er kein sexuelles Interesse an mir hat.

Dass er mich seine Arbeit abends noch zusätzlich mitmachen lässt, weil er in seinem Job angeblich nicht klarkommt

...

Die Liste ist noch deutlich länger.

Die Kindheit meines Mannes ist geprägt von Stillstand und Gewalt. Veränderung wurde dämonisiert und Eigeninitiative meinem Mann durch immer wieder kehrende Prügel ausgetrieben.

Er ist nach langem hin und her inzwischen auch in psychologischer Behandlung, um das aufzuarbeiten.

Gestern Abend hatten wir wieder eine Auseinandersetzung, weil er sein Browsergame als Entspannung sieht und ich es für Flucht halte. Er beschäftigt sich damit jeden Tag 3-5 Stunden, während alles andere liegen bleibt bzw. die Kinder darunter leiden.

Irgendwann hat er dann zu mir gesagt, dass er jetzt glaube zu wissen, was bei ihm schief läuft. Er sieht mich als perfekte, hochstilisierte Mutter, weil seine Mutter so eine Niete war und nicht als Frau. Und das schon seit mehreren Jahren. Aber jetzt wisse er das und er könne mir versichern, dass er mich trotzdem wie ein echter Partner liebe.

Für mich ist in diesem Moment die Zeit stillgestanden und seither hat sie auch nicht mehr angefangen sich zu bewegen. Ich fühle mich hintergangen, betrogen, benutzt und vollkommen hilflos. Wir hatten uns Partnerschaft versprochen. Echte, in der man einander wirklich sieht. Gleichberechtigt mit Geben und Nehmen. Ich wusste ja, dass wir da ein Ungleichgewicht haben, aber dass er ein ganz anderes Loch mit mir füllt, das hab ich dann doch in meinen Träumen nicht gedacht.

Für mich ist eine Welt zusammengebrochen, mein Vertrauen ist zutiefst erschüttert und ich weiss überhaupt nicht, wie ich mich jetzt verhalten soll oder wie es weitergehen kann. Ich fühle mich so taub an und hab jeden Kontakt zu meines Bedürfnissen verloren. Ich sitze hier und bin vollkommen ungläubig. Das ist als hätte er mich mit mir selbst betrogen, ohne mir all die Jahre etwas davon zu sagen.

Was tu ich denn jetzt?

Beitrag von bruchetta 14.03.10 - 11:34 Uhr

Das Gleichgewicht kann u.U. durch die Therapie wieder hergestellt werden.
Die Sichtweise, die er hat, beruht ja aus seinen nicht verarbeiteten Kindheitserlebnissen.
Die Therapie wird sicher etwas bewegen, bis dahin würde ich gar nichts tun, sondern diese schwierige Phase als solche annehmen.

Beitrag von die Zeit steht still 14.03.10 - 11:38 Uhr

Das ist leichter gesagt als getan.

Ich fühl mich grauenhaft und ich war auch schon vor dieser Eröffnung mehr als am Ende meiner eigenen Kräfte.

Ich hab so Angst, dass da auch noch was nachkommt. Und ich hab unglaublich Angst, am Ende eine vollkommene Lüge gelebt zu haben. Dass er, dann endlich gesundet, erkennt, dass er für mich nie wirklich was empfunden hat.

Beitrag von versteh nicht 14.03.10 - 11:45 Uhr

Ich vertehe nicht, wie man zwei Kleinkinder haben kann, wenn es seit vielen jahren in der Ehe nicht stimmt.

Beitrag von die Zeit steht still 14.03.10 - 11:53 Uhr

Weil mir so ein Ungleichgewicht nicht so leicht auffällt.

Ich hab selbst erst mühsam lernen müssen, dass z.B. respektlos behandelt zu werden, nicht in Ordnung ist. Ich bin von meiner Mutter emotional missbraucht worden und hab deshalb erst sehr spät die Fähigkeit meine Grenzen zu erkennen erworben. Daran meine Grenzen auch zu wahren, arbeite ich noch.

Darf ich denn von Dir erfragen, was Dein Unverständnis mit meinem Ausgangspost zu tun hat? Oder wolltest Du Dich einfach mal auf Kosten eines Menschen, dem es schlecht geht, besser fühlen?

Beitrag von sunshine7505 14.03.10 - 19:36 Uhr

Hallo,
echt, fast jedes Mal dieser blöde Kommentar, der niemand weiterhilft. Das gibt es doch, dass eine Schwangerschaft auch mal ungeplant kommt. Eine Paarbeziehung ist dynamisch, ein Mensch kann sich verändern oder mit der Zeit erfährt man mehr über sich und merkt dass es nicht mehr passt. Manchmal täuscht man sich tatsächlich in einem Menschen. Heißt das dass es nie mehr Probleme geben kann wenn man Kinder miteinander hat? #gruebel
LG Katja mit Julia (fast 5) und Sebastian (21 Monate) #sonne

Beitrag von breeze86 14.03.10 - 21:44 Uhr

Das ist eine sehr schwierige Situation.
Ich bin - wie meine Vorrednerin auch - der Meinung, dass du da jetzt eigentlich einmal nichts tun kannst außer abzuwarten.

Ich wäre glaube ich auch ziemlich geschockt. Habt ihr denn so richtig darüber gesprochen? Vielleicht redet ihr ja auch ein bisschen aneinander vorbei?
Vielleicht würde es euch helfen gemeinsam die, oder eine andere Therapie zu besuchen?

Deine Angst kann ich nachvollziehen und ich bin mir sicher, dass es passieren kann, dass er irgendwann zu der Erkenntnis kommt, dass er dich nicht so liebt, wie er sollte. Das ist schrecklich, aber im Grunde kannst du ihm, glaub ich, keinen Vorwurf machen. Ich denke nicht, dass er das absichtlich gemacht hat, oder?

Ich glaube eher, dass er im Zuge seiner Therapie und eurer Gespräche darauf gekommen ist. Es gibt so viele verschiedene Arten von Liebe. Woher soll man unerfahren und mit der Vorgeschichte deines Mannes wissen, ob das nun die Liebe ist, die es sein sollte, die man da gerade spürt?

Ich kann mir nicht vorstellen, dass jemand mit dem Wissen in eine Beziehung geht, dass er die Partnerin als "Mutterersatz" sieht, dann mit dieser lebt und Kinder zeugt, um dann nach Jahren seine Lüge zu gestehen und - zum. für den Moment - ein Leben zu zerstören. Denn nichts anderes ist es für mich. Das was du gerade verspürst, alle Gefühle, das "...in diesem Moment die Zeit stillgestanden und seither hat sie auch nicht mehr angefangen sich zu bewegen..." ist, glaube ich desshalb, weil dein Leben - so wie du es dir aufgebaut, erhofft, erträumt und genossen hast, mit dieser Aussage ins Wanken geraten ist.

Du hast euer Leben auf eurer gegenseitigen (gleichartigen) Liebe aufgebaut. Die Liebe ist der Grundstock. Darauf kam dann alles andere. Ehe, materielle Dinge, Kinder. Dir ist durch diese Aussage der Baustein seiner Liebe genommen worden und alles andere schwankt.

Aber das gibt sich wieder. Redet darüber, eben vielleicht mit dem/der Therapeut/in oder bei einer Beratung.
Du kannst nichts tun, außer ihm zu helfen, ihm Beiszustehen (in guten, wie in schlechten Zeiten) und hoffen, dass er seine Liebe zu dir als Partnerin (wieder)findet und dich so sieht wie es sein sollte.

Glg, Breeze #liebdrueck

Beitrag von die Zeit steht still 14.03.10 - 22:40 Uhr

Hallo Breeze,

vielen Dank. Es ist ein bisschen so als hättest Du in mein Herz geschaut und die Stücke zusammengesetzt, die ich im Moment nicht halten und schon gar nicht kommunizieren kann.

Es ist genauso. Wir sind schon 13 Jahre zusammen, mit vielen Höhen und Tiefen. Mein Credo war immer: Komme was da wolle, wir sind ein Team, wir können gemeinsam alles schaffen. Aber das bezog sich natürlich auf eine Partnerschaft auf gleicher Augenhöhe. Wahrscheinlich sollte ich eigentlich froh sein, dass jetzt zumindest ganz klar ist, was all die Jahre dieses unterschwellige Gefühl von Distanz ausgelöst hat. Es war immer irgendwie schief. Jetzt ist wenigstens klar warum.

Ich bin mir sicher, dass er sich zu keinem Zeitpunkt extra so verhalten hat und ich glaube, dass mein Mann nahezu genauso geschockt ist, wie ich. Und ja die Erkenntnis kam in einem Gespräch über unsere Schwierigkeiten, in dem wir Erkenntnisse, die aus seiner Therapie und unserer Paarberatung gewonnen haben, mit einander besprochen haben. Aber dennoch hat es mich bis ins Mark getroffen. Meine Basis wankt. Definitiv.

Und die Angst ist so groß, das Vertrauen so schwierig. Ich will diese Rolle nicht. Das ist ein richtiger Alptraum.

Ich liebe meinen Mann von ganzem Herzen, ein Leben ohne ihn liegt ausserhalb meines Vorstellungshorizontes, aber die Angst, dass wir in unseren Bemühungen, um eine echte gemeinsame Zukunft am Ende angelangt sind, weil er (oder wir) dieses Missverhältnis nicht in den Griff bekommen kann oder am Ende nichts übrig bleibt, ist riesengroß und nimmt mir im Moment die Luft zum Atmen.

Wir kämpfen beide schon so lange, dass mir kaum noch Kraft bleibt. Was ist, wenn ich es nicht durchhalte? Wenn ich mich/ ihn/ uns aufgebe? Irgendwie ist von meiner Hoffnung und meinem Optimismus im Moment nicht mehr viel vorhanden.

Liebe Grüße

Beitrag von breeze86 14.03.10 - 23:33 Uhr

Das ist aber ganz logisch, dass dein Optimismus und deine Hoffnungen momentan nicht mehr - oder nicht mehr viel - vorhanden sind. Du befindest dich glaub ich noch ein bisschen im "Schock-Zustand", wenn es dir schwer fällt alles zusammenzufassen und die richtigen Worte zu finden, mit der Situation umzugehen und mit dem momentanen Status klar zukommen, dann kannst du gar nicht nach vorne denken, optimistisch sein und hoffen. Lass das alles mal ein bisschen sacken, komm zur Ruhe, soweit es dir möglich ist. "Schlaf darüber", bzw. "lass ein bisschen Gras darüber wachsen". Mit ein bisschen Abstand schaut die Sache schon nicht mehr ganz so schrecklich aus. Es ist schlimm, kein Zweifel, aber dir wird nicht die Luft zum Atmen geraubt und wenn du mit der Situation im "jetzt" besser klar kommst, kannst du auch wieder an die Zukunft denken. Dann ist es dir vielleicht (oder meiner Meinung nach eher warscheinlich bzw. ganz sicher) wieder möglich zu Hoffen und etwas optimistischer zu sein.

Etwas Hoffnung hast du ja, sonst würdest du die ganze Sache nicht so gründlich und strukturiert durchdenken und nicht hier im Forum posten.
Wenn dein Mann auch geschockt ist, dann braucht ihr ohnehin beide Zeit bis ihr wieder "vernünftig" darüber reden könnt, im Moment würdet ihr euch da nur im Kreis drehen. Er kann ja auch nicht aus und dir nicht auf Druck das geben was du gerne möchtest. Und du kannst nicht damit leben wie es ist. Das ist auch verständlich.

Ihr habt offensichtlich - abgesehen von den von dir angesprochenen Problemen - eine tolle Beziehung. Ihr habt, meiner Meinung nach auf jeden Fall eine feste, freudschaftliche Basis zusätzlich zur Liebe, denn sonst wäre es doch schon vorbei und ihr würdet nicht all diese Schritte tun um eure Beziehung zu retten. Abgesehen davon, dass du ihn liebst, glaube ich, dass er dich auch liebt, er weiß halt - genauso wenig wie du - wieviel davon Liebe (im partnerschaftlichen Sinn) ist und wie viel davon die andere Liebe ist. Aber das findet ihr mit der Zeit sicher heraus und die Umstände (Therapie und Paarberatung) sind auch toll. Euch liegt beiden etwas an dem Erhalt bzw. der Verbesserung eurer Beziehung, sonst hätte schon einer von euch aufgegeben. Ich glaube ehrlich, dass ihr das schafft.

Du hast gesagt, dass die das Vertrauen so schwer fällt. Warum? Er hat dich, soweit ich das als Ausenstehende sagen kann, nicht (wissentlich) belogen, er hat dein Vertrauen eigentlich nicht missbraucht. Fehlt dir vielleicht ein bisschen Vertrauen in dich selbst? Weil du nicht darauf gekommen bist, weil du (deinem Schreiben nach) schon länger diese Diffenrenz gespürt hast, aber nicht auf den Grund gekommen bist, oder kann es auch sein, dass du zusätzlich zu deiner Enttäuschung und deiner Kraftlosigkeit (die finde ich in der Situation selbsterklärend und natürlich ist), auch einfach von dir selbst enttäuscht bist, dass du dein Leben mit einem Mann aufgebaut hast, der dich (im Moment scheinbar) nicht so liebt, wie du ihn und nicht so wie er sollte?
Dich scheint diese Rolle, die dir aufgezwungen wird anzuwiedern. So richtig. Also ich meine, ich wäre auch nicht glücklich mit so einer Situation, bei weitem nicht, aber kann es sein, dass es da in dir ein kleines Problem mit dieser Rolle gibt, für die er eigentlich nichts kann?

Ich will dir jetzt keinesfalls den schwarzen Peter zuschieben. Du kannst nichts dafür, wie dein Mann fühlt. Du kannst nichts für deine und schon gar nichts für seine Vergangenheit. Du tust was du kannst und warscheinlich auch darüber hinaus. Aber man muss mit sich selbst im reinen sein um auf andere wirklich eingehen zu können. Schau, dass es dir wieder besser geht, deinen Kindern gut geht und dann kannst du dich guten Gewissens deinem Mann und eurer Beziehung zuwenden.

Ich drück euch ganz, ganz fest die Daumen und wünsche euch von ganzem Herzen, dass ihr das schafft.

Glg, Breeze

Beitrag von breeze86 14.03.10 - 23:44 Uhr

Achja was ich noch vergessen habe: Meine Oma hat mir einmal vor Jahren einen Spruch geschenkt (eingraviert), den ich mir immer vorsage, wenn ich in einer Situation stecke, die ich ändern will, aber nicht weiß wie und nicht weiß was ich tun kann, selbst verzweifelt bin usw.
Bist jetzt hat es immer geholfen! ;-)

"Ich will das Wort ist mächtig, sagt man es leis und still. Die Sterne holt's vom Himmel, das kleine Wort ich will."

Glg, breeze