Streitereien gehen plötzlich an die Substanz

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Forum: Partnerschaft

Eine dauerhafte Partnerschaft ist eine der größten Herausforderungen unserer Zeit. Lust und Frust liegen da oft nah beieinander. Hier könnt ihr offen ausdrücken, was euch innerlich bewegt.

Beitrag von nurnochmama 14.03.10 - 16:30 Uhr

Hallo zusammen - mein Mann und ich sind seit 5 Jahren verheiratet, haben 2 kleine Kinder. Wir haben immer schon mal gestritten (beide Sturköpfe) aber irgendwie waren das bisher Streiterein, die sich ums das jeweilige Thema drehten, nicht persönlich waren. wenn wir gestritten haben, dann sind auch schonmal die Fetzen geflogen, aber wir waren uns nie lang bös - wir konnten alles besprechen und ausdiskutieren. gut wars.

seit ein paar Wochen hat sich das verändert. Die Streiterein werden persönlich, ich weine dabei häufiger, ich bin danach immer unheimlich betroffen...und habe das Gefühl bei jedem Streit stirbt unsere Liebe ein wenig mehr.

eigentlich gibt es bei uns nur ein Streitthema: das viele Arbeiten meines Mannes (ist selbstständig) und das mangelnde Interesse an unserem Familienleben und insbesondere an mir als Frau. Ich bin hier nur noch Muttertier, wenn ich krank bin, dann muss das irgendwie gehen, wenn er krank ist, nimmt er sich ne Auszeit. ich bin nur noch Putzfrau und Mutter, Gespräche, Unternehmungen, Zärtlichkeiten mit mir gab es schon lange nicht mehr. Wenn wir darüber streiten kann er mich nicht verstehen, das würde er doch alles nicht so meinen. (Eine Affäre schließe ich 100%ig aus - kenne das Arbeitsumfeld zu gut - dafür hat er einfach keine Zeit - so bös das klingt)

ich fühle mich unglücklich, unverstanden und habe Angst, dass diese Streiterein unsere Liebe nachhaltig zerstören können. habt ihr einen Tipp wie man diese Entwicklung aufhalten kann?

LG
mama

PS Bitte keine Vorträge über das Arbeitspensum von Selbstständigen. Das, was mein mann arbeitet geht auf keine Kuhhaut mehr und schadet inzwischen immens seiner Gesundheit. ich weiß und habe Verständnis dafür, dass er - um unsere Zukunft zu sichern - immer mehr arbeiten wird als andere. aber bei 18 Std Tagen, 7x die Woche hört der Spaß wirklich auf...



Beitrag von mamavonyannick 14.03.10 - 18:50 Uhr

Hallo,

ihr habt irgendwie beide Recht. Er, der an sein Geschäft denkt, welches euch ernährt und du, die auch noch mehr möchte als "bloß" gut zu leben.
Wie laufen eure Streitereien ab? Macht ihr euch gegenseitig Vorwürfe? Oder versucht ihr den anderen zu verstehen und gemiensam nach Lösungen zu suchen?

Frag ihn doch mal, wie er sich fühlt. Ob er glaubt, dass alles in der Intensität zu schaffen. Was er für Wünschen für seine Zukunft hat. Wie passt ihr da rein?
Und dann erzähle ihm von deinen Wünschen. Was würdest du gern machen. Wie könnte es laufen, damit du dich wieder gut fühlst. Wäre eine Aushilfe für ihn mgl? Kannst du ihm Arbeit abnehmen (Bürokram)...
Versucht, euer Leben wieder miteinander zu verknüpfen.
Jeder von euch hat Recht, versucht Kompromisse zu machen und aufeinander zuzugehen.

vg, m.


Beitrag von thyme 14.03.10 - 19:36 Uhr

Ich geb dir Recht täglich 18 Stunden zu arbeiten ist nicht mehr normal. Arbeitssucht ist auch eine Sucht. Keine Ahnung, was du da tun kannst. Nichts, wahrscheinlich. Ausser dich vielleicht mal bei einer Beratungsstelle schlau machen?

LG thyme

Beitrag von charlottebronte 15.03.10 - 09:41 Uhr

Hallo!

Ich verstehe Dich nur zu gut. Mein Mann arbeitet nicht ganz so viel und auch nicht selbstständig, aber ist in einer leitenden Position tätig und macht auch mehr Überstunden als erträglich. Wenn er mal pünktlich nach Hause kommt, dann ist das "nur" eine Stunde nach Büroschluss.

Ich komme auch manchmal an meine Grenzen, besonders wenn ich, wie diesen Winter leider, länger und öfter krank bin und trotzdem funktionieren soll. Unser fast dreijähriger Trotzkopf fällt auch nicht in seinen Aufgabenbereich und er lässt entweder alles durchgehen oder reagiert (da selbst gestresst) absolut über. Da kommen dann auch von meiner Seite Vorwürfe, die dann meist im Streit enden, der wenig produktiv ist.

Ich hoffe sehr, dass wir einen Weg aus dieser Situation finden. Zumal ich weiß, dass er auch anders kann. (Mein Mann hat nach langem Hin und Her 2 Monate Elternzeit genommen) In dieser Zeit hat alles gepasst. Wir hatten Zeit und auch mal eine Atmosphäre in der sich Meinungsverschiedenheiten entspannt und ohne Zeitdruck, als ganz sachliche Gespräche klären ließen.

Ich wünsche Dir viel Kraft und auch euch einen Weg aus dieser Situation!



Beitrag von weiß nicht 15.03.10 - 14:03 Uhr

Hallo,

Wir sind auch seit 5 JAhren verheiratet und haben zwei Kleinkinder (3 und 1,5 Jahre).

Tja, wir sind auch Sturköpfe und bei uns hatte es früher schon sehr oft gekracht. Aber der Unterschied zu vorherigen Beziehungen war immer der, dass uns jeder Streit näher zusammengebracht hat, weil durch den Streit vieles geklärt wurde.
Vor ein paar Jahren waren wir bei einer Beratung und die hat uns auch sehr gut getan, für jeden selber und für uns gemeinsam.

Seitdem hatte jede Meinungsverschiedenheit nicht mehr unsere Basis beschädigt.
Aber in letzter Zeit verändert es sich auch bei uns. Mein Mann ist beruflich auch sehr eingespannt und unter der Woche oft weg. Ich arbeite zwei Nachmittage in der Woche und mache eine Zusatzausbildung ca. alle drei Wochenenden (+natürlich Berichte, etc.)

Das geht alles sehr an die Substanz und ich habe das Gefühl, dass es gerade dann oft kracht, wenn es bei mir stressiger ist. Wie soll das blos werden, wenn ich ab September wieder jeden Tag arbeite und wir dann auch noch im Haus umbauen werden.

Mein Mann lebt oft in seiner Welt und sitzt in seiner Freizeit zum Ausgleich viel vor dem PC.
Ich habe keine Ahnung, was noch normal ist und was nicht, nur eine Sache ist seltsam, ich habe nie wirklich Auszeit.
Ich habe 24 Stunden die Verantwortung für die Jungs, außer ich habe Seminar.

Leider können wir die Omas auch nicht noch mehr einspannen, weil sie beide noch berufstätig sind und wir sie schon des Öfteren brauchen, um unsere beruflichen Termine abzudecken....

Tja, wo bleiben wir, wohin mit unserem Stress?
Das schlimmste ist wohl, dass die Wertschätzung verloren geht oder sogar schon gegangen ist.

Ich hoffe immer, dass es in zwei Jahren (Umbau, Ausbildung vorbei) besser wird. Aber was ist, wenn wir uns dann nichts mehr zu sagen haben?

Ich habe keine Ahnung, wie man dem entgegensteuern kann.
Naja, wobei die Vernunft es mir schon sagt:
Zeit für Zweisamkeit schaffen.

Aber dafür haben wir nach all dem Stress und kleinen Streitigkeit oft keinen Nerv.
Klingt blöd.

Ich wünsch Euch und uns, dass wir wieder die Kurve kratzen zu einem schönen Miteinander.

lg