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Archiv des urbia-Forums Politik & Philosophie.

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Forum: Politik & Philosophie

Hier ist der Platz, mit anderen Politik- und Philosophieinteressierten über Parteien, aktuelles politisches Geschehen, Sinnfragen etc. zu diskutieren. Wir bitten insbesondere in diesem Forum um einen sachlichen und konstruktiven Diskussionsstil!

Beitrag von .doctor-avalanche. 15.03.10 - 08:59 Uhr

Mal ein Artikel, an diejenigen gerichtet, die ständig behaupten, es sei kein Geld da für dies oder jenes und damit Sozialneid auf die Ärmsten schüren, die meinen, es sei besser, Deutschland solle sich von "ärmeren" Nachbarn in Europa schnellstens unsolidarisch verabschieden, die keine Zukunft in Europa sehen und die davon reden, dass dieses Land dem Solidarprinzip entsagen müsse, weil man sich das nicht "leisten" könne und schliesslich an jene, die ständig die Dinge im Untergang begriffen sehen möchten .......

http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/0,1518,683193,00.html

Nicht, daß alles supergut wäre aber es läuft vielleicht dann doch besser als man häufig meint....... Aber sich Beklagen macht wahrscheinlich mehr Spaß .....

Beitrag von nele27 15.03.10 - 13:09 Uhr

Das Beklagen scheint mir eine deutsche Krankheit. Laut einer Studie die ich mal gelesen habe, rangieren die Deutschen regelmäßig auf den letzten Plätzen in der Lebenszufriedenheit. Und das als eine der reichsten Nationen #klatsch #augen

Ich habe manchmal, und das ist jetzt ganz ohne Polemik gemeint, das Gefühl uns gehts ZU GUT #schock

Wie kann man nur einen solchen Aufstand machen, wenn es mal nicht immer nur bergauf geht und mal zwar immer noch reiche, aber schlechtere Zeiten angebrochen haben? Da wird gleich alles in Frage gestellt. Ätzend!

Klar habe ich auch was zu meckern - zB an unserer Regierung, die ich nicht gewählt habe. Aber ich würde nie auf die Idee kommen zu sagen uns Deutschen ginge es nicht mehrheitlich gut!

LG, Nele

Beitrag von unipsycho 16.03.10 - 17:30 Uhr

Na ob das jetzt ein Grund zum Jubeln ist... #kratz

>>>Ein weiterer Grund für die Stärke Deutschlands ist der Euro. Der "Economist" schreibt in seiner aktuellen Titelgeschichte: "Man muss bedenken, dass Deutschland einen Teil seines Erfolgs auf Kosten der Nachbarstaaten gemacht hat." Tatsächlich hat Deutschland wie kaum ein anderes Land vom Euro profitiert. <<<

>>>Da ist zum einen die demografische Entwicklung in Deutschland. Die Bevölkerung schrumpft, und so strömen auch weniger junge Menschen auf den Arbeitsmarkt. "Pro Jahr gehen in Deutschland etwa 100.000 Menschen mehr in Rente, ohne dass unten Nachschub kommt", sagt Roland Döhrn vom Rheinisch-Westfälischen Institut für Wirtschaftsforschung. "Das senkt die Arbeitslosenquote um etwa 0,2 Prozentpunkte."<<<

Beitrag von sandycheeks 19.03.10 - 11:19 Uhr

An wen genau möchtest Du Dich denn jetzt wenden? Wer jammert denn? Nenn mal Roß und Reiter. Das wirst Du nicht können. "Der Deutsche" (den gibt es gar nicht, Statistik hin oder her) jammert. Achwas!

Und nun zu diesem Artikel. Wirtschaft ist manchmal ganz schön kompliziert und da verliert man als "Journalist" auch schon mal den Überblick und bringt die Zusammenhänge durcheinander.

Niedrige sog. "Lohnstückkosten" sagen noch nichts über die Produktivität einer Volkswirtschaft aus.

Die demografische Entwicklung: Also es gibt mehr Rentner und weniger junge Arbeitnehmer die "nachrücken" das ist vielleicht gut für den Betrieb x,y, oder z. Volkswirtschaftlich gesehen (und kaum eine Unternehmer denkt volkswirtschaftlich) ist das allerdings bedenklich. Wer soll die ganzen Rentner finanzieren (Stichwort "Generationenvertrag") Und wer finanziert später die Rente der jetztigen Arbeitnehmergeneration? Hm? Also wenn das langfristig volkswirtschaftlich gut ist, dann möchte ich nicht wissen wie die begnadeten Spiegel-Schreiberlinge dann "schlecht" definieren. Volkswirtschaft muß man, im Gegensatz zu Betriebswirtschaft immer mittel- bis langfristig sehen.

Kurzarbeit: Auch das ist betriebswirtschaftlich gesehen ein "Erfolg" entlastet es doch in der Bilanz den Posten "Lohnkosten". Und jetzt richten wir wieder den Blick auf die Volkswirtschaft: Weniger Einkommen für die Arbeitnehmer (Kurzarbeitergeld), weniger Steuereinnahmen für den Staat, weniger Kaufkraft der Konsumenten, weniger Konsum, weniger Absatz für die Produkte die Firma X mit Hilfe der Kurzarbeit kostengünstig herstellt. Et Voilà der Kreis schließt sich. Gleiches gilt für die "moderaten Tarifabschlüsse".

Nicht alleine der Arbeitsmarkt sagt etwas über die Stabiltät einer Wirtschaft aus. Das ist zu kurz gedacht. Es sind auch nicht "die Unternehmen" die den Wirtschaftskreislauf in Gang halten sondern der Endverbraucher. Hat dieser kein Geld, kann er nichts konsumieren, gerät der Wirtschaftsmotor ins Stocken. Das nennt man "Volkswirtschaft" das ist nicht immer einfach zu überblicken, Du blickst es ja auch nicht. Aber lass es Dir halt einfach gesagt sein.

Oh oh und wenn ich sowas hier lese :"Der "Economist" schreibt in seiner aktuellen Titelgeschichte: "Man muss bedenken, dass Deutschland einen Teil seines Erfolgs auf Kosten der Nachbarstaaten gemacht hat.""

dann muss ich mich ernsthaft fragen ob Journalisten ihren Kopf nur haben damit es nicht in den Hals reinregnet.

Deutschland hat keinen Erfolg auf "Kosten der Nachbarstaaten" gemacht, das ist hahnebüchener Unsinn. Deutschland ist der größte Nettozahler der EU, schon vergessen? Und wenn Deutsche Produkte im Ausland gefragt sind, dann ist das gut so. Alle beteiligten Mitgliedsstaaten mussten sich bei der Euro Einführung darüber im klaren sein, was das für die Währungen wie Peseten oder Lira bedeutet. Also kein Grund Deutschland, mit stabiler D-Mark ausgestattet, ein schlechtes Gewissen einreden zu wollen.

Was die Journallie aber wohlweißlich nicht schreibt ist, das deutsche oder zumindest in Deutschland ansässige Unternehmen ihre Produktion nach Ungarn oder Polen verlagern, damit sie billig, billiger am billigsten produzieren könne, um dann aber ihre Produkte zu horrenden Preisen auf dem deutschen Markt verscheuern können. EU machts möglich. Toll! Nochmal zur Erinnerung: Dieses gebahren unterstützt dann Deutschland noch zusätzlich irrwitziger Weise mit den Beiträgen die es an die EU entrichtet.

Aber das macht ja alles nichts, es geht uns ja doch irgendwie gut. Getreu nach dem Motto: "Wir sind ein armes Land, aber Geld spielt keine Rolle".